Allgemeine Psychologie für Bachelor: Denken - Urteilen, Entscheiden, Problemlösen

betsch_cover.png

Allgemeine Psychologie für Bachelor: Denken - Urteilen, Entscheiden, Problemlösen

ISBN: 
978-3-642-12473-0

Die allgemeine Psychologie in 4 kompakten Bänden! – Stellen Sie sich je nach Studien- und Prüfungsschwerpunkten aus dieser neuen Reihe die Module zusammen, die Sie benötigen. Dieser Band enthält alle prüfungsrelevanten Themen des Faches „Denken“: Im Teil „Entscheiden“ werden die zentralen Phasen des Entscheidungsprozesses vorgestellt, von der Informationssuche über Bewertungsprozesse bis zu den Effekten einer getroffenen Entscheidung. Im zweiten Teil „Urteilen“ lernt der Leser die menschlichen Strategien und Regeln der Urteilsbildung kennen und wie Urteile sozial, emotional und motivational beeinflusst werden. Theorien und spannende Phänomene des „Problemlösens“ bilden Teil 3 des Bandes.

Weiterlesen

Die prüfungsrelevanten Themen des Faches sind vollständig abgedeckt und sehr lernfreundlich aufbereitet durch zahlreiche Fallbeispiele, Bezüge zur Berufspraxis, Definitionen, Lernziele, Kontrollfragen und vertiefende Literatur. Das Buch ist gleichzeitig sehr kompakt: eine ausführliche Randspalte (fast-track) bietet das Wichtigste in Kürze – damit auch unter Zeitdruck alles Wesentliche hängenbleibt.

Datei: 
AnhangGröße
PDF icon betsch_leseprobe.pdf1.2 MB
Datei: 
AnhangGröße
PDF icon betsch_inhaltsverzeichnis.pdf4.84 MB
BegriffErklärung
Adaptive/heuristische WerkzeugkisteBezeichnet ist ein von Gerd Gigerenzer geprägtes Konzept, nach dem Menschen über eine Reihe von Heuristiken verfügen, die ihnen die Anpassung an verschiedene Urteils-, Entscheidungs- und Problemlösesituationen erlauben.
Adaptive StrategieselektionWenn Entscheidungsstrategien in Abhängigkeit von den Merkmalen der Situation so ausgewählt werden, dass der kognitive Aufwand minimiert und die Entscheidungsqualität maximiert wird.
Affect-Infusion-ModelDas Affect-Infusion-Model von Joseph Forgas bietet eine integrative theoretische Perspektive, in der die Effekte von positivem und negativem Affekt in Abhängigkeit von Motiven, bzw. den jeweils verfolgten Zielen, thematisiert wird.
AffektSiehe „Gefühl“
AffektheuristikBei bestimmten Entscheidungsstrategien, wie der Affektheuristik, folgt die Entscheidung in erster Linie den Gefühlen, die angesichts der Optionen in der Person entstehen.
Weitere Begriffe
Zurück
Frage 1 von 71
Weiter
  • Wie wird Urteilen definiert?

    Lösung

    Als Urteilen bezeichnet man einen psychologischen Bewertungsprozess bezogen auf Urteilsobjekte, wobei sich die Bewertung auf die Zuordnung des Urteilsobjektes auf einer Urteilsdimension bezieht und das daraus resultierende Urteil explizit zum Ausdruck gebracht wird. Urteilsobjekte sowie Urteilsdimensionen können dabei sehr vielgestaltig in Erscheinung treten.
  • Was ist der Unterschied zwischen Urteilen und Entscheiden?

    Lösung

    Die wichtigste Abgrenzung von Urteilen und Entscheiden besteht darin, dass in der Psychologie ein Urteil unabhängig von resultierender Handlungskonsequenz betrachtet wird, wobei beim Prozess des Entscheidens eine konkrete Wahl aus mindestens zwei Optionen getroffen wird, also eine Handlungskonsequenz vorliegt.
  • Welche Arten von Urteilen lassen sich unterscheiden?

    Lösung

    Es lassen sich vier Klassen von Urteilen unterscheiden, welche nach entsprechenden Inhaltsbereichen kategorisiert sind: evaluative, prädiktive, Häufigkeits- und Wahrheitsurteile. Eine weitere Klasse sind soziale Urteile, wenn es sich bei dem Urteilsobjekt um eine Person, eine Personengruppe oder das Selbst handelt.
  • Womit beschäftigt sich der Social-Cognition-Ansatz?

    Lösung

    Der Social-Cognition-Ansatz beschäftigt sich unter besonderer Berücksichtigung der einzelnen Stufen der Informationsverarbeitung damit, wie Menschen sich selbst und andere Personen beurteilen. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Analyse systematischer Urteilsfehler, sog. kognitiven Täuschungen.
  • Was zeichnet ein informationsverarbeitendes Modell aus?

    Lösung

    Informationsverarbeitende Modelle zeichnen sich vor allem durch die Annahme einer sequenziellen, also zeitlich geordneten, Informationsverarbeitung aus, wobei auf jeder Stufe der Verarbeitung bestimmte Operationen durchgeführt werden, bevor es zur Weiterleitung auf die nächst höhere Stufe kommt.
  • Was wird nach der Signalentdeckungstheorie als Reaktionskriterium bezeichnet?

    Lösung

    Als Reaktionskriterium bezeichnet man die Tendenz, dass Personen bei verschiedenen Fehlerarten eine unterschiedliche Gewichtung des Risikos vornehmen, diesen Fehler zu begehen.
  • Was macht Informationen „salient“?

    Lösung

    Eine Information ist salient, wenn sie sich vom umgebenden Kontext durch ihre Unterschiedlichkeit und Auffälligkeit abhebt.
  • Worin unterscheiden sich nach dem Linsenmodell ökologische Validität und Cue-Nutzung?

    Lösung

    Bei der ökologischen Validität ist es von Bedeutung, ob die zur Verfügung stehenden Cues relevante Hinweisreize liefern, wohingegen es bei der Cue-Nutzung darum geht, ob tatsächlich valide Cues auf angemessene oder falsche Weise genutzt werden.
  • Welche Ursache haben nach dem Stichprobenansatz sozialer Urteile mögliche Urteilsfehler?

    Lösung

    Eine Ursache von Verzerrungen wird darin gesehen, dass es bei der Stichprobenauswahl zu systematischen Selektionsprozessen kommt und somit die angenommene Zufallsstichprobe nicht gegeben ist.
  • Worin unterscheidet sich die positive Teststrategie von einer Bestätigungstendenz?

    Lösung

    Mit einer positiven Teststrategie wird es bezeichnet, wenn Personen bei der Überprüfung von Hypothesen sich an einem in der Hypothese positiv erwähnten Sachverhalt orientieren. Dieses kann, muss aber nicht zu einer Bestätigungstendenz führen, d. h. zu der Bestätigung einer Hypothese trotz widerlegender Informationen.
  • Welche Urteilsnorm lässt sich auf die Schätzung bedingter Wahrscheinlichkeiten anwenden?

    Lösung

    Bei der Suche nach der Wahrscheinlichkeit einer Hypothese bei nur begrenzter Datenmenge findet das Bayes-Theorem als das am weitesten verbreitete normative System für Wahrscheinlichkeitsurteile Anwendung.
  • Was wird als eine kognitive Täuschung bezeichnet?

    Lösung

    Als kognitive Täuschungen bezeichnet man systematische Fehlurteile, welche durch Anwendung von vor allem verkürzten Urteilsstrategien – Heuristiken – entstehen können. Allerdings können diese ebenso einer Anpassungsfunktion des Menschen an die komplexe Umwelt dienen.
  • Was wird unter einer häufigkeitsbedingten illusorischen Korrelation verstanden?

    Lösung

    Die gleiche relative Häufigkeitsverteilung kann in einer großen Stichprobe besser erkannt werden als in einer kleinen Stichprobe. Daraus kann fälschlicherweise ein Zusammenhang zwischen Merkmalsausprägung und Gruppenzugehörigkeit konstruiert werden, wenn sich die beobachteten Gruppen in der Größe unterscheiden (z. B. Majorität vs. Minorität).
  • Welche zentralen Allzweckheuristiken verwenden Menschen bei Urteilen unter Unsicherheit?

    Lösung

    Es gibt drei Heuristiken, welche nachweislich beim Urteilen unter Unsicherheit angewendet werden: die Verfügbarkeitsheuristik, bei der Leichtigkeit und Schnelligkeit des Abrufs von Informationen von Bedeutung sind, die Repräsentativitätsheuristik, bei welcher Urteile über ein Ereignis darüber getroffen werden, wie repräsentativ dieses ist, und die Anker- oder Anpassungsheuristik, bei welcher zur Urteilsbildung ein gegebener oder generierter Anker verwendet wird.
  • Welche Faktoren haben einen Einfluss darauf, ob eher eine heuristische oder eine systematische Urteilsstrategie angewendet wird?

    Lösung

    Systematische Urteilsbildung kann nur dann zur Anwendung kommen, wenn genügend kognitive Kapazitäten zur Verfügung stehen und wenn eine entsprechende Motivation vorhanden ist, diesen Prozess einzusetzen. Beim Einsatz kognitiver Heuristiken werden hingegen wesentlich weniger Ressourcen benötigt und der Prozess der Verarbeitung kann teilweise sogar automatisch ablaufen.
  • Was wird unter dem Begriff der Akzentuierung bei der Kategorisierung von Urteilsobjekten verstanden?

    Lösung

    Von Akzentuierung spricht man, wenn es bei der Bildung von Kategorien zu einer Überhöhung der Bedeutung von Unterschieden zwischen den Kategorien kommt, wobei gleichzeitig die Objekte innerhalb einer Kategorie als ähnlicher bewertet werden.
  • Was wird als Recency-Effekt bei der Eindrucksbildung bezeichnet?

    Lösung

    Der Recency-Effekt besagt, dass Informationen, die zuletzt dargeboten werden, ein Urteil stärker beeinflussen als vorherige Informationen. Laut Belief-Adjustment-Modell tritt der Recency-Effekt bei einem Bewertungstyp mit Zwischenurteilen auf, wohingegen es bei einer Bewertungsform ohne Zwischenurteile zu einem Primacy-Effekt kommt.
  • Was zeichnet die Heuristiken aus der Adaptive Toolbox aus?

    Lösung

    Die Heuristiken, die in der Adaptive Toolbox enthalten sind, zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine Aufgabe in kurzer Zeit lösen können, dabei mit wenig Informationen auskommen und die in der Umwelt enthaltenen Informationen bestmöglich ausschöpfen.
  • Wie kann man über Nacht berühmt werden?

    Lösung

    Man müsste die Untersuchungsreihe von Jacoby, Woloshyn und Kelley (1989) replizieren, dabei allerdings den eigenen Namen in die Liste der unbekannten Namen der Phase 1 mischen und nachfolgend in Phase 2 mit den Namen einiger Prominenter vermischen, wodurch die Metakognitionen der Probanden beeinflusst werden. Man könnte sich vorher überlegen, ob man lieber Schauspieler, Musiker oder Politiker wäre, und nur Prominente der Wunschkategorie verwenden.
  • Welche beiden verschiedenen Aspekte des Informationsabrufs lassen sich bei der Verfügbarkeitsheuristik unterscheiden?

    Lösung

    Die subjektiv erlebte Leichtigkeit des Abrufs und die Menge erinnerter Informationen sind die zu berücksichtigenden Aspekte für die Anwendung von Verfügbarkeitsheuristiken, wobei es Evidenzen für die Dominanz der Leichtigkeit des Abrufs gegenüber der Menge von vorhanden Informationen gibt, solange nicht auf externale Quellen attribuiert werden kann.
  • Welche Motive können neben dem Bedürfnis nach Genauigkeit bei Urteilen verfolgt werden?

    Lösung

    Beispielsweise das Motiv, seinen Selbstwert zu erhöhen oder mit sich selbst konsistent zu sein.
  • Warum beziehen sich Untersuchungen zum Einfluss von Emotionen auf Urteile vor allem auf Stimmungseinflüsse?

    Lösung

    Da Stimmungen weniger intensiv und länger andauernd sind als Emotionen, sowie nicht zwingend ein Bezugsobjekt aufweisen und somit besser zu manipulieren und zu untersuchen sind.
  • Welche Tendenzen der Informationsverarbeitung unterscheidet das Affect-Infusion-Modell?

    Lösung

    Das Affective-Infusion-Modell unterscheidet zwischen konstruktiver Informationsverarbeitung, welche nicht auf ein konkretes Ereignis ausgerichtet ist und stimmungskongruent verläuft, und motivierter Informationsverarbeitung, bei welcher Affekte eine untergeordnete Rolle spielen.
  • Welche zentralen Annahmen charakterisieren die Embodied-Cognition-Perspektive?

    Lösung

    Die zentrale Annahme der Embodied-Cognition-Perspektive bezieht sich auf eine postulierte Geist-Körper-Umwelt-Interaktion, weswegen bei der Betrachtung von Urteilsprozessen sensorischen und motorischen Systemen eine große Bedeutung beigemessen wird.
  • Erläutern Sie am Beispiel einer riskanten Alltagsentscheidung die Struktur von Entscheidungssituationen. Stellen Sie Ihr Beispiel im Entscheidungsbaum dar.

    Lösung

    Ein Beispiel für eine riskante Alltagsentscheidung könnte die Entscheidung für oder gegen die Teilnahme an einem Fitnesskurs sein. Elemente der Entscheidungssituation sind Optionen, also z. B. einen Kurs zu belegen oder nicht zu belegen. Ein weiteres Element sind die Konsequenzen, z. B. der Gewinn an Fitness. Wir können den Konsequenzen jeder Option eine Wahrscheinlichkeit zuordnen (deshalb handelt es sich hier um eine „riskante“ Entscheidung, Abschn. 7.2). Das Eintreten der Konsequenzen hängt zusätzlich von Ereignissen (oder Zuständen) ab. Beispielsweise könnte eine Krankheit oder Verletzung die körperliche Fitness ebenso beeinflussen. Die Struktur von Entscheidungssituationen, ihre Elemente und deren Relationen, lassen sich grafisch darstellen. Wie in der obigen Abbildung dargestellt, werden Wahlpunkte als Quadrat gekennzeichnet, von welchem die verschiedenen Optionen ausgehen. Jede Option endet mit einem Dreieck, welches die Konsequenz symbolisiert. Kreise kennzeichnen Ereignisse, welche den Ausgang einer Option in mehrere mögliche Konsequenzen teilt.
  • Diskutieren Sie die Grenzen der Wert-Erwartungs-Theorie am Beispiel des St.-Petersburg-Paradoxes.

    Lösung

    Das St.-Petersburg-Paradox wurde von Daniel Bernoulli in die Entscheidungsforschung eingeführt und beschreibt eine Lotterie, welche nach den Vorhersagen der Wert-Erwartungs-Theorie einen unendlich großen Erwartungswert hat. Tatsächlich setzen Personen aber nur sehr geringe Beträge, um diese Lotterie zu spielen (Abschn. 7.3). Nach der Wert-Erwartungs-Theorie setzt sich der Erwartungswert einer Option multiplikativ aus ihrer objektiven Wahrscheinlichkeit und dem objektiven (also linear ansteigenden) Anreiz zusammen. Wie Bernoulli zeigen konnte, verletzen Personen die Vorhersagen der Wert-Erwartungs-Theorie und entscheiden nicht rational nach objektiven Kriterien. Die Theorie hat also eine begrenzte Vorhersagekraft darüber, wie Menschen tatsächlich entscheiden; sie beschreibt dagegen vielmehr ein Ideal menschlichen Entscheidungsverhaltens. Als normative Theorie (Abschn. 7.4) ist sie für die Entscheidungsforschung aber dennoch von enormer Bedeutung. Übrigens fand Bernoulli auch einen Weg, wie man das tatsächliche Entscheidungsverhalten von Personen für das St.-Petersburg-Paradox auch mit der Erwartungs-Wert-Theorie vorhersagen kann, indem man für Wahrscheinlichkeit und Wert die von Personen subjektiv wahrgenommenen Entsprechungen verwendet. Beispielsweise ergibt sich der Anreiz dann aus einer logarithmischen statt einer linearen Funktion. Der sich daraus ergebende subjektive Erwartungswert wurde von Bernoulli auch als Nutzen bezeichnet (Abschn. 7.3). Man könnte aber auch die Aussagekraft des empirischen Befundes anzweifeln. Die Lotterie wir nur einmal gespielt. Was würde passieren, wenn man sich die Möglichkeit zur mehrmaligen Teilnahme „kaufen“ könnte? Vielleicht würden Personen viel höhere Beträge investieren, um das Spiel zu spielen und sich so eher „rationalen Prinzipien“ annähern.
  • Wie könnte man das Lotterieparadigma weiterentwickeln, um Prozesse der prä- und postselektionalen Phase zu untersuchen?

    Lösung

    Das Lotterieparadigma ist eine typische Untersuchungsmethode der empirischen Entscheidungsforschung. Dabei werden den Probanden mehrere Optionen von Lotterien, deren Werte und Wahrscheinlichkeiten vorgegeben, um damit Prozesse der Informationsintegration in der selektionalen Phase (Abschn. 7.5.1) zu untersuchen. In alltäglichen Entscheidungssituationen lässt sich aber zusätzlich noch eine prä- und eine postselektionale Phase (Abschn. 7.5.2 und 7.5.3) betrachten, in denen auch für die Entscheidung relevante Prozesse ablaufen. In der präselektionalen Phase muss beispielsweise eine Entscheidungssituation zunächst als solche identifiziert und dann müssen alle entscheidungsrelevanten Informationen gesucht werden. In der postselektionalen Phase sind Lernprozesse zentral, durch welche die Konsequenzen der getroffenen Entscheidung zukünftige Entscheidungen beeinflussen können. Eine Erweiterung des Lotterieparadigmas könnte so aussehen, dass die Versuchspersonen die Wahrscheinlichkeiten für eine Option erst selbst bestimmten müssen, z. B. indem sie mehrere Lotterien ausprobieren dürfen, bevor sie sich für eine entscheiden. Oder man gibt den Probanden vor dem Spielen des St.-Petersburg-Paradoxes die Möglichkeit, selbst die Münze einige Male zu werfen, bevor sie ihren Einsatz für das Spiel festlegen. Um Lernprozesse in der postselektionalen Phase zu untersuchen, könnte man die Probanden mehrere Entscheidungen treffen lassen und ihnen nach jeder Entscheidung Feedback über die Konsequenzen ihrer Wahl geben. Den Versuchsaufbau könnte man beliebig variieren, indem man gleiche oder andere Optionen für eine darauffolgende Entscheidung darbietet oder den zeitlichen Abstand zwischen den Entscheidungen manipuliert.
  • Illustrieren Sie an Beispielen, nach welchen Prinzipien man bei rationalen Entscheidungen vorgehen sollte.

    Lösung

    Mit der Axiomatisierung der Entscheidungstheorie wurden Prinzipien definiert, denen rationale Entscheidungen folgen sollten. Aus den Kernannahmen der Nutzentheorie wurden vier zentrale Prinzipien abgeleitet: Das Prinzip der (1) vollständigen Ordnung, (2) Unabhängigkeit, (3) Dominanz und (4) Invarianz. Das Prinzip der vollständigen Ordnung bedeutet, dass Optionen hinsichtlich ihrer Präferenz vergleichbar sind und die Ordnung ihrer Präferenz transitiv ist. Beispielsweise kann die Kaufentscheidung für ein neues Handy dann als rational angesehen werden, wenn zum einen alle Optionen gleich waren und nicht etwa eines der Geräte an den Abschluss eines Mobilfunkvertrages gebunden war und zum anderen Sie eine feste Reihenfolge der Handys bestimmen können (wenn Sie Handy A besser finden als Handy B und dieses wiederum besser als Handy C, dann sollte Handy A auch im Paarvergleich mit Handy C gewinnen). Wenn Sie Fußball lieber spielen als Badminton, jedoch Badminton immer noch einer Runde Schach vorziehen würden, sollten sie Fußball auch dem Schach spielen vorziehen. Das Prinzip der Unabhängigkeit besagt, dass sich diese Reihenfolge der Handys nicht ändern sollte, wenn Sie zusätzlich bei allen Geräten eine monatliche Gutschrift von 5 Euro erhalten würden. Ihre Präferenz für Schokoladenkuchen gegenüber Sahnetorte sollte nicht davon abhängig sein, ob sie dazu in jedem Falle noch eine Tasse Kaffee trinken. Das Prinzip der Dominanz besagt, dass sie das Handy kaufen sollten, welches den größten erwarteten Nutzen bringt, also jenes welches ihnen am besten gefällt (nach den vorhergehenden Prinzipien also Handy A). Wenn Sie vor der Entscheidung stehen, ob sie in den Semesterferien ein Praktikum absolvieren anstatt in den Urlaub zu fahren, sollten Sie ebenfalls die Option mit dem größten erwarteten Nutzen wählen. Das Prinzip der Invarianz besagt, dass sich ihre Präferenz nicht ändern sollte, wenn Sie die drei Handys einmal im Schaufenster eines Ladens sehen und einmal im Internet (bei gleicher Darstellung der übrigen Informationen wie Preis, technische Daten etc.)
  • Was versteht man unter dem Allais-Paradox?

    Lösung

    Das Allais-Paradox beschreibt ein Szenario, bei dem Menschen das Prinzip der Unabhängigkeit systematisch verletzen, also ihre Präferenz bei zwei aufeinander folgenden, strukturgleichen Entscheidungen ändern (Abschn. 8.2.2). Das Szenario besteht aus zwei aufeinander folgenden Entscheidungen zwischen jeweils zwei Lotterien. In der ersten Aufgabe entscheiden die Personen zwischen einer Lotterie A mit einem sicheren Gewinn und einer Lotterie B mit einem beträchtlich höheren Gewinn, der aber gering wahrscheinlich ist. Personen präferieren hier Lotterie A. In der zweiten Aufgabe sind beide Lotterien unsicher und führen mit derselben Wahrscheinlichkeit zu keinem Gewinn. Die Auszahlungsstruktur bleibt ansonsten gleich zur ersten Aufgabe. Nun findet man jedoch, dass Personen Lotterie B präferieren, obwohl es sich nach Streichen der gleichen Konsequenz des Nichtgewinnens (diese sollte die Präferenz nicht beeinflussen) bei den beiden Aufgaben um identische Entscheidungen handelt.
  • Welche Vorhersagen ergeben sich aus dem Verlauf der Wertfunktion der Prospect Theory für menschliche Entscheidungen?

    Lösung

    Die Wertfunktion der Prospect Theory verläuft im positiven Bereich (bei Gewinnen) konkav, das bedeutet bei kleinen Gewinnen steigt sie zunächst stark an, wird aber flacher, je weiter man sich vom Referenzpunkt (situationsabhängiger Nullpunkt) wegbewegt, was auch als abnehmender Grenznutzen bezeichnet wird. Im negativen Bereich (bei Verlusten) verläuft die Funktion konvex, das bedeutet im Bereich kleiner Verluste fällt sie zunächst stark ab, aber der negative Anstieg wird etwas geringer, je weiter man sich vom Referenzpunkt wegbewegt. Ein wichtiges Merkmal ist jedoch, dass die Kurve im Bereich von Verlusten steiler verläuft als im Bereich von Gewinnen (Abschn. 8.3.2). Eine Vorhersage, die sich aus den verschieden steilen Verläufen rechts und links vom Referenzpunkt ergibt, ist die Verlustaversion. Menschen sollte ein Verlust eines Betrages mehr schmerzen, als sie ein Gewinn des gleichen Betrages erfreuen würde. Aus dem S-förmigen Verlauf der Wertfunktion lässt sich außerdem auf das Risikoverhalten schließen. Bei Gewinnen versuchen Personen Risiko zu vermeiden, während sie bei Verlusten das Risiko suchen. Da ein größerer Gewinn laut Wertfunktion subjektiv nicht proportional mehr Wert ist (abnehmender Grenznutzen), wird ein sicherer kleinerer Gewinn einem unsicheren großen Gewinn vorgezogen. Bei Verlusten ist es umgekehrt: Ein doppelter Verlust ist nicht gleich doppelt so schmerzhaft (abnehmende „Grenzkosten“), weshalb eine unsichere Option mit einem höheren Verlust einen subjektiv höheren Erwartungswert hat, als ein sicherer kleiner Verlust (s. Beispiele unter Abschn. 8.3.2).
  • Wie kann man den Framing-Effekt mit der Prospect Theory erklären?

    Lösung

    Die „Asian-Disease“-Aufgabe wurde als ein klassisches Beispiel für Framing-Effekte und die Verletzung des Prinzips der Invarianz vorgestellt (Abschn. 8.2.4). Mithilfe der Prospect Theory kann diese Verletzung durch die Verschiebung des Referenzpunktes der Wertfunktion erklärt werden. Die Wertfunktion besitzt keinen absoluten Nullpunkt, sondern einen Referenzpunkt, der sich je nach Situation bzw. je nach Framing verschiebt. Im Verlust-Framing der „Asian Disease“-Aufgabe wird davon gesprochen, wie viele Menschen sterben, weshalb der derzeitige Stand von null getöteten Menschen den Referenzpunkt bildet. Da die Wertfunktion im Bereich von Verlusten konvex verläuft, sind Personen risikofreudiger und präferieren die riskantere Option mit größeren Verlusten (Abschn. 8.3.2). Im Gewinn-Framing geht es darum, wie viele Menschen gerettet werden könnten, weshalb hier die maximale Anzahl von getöteten Menschen als Referenzpunkt angenommen wird. Da die Wertfunktion im Bereich von Gewinnen konkav verläuft, werden Personen risikoaversiv und präferieren die sichere Option mit kleineren Gewinnen (Abschn. 8.3.2).
  • Nehmen Sie Stellung zu folgender Behauptung: Begrenzte Rationalität bedeutet, dass Menschen zu dumm sind, um gute Entscheidungen zu fällen.

    Lösung

    Das Konzept der begrenzten Rationalität wurde von Herbert Simon eingeführt, um den bis dato geltenden Nutzentheorien ein Verhaltensmodell gegenüberzustellen (Abschn. 9.1). Er kritisierte an der Theorie der Nutzenmaximierung, dass sie eine vollständige Informationsverarbeitung vom Menschen verlangt, welche aus rein pragmatischen Gründen nicht möglich ist. Die Hauptaussage hinter seinem Konzept ist jedoch konträr zur Behauptung, dass Menschen zu dumm seien, um gute Entscheidungen zu fällen. Vielmehr stellt er das Vermögen des Menschen trotz beschränkter Verarbeitungskapazität und anderer Einschränkungen (z. B. Informationsmangel) kluge Entscheidungen zu treffen, als einen bedeutenden Anpassungsvorteil des Menschen dar. Ohne Prozesse und Strukturen, welche diese Anpassung an die Umwelt ermöglichen, hätte der Mensch in der Evolution wahrscheinlich nicht so gut bestehen können.
  • Zeigen Sie am Beispiel einer kompensatorischen und einer nichtkompensatorischen Strategie, wie man deren Verwendung empirisch nachweisen kann.

    Lösung

    Typisch für eine kompensatorische Strategie ist, dass sich die Werte von Konsequenzen innerhalb einer Option gegenseitig ausgleichen können: Bei der Maximierungsregel werden zuerst die Gesamtwerte jeder einzelnen Option gebildet, bevor die Optionen hinsichtlich ihres Nutzens verglichen werden. Bei nichtkompensatorischen Strategien werden die Optionen direkt hinsichtlich einzelner Merkmalsdimensionen verglichen. Dadurch wird verhindert, dass sich die Werte innerhalb einer Option ausgleichen können. Die Verwendung dieser Strategien kann man mit verschiedenen Methoden nachweisen (Abschn. 9.2.2). Eine der bekanntesten ist das Mouselab, in welchem die Werte der Konsequenzen von mehreren Optionen gleichzeitig verdeckt präsentiert und dann die Schritte der Informationssuche verfolgt werden (z. B. in welcher Reihenfolge die Personen die Konsequenzen aufdecken und betrachten). Werden zunächst alle Konsequenzen einer Option betrachtet, deutet das darauf hin, dass die Person eine kompensatorische Strategie verwendet. Werden hingegen immer die Optionen hinsichtlich ihrer Werte einer Konsequenz verglichen, handelt es sich um eine nichtkompensatorische Strategie. Eine neuere Methode ist die Aufzeichnung von Blickbewegung, bei der direkt aufgezeichnet werden kann, in welcher Reihenfolge Personen Konsequenzen spontan betrachten.
  • Welche methodische Kritik kann man gegen das Mouselab vorbringen?

    Lösung

    Durch die verdeckte Darstellung der einzelnen Konsequenzen werden die Personen gezwungen, die Informationen nacheinander (sequenziell) zu betrachten und zu integrieren. Gleichzeitig wird verhindert, dass Personen die Informationen holistisch verarbeiten. Methodisch ist dieses Vorgehen kritisch zu betrachten, da es die Verwendung von analytischen, sequenziellen Entscheidungsstrategien begünstigt. Außerdem ist das Mouselab eine sehr künstliche Entscheidungsumwelt, die so außerhalb des Labors kaum anzutreffen sein wird.
  • Diskutieren Sie folgende Behauptung: Metakalkül-Modelle sind zwar dem Konzept der begrenzten Rationalität verpflichtet, geben aber das Maximierungsprinzip nicht auf.

    Lösung

    Metakalkül-Modelle postulieren, dass Menschen über ein Repertoire an verschiedenen Entscheidungsstrategien verfügen, aus denen sie situationsabhängig wählen, indem sie wiederum Vor- und Nachteile dieser Strategien abwägen. Strategiewahl ist also letztendlich eine Entscheidung auf einer höheren Ebene. Damit gelten für sie im Prinzip die gleichen Bedingungen wie für Entscheidungen der darunter liegenden Ebene: Der Mensch hat eine begrenzte Verarbeitungskapazität und es liegen bestimmte Einschränkungen, wie Informationsmangel und andere Person-Umwelt-Faktoren, vor. Die Entscheidung zwischen multiplen Entscheidungsstrategien ist somit dem Modell der begrenzten Rationalität verpflichtet. Dennoch wird der Mensch entsprechend seiner begrenzten Ressourcen versuchen, das Ergebnis seiner Entscheidungen zu optimieren. Das bedeutet, er wird versuchen, die Strategie zu wählen, welche angesichts seiner Ressourcen das bestmögliche Ergebnis verspricht. So wird er beispielsweise abhängig von seinen zeitlichen Kapazitäten eine mehr oder weniger aufwendige Strategie wählen. Maximierung bedeutet vor dem Hintergrund der begrenzten Rationalität also das bestmögliche Kosten-Nutzen-Verhältnis und Optimierung des Prozesses der Entscheidung, welcher nicht nur die Bewertung und Selektion, sondern auch den Umgang mit der Aufgabe des Entscheidens selbst sowie die Informationssuche beinhaltet.
  • Welchen Erkenntnisgewinn erbringen die Theorien multipler Entscheidungsstrategien? Wo liegen ihre Grenzen?

    Lösung

    Theorien multipler Entscheidungsstrategien gehen davon aus, dass der Mensch im Laufe seiner Sozialisation eine Reihe von Entscheidungsstrategien erwirbt, welche er situationsspezifisch anwendet. Sie erweitern also den Entscheidungsprozess um den vorgelagerten Schritt der Informationssuche, dem bis dahin nur wenig Beachtung geschenkt wurde. Weiterhin versuchen diese Modelle spezifische Vorhersagen darüber zu treffen, unter welchen Bedingungen bestimmte Strategien der Informationssuche zum Einsatz kommen. Die Grenzen der Ansätze liegen bis dato in ihrer tatsächlichen Vorhersagekraft. Besonders für unbekannte Entscheidungssituationen gibt es bisher kein Modell, welches die Strategiewahl mit ausreichender Genauigkeit vorhersagt. Es bleibt fraglich, ob die postulierten Prozesse der Strategiewahl zukünftig überhaupt eine ausreichend genaue Vorhersage zulassen. Studien haben jedoch bereits belegt, dass Entscheiden als adaptiver Prozess verstanden werden kann. Deshalb ist die Weiterentwicklung und Erweiterung der bisherigen Modelle eine wichtige Aufgabe zukünftiger Entscheidungsforschung.
  • Erläutern Sie, wie sich Entscheidungen auf Basis eigener Erfahrung und Entscheidungen auf Basis von Beschreibungen unterscheiden. Diskutieren Sie die Bedeutung dieser Befunde für die Entscheidungstheorie.

    Lösung

    Bei Entscheidungen auf Basis eigener Erfahrungen wird das Wissen über die Optionen (z. B. die Wahrscheinlichkeit von Konsequenzen) selbst direkt erworben. Bei beschreibungsbasierten Entscheidungen hingegen werden die relevanten Informationen vorgegeben, z. B. schriftlich dargeboten. Bei erfahrungsbasierten Entscheidungen scheinen Personen auf andere Weise systematisch von der normativen Erwartungs-Wert-Theorie abzuweichen, als bei beschreibungsbasierten Entscheidungen. Beispielsweise neigen Personen dazu, in erfahrungsbasierten Entscheidungen kleine Wahrscheinlichkeiten zu unterschätzen und mittlere Wahrscheinlichkeiten zu überschätzen. Das umgekehrte Befundmuster findet sich bei beschreibungsbasierten Entscheidungen (Abschn. 8.3.3). Gegenläufige Befundmuster für erfahrungsbasierte und beschreibungsbasierte Entscheidungen stellen eine Herausforderung für bestimmte Theorien wie z. B. die Prospect Theory dar. Diese konnte bisher eine Reihe von systematischen Abweichungen im menschlichen Entscheidungsverhaltens von der normativen Wert-Erwartungs-Theorie erklären. Jedoch scheinen ihre Vorhersagen in erster Linie auf beschreibungsbasierte Entscheidungen und nicht auf erfahrungsbasierte Entscheidungen zuzutreffen.
  • Inwiefern beeinflusst der Besitz eines Gutes nachfolgende Verkaufsentscheidungen? Welche theoretischen Erklärungen bieten sich dafür an?

    Lösung

    Der Besitz eines Gutes erhöht dessen Wert für seinen Besitzer, was als Besitztumseffekt („mere ownership effect“ oder „endowment effect“) bezeichnet wird. Durch den erhöhten Wert wird der Besitzer sein Gut nicht zum mittleren Marktpreis, sondern nur für einen entsprechend höheren Preis verkaufen wollen. Der tatsächliche Wert des Gutes wird allerdings von den potenziellen Käufern niedriger eingeschätzt, weshalb sie systematisch weniger für das Gut bieten, als der Verkäufer für das Gebot verlangt. Dadurch kommt es seltener zum Verkauf des Gutes als nach der ökonomischen Theorie zu erwarten wäre, was unter Ökonomen als „undertrading“ bezeichnet wird (Abschn. 10.3). Zur Erklärung des Besitztumseffekts können die Prospect Theory oder die Theorie kognitiver Dissonanz herangezogen werden. Nach der Prospect Theory ist der Verlauf der Wertfunktion im Bereich von Verlusten steiler als bei Gewinnen (Abschn. 8.3.2). Bei einem Verkauf sollte deshalb ein Gut immer einen höheren subjektiven Wert besitzen als objektiv bei dessen Erwerb. Nach der Dissonanztheorie streben Personen immer nach einer konsistenten Selbstrepräsentation. Ein Gut wird nach dessen Erwerb ein Teil dieser Selbstrepräsentation. Personen haben für gewöhnlich eine positive Selbstrepräsentation, weshalb auch Güter, die man besitzt, aufgewertet werden (Abschn. 10.3).
  • Was versteht man unter kognitiver Dissonanz und inwiefern spielt sie nach Entscheidungen eine Rolle?

    Lösung

    Kognitive Dissonanz beschreibt einen motivationalen Spannungszustand, der entsteht, wenn sich Kognitionen widersprechen oder unvereinbar sind. Die Dissonanz kann durch Veränderung der betreffenden Kognitionen (z. B. durch Subtraktion, Addition oder Substitution von Kognitionen) reduziert werden (Abschn. 10.4). Nach Entscheidungen entsteht dann kognitive Dissonanz wenn die nicht gewählten Optionen auch positive Konsequenzen hatten, derer man durch die eigene Wahl verlustig geht. Diese kann reduziert werden, indem die gewählte Option aufgewertet und die nicht gewählten Optionen abgewertet werden („spreading apart effect“).
  • Welche Prozesse erschweren es uns, schlechte Routinen aufzugeben?

    Lösung

    Routinen führen in Situationen, die vom Entscheider als identisch zu einer vorhergehenden Entscheidungssituation wahrgenommen werden, zu einer einseitigen, konfirmatorischen Informationssuche (Abschn. 10.5.2). Das bedeutet, Informationen, die für eine Beibehaltung der Routine sprechen, werden bevorzugt gesucht und in der Entscheidung stärker gewichtet. Informationen, die gegen eine Routine sprechen, verlieren hingegen an Einfluss (Abschn. 10.5.1). In der Folge kann dieser Bestätigungsfehler („confirmation bias“) zu einer erneuten Wahl von Routinen führen, auch wenn Informationen prinzipiell zugänglich waren, die gegen die Aufrechterhaltung der Routine sprachen.
  • Inwiefern ist es funktional, dass Gefühle den Prozess des Entscheidens beeinflussen können.

    Lösung

    Einer der Ansätze zur Rolle der Gefühle in Entscheidungen sieht Gefühle als Prozessdeterminante des Entscheidens (Abschn. 11.2). Er postuliert, dass Gefühle eine funktionale Rolle bei der Handlungssteuerung übernehmen, weil sie Handlungen bei Bedarf unterbrechen und den Organismus über Veränderungen seiner inneren und äußeren Umwelt informieren. Gefühle können also als Unterbrechungsmechanismus fungieren und die Aufmerksamkeit des Menschen auf wichtigere Aufgaben lenken.
  • Wie kann man auf theoretischer Ebene den Einfluss von Gefühlen und Emotionen auf Entscheidungen modellieren, ohne die Position aufzugeben, dass Entscheidungen ausschließlich durch kognitive Prozesse zustande kommen?

    Lösung

    Indem man postuliert, dass nicht die Gefühle selbst, sondern unser Wissen über die Gefühle bei Entscheidungen berücksichtigt wird. Die Regret Theory ist ein Beispiel für eine Theorie, die den Einfluss von Gefühlen auf Entscheidungen kognitiv modelliert. Nach dieser Theorie antizipiert die Person bei ihrer Entscheidung das Gefühl des Bedauerns angesichts unerwünschter Konsequenzen einer Option. Diese kognitive Repräsentation einer Emotion geht als Kriterium in die Entscheidung mit ein. Somit bleibt die Entscheidung ein rein kognitiver Prozess des Abwägens.
  • Entwerfen Sie eine Studie die unter Verwendung der Kartenspielaufgabe untersucht, wie sich die Verwendung von gefühlsbasierten Strategien im Vergleich zur Verwendung kognitiver Strategien auf die Entscheidung auswirkt. Welche Ergebnisse erwarten Sie?

    Lösung

    Eine Studie, welche kognitive und gefühlsbasierte Strategien untersucht, könnte beispielsweise mit Zeitdruck arbeiten. Eine Hälfte der Versuchspersonen spielt die Kartenwahlaufgabe (Abschn. 11.4.1) unter Zeitdruck, sodass sie nach dem Ziehen jeder einzelnen Karte keine Zeit hat, lange über die ausgespielten Beträge nachzudenken. So muss sich diese Gruppe bei der Entscheidung für die Stapel auf ihr Gefühl verlassen. Die andere Hälfte der Probanden bekommt nach jedem Zug Zeit, über die Wahl des nächsten Stapels nachzudenken. Weiterhin könnte man kognitive und gefühlsbasierte Strategien durch physische Erregung manipulieren. Emotionen haben neben einer kognitiven auch immer eine physische Komponente. Beispielsweise haben Studien gezeigt, dass Emotionen unter höherer Aktivierung stärker empfunden und ausgedrückt werden. Eine Hälfte der Versuchspersonen könnte während der Kartenspielaufgabe eine einfache, aber körperlich anstrengende Tätigkeit ausführen, wie z. B. nebenbei einen Stepper betätigen. Diese Probanden sollten sich gegenüber einer Kontrollgruppe ohne zusätzliche Aktivierung mehr auf ihr Gefühl verlassen, da es verstärkt empfunden wird. In beiden Studien ist zu erwarten, dass sich die Entscheidungen der beiden Gruppen hinsichtlich ihrer Genauigkeit unterscheiden. Beispielsweise wäre es plausibel zu erwarten, dass nach gefühlsbasierten Strategien kleinere Unterschiede zwischen den Stapeln nicht bemerkt werden. Kognitive Strategien hingegen sollten relativ gut kleinere Unterschiede zwischen den Stapeln entdecken. Dem Konzept der begrenzten Rationalität (Abschn. 9.1) zufolge wäre es ebenfalls plausibel anzunehmen, dass kognitive Strategien ungenauer und kognitiv zu aufwendig werden, wenn eine große Diskrepanz zwischen Gewinnen und Verlusten innerhalb der Stapel besteht. Es ist fraglich, ob gefühlsbasierte Strategien in diesem Fall genauer sind, jedoch würden sie wahrscheinlich ein besseres Verhältnis zwischen Aufwand und Genauigkeit erbringen.
  • Wie definiert man Problemlösen?

    Lösung

    Problemlösen bedeutet das Beseitigen eines Hindernisses oder das Schließen einer Lücke in einem Handlungsplan durch bewusste kognitive Aktivitäten, die das Erreichen eines beabsichtigten Ziels möglich machen sollen.
  • In welchem Verhältnis steht Problemlösen zum Entscheiden?

    Lösung

    Entscheidungsforschung befasst sich mit der Frage, welche Prozesse zu einer bestimmten Entscheidung führen. Problemlöseforschung befasst sich mit ganzen Sequenzen von zielorientierten Entscheidungen in einem größeren Kontext.
  • Worin besteht die handlungssteuernde Funktion von Zielen?

    Lösung

    Ziele steuern Handlungen im Sinne vorweggenommener Handlungsfolgen, die einen Akteur zu bestimmten Handlungen motivieren.
  • Warum kann man Ziele nur relativ zu verfügbaren Mitteln bewerten?

    Lösung

    Ob ein Ziel realistisch ist oder nicht, lässt sich nur vor dem Hintergrund der einsetzbaren Mittel entscheiden. Allerdings können hochgesteckte Ziele im Sinne von „Visionen“ in besonderer Weise motivierend wirken.
  • Warum ist es sinnvoll, verschiedene Phasen des Problemlösens zu unterscheiden?

    Lösung

    Die verschiedenen Phasen des Problemlösens sind durch jeweils charakteristische kognitive Aktivitäten gekennzeichnet.
  • Was unterscheidet wohl definierte von schlecht definierten Problemen?

    Lösung

    Bei wohl definierten Problemen sind Ausgangs- und Zielzustand sowie die einsetzbaren Operatoren bekannt. Bei schlecht definierten Problemen müssen Ziele und Mittel erst noch genauer bestimmt werden.
  • Was sind Kennzeichen eines komplexen Problems?

    Lösung

    Die wichtigsten Kennzeichen komplexer Probleme bestehen in deren Komplexität, Vernetztheit, Intransparenz, Dynamik und Vielzieligkeit.
  • Welche Anforderung stellt das Merkmal der Dynamik an den Problemlöser?

    Lösung

    In einer sich dynamisch ändernden Problemsituation muss man die möglichen Veränderungen der gegebenen Situation bedenken und Prognosen über zukünftige Situationsentwicklungen machen. Auch der dadurch entstehende Zeitdruck ist auszuhalten.
  • Wie lässt sich die Problemlösestrategie der Mittel-Ziel-Analyse charakterisieren?

    Lösung

    In der Mittel-Ziel-Analyse wird durch den Vergleich von Ist- und Zielzustand und dem Bilden von Zwischenzielen eine ursprünglich große Distanz zwischen zwei Problemzuständen systematisch verkleinert. Die für die jeweiligen Subziele einsetzbaren Mittel helfen, die Distanz zu verkürzen.
  • Was versteht Karl Bühler unter einem Aha-Erlebnis?

    Lösung

    Das Aha-Erlebnis ist ein besonderer Moment der Einsicht, der durch ein plötzliches, unerwartetes und überraschendes Erscheinen einer Lösungsidee besteht.
  • Worin besteht das Phänomen des Einstellungseffekts?

    Lösung

    Ein Einstellungseffekt beim Problemlösen liegt dann vor, wenn nach kurzer Erfahrung mit ähnlich gelagerten Problemen ein bestimmtes Lösungsmuster zur Routine wird und selbst dann zur Ausführung kommt, wenn es einfachere Lösungswege gibt.
  • Was ist die Grundidee beim analogen Problemlösen?

    Lösung

    Beim analogen Problemlösen geht es darum, die Lösungsprinzipien aus einer Quellendomäne auf eine neue Zieldomäne zu übertragen.
  • Worin liegt das Problemlösepotenzial von Analogien und Metaphern?

    Lösung

    Metaphern helfen, ungewöhnliche Fragen aufzuwerfen, indem Suchprozesse angeregt werden zwischen Quellen- und Zieldomäne, an deren Ende eine neue Erkenntnis stehen kann.
  • Worin unterscheidet sich der Problemlöseprozess von Experten im Vergleich zu Novizen?

    Lösung

    Im Unterschied zu Novizen setzen Experten eine Vorwärtsstrategie ein, bei der umfangreiches Fall- und Hintergrundwissen auf ein Problem angewendet werden kann.
  • Welchen Aspekt des Problemlösens illustriert die „Notfallreaktion des kognitiven Systems“?

    Lösung

    Die Notfallreaktion illustriert in eindrücklicher Weise die Notwendigkeit, kognitive, motivationale und emotionale Aspekte der Problembearbeitung simultan zu verfolgen. Die emotionale Beeinflussung des Problemlösens wird an dieser Stelle besonders deutlich.
  • Wie ist ein Problem gemäß gestalttheoretischen Annahmen charakterisiert?

    Lösung

    Ein Problem besteht für die Gestaltpsychologie im Vorliegen einer schlechten Gestalt, die durch Umstrukturierung in Folge von Einsicht zu einer guten Gestalt gemacht werden kann.
  • Was ist ein Bit?

    Lösung

    Ein Bit ist die kleinste Informationseinheit, welche von zwei Alternativen gewählt wird. Mit jedem weiteren Bit verdoppelt sich die Zahl der Alternativen.
  • Welchen Ansatz wählt die Evolutionspsychologie zur Erklärung des Problemlösens?

    Lösung

    Problemlösen wird nach dieser Modellvorstellung unter dem Blickwinkel von Anpassungsleistungen in Bezug auf adaptive Probleme gesehen, die sich in erster Linie auf Probleme des Überlebens und der Fortpflanzung beziehen.
  • Warum ist der Begriff der Handlung vom Begriff des Verhaltens zu unterscheiden?

    Lösung

    Handlungen setzen Ziele voraus, die mit der Intentionalität menschlichen Tuns beschrieben werden können. Während man sich – so lange man lebt – immer verhält, handelt man nur dort, wo man bewusste Ziele verfolgt.
  • Was ist bei Newell und Simon unter dem Begriff des Problemraums zu verstehen?

    Lösung

    Der Begriff des Problemraums bezieht sich auf die subjektive Repräsentation einer Aufgabenstellung und bezeichnet damit den gedachten Raum, in dem Problemlösen stattfindet.
  • Wie kommen Urteilsfehler nach Kahneman und Tversky zustande?

    Lösung

    Die Theorie kognitiver Täuschungen geht davon aus, dass Urteilsfehler durch die Anwendung der Verfügbarkeits-, Repräsentations- und Anpassungsheuristik zustande kommen.
  • Was ist der Grundgedanke der Theorie ökologischer Rationalität von Gigerenzer?

    Lösung

    Die Theorie ökologischer Rationalität geht von einem adaptiven Werkzeugkasten des Problemlösers aus, dessen Heuristiken (Werkzeuge) schnell und sparsam sein müssen. Ökologisch rational sind diese Heuristiken, wenn sie die in der Umwelt enthaltenen Strukturen optimal ausschöpfen.
  • Welche Aussage macht die Theorie unbewusster Gedanken über die Rolle der Komplexität in Bezug auf die Entscheidungsqualität?

    Lösung

    Nach der UTT ist die Qualität einer Entscheidung auf der Basis unbewussten Denkens nicht von der Komplexität des fraglichen Problems abhängig, da große Mengen an Information gut geordnet verarbeitet werden können, wenn dies unbewusst erfolgt.
  • Unter welchen Bedingungen ist die Erhebungsmethode des lauten Denkens akzeptabel?

    Lösung

    Nach Ericsson und Simon ist eine Verbalisierung des Denkens dort unproblematisch, wo nur die ablaufenden Schritte verbalisiert werden. Dies führt lediglich zu einer Verlangsamung, nicht aber zu einer Störung des Denkprozesses.
  • Warum ist der Turm von Hanoi eine interessante Aufgabenarbeit für die Problemlöseforschung?

    Lösung

    Der Turm von Hanoi eignet sich zur Prozessanalyse beim Problemlösen, da bis zur Lösung des Problems eine Reihe äußerlich sichtbarer Zwischenschritte zu durchlaufen sind.
  • Nennen Sie Vorteile durch die Verwendung computersimulierter Szenarien.

    Lösung

    Computersimulationen erlauben insbesondere die Untersuchung von Vernetztheit und Dynamik einer Problemsituation. Darüber hinaus erlauben Computersimulationen einen flexiblen Umgang mit Zeit (sowohl Zeitlupe als auch Zeitraffer).
  • Inwiefern bietet Blickbewegungsmessung ein Fenster zum Problemlösen?

    Lösung

    Blickbewegungsmuster können die einer kognitiven Aktivität zugrunde liegenden Verarbeitungsprozesse dokumentieren, wenn man unterstellt, dass die Fixationsinhalte zugleich Gegenstand kognitiver Prozesse sind.
  • Warum sind bildgebende Verfahren für die Psychologie des Problemlösens mit Vorsicht zu genießen?

    Lösung

    Kritisch ist die Tatsache, dass bislang der Fokus von Untersuchungen auf der Lokalisation kognitiver Funktionen lag. Die dynamischen Aspekte des Problemlösens sind bislang nicht ausgeschöpft.
  • Fertig!

    Zurück zu Frage 1
Zurück
Frage 1 von 71
Weiter

Video

Kognitionspsychologie - das kostenlose Hörbuch



Wir denken, also sind wir! Doch wie funktionieren unsere Denkprozesse eigentlich? Wie bilden Menschen Urteile und wie werden diese durch das soziale Umfeld beeinflusst? Welche Rolle spielen Emotionen dabei? Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Wie läuft ein Entscheidungsprozess im Gehirn genau ab? Und warum ist das Lösen komplexer Probleme so schwer - im Alltag ebenso wie in Politik und Wirtschaft? Ein kostenloses Hörbuch gibt Antworten auf all diese und weitere Grundfragen der Kognitionspsychologie, einem prüfungsrelevanten Teilbereich der Allgemeinen Psychologie. Sie lernen für eine Prüfung in Allgemeiner Psychologie, z.B. im Bachelor-Studium Psychologie? - Diese Hörbeiträge sind die Audioversion des im Springer-Verlag erschienenen Lehrbuches „Denken - Urteilen, Entscheiden, Problemlösen" von Tillmann Betsch, Henning Plessner und Joachim Funke. Das gedruckte Buch bietet weiterführende Materialien zum Lesen und Lernen: Fallbeispiele, Definitionen, Lernziele, Kontrollfragen und vertiefende Literatur sowie eine ausführliche Randspalte (fast-track) mit Kurzzusammenfassungen.

Audio

Dozentenmaterialien

Hier finden Sie die zum Buch gehörenden Dozentenmaterialien.
Registrieren Sie sich, oder melden Sie sich an, falls Sie bereits registriert sind.