Klinische Psychologie und Psychotherapie, Band I

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Klinische Psychologie und Psychotherapie, Band I

ISBN: 
978-3-642-16973-1

Klinische Psychologie und Psychotherapie in zwei Bänden – lernfreundlich, praxisnah, kompakt und komplett! Für Psychologie-Studierende im Bachelor oder zur Vorbereitung auf den Master.

Dieser Band enthält alle prüfungsrelevanten Themen zum Störungswissen: Darstellung aller wichtigen Störungen (von A wie „Affektive Störungen“ bis Z wie „Zwangsstörung“) sowie der zentralen Interventionsmethoden.

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Kompakt: Eine ausführliche Randspalte (fast-track) enthält das Wichtigste in Kürze, damit auch unter Zeitdruck alles Wesentliche hängenbleibt.

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BegriffErklärung
IntrospektionLässt sich als Spezialfall einer Fallstudie verstehen: Untersucher und Untersuchter sind ein und dieselbe Person. Die persönliche, innere Erfahrung des Wissenschaftlers dient als Grundlage für die Modellbildung. Diese heuristische Beobachtungsform liefert keinen Kausalbeleg.
Klinische PsychologieTeildisziplin der Psychologie, deren Forschungs- und Praxisschwerpunkt sich mit psychischen Störungen und psychischen Aspekten somatischer Störungen und Krankheiten beschäftigt. Speziell: Deskription, Klassifikation, Diagnostik, Verbreitung, Verlauf, Ätiologie- und Bedingungsanalyse, Gesundheitsförderung, primäre und sekundäre Prävention, Therapie und Rehabilitation bei psychisch (mit-)bedingten Gesundheitsproblemen.
NIMH (National Institus of Mental Health)1949 in den USA gegründete Organisation, die als Meilenstein für die Entwicklung von Ausbildungsrichtlinien zum Clinical Psychologist gesehen wird.
Psychische StörungZentrale Thematik der klinischen Psychologie in Forschung und Praxis: Gruppe untereinander zusammenhängender, klinisch relevanter Symptome, die mit außergewöhnlichem Leid und/oder Funktionsbeeinträchtigungen einhergehen.
PsychotherapieGezielter Einsatz psychologischer Verfahren zur Reduktion/Bewältigung von leidhaften und/oder beeinträchtigenden Erlebens- und Verhaltensmustern: Bewusster und geplanter interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die übereinstimmend für behandlungsbedürftig gehalten werden. Es werden psychologische Mittel zur Hilfe gezogen, die auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens basieren, um eine Veränderung in Richtung eines (gemeinsam) vereinbarten Ziels (Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit) zu bewirken.
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Frage 1 von 125
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  • Definieren Sie bitte den Begriff „psychische Störung“.

    Lösung

    Psychische Störungen lassen sich im Wesentlichen verstehen als Gruppen (Syndrome) von (interkorrelierten) klinisch relevanten Verhaltens- oder Erlebensmerkmalen (Symptomen), welche mit außergewöhnlichem Leid und/oder Funktionsbeeinträchtigungen einhergehen. Der DSM-IV-TR definiert psychische Störungen wie folgt: Ein klinisch bedeutsames Verhaltens- oder psychisches Syndrom oder Muster, das bei einer Person auftritt, mit momentanem Leiden (z. B. einem schmerzhaften Symptom), Beeinträchtigung (z. B. Einschränkungen in einem oder in mehreren wichtigen Funktionsbereichen) und/oder einem stark erhöhten Risiko einhergeht, zu sterben, Schmerz, Beeinträchtigung oder einen tiefgreifenden Verlust an Freiheit zu erleiden. Zusätzlich darf dieses Syndrom oder Muster nicht nur eine verständliche und kulturell sanktionierte Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis sein, wie z. B. den Tod eines geliebten Menschen. Unabhängig von dem ursprünglichen Auslöser muss gegenwärtig eine verhaltensmäßige, psychische oder biologische Funktionsstörung bei der Person zu beobachten sein. Weder normabweichendes Verhalten (z. B. politischer, religiöser oder sexueller Art) noch Konflikte des Einzelnen mit der Gesellschaft sind psychische Störungen, solange die Abweichung oder der Konflikt kein Symptom einer oben beschriebenen Funktionsstörung bei der betroffenen Person darstellt.
  • Definieren Sie bitte den Begriff „Psychotherapie“.

    Lösung

    Gezielter Einsatz psychologischer Verfahren zur Reduktion oder Bewältigung von leidhaften und/oder beeinträchtigenden Erlebens- und Verhaltensmustern. Ein bewusster und geplanter interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsensus (möglichst zwischen Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation) meist verbal aber auch averbal, in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit) mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens.
  • Wie definiert die WHO den Begriff „Gesundheit“?

    Lösung

    Zustand des völligen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und explizit nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen.
  • Was versteht man unter Prävalenz, Punktprävalenz, 12-Monats-Prävalenz und 1-Jahres-Prävalenz?

    Lösung

    Die Prävalenz stellt den Anteil der Personen in einer definierten Population dar, die das interessierende Symptommuster aufweist. Dabei entspricht die Punktprävalenz der Prävalenz an einem definierten Stichtag, die 12-Monats-Prävalenz dem Anteil der betroffenen Personen innerhalb eines Jahres und die Lebenszeitprävalenz der Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Leben am entsprechenden Symptommuster zu leiden.
  • Beschreiben Sie den Prozess der Diagnosestellung.

    Lösung

    Vom Symptom zum Syndrom zur Diagnose unter Verwendung kriteriumsorientierter operationalisierter Klassifikationssysteme.
  • Was bezeichnet kriteriumsorientierte Diagnostik?

    Lösung

    Die Kriterien für das Vorliegen einer bestimmten Diagnose sind klar formuliert.
  • Nennen Sie die wichtigsten Unterschiede zwischen kategorialer und dimensionaler Diagnostik.

    Lösung

    kategorial = dichotome Entscheidung, ob Diagnose vorliegt oder nicht; dimensional berücksichtigt, dass Übergang von normal zu krank fließend sein kann.
  • Beschreiben Sie kurz den Aufbau von DSM-IV und ICD-10.

    Lösung

    DSM-IV: multiaxial, ausschließlich psychische und psychosomatische Erkrankungen; ICD-10: Es gibt zwei Versionen (Wissenschaftler- versus Praktiker-Version); Gesamtspektrum (einschließlich körperlicher Krankheiten) wird bei ICD abgedeckt.
  • Was sind die wichtigsten Methoden zur Erfassung psychischer Erkrankungen?

    Lösung

    Zu den wichtigsten Methoden zählen strukturierte und standardisierte klinische Interviews, Mikro- und Makroanalysen und andere psychometrische Methoden wie Verhaltensbeobachtung, Fremdanamnesen und neuropsychologische Diagnostik. Darüber hinaus gibt es die Unterscheidung zwischen kategorialer und dimensionaler Diagnostik.
  • Beschreiben Sie kurz das SORCK-Modell.

    Lösung

    Ein Problemverhalten zeigt sich in einer Situation mit bestimmten Merkmalen (S), in der eine Person mit ihren Eigenschaften (O) auf eine bestimmte Weise reagiert (R), da durch dieses Verhalten eine Konsequenz (C) erfolgt, die die Person bestärkt, so zu handeln. Wann und wie diese Verstärkung eintritt, kann variieren (K).
  • In welchem Verhältnis stehen Modelle zur „Wahrheit“?

    Lösung

    Modelle stehen zur „Wahrheit“ in demselben Verhältnis wie eine Landkarte zum Gelände: Sie sind ein notwendigerweise selektives Abbild und als solches nicht mit der Realität zu verwechseln. Der Wert von Theorien definiert sich über den Wahrheitsgehalt, aber auch an der heuristischen Fruchtbarkeit bzw. an der Nützlichkeit der Theorie.
  • Welche notwendigen Bedingungen müssen erfüllt sein, damit man von einem „kausalen“ Zusammenhang sprechen kann?

    Lösung

    Um von einem „kausalen“ Zusammenhang sprechen zu können, müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein: Die Ursache kovariiert mit der Wirkung; Die Ursache geht der Wirkung voraus; Der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ist nicht durch den Einfluss weiterer Faktoren bedingt.
  • Was kennzeichnet in der Regel aktuelle Erklärungsmodelle in der Klinischen Psychologie?

    Lösung

    Aktuelle Erklärungsmodelle in der Klinischen Psychologie zeichnen sich dadurch aus, dass sie probabilistisch, multifaktoriell, dynamisch und bio-psycho-sozial orientiert sind.
  • Sind die „Ursachen“ einer psychischen Störung automatisch auch ein therapeutischer Ansatzpunkt? Bitte begründen Sie Ihre Antwort.

    Lösung

    Nein, weil die Ursache nicht notwendigerweise zum aktuellen Zeitpunkt für die Aufrechterhaltung der Problematik verantwortlich ist. Selbst wenn dies der Fall sein sollte, wäre noch zu prüfen, inwieweit sie mit therapeutischen Methoden verändert werden kann.
  • Inwiefern zeichnet sich die Klinische Psychologie durch einen „Paradigmen-Pluralismus“ aus?

    Lösung

    Insofern, als dass parallel verschiedene Paradigmen (geschlossene Erklärungssysteme, die sich durch bestimmte Annahmen und Methodologien auszeichnen) zur Erklärung relevanter Sachverhalte herangezogen werden.
  • Wie hängen psychische Störungen und die soziale Schicht zusammen, und welche Erklärungsansätze gibt es für diesen Zusammenhang?

    Lösung

    Personen mit niedrigerem sozioökonomischem Status weisen ein höheres Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen auf. Zur Erklärung dieses Befundes sind drei Annahmen vorgeschlagen worden: Stress-and-Strain-Hypothese - Ein niedriger Status ist mit einer Vielzahl von Belastungen verbunden, welche psychisch krank machen; Social-Drift-Hypothese: Eine psychische Erkrankung führt zu einem sozialen Abrutschen der Betroffenen und damit zu einem niedrigeren sozioökonomischem Status; Transaktionsmodell: Dieses Modell kombiniert die beiden anderen Modelle. Ein niedriger Status führt danach über statusspezifische Belastungen und eine schlechtere Versorgung mit effektiven Präventions- und Behandlungsverfahren zu psychischen Störungen. In der Folge kommt es zu einem Statusverlust, der mit weiteren Belastungen und einer Zunahme des Erkrankungsrisikos assoziiert ist. Damit entsteht letztlich ein Teufelskreis aus niedrigem Status, erhöhten Belastungen, schlechterer Gesundheitsversorgung und psychopathologischen Symptomen, welcher (ggf. über mehrere Generationen) letztlich zum beobachteten Zusammenhang von Status und Störungsprävalenz führt.
  • Welche Eigenschaften sollten Modelle aufweisen, mit denen Patienten Störungen erklärt werden?

    Lösung

    Modelle für Patienten sollten plausibel und logisch sein, sowohl mit aktuellen wissenschaftlichen Theorien als auch mit den konkreten Erfahrungen des Patienten übereinstimmen, wenn möglich mit den bisherigen Erklärungsbemühungen und Denkweisen des Patienten kompatibel sein, prägnant und einprägsam sein, so dass sie auch in Stresssituationen aktiviert werden können, Schuld und Scham reduzieren, Kontrolle und Einflussmöglichkeiten suggerieren, Ansatzpunkte zur Ableitung konkreter therapeutischer Schritte liefern.
  • Was ist der Unterschied zwischen Traurigkeit und einer Depression im klinischen Sinne? Welche Kriterien müssen für die Diagnose einer depressiven Episode erfüllt sein?

    Lösung

    Jeder Mensch erlebt in seinem Leben Phasen von Traurigkeit. Von einer Depression im klinischen Sinne kann aber nur dann gesprochen werden, wenn eine klinisch bedeutsame Veränderung der Stimmungslage im Sinne der im ICD-10 oder DSM-IV-TR beschriebenen Kriterien vorliegt. Folgende Kriterien müssen erfüllt sein: Die Symptome treten über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen an fast jedem Tag auf und führen zu bedeutsamem Leid und/oder zu Beeinträchtigungen.
  • Was wissen Sie über die Prävalenz depressiver Störungen?

    Lösung

    Unipolare depressive Erkrankungen zählen mit einer 4-Wochen-Prävalenzrate von 5,6 % zu den am häufigsten auftretenden psychischen Erkrankungen. Die Lebenszeitprävalenz liegt bei 17,1 %. In den meisten Krankheitsfällen handelt es sich um depressive Episoden. Frauen sind von affektiven Erkrankungen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. In den letzten Jahrzehnten weisen einige Studien auf eine Zunahme depressiver Erkrankungen und auf eine Vorverlagerung des Ersterkrankungsalters hin. Häufig liegen Komorbiditäten mit anderen Störungen vor. Depressive Erkrankungen gehen mit einem erhöhten Suizidrisiko einher.
  • Welche Modelle zur Entstehung und Aufrechterhaltung unipolarer Depressionen kennen Sie? Bitte erläutern Sie jeweils die zentralen Annahmen.

    Lösung

    Wichtige biologische Erklärungsmodelle: polygenetisch übertragene heriditärbedingte Vulnerabilität, Monoaminmangelhypothese, Dysregulation der HHN-Achse, europlastizitätshypothese // Wichtige psychologische Erklärungsmodelle: Verstärker-Verlust-Modell nach Lewinsohn, Theorie der gelernten Hilflosigkeit nach Seligman, attributionstheoretische Revision des Hilflosigkeitsmodells nach Abramson et al., kognitive Erklärungsmodelle (v. a. in der Tradition von Beck), multimodale bzw. Common-pathway-Modelle (u. a. von Akiskal & McKinney, Teasdale & Barnard)
  • Welche Behandlungsverfahren für depressive Störungen kennen Sie?

    Lösung

    Zu den wichtigsten Therapieverfahren zählen: Kognitive Therapie, Verhaltenstherapie (behaviorale Aktivierung), Kognitive Verhaltenstherapie, Interpersonale Therapie, Problemlösetrainings, Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy, Mindfulness-based Cognitive Therapy for Depression, psychodynamische Verfahren, Paar- und Familientherapien
  • Erläutern Sie das Vorgehen bei einer kognitiven Verhaltenstherapie.

    Lösung

    Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie werden kognitive und behaviorale Methoden kombiniert. Typische Behandlungselemente sind neben der Diagnostik und dem Beziehungsaufbau v. a.: Psychoedukation, Herleitung des therapeutischen Rationales, Aufbau positiver Aktivitäten, kognitive Umstrukturierung, Rückfallprophylaxe. Gegebenenfalls werden zusätzlich Übungen zur Stärkung defizitärer Kompetenzen integriert.
  • Was wissen Sie über die empirische Evidenz von Depressionstherapien?

    Lösung

    Die kognitive Verhaltenstherapie ist das mit Abstand am besten untersuchte psychologische Therapieverfahren und hat sich in Vergleichen mit diversen passiven und aktiven Kontrollbedingungen als überlegen erwiesen. Allerdings zeigt sich auch, dass Interpersonale Therapie und behaviorale Aktivierung (sowie evtl. auch Problemlösetrainings) zumindest ebenso wirksam sein können wie die kognitive Verhaltenstherapie, so dass diese Verfahren zurzeit als „Goldstandard“ der Depressionstherapie gelten.
  • Wodurch ist das Störungsbild „bipolar affektive Erkrankungen“ gekennzeichnet?

    Lösung

    Bipolare Störungen gehören zu den affektiven Erkrankungen. Sie sind durch wiederholte Episoden deutlich beeinträchtigter Stimmung und Veränderungen im Aktivitätsniveau charakterisiert. Die Stimmungs- und Aktivitätsauslenkung dieser Episoden kann depressiver oder hypo-/manischer Art sein (frühere Bezeichnung: „manisch-depressiv“).
  • Welche Entstehungsmodelle gibt es?

    Lösung

    Meyer und Hautzinger fassen in einem integrativen Störungsmodell relevante Entstehungsfaktoren zusammen: Eine genetische Vulnerabilität prädisponiert dafür, dass biologische Rhythmen wie der Tag-Nacht-Rhythmus oder das Aktivitätsniveau beim Auftreten von Störungen (Stress, kritische Lebensereignisse und Veränderungen) sehr schnell instabil werden. Individuelle Problembereiche und das Fehlen individueller Ressourcen können dieses Instabilitäts- bzw. Dysregulationsrisiko zusätzlich verstärken, was letztlich im Auftreten affektiver Episoden resultieren kann.
  • Nehmen Sie Stellung zu der Aussage: „Bipolare Störungen sollten ausschließlich medikamentös behandelt werden!“.

    Lösung

    Zwar gilt bei der Behandlung bipolarer Erkrankungen die medikamentöse Therapie als Goldstandard, jedoch können und sollten psychoedukative und psychotherapeutische Maßnahmen als sinnvolle Ergänzung – vor allem im Rahmen der Rezidivprophylaxe, aber auch während akuter Episoden – zum Einsatz kommen.
  • Was können zusätzliche psychotherapeutische Interventionen bei der Therapie bipolarer Erkrankungen leisten?

    Lösung

    Psychotherapeutische Maßnahmen können zwar keine „Heilung“ der bipolaren Störung an sich erzielen, jedoch als sehr wertvolle Ergänzung zur Verbesserung der Symptomatik gesehen werden. Vor allem ein verbesserter Umgang mit Krisen sowie ein allgemein optimiertes Funktionsniveau können dazu beitragen, Rückfallraten bzw. die Anzahl erneuter Krankheitsepisoden zu reduzieren und die phasenfreie Zeit zwischen zwei Episoden deutlich zu verlängern. Mögliche Komponenten können sein: Akzeptanz der chronischen Erkrankung und Erlernen eines angemessenen Umgangs damit: Psychoedukation zu Krankheitsbild und -verlauf, Medikamenten-Compliance, Umgang mit Drogen und Alkohol, Schlafregulation etc.; Stressbewältigung, Selbstbeobachtung von Stimmung und Aktivitäten (Erkennen von Frühwarnsymptomen); Etablierung von Regelmäßigkeiten im Alltag (z. B. Schlaf-Wach-Rhythmus, Ernährung etc.)
  • Was ist Suizidalität?

    Lösung

    Suizidalität beschreibt einen psychischen Zustand, in dem Gedanken und Verhaltensweisen darauf ausgerichtet sind, gezielt den eigenen Tod herbeizuführen oder diesen als möglichen Ausgang in Kauf zu nehmen. Die Tendenz zur Selbsttötung bildet sich auf einem Kontinuum von suizidalen Gedanken und Suizidideen über suizidale und riskante Verhaltensweisen bis hin zum Suizidversuch und Suizid ab.
  • Welches sind die Charakteristika des präsuizidalen Syndroms nach Ringel?

    Lösung

    Erwin Ringel hat drei Charakteristika einer suizidalen Persönlichkeit als präsuizidales Syndrom zusammengefasst: Einengung in persönlichen Möglichkeiten (Rigidität), Aggression und Frustration gegen die eigene Person, Suizidfantasien
  • Welche Kriterien gilt es im Hinblick auf Suizidalität zu überprüfen?

    Lösung

    Zur Bestimmung der Suizidgefahr sind in jedem Fall die folgenden Punkte genau abzuklären: Ankündigung des Suizids, Klarheit und Persistenz der Suizidgedanken, konkrete Planungen und Vorbereitungen, frühere Suizidversuche, Familienanamnese von Suizidhandlungen, Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit, Kontaktreduktion und Interesselosigkeit, Perspektiven und zukunftsbezogenes Denken
  • Welche Personengruppen weisen die höchste Suizidgefährdung auf?

    Lösung

    Männliche, alleinstehende Personen höheren Alters mit komorbiden psychischen Erkrankungen, chronischen körperlichen Erkrankungen, ungünstigen sozialen Bedingungen, negativen Lebensereignissen, früheren Suizidversuchen und suizidalem Verhalten in der Familie und im Freundeskreis.
  • Was ist das Ziel von Suizidprävention?

    Lösung

    Suizidprävention hat zum Ziel, die Umsetzung von Suizidgedanken in Suizidhandlungen zu verhindern, und stellt damit einen Zeitgewinn für die Durchführung von therapeutischen Interventionen dar.
  • Was ist der wesentliche Ansatzpunkt in der Behandlung von Suizidalität?

    Lösung

    Der wesentliche Ansatzpunkt der Therapie von Suizidalität liegt nach der Stabilisierung des Patienten immer in der Behandlung der zugrundeliegenden psychischen Störung bzw. Problematik.
  • Was unterscheidet eine pathologische phobische Reaktion von „normaler“ Angst?

    Lösung

    Die Unterscheidung von „normaler“ Angst und pathologischen phobischen Reaktionen ist oftmals problematisch. Als wichtige Kriterien können der subjektive Leidensdruck bzw. die mit der Phobie verbundene Beeinträchtigung im alltäglichen Leben verstanden werden, da dies entscheidende Indikationen für eine Therapie sind.
  • Welche Typen spezifischer Phobien werden von den gängigen Diagnosesystemen unterschieden?

    Lösung

    Es werden fünf Typen spezifischer Phobien unterschieden: Tiertypus, Umwelttypus, Situationstypus, Blut-/Spritzen-/Verletzungstypus, Kategorie „anderer Typus“
  • Wie häufig sind spezifische Phobien?

    Lösung

    Die 12-Monats-Prävalenz spezifischer Phobien liegt zwischen 5 und 11 %.
  • Welche Geschlechtseffekte sind bei spezifischen Phobien zu verzeichnen?

    Lösung

    Frauen sind mindestens doppelt so häufig betroffen wie Männer.
  • In welchen Altersbereichen kommen Erstmanifestationen bei spezifischen Phobien gehäuft vor?

    Lösung

    Meist entwickelt sich die Störung in der Kindheit, bei situativen Phobien kann der Beginn jedoch auch im frühen Erwachsenenalter liegen.
  • Welche ätiologischen Modelle sind bei den spezifischen Phobien am weitesten verbreitet?

    Lösung

    Mowrers Zweifaktorentheorie, Banduras soziale Lerntheorie, Vulnerabilitäts-Stress-Konzepte
  • Was spricht gegen den Ansatz von Mowrer?

    Lösung

    Gegen Mowrers Theorie des Erwerbs spezifischer Phobien über klassisches und operantes Konditionieren spricht, dass viele Patienten über keinerlei traumatische Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Angst auslösenden Stimulus berichten können.
  • Nennen Sie drei gängige Behandlungsmethoden für spezifische Phobien!

    Lösung

    Systematische Desensibilisierung, Flooding, Implosion
  • Wie lautet die prototypische Befürchtung von Patienten mit Sozialer Phobie?

    Lösung

    Patienten mit Sozialer Phobie haben in aller Regel Angst vor negativen Bewertungen durch andere. Daher fürchten sie, Fehler zu machen oder Angstsymptome zu zeigen. Sie glauben, dass andere Personen dies wahrnehmen und sie daraufhin abwerten.
  • Viele Patienten mit einer Panikstörung meiden ebenso wie Patienten mit Sozialer Phobie Orte, an denen sich zahlreiche Menschen befinden. Wie lässt sich die Panikstörung von der Sozialen Phobie abgrenzen?

    Lösung

    Bei der Panikstörung steht die Angst im Vordergrund, im Falle eines Kontrollverlustes den Raum nicht schnell genug verlassen zu können bzw. nicht schnell genug Hilfe zu bekommen. Bei der Sozialen Phobie hingegen befürchten die Betroffenen, sich vor anderen Personen zu blamieren, etwas Unangebrachtes zu sagen, erniedrigt oder ausgelacht zu werden.
  • Nennen Sie Angst steigernde Prozesse, die vor bzw. während einer ängstigenden Situation auftreten können und einen negativen Ausgang der Situation begünstigen.

    Lösung

    gedankliches Vorwegnehmen der Situation („self-images“), Selbstaufmerksamkeit auf Angstsymptome und eigene Fehler, dysfunktionale automatische Gedanken (z. B. „Ich darf jetzt keinen Fehler machen“), Sicherheitsverhalten
  • Worauf sollte bei der Durchführung einer Expositionsbehandlung geachtet werden, damit der Habituationsprozess stattfinden kann und der Patient gleichzeitig die Möglichkeit hat, seine dysfunktionalen Gedanken kritisch zu überprüfen?

    Lösung

    Es ist wichtig, dass der Patient sämtliches Sicherheitsverhalten unterlässt. Zudem muss darauf geachtet werden, dass er die Situation erst dann wieder verlässt, wenn die Angst signifikant abgenommen hat.
  • Was ist der Unterschied zwischen einer Panikattacke und einer Panikstörung?

    Lösung

    Eine Panikattacke ist ein zeitlich begrenzter Zustand intensiver Angst mit starken körperlichen und kognitiven Reaktionen. Sie kann im Rahmen von Angsterkrankungen und anderen psychischen Störungen auftreten. Tritt eine Panikattacke wiederholt auf und ist keine Reaktion auf einen spezifischen externen Auslöser, auf eine besondere Anstrengung oder eine objektive Gefahr, liegt eine Panikstörung vor.
  • Was sind die Kennzeichen einer Agoraphobie?

    Lösung

    Betroffene einer Agoraphobie fürchten und/oder vermeiden Orte und Situationen, von denen sie nur schwer fliehen können oder wo Hilfe nicht schnell verfügbar ist. Angst und Vermeidung sind mit einer deutlichen emotionalen Belastung verbunden.
  • Beschreiben Sie den Teufelskreis der Angst anhand eines spezifischen Beispiels!

    Lösung

    Teufelskreis der Angst am Beispiel Herzklopfen: Der Betroffene nimmt starkes Herzklopfen wahr, interpretiert dieses als Anzeichen für einen evtl. tödlichen Herzinfarkt und bekommt Angst. Die Angst führt zu physiologischen Veränderungen, die sich dann wiederum auf körperlicher Ebene in (noch stärkerem) Herzklopfen äußern. Dies wird erneut wahrgenommen, die Angst vor einem Herzinfarkt wird größer, die physiologischen Veränderungen stärker, das Herzklopfen noch stärker usw.
  • Welche therapeutischen Verfahren zur Behandlung von Panikstörung und Agoraphobie sind am effektivsten?

    Lösung

    Effektiv sind antidepressive Pharmakotherapie und kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Im Hinblick auf langfristige Therapieerfolge ist die KVT zu bevorzugen. In der Behandlung der Panikstörung hat sich auch die angewandte Entspannung kurz- und langfristig als wirksam erwiesen.
  • Welche konkreten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Strategien zur Behandlung von Panikstörung und Agoraphobie kennen Sie? Wie wird dabei konkret vorgegangen?

    Lösung

    Für die Behandlung der Panikstörung sollten interne Reizkonfrontation und kognitive Reattribuierung eingesetzt werden. Bei der internen Reizkonfrontation setzt sich der Betroffene systematisch internalen, Angst auslösenden Reizen aus (z. B. im Rahmen von Symptomprovokationstests wie dem Hyperventilationstest). Bei der kognitiven Reattribuierung werden fehlerhafte Annahmen mithilfe von Experimenten und anderen kognitiven Techniken überprüft. Die Agoraphobie sollte mit einer massierten Exposition in vivo behandelt werden.
  • Was unterscheidet die Generalisierte Angststörung (GAS) von der spezifischen Phobie?

    Lösung

    Bei GAS steht der kognitive Prozess des Sich-Sorgens (im Sinne von „furchtsame Erwartungen hegen“) im Vordergrund. Dieser muss sich auf eine Reihe verschiedener Lebensbereiche beziehen. Bei spezifischen Phobien steht dagegen die Furcht vor einer spezifischen Situationen oder Objekten im Vordergrund.
  • Welche Merkmale kennzeichnet das Sich-Sorgen-Machen bei der GAS?

    Lösung

    Übertriebene Sorgen sind das Hauptsymptom der GAS. Sie werden von den Betroffenen als übermäßig und unkontrollierbar erlebt.
  • Welche Arten von Sorgen gibt es?

    Lösung

    Man unterscheidet Sorgen vom Typ I (alltägliche Sorgen, z. B. „Klaus ist immer noch nicht da – hoffentlich hatte er keinen Unfall“) und vom Typ II (Metasorgen, d. h. Sorgen über die Sorgen selbst). Die Metasorgen können positiven Inhalts (z. B. „Mich zu sorgen, hilft mir, mich auf mögliche Schicksalsschläge vorzubereiten“) sein und dazu beitragen, dass der Sorgenprozess als hilfreich erlebt wird. Sie können aber auch negativ getönt sein bzw. im Laufe der Erkrankung in Metasorgen negativen Inhalts umschlagen (z. B. „Wenn das mit den Sorgen nicht aufhört, werde ich noch verrückt“). In der Folge versuchen Patienten oft, ihre Sorgen zu unterdrücken oder zu verdrängen, was paradoxerweise zu einer Erhöhung der Intensität und Frequenz von Sorgen führen kann. Einige Theorien sehen im Sorgenprozess einen dysfunktionalen Versuch der Bewältigung belastender Ereignisse und negativer Emotionen.
  • Welche wesentlichen therapeutischen Ansätze stehen für die GAS zur Verfügung?

    Lösung

    Angewandte Entspannung und KVT (mit den Komponenten: Informationsvermittlung, kognitive Umstrukturierung, Sorgenexposition und Funktionalitätsreduktion).
  • Nennen Sie die Ansatzpunkte der therapeutischen Ansätze für die GAS.

    Lösung

    Pharmakotherapie (v.a. Benzodiazepine, Antidepressiva), angewandte Entspannung (nach Öst), kognitive Verhaltenstherapie
  • Was sind die Kernmerkmale der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)?

    Lösung

    Die Kernmerkmale der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sind Intrusionen, Vermeidungsverhalten, emotionale Taubheit und Übererregung.
  • Wie kann die Aufrechterhaltung der Störung erklärt werden?

    Lösung

    Ausgehend vom kognitiv-behavioralen Modell von Ehlers und Clark (2000) besteht der Kern der PTBS in der Wahrnehmung einer weiterbestehenden Bedrohung, die durch das Traumagedächtnis, die dysfunktionale Interpretation des Traumas und seiner Konsequenzen sowie durch das dysfunktionale Sicherheits- und Vermeidungsverhalten beeinflusst wird. Neben dem Traumagedächtnis, das den willentlichen Abruf vollständiger Erinnerungen erschwert und gleichzeitig die Betroffenen ungewollt an das Trauma wiedererinnert, lösen negative Interpretationen des Traumas und seiner Konsequenzen das Gefühl einer weiterbestehenden Bedrohung aus. Sobald die Wahrnehmung einer gegenwärtigen Bedrohung ausgelöst wird, kommt es zu intrusiven Wiedererinnerungen, Symptomen der Übererregung und starken emotionalen und sensorischen Reaktionen. Als Folge werden behaviorale und kognitive Strategien zur Reduktion des Bedrohungsgefühls aktiviert. Diese Vermeidungsstrategien führen in der Regel zu einer kurzfristigen Entlastung, verstärken jedoch langfristig die Vermeidungstendenz und verhindern korrektive Erfahrungen mit traumassoziierten Stimuli. Hierdurch tragen die Vermeidungsstrategien wiederum zur Aufrechterhaltung der negativen Interpretation traumaassoziierter Stimuli bei.
  • Wie ist der typische Verlauf einer PTBS?

    Lösung

    Nach dem Erleben eines traumatischen Stressors kann sich eine PTBS in jedem Alter entwickeln. Die Symptome entstehen meist sofort nach dem traumatischen Erlebnis, in 3–10 % der Fälle tritt jedoch erst nach sechs Monaten oder später eine PTBS auf. Bei mehr als einem Drittel der Befragten des National Community Survey fanden sich auch noch zehn Jahre nach der Traumatisierung wöchentliche Symptome der PTBS.
  • Welche Verfahren haben sich als wirksam in der Behandlung der PTBS erwiesen?

    Lösung

    Nach einer Metaanalyse von Bradley et al. (2005) zur Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen bei PTBS erzielen Expositionsverfahren mit einer Effektstärke von 1.57 und kognitive Verhaltenstherapien mit einer Effektstärke von 1.65 die höchsten Effekte. Auch EMDR weist hier mit einer Effektstärke von 1.43 eine gute Wirksamkeit auf. Hinsichtlich der Pharmakotherapie konnte die Metaanalyse von van Etten und Taylor (1998) mittlere Effektstärken von 1.38 für selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs) nachweisen.
  • Welches sind die beiden Hauptsymptome der Zwangsstörung?

    Lösung

    Zwangsgedanken und Zwangshandlungen.
  • Worin unterscheiden sich Zwangsgedanken von Zwangshandlungen?

    Lösung

    In ihrer Funktionalität: Zwangsgedanken lösen bei den Betroffenen Angst oder Unruhezustände aus. Zwangshandlungen dienen in der Regel dazu, die durch Zwangsgedanken ausgelöste Angst wieder zu reduzieren oder befürchtete Katastrophen abzuwenden (= neutralisieren).
  • Nennen Sie drei irrationale Überzeugungen bei Menschen mit Zwangsstörung.

    Lösung

    Überschätzung der Bedeutsamkeit von Gedanken (Thought-Action-Fusion), Notwendigkeit, Gedanken zu kontrollieren, Überhöhtes Verantwortungsgefühl
  • Bei welchen anderen Störungen können zwanghafte Verhaltensweisen auftreten?

    Lösung

    Bei Essstörungen (ritualisiertes Essverhalten), Hypochondrie (Kontaminationsängste), Depression (zwanghaftes Grübeln) oder wahnhaften Störungen (religiöse Wahngedanken).
  • Nennen Sie drei häufige Inhalte von Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen.

    Lösung

    Wasch- und Reinigungszwänge: Gedanke Befürchtung von Verunreinigung oder Ansteckung mit einem Krankheitserreger, Handlung exzessives Händewaschen, ritualisiertes Duschen, übermäßiges Reinigen von Alltagsgegenständen; Kontrollzwänge: Gedanke Befürchtung, durch eigene Nachlässigkeit für eine Katastrophe (Brand, Firmenpleite, Unfall) verantwortlich zu sein, Handlung Kontrollieren von Elektrogeräten, Schlössern oder der eigenen Arbeit; Symmetrie- und Ordnungszwänge: Gedanke keine konkreten Gedanken bzw. Befürchtung, dass ein Unglück eintritt, wenn Ordnung nicht hergestellt (magisches Denken), Handlung Drang, Gegenstände in einer bestimmten Anordnung oder Symmetrie zu arrangieren
  • Treten aufdringliche Gedanken nur bei Menschen mit Zwangserkrankung auf?

    Lösung

    Nein. Befunde zeigen, dass 90% aller Menschen gelegentlich aufdringliche Gedanken erleben.
  • Welche Rolle spielt die Interpretation von Zwangsgedanken bei der Aufrechterhaltung der Störung?

    Lösung

    Erst aufgrund der katastrophisierenden Interpretation der Zwangsgedanken gewinnen die an sich normalen Gedanken an Wichtigkeit. Somit schenken die Betroffenen dem vermeintlich bedeutungsvollen Gedanken vermehrt Aufmerksamkeit, wodurch sich der Gedanke immer häufiger in den Gedankenstrom drängt.
  • Wie erklärt das kognitiv-behaviorale Modell die Aufrechterhaltung von Zwangshandlungen?

    Lösung

    Die Aufrechterhaltung von Zwangshandlungen wird im Rahmen des kognitiv-behavioralen Modells durch operante Konditionierungsmechanismen erklärt: Das Ausführen von Zwangshandlungen führt bei den Betroffenen kurzfristig zu einer Reduktion der (durch die Zwangsgedanken ausgelösten) Angst. Durch diesen Wegfall der Angst wird die Zwangshandlung negativ verstärkt (= belohnt).
  • Welche Gehirnstruktur scheint bei Zwangsstörungen eine wichtige Rolle zu spielen?

    Lösung

    So genannte kortiko-striato-thalamo-kortikale (CSTC) Regelkreise. Das Modell gestörter CSTC geht davon aus, dass bei Zwangspatienten ein Ungleichgewicht der indirekten zugunsten der direkten Regelschleifen vorliegt, was zu einer Überaktivität des Thalamus führt.
  • Was ist die Therapie der Wahl bei Zwangsstörungen, und was ist ihr Hauptelement?

    Lösung

    Die kognitive Verhaltenstherapie ist die Therapie der Wahl bei Zwangsstörungen. Hauptelement stellt hierbei die Exposition mit Reaktionsverhinderung dar.
  • Welches sind die Kernmerkmale der Anorexia nervosa (AN)?

    Lösung

    selbst herbeigeführtes Untergewicht, Angst vor Gewichtszunahme, negatives Körperbild
  • Wie unterscheidet sich die AN mit aktiven Maßnahmen zur Gewichtsabnahme von der Bulimia nervosa?

    Lösung

    Bei bestehendem Untergewicht sollte die Diagnose Bulimia nervosa nicht vergeben werden.
  • Welche Faktoren spielen bei der Entstehung der AN eine Rolle?

    Lösung

    genetische Faktoren, psychische Vulnerabilität (z. B. negative Affektivität), familiäre Probleme (z. B. Vernachlässigung, Überprotektion), elterliche Psychopathologie, prämorbide aversive Erfahrungen (z. B. physischer oder sexueller Missbrauch), Perfektionismus, familiäre Konflikte, hohe elterliche Anforderungen
  • Was sind Aufrechterhaltungsfaktoren der AN?

    Lösung

    negatives Körperbild, Gefühl der Selbstkontrolle, anerkennende Rückmeldungen anderer bei erfolgreicher Nahrungsrestriktion, Angst vor einer Gewichtszunahme, negative kognitive Schemata, gestörte Regulation von Hunger und Sättigung, sozialer Rückzug, klinisch signifikanter Perfektionismus, geringes Selbstwertgefühl, Affektregulationsdefizite, interpersonelle Probleme
  • Wann ist eine stationäre Behandlung der AN angezeigt?

    Lösung

    Bei folgenden Symptomen ist eine stationäre Behandlung der AN angezeigt: gravierendes Untergewicht, rapider Gewichtsverlust, schwere bulimische Symptomatik, ausgeprägte psychische Komorbidität, körperliche Gefährdung oder Komplikationen, lange Wartezeiten auf eine ambulante Therapie
  • Wie sollte die AN behandelt werden?

    Lösung

    Therapie der Wahl ist bei Kindern und Jugendlichen die familienbasierte Therapie (Maudsley-Modell), bei Erwachsenen die kognitiv-behaviorale Therapie.
  • Wie sind Essanfälle definiert?

    Lösung

    Essen von erheblich größeren Nahrungsmengen als andere unter vergleichbaren Umständen essen, gekoppelt mit einem Gefühl des Kontrollverlusts über das Essverhalten.
  • Worin besteht „Purging“-Verhalten?

    Lösung

    „Purging“-Verhalten bezeichnet kompensatorische Maßnahmen, um einer Gewichtszunahme gegenzusteuern, z. B. selbst herbeigeführtes Erbrechen sowie Missbrauch von Laxantien, Diuretika, anderen Arzneimitteln oder Klistieren. Es ist von anderen kompensatorischen Maßnahmen wie Fasten und übermäßiger körperlicher Betätigung abzugrenzen.
  • Welche Risikofaktoren spielen bei der Entwicklung einer Bulimia nervosa (BN) eine Rolle?

    Lösung

    Biologische und psychosoziale Risikofaktoren (z. B. psychische Vulnerabilität, Missbrauch, familiäre Probleme, figur- und gewichtsbezogene Kritik, Adipositas in der Kindheit) spielen eine Rolle.
  • Beschreiben Sie den „Teufelskreis“ der BN (Aufrechterhaltungsmodell).

    Lösung

    negatives Körperbild --> extreme Nahrungseinschränkung --> physiologisch: Mangelernährung, Heißhunger; psychologisch: negativer Affekt, Abstinenzverletzung --> Essanfälle --> Angst zuzunehmen --> kurzfristige Angstreduktion durch gegensteuernde Maßnahmen --> langfristige Verstärkung des negativen Körperbildes
  • Was sind die Vor- und Nachteile strukturierter Essstörungsinterviews?

    Lösung

    Vorteile: höhere Reliabilität und Validität als Selbstbeurteilungsfragebögen, Eignung zur Essstörungsdiagnostik; Nachteile: zeitaufwändig, von Experten durchzuführen
  • Nennen Sie die inhaltlichen Schwerpunkte der drei Phasen der kognitiven Verhaltenstherapie für die BN.

    Lösung

    Aufbau eines gesunden Essverhaltens, Umstrukturierung dysfunktionaler Gedanken sowie Erwerb neuer Fertigkeiten, Aufrechterhaltung des Gelernten und Rückfallprophylaxe
  • Was unterscheidet die Binge-Eating-Störung (BES) von der Bulimia nervosa?

    Lösung

    Bei der BES sind im Gegensatz zur Bulimia nervosa keine regelmäßigen, unangemessenen Maßnahmen zur Kompensation eines Gewichtsanstiegs, wie z. B. selbst herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Laxantien oder Diuretika zu beobachten.
  • Welche Folgen kann eine komorbide Adipositas haben?

    Lösung

    Stigmatisierung, soziale Diskriminierung, erhöhtes Risiko medizinischer Komplikationen
  • Welche Faktoren halten eine BES aufrecht?

    Lösung

    Das kognitiv-behaviorale Modell konzeptualisiert vor allem ein negatives Körperbild, ein gezügeltes Essverhalten und negative Stimmung als Aufrechterhaltungsfaktoren. Das transdiagnostische Modell spezifiziert zusätzlich einen klinisch signifikanten Perfektionismus, ein grundlegend geringes Selbstwertgefühl, Affektregulationsdefizite und interpersonelle Probleme als häufige Aufrechterhaltungsfaktoren.
  • Welche wesentlichen therapeutischen Ansätze stehen für die BES zur Verfügung, und welche sind ihre Ansatzpunkte?

    Lösung

    kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Behandlung spezifischer Aufrechterhaltungsfaktoren von Essanfällen, IPT zur Behandlung der interpersonellen Aufrechterhaltungsfaktoren von Essanfällen, Adipositas-Verhaltenstherapie zur Gewichtsreduktion
  • Wie effektiv ist die KVT bei der BES?

    Lösung

    KVT gilt als Standardbehandlung der BES. Mit KVT können eine kurz- und langfristiger Reduktion der Essanfallssymptomatik und der assoziierten Essstörungs- und allgemeinen Psychopathologie sowie eine Stabilisierung des BMI erzielt werden.
  • Welche Diagnose würde ein Patient mit sog. „psychogener Erblindung“ am ehesten erhalten?

    Lösung

    Konversionsstörung
  • Patienten mit Somatisierungsstörung und solche mit Hypochondrie gehen üblicherweise aus verschiedenen Motiven zum Arzt – worin liegt der Unterschied?

    Lösung

    Somatisierungsstörung: Der Patient erhofft sich i.d.R. eine Diagnose und Therapie, Hypochondrie: Der Patient erhofft die Nicht-Bestätigung seiner Krankheitsbefürchtung (also das Gegenteil einer Diagnose!).
  • Nennen Sie vier Beispiele für dysfunktionales Krankheitsverhalten bei somatoformen Störungen.

    Lösung

    Schon- und Vermeidungsverhalten, Vermeidungsverhalten, Klageverhalten, sicherheitssuchendes Verhalten
  • Welche Übungen zur Exposition mit Reaktionsverhinderung können bei somatoformen Störungen Anwendung finden?

    Lösung

    achtsame Wahrnehmung körperlicher Empfindungen, Provokation körperlicher Missempfindungen, Aufsuchen vermiedener Situationen (z. B. Krankenhäuser), Verminderung sicherheitssuchenden Verhaltens (z. B. keine ärztliche Rückversicherung einholen)
  • Skizzieren Sie die wichtigsten Symptome der Schizophrenie. Worin unterscheiden sich Positiv- und Negativsymptomatik?

    Lösung

    Häufige Symptome der Schizophrenie sind Wahnideen, Halluzinationen, formale Denkstörungen, inadäquater Affekt, Sprachverarmung sowie sozialer und emotionaler Rückzug. Während Positivsymptome das gewöhnliche Erleben und Verhalten von Menschen erweitern, stellen die Negativsymptome Defizite bei normalerweise vorhandenen, psychischen Funktionen dar.
  • Nennen Sie jeweils einen biologischen und einen psychosozialen Faktor, der mit der Entstehung von Schizophrenie in Zusammenhang gebracht wird.

    Lösung

    Zu den biologischen Ursachen werden genetische Faktoren, Veränderungen der Neurotransmitter (v. a. Dopamin), strukturelle Veränderungen des Gehirns sowie prä- und perinatale Komplikationen gezählt. Kritische Lebensereignisse, alltägliche Stressoren sowie traumatische Erlebnisse gelten als psychosoziale Risikofaktoren.
  • Welche therapeutischen Interventionen bei Schizophrenie kennen Sie?

    Lösung

    Neben antipsychotischer Medikation stehen verschiedene, wirksame, psychologische Interventionen zur Behandlung der Schizophrenie zur Verfügung. Hierzu zählen kognitive Verhaltenstherapie, Psychoedukation, kognitive Remediationsprogramme und metakognitive Trainings.
  • Wie sind Persönlichkeitsstörungen definiert?

    Lösung

    Persönlichkeitsstörungen sind definiert als „überdauerndes Muster von innerem Erleben und Verhalten, das merklich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweicht, tiefgreifend und unflexibel ist […] und zu Leid oder Beeinträchtigungen führt“ (Saß, Wittchen & Zaudig, 1996).
  • Welche Persönlichkeitsstörungen können nach ICD-10 diagnostiziert werden?

    Lösung

    Nach ICD-10 werden die Paranoiden, Schizoiden, Dissozialen, Emotional instabilen (Impulsiver Typ und Borderline Typ), Histrionischen, Anankastischen (zwanghaften), Ängstlichen (vermeidenden), Abhängigen (asthenischen), Sonstigen spezifischen und Nicht näher bezeichneten Persönlichkeitsstörungen diagnostiziert.
  • Wie erfolgt eine optimale Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen?

    Lösung

    Als allgemeiner „Goldstandard“ der Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen werden strukturierte Interviews empfohlen. Dabei sind insbesondere das Strukturierte Klinische Interview für DSM-IV, Achse II: Persönlichkeitsstörungen (SKID-II) sowie die International Personality Disorder Examination (IPDE) als wichtigste Verfahren zu nennen.
  • Warum sollte die reine Selbstbeurteilung nicht zur Diagnosestellung einer Persönlichkeitsstörung herangezogen werden?

    Lösung

    Die reine Selbstbeurteilung sollte nicht zur Diagnosestellung einer Persönlichkeitsstörung herangezogen, da die Symptomatik von Betroffenen häufig als ich-synton und nicht störend empfunden wird. Die Selbstbeurteilung kann somit nur einen Anhaltspunkt zur Diagnosestellung einer Persönlichkeitsstörung liefern.
  • Wodurch sind Persönlichkeitsstörungen der Cluster A, B und C jeweils gekennzeichnet?

    Lösung

    Im Cluster A sind Persönlichkeitsstörungen subsummiert, die durch sonderbares oder exzentrisches Verhalten gekennzeichnet sind. Im Cluster B finden sich solche Persönlichkeitsstörungen mit dramatischen, emotionalen oder launischen Verhaltenszügen. Dem Cluster C werden solche Persönlichkeitsstörungen zugeordnet, die sich durch ängstliche oder vermeidende Gedanken- und Verhaltensmuster auszeichnen.
  • Welche Behandlungshierarchie gilt es bei der Therapie von Persönlichkeitsstörungen zu beachten?

    Lösung

    Nach der Behandlungshierarchie von Bohus (1999) weist die Behandlung von Suizidalität oder Fremdgefährdung der Patienten oberste Priorität auf. An zweiter Stelle werden allgemeine Therapiegefährdungen behandelt, die eine (erfolgreiche) Weiterführung der Therapie behindern. Nach Abklärung dieser Aspekte stehen die Störungen der Verhaltenskontrolle sowie die Störungen des emotionalen Erlebens auf Platz drei und vier, gefolgt von Hilfestellungen bei Problemen der Lebensgestaltung, welche die vergleichsweise niedrigste Behandlungspriorität aufweisen.
  • Wann spricht man schädlichem Gebrauch und wann von Abhängigkeit?

    Lösung

    Der „schädliche Gebrauch“ von Substanzen führt zu einer Schädigung der physischen oder psychischen Gesundheit bzw. hat bereits dazu geführt. Bei „Abhängigkeit“ kann ein starkes Verlangen nach der Substanz und/oder verminderte Kontrollfähigkeit erlebt werden. Bei Abstinenz treten körperliche oder psychische Entzugserscheinungen auf, und die Menge der konsumierten Substanz muss für die erwünschte Wirkung immer weiter gesteigert werden (Entwicklung von Toleranz). „Schädlicher Gebrauch“ und „Abhängigkeit“ sind beide im ICD-10 klassifiziert.
  • Was wissen Sie über die Prävalenz von Abhängigkeitserkrankungen?

    Lösung

    Der „riskante Konsum“ ist am weitesten verbreitet (z. B. 12-Monats-Punktprävalenz von schädlichem Alkoholkonsum: 29,7 %). Der „schädliche Gebrauch“ sowie die Alkoholabhängigkeit sind weniger häufig zu finden (z. B. 12-Monats-Punktprävalenz von Alkoholmissbrauch: 3,8 %; Alkoholabhängigkeit: 2,4 %). Bei allen anderen Substanzen ist diese Verteilung analog.
  • Was ist der Unterschied zwischen „riskantem Konsum“ und „schädlichem Gebrauch“?

    Lösung

    „Riskanter Konsum“ ist durch ein erhöhtes Risiko, eine substanzbezogene Störung zu bekommen, definiert. Er gilt selbst nicht als substanzinduzierte Störung und ist somit nicht im ICD-10 zu finden. Der „schädliche Gebrauch“ gibt als ein gesundheitsschädigendes Konsumverhalten und führt zu einer Schädigung der physischen oder psychischen Gesundheit bzw. hat bereits dazu geführt.
  • Welche Faktoren tragen zu Entstehung und Aufrechterhaltung von Abhängigkeitserkrankungen bei?

    Lösung

    Das Vulnerabilität-Stress-Modell als Entstehungsmodell für eine Suchterkrankung besteht zusammenfassend aus den Faktoren: Bedingungsfaktoren der Person, Umweltfaktoren und Merkmale der konsumierenden Substanz. Aufrechterhaltende Faktoren der Sucht sind nach Marlatt und Gordon (1985): fehlende Copingstrategien, verminderte Selbstwirksamkeit, positive Ergebniserwartung
  • Erläutern Sie das Rückfallspräventions-Modell von Marlatt und Gordon. Warum ist das Konzept des Rückfalls so zentral in der Behandlung von Abhängigkeiten? Welche Ansatzpunkte für die Therapie ergeben sich aus dem Modell?

    Lösung

    Das Rückfallspräventions-Modell von Marlatt und Gordon stellt den Prozess eines möglichen Rückfalls dar. Der Rückfall ist der Bedingungsfaktor einer Abhängigkeit, und somit ist die Unterbrechung dieses „Teufelskreis“ der Aufrechterhaltung der Sucht der einzige Weg zur Abstinenz. An jedem einzelnen Schritt im Modell ist bei der Rückfallsprävention therapeutisch anzusetzen.
  • Welche Zielstellungen ergeben sich allgemein für die Therapie von Missbrauchs- und Abhängigkeitserkrankungen?

    Lösung

    Ziel einer erfolgreichen Suchttherapie ist immer die vollständige Abstinenz, weswegen Motivationsförderung und -erhaltung sowie Rückfallsprävention zentral sind. Zur Erlernung alternativen Umgangsweisen mit externen (soziale Konflikte) oder internen Auslösern (negative Gefühle) sollten Therapieansätze auf eine Stärkung der Emotionsregulations-, Kommunikations- und Entspannungsfähigkeit abzielen.
  • Was kennzeichnet das Vorgehen der Anonymen Alkoholiker?

    Lösung

    Die Anonymen Alkoholiker sind eine Selbsthilfegruppe, bei der ehemalige Alkoholiker und akut Betroffene sich gegenseitig bei der Abstinenz helfen.
  • Beschreiben Sie eine mögliche Vorgehensweise bei einem „cue exposure“ in der Therapie von Abhängigkeitserkrankungen.

    Lösung

    Der Patient konfrontiert sich mit den „Schlüsselreizen“ in den Rückfallrisikosituationen zuerst in sensu und dann in vivo. Zuvor wird ein alternativer Umgang mit diesen erarbeitet.
  • Warum lassen sich Emotionsregulationstrainings als wichtiges Element in der Behandlung von Alkoholikern sehen?

    Lösung

    Beispiele für Hochrisikosituationen, die Auslöser eines möglichen Rückfalls werden können, sind unter anderem negative Emotionen wie Wut, Sorgen, Langeweile oder Depression. Hier wäre eine erfolgreiche Emotionsregulationsstrategie langfristig ein Schutz vor dem gewohnten Substanzkonsum.
  • Was wissen Sie über die Effektivität von (psychosozialen) Interventionen im Suchtbereich?

    Lösung

    Die langfristige Effektivität der ambulanten Ansätze wurde in Metaanalysen von Süss et al. (1995) für Alkoholerkrankte und von Dutra et al. (2008) für Drogenabhängige ausgewertet. Die Abstinenzraten nach abgeschlossener Therapie liegen bei 76 % Abstinenz nach Alkoholabhängigkeit; ein deutlich gebesserter Zustand der Alkoholabhängigkeit bei 82 %; Abstinenz nach Abhängigkeit von Opiaten: 36 %; Abstinenz nach Abhängigkeit von Kokain: 32 %; Abstinenz nach Abhängigkeit von Cannabis: 26 %
  • Was versteht man unter erworbenen Hirnschädigungen?

    Lösung

    Erworbene Hirnstörungen entstehen durch körperliche Erkrankungen, die das Gehirn entweder direkt oder indirekt betreffen. Die häufigsten Ursachen stellen Schädel-Hirn-Traumata, Gefäßerkrankungen sowie demenzielle Erkrankungen dar.
  • Was sind typische psychische Folgen erworbener Hirnschädigungen?

    Lösung

    In Abhängigkeit von Ursache sowie Ausmaß und Ort der Schädigung im Gehirn treten unterschiedliche Symptome auf. Dazu gehören sensorische und motorische Ausfälle sowie neuropsychologische Störungen der verschiedenen kognitiven Leistungsbereiche. Veränderungen der emotional-motivationalen Verarbeitung sowie Verhaltensauffälligkeiten stellen ebenfalls mögliche Erkrankungsfolgen dar. Komorbide psychische Störungen sind häufig. Die psychosozialen Folgen der Erkrankung können alle Lebensbereich des Patienten und seine Teilhabe an der Gesellschaft betreffen.
  • Welche psychologischen Behandlungsansätze gibt es? Wie effektiv sind diese Ansätze?

    Lösung

    Neuropsychologische Ansätze umfassen Bemühungen um Restitution und Kompensation der kognitiven Defizite. Ihre Wirksamkeit übersteigt Effekte der Spontanremission, die kontrollierten Prä-Post-Effektstärken liegen im mittleren Bereich. Andere psychotherapeutische Interventionen zielen auf die Behandlung komorbider psychischer Störungen und Unterstützung im Prozess der Krankheitsbewältigung (Adaptation).
  • Welche Besonderheiten müssen in der Therapie erworbener Hirnschädigungen berücksichtigt werden?

    Lösung

    Die psychotherapeutische Behandlung von Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen muss das eventuell mangelnde Störungsbewusstsein der Betroffenen berücksichtigen sowie realistische Ziele in Anbetracht chronischer Erkrankungsfolgen formulieren. Die Umsetzung erfordert eine Anpassung an mögliche kognitive Einschränkungen des Patienten und muss den Transfer der Therapieinhalte in den Alltag besonders unterstützen.
  • Wann spricht man von gestörter Sexualität?

    Lösung

    Wenn Beeinträchtigungen im sexuellen Verhalten und Erleben und in physiologischen Reaktionen zu subjektiv empfundenem Leidensdruck führen und wenn eine ausschließlich organmedizinische Verursachung ausgeschlossen werden kann.
  • Welches ist das Grundprinzip des Sensate Focus?

    Lösung

    Das Grundprinzip des Sensate Focus ist, dass Sexualität auf unbelastete Phasen reduziert wird und in den ersten Phasen ein Koitusverbot vorherrscht. Nach und nach werden je nach Stufe neue Verhaltensweisen hinzugefügt, die möglichst erwartungsfrei erlebt werden sollen.
  • Wodurch unterscheidet sich sexuelle Delinquenz vom Begriff der Paraphilie?

    Lösung

    Bei sexuell delinquentem Verhalten werden anders als bei Paraphilien die Freiheitsrechte der Opfer in Bezug auf Sexualität mithilfe von Zwangsmaßnahmen unterdrückt. Solche Handlungen ziehen eine strafrechtliche Verfolgung nach sich. Es gibt jedoch auch Paraphilien, die unter Einverständnis der Interaktionspartner zwar als soziokulturell deviant bezeichnet werden können, jedoch zu keiner unerwünschten Beeinträchtigung führen (z. B. Fetischismus oder Masochismus).
  • Was versteht man unter einer nicht-organischen (primären) Insomnie?

    Lösung

    Personen mit einer nicht-organischen (primären) Insomnie leiden unter Ein- und/oder Durchschlafstörungen, frühmorgendlichem Erwachen, nicht-erholsamem Schlaf und damit verbundenen Beeinträchtigungen der Tagesbefindlichkeit, ohne dass eine organische Ursache dafür besteht.
  • Welche Faktoren tragen zur Aufrechterhaltung von Schlafstörungen bei?

    Lösung

    Das psychophysiologische Modell der primären Insomnie benennt vier aufrechterhaltende Faktoren: Hyperarousal auf physiologischer, kognitiver und emotionaler Ebene; dysfunktionale, schlafbehindernde Kognitionen und Grübeln; dysfunktionale Schlafgewohnheiten wie Tagschlaf; Konsequenzen der Schlaflosigkeit wie Müdigkeit und Leistungsbeeinträchtigung. Diese Faktoren spielen nicht nur bei primären Insomnien, sondern auch bei organisch oder psychisch bedingten Schlafstörungen eine wichtige Rolle.
  • Welche Rolle spielen Benzodiazepine bei der Behandlung von Schlafstörungen?

    Lösung

    Benzodiazepine werden in Hausarztpraxen am häufigsten zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Sie sind kurzfristig sehr wirksam, haben jedoch viele Nebenwirkungen und können bei Absetzen selbst zu Schlafstörungen führen (Rebound-Insomnie). Daher sollten sie nicht länger als drei Wochen lang eingenommen werden.
  • Welche kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungsansätze sind wirksam?

    Lösung

    Wirksame kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze beinhalten Entspannungsmethoden, Psychoedukation, Schlafhygiene, Stimuluskontrolle, Restriktion der Zeit im Bett und kognitive Techniken wie kognitive Umstrukturierung, paradoxe Intention, Problemlösetechniken oder Gedankenstopptechnik.
  • Warum sollte psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden?

    Lösung

    Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter zeichnen sich durch eine hohe Lebenszeitprävalenz aus. Die Mehrzahl der psychischen Störungen tritt vor dem 14. Lebensjahr auf, zwei Drittel vor dem 25. Lebensjahr; bei späterem Auftreten handelt es sich vornehmlich um komorbide Störungen und nicht um Erstmanifestationen. Trotz dieser hohen Prävalenz stehen Kindern und Jugendlichen bislang nur unzureichende präventive und therapeutische Angebote zur Verfügung, wobei keine oder eine zu späte Behandlung zu einem chronischen Verlauf und späteren Beeinträchtigungen beitragen.
  • Wie lassen sich Angststörungen im Kindes- und Jugendalter klassifizieren? Worauf ist bei der Diagnostik zu achten?

    Lösung

    Das ICD-10 unterscheidet die „Emotionale Störung mit Trennungsangst“, „Phobische Störungen des Kindes- und Jugendalters“, „Störungen mit sozialer Ängstlichkeit des Kindes- und Jugendalters“ und die „Generalisierte Angststörung des Kindes- und Jugendalters“. Da Ängste im Entwicklungsverlauf von Kindern und Jugendlichen normal sind, ist bei der Diagnostik darauf zu achten, das die Angst nicht altersgemäß und übermäßig ist. Hilfreich ist es, diagnostisch verschiedene Lebensbereiche zu erfassen. Für sehr junge Kinder stehen oftmals keine standardisierten diagnostischen Verfahren zur Verfügung, so dass Symptome und Auftreten ausführlich im Gespräch erfasst werden müssen.
  • Welche altersgruppenspezifischen Unterschiede lassen sich bei depressiv erkrankten Kindern und Jugendlichen diagnostizieren?

    Lösung

    Kleinkinder zeigen eher somatische Symptome, Angstsymptome und Verhaltensprobleme und wirken passiv und desinteressiert. Kinder im Schulalter zeigen Traurigkeit und Versagensängste und berichten Rückzug, Schlafstörungen, mangelnde Fähigkeit, sich zu freuen, vermindertes Interesse an motorischen Aktivitäten und erhöhte Irritierbarkeit/emotionale Instabilität. Im mittleren Kindesalter treten zunehmend kognitive Beeinträchtigungen auf. Die Symptome Jugendlicher ähneln denen von Erwachsenen: Sie leiden unter Leistungsproblemen, Antriebs- und Interessenlosigkeit, Zukunftsängsten sowie geringem Selbstwert.
  • Welche Faktoren führen zu Unterschieden in den Prävalenzschätzungen bei verschiedenen Studien?

    Lösung

    Prävalenzschätzungen werden durch die verwendeten diagnostischen Kriterien (z. B. DSM-IV vs. ICD-10), die Informationsquellen (z. B. Selbsturteil, Fremdurteil, Kombination, Verhaltensbeobachtung), die Messinstrumente sowie durch Alter, Geschlecht und den sozioökonomischen Status beeinflusst.
  • Nenne verschiedene Risikofaktoren für Störungen des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalter.

    Lösung

    Es gibt kontextuelle (z. B. Armut, Gleichaltrige, Wohngegend), familiäre (z. B. hoher familiärer Stress, psychische Erkrankung eines Elternteils, schlechte Eltern-Kind-Beziehung) und individuelle (z. B. Temperament, geringe Hemmung, Defizite in der Emotionsregulation, kognitive Verzerrungen) Risikofaktoren, die zur Entwicklung einer Störung des Sozialverhaltens beitragen können.
  • Fertig!

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Kapitel 1: Was ist Klinische Psychologie?

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