Klinische Psychologie und Psychotherapie, Band II

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Klinische Psychologie und Psychotherapie, Band II: Therapieverfahren

ISBN: 
978-3-642-25522-9

Klinische Psychologie und Psychotherapie in zwei Bänden – lernfreundlich, praxisnah, kompakt und komplett! Für Psychologie-Studierende im Bachelor oder zur Vorbereitung auf den Master.

Dieser Band enthält alle prüfungsrelevanten Themen zu Verfahren in Psychotherapie und Beratung – von klassischen Verfahren wie der kognitiven Verhaltenstherapie bis hin zu modernen Ansätzen wie CBASP oder Internettherapie sowie den Wirkfaktoren von Psychotherapie.

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Kompakt: Eine ausführliche Randspalte (fast-track) enthält das Wichtigste in Kürze, damit auch unter Zeitdruck alles Wesentliche hängenbleibt.

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BegriffErklärung
AblenkungEine anhaltende, repetitive Neuausrichtung der Aufmerksamkeit auf sensorische Inputs im Zuge der achtsamkeitsbasierten Ansätze hilft dabei, störungsaufrechterhaltende Teufelskreise zu durchbrechen. Sofern Ablenkung nicht rigide zur Vermeidung aversiven Erlebens eingesetzt wird, kann sie als wichtiger Wirkfaktor angesehen werden.
AbwehrmechanismenVerschiedene und zum größten Teil unbewusst ablaufende Strategien, die der Mensch der psychoanalytischen Theorie zufolge verwendet, um schmerzhafte und unangenehme Gefühle vom Bewusstsein fernzuhalten und ein psychisches Gleichgewicht beizubehalten.
AchtsamkeitSelbstregulatorischer Prozess, der auf bewusstes, nichtwertendes Erleben aktueller subjektiver Erfahrungen (z. B. Körperempfindungen, Sinneseindrücke, Gedanken, Erinnerungen, Gefühle) abzielt. Umgang mit diesen Erfahrungen im Sinne der Achtsamkeit zeichnet sich durch Neugier, Akzeptanz, Offenheit und Selbstunterstützung aus.
Achtsamkeitsassoziierte VerfahrenVerfahren, bei denen Achtsamkeit eine von mehreren eingesetzten Vorgehensweisen ist.
Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie bei Depressionen [Mindfulness-Based Cognitive Therapy for Depression (MBCT)]MBCT ist ein strukturiertes Verfahren, das sich in der Versorgungslandschaft etabliert hat. MBCT kombiniert KVT mit achtsamkeitsbasierten Interventionen zur Rückfallprävention bei Patienten mit unipolarer Depression. In der MBCT liegt der Fokus im Gegensatz zur kognitiven Therapie weniger auf der Veränderung von Denkinhalten, sondern auf einer größeren Distanz bei gleichzeitiger Akzeptanz gegenüber den eigenen Gedanken.
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Frage 1 von 76
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  • Wann trat das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) in Kraft, und welche wichtigen Funktionen hat es?

    Lösung

    Das PsychThG trat 1999 in Kraft und schützt den Begriff „Psychotherapeut“, verlangt zur Berufsausübung eine Approbation, regelt Zugangsvoraussetzungen und grenzt Therapie gegenüber Beratung im weiteren Sinne ab.
  • Anhand welcher Merkmale lassen sich Beratung und Psychotherapie voneinander unterscheiden?

    Lösung

    Psychotherapie lässt sich von Beratung z. B. hinsichtlich der folgenden Punkte unterscheiden: Es werden nur Störungen mit Krankheitswert behandelt, es werden begleitete Veränderungsprozesse angestrebt, und es werden weniger vorhandene Problemlösekompetenzen vorausgesetzt.
  • Was müssen Psychologische Psychotherapeuten hinsichtlich Schweigepflicht beachten, und welche Gesetze regeln die Schweigepflicht sowie mögliche Ausnahmen?

    Lösung

    Die Schweigepflicht muss sehr sorgfältig eingehalten werden. Daten und Informationen über den Patienten dürfen nur mit dessen ausdrücklicher Genehmigung (sog. Schweigepflichtsentbindung) weitergegeben werden. Selbst Straftaten, sofern sie in der Vergangenheit liegen, fallen unter die Schweigepflicht. Nur in solchen (Ausnahme-)Fällen, in denen vom Patienten (weiterhin) Gefahr für andere oder sich selbst ausgeht, kann bzw. muss die Schweigepflicht gebrochen werden, z. B. um einen Mord, Völkermord, erpresserischen Menschenraub oder terroristischen Angriff zu verhindern. Die Paragrafen zur Schweigepflicht sowie mögliche Ausnahmen davon sind § 34, § 139 und § 203 des Strafgesetzbuches.
  • Welche stationären und ambulanten Versorgungsformen kennen Sie?

    Lösung

    Ambulant: niedergelassener Therapeut in eigener Praxis, (Hochschul-)Ambulanzen, Tageskliniken; Stationär: Psychiatrie, Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik sowie psychosomatische Rehabilitation
  • Was ist der Unterschied zwischen Therapie- und Veränderungsmotivation?

    Lösung

    Therapiemotivation bezieht sich auf die Motivation, eine Therapie zu beginnen und fortzuführen, wohingegen Veränderungsmotivation sich auf die Motivation bezieht, das eigene Leiden zu überwinden und auch die dafür notwendigen Veränderungen vorzunehmen.
  • Welche Stadien der Veränderungen unterscheiden Prochaska und Di Clemente?

    Lösung

    Precontemplation, Contemplation, Determination/Preparation, Action, Maintenance, Relapse
  • Auf welchen Grundannahmen beruht die motivierende Gesprächsführung, und welche Techniken werden dabei eingesetzt?

    Lösung

    Grundannahmen: Autonomieverletzung (beim Patienten durch zu direktives Vorgehen des Therapeuten) führt zu Widerstand (Reaktanz); Patienten sind nicht änderungsresistent, sondern ambivalent motiviert; Menschen sollen sich eher von sich selbst überzeugen lassen als von anderen; Die Eigenmotivation zur Veränderung wächst, wenn die Motive für die Veränderung gestärkt und gleichzeitig die Motive gegen die Veränderung wertgeschätzt werden. Techniken: offenes Fragen aktives und empathischen Zuhören, bewusstes Würdigen der Leistungen des Patienten, Informationsvermittlung, Non-Direktivität/geleitetes Entdecken, systematisches Fördern von „change (und confidence) talk“, konstruktives Umgehen mit Widerstand, systematisches Fördern von Handlungsorientierung
  • Welches Ziel verfolgt die Elaboration positiver Perspektiven in der Psychotherapie (EPOS)?

    Lösung

    Mit EPOS sollen positive Annäherungsziele identifiziert bzw. aufgebaut und aus diesen konkrete (therapeutische) Veränderungsziele abgeleitet werden.
  • Was ist das Grundprinzip von Konfrontationstherapie, und welche vier Formen des Vorgehens lassen sich unterscheiden?

    Lösung

    Das Grundprinzip von Konfrontationsverfahren lautet: Patienten suchen als aversiv erlebte und bislang vermiedene Situationen mit therapeutischer Hilfe gezielt auf, um einen anderen Umgang mit den Situationen zu erwerben. Es lassen sich folgende vier Formen an Expositionsverfahren unterscheiden: in sensu vs. in vivo (Modalität), assiert vs. graduiert (Intensität der intendierten Problemaktivierung). Die massierte Konfrontation in vivo gilt als Verfahren der Wahl zur Behandlung von Angst- und Panikstörungen. Sie ist effizient, weil die Bewältigung der schwierigsten Situation das Bewältigen-Können leichterer Situationen impliziert. Außerdem übt der Patient den Umgang mit dem Überflutet-Werden und kann so die Erfahrung machen, dass selbst das Eintreten der schlimmsten Befürchtung nicht zu den befürchteten Konsequenzen führt.
  • Welche verhaltenstherapeutisch geprägten Möglichkeiten kennen Sie, mit denen sich unerwünschtes Verhalten reduzieren lässt? Was gilt es bei deren Einsatz zu beachten?

    Lösung

    Um das Auftreten unerwünschter Verhaltensweisen zu reduzieren, können die Methoden „indirekte Bestrafung“, „Löschung“ oder „Time out“ verwendet werden. Direkte Bestrafung sollte nur zum Einsatz kommen, wenn der Verzicht auf diese Methode zu noch negativeren Konsequenzen führen würde. Es ist darauf zu achten, dass die Intervention nicht nur auf die Reduktion dysfunktionaler Verhaltensweisen abzielt, sondern parallel auch der Aufbau alternativer funktionaler Verhaltensweisen gefördert wird.
  • Was ist die zentrale Annahme und Zielstellung kognitiver Verfahren?

    Lösung

    Kognitive Verfahren gehen davon aus, dass affektive, behaviorale und körperliche Symptome psychischer Störungen durch kognitive Verarbeitungsprozesse (mit-)bedingt sind. Mithilfe einer Vielzahl konkreter Vorgehensweisen streben sie an, dysfunktionale Informationsverarbeitungsprozesse zu identifizieren und zu modifizieren und so die psychische Gesundheit zu stabilisieren und/oder wiederherzustellen.
  • Was ist unter dem primären und dem sekundären ABC-Schema zu verstehen?

    Lösung

    Im primären ABC erzeugt die Bewertung (B) einer auslösenden Situation (A) eine affektive, behaviorale oder körperliche Konsequenz (C). Von einem sekundären ABC wird gesprochen, wenn die aus einem primären ABC-Schema folgenden Konsequenzen wiederum einen Bewertungsprozess durchlaufen und in Symptomstress (z. B. Angst vor der Angst, Scham bzgl. Traurigkeit) resultieren.
  • Welche drei Formen des kognitiven Disputs unterscheidet Albert Ellis?

    Lösung

    Ellis unterscheidet folgende Disputformen: logischer Disput: Patient wird mit logischen Widersprüchen in seinen Aussagen konfrontiert; empirischer Disput: Patient wird mit Widersprüchen seiner Annahmen zur erfahrbaren Welt konfrontiert; hedonistischer Disput: Patient wird mit negativen Konsequenzen einer bestimmten Bewertung konfrontiert.
  • Wie effektiv sind kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren?

    Lösung

    Die kognitive Verhaltenstherapie ist das mit Abstand am besten empirisch untersuchte Therapieverfahren. Eine Vielzahl von Studien belegt die Überlegenheit dieses Ansatzes im Vergleich zu einer großen Bandbreite von aktiven und passiven Kontrollbedingungen. In einer Reihe von Anwendungsfeldern existieren jedoch auch mindestens vergleichbar effektive Verfahren (z. B. IPT bei der Behandlung unipolarer Depressionen). Zu bedenken ist auch, dass ein signifikanter Anteil von Patienten (die Schätzungen liegen bei 20–50 %) auch nach kognitiv-verhaltenstherapeutischer Behandlung noch bedeutsame Symptome aufweist und dass bei einigen Störungsbildern initiale Therapieerfolge langfristig relativ instabil sind (z. B. bei unipolaren Depressionen).
  • Wer entwickelte die Gesprächspsychotherapie (GT) in ihrer ursprünglichen Form? Von welchen geistigen Strömungen war diese Entwicklung beeinflusst?

    Lösung

    Die Gesprächspsychotherapie (GT) wurde in ihrer ursprünglichen Form von Carl Rogers (und von Reinhard und Annemarie Tausch in Deutschland) entwickelt. Maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der GT nahmen Existenzialismus und Humanismus, Psychoanalyse, Behaviorismus sowie gestaltpsychologische und phänomenologische Ansätze.
  • Wie entstehen psychische Störungen nach Auffassung von Carl Rogers?

    Lösung

    Eine psychische Störung resultiert nach Rogers aus Inkongruenz. Diese manifestiert sich im Verleugnen, Verdrängen oder Verzerren von Erfahrungen. Solche Prozesse dienen letztlich dazu, ein instabiles Selbstbild zu schützen bzw. ein negatives Selbstwertgefühl zu stabilisieren.
  • Wodurch zeichnet sich eine „fully functioning person“ aus?

    Lösung

    Die „fully functioning person“ ist der hypothetische Endzustand der GT und zeichnet sich durch Erfahrungsoffenheit auf der Grundlage einer absoluten Selbst- und Fremdakzeptanz aus.
  • Welches sind die wichtigsten Elemente der therapeutischen Grundhaltung in der GT, und wie können diese umgesetzt werden?

    Lösung

    Die wichtigsten Elemente der therapeutischen Grundhaltung und deren Umsetzung sind: bedingungsfreie Akzeptanz: Interesse zeigen, bestätigen, sich solidarisieren; Empathie: einfühlendes Wiederholen sowie konkretisierendes, selbstkonzeptbezogenes und organismusbezogenes Verstehen; Echtheit/Kongruenz: konfrontieren, Beziehungen klären, sich selbst einbringen
  • Welche Weiterentwicklungen der GT gibt es?

    Lösung

    Focusing-Therapie nach Gendlin; Klärungs-/Zielorientierte Psychotherapie (KOP) nach Sachse; Prozess-/Erlebnisorientierte Therapie nach Greenberg; Emotionsfokussierte Therapie (EFT) nach Elliot und Greenberg
  • Was wissen Sie über die Wirksamkeit der GT?

    Lösung

    Metaanalysen weisen auf die Wirksamkeit der GT hin (Effektstärken von 0.91 bis 1.03). Dem wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie zufolge ist die GT ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren. Aufgrund des gegensätzlichen Urteils des Gemeinsamen Bundesausschusses wird sie derzeit jedoch nicht von den Krankenkassen finanziert.
  • Mit welchem Ziel wurde die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) entwickelt?

    Lösung

    Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) wurde gezielt für die ambulante Behandlung der unipolaren Depression entwickelt.
  • Was sind ihre grundlegenden Annahmen?

    Lösung

    Grundlegende Annahmen sind, dass (a) zwischenmenschliche Belastungen Auslöser, Folge und aufrechterhaltende Bedingung depressiver Erkrankungen sind und (b) die Lösung der aktuell störungsrelevanten zwischenmenschlichen Probleme zu einer Verbesserung der depressiven Symptomatik führt.
  • Was sind die vier Problembereiche der IPT?

    Lösung

    Die vier Problembereiche der IPT sind Trauer, unbewältigte Rollenwechsel, interpersonelle Konflikte und interpersonelle Defizite.
  • Welche Behandlungsphasen gibt es in der IPT?

    Lösung

    Die Behandlungsphasen der IPT sind die initiale Phase, der therapeutische Prozess, die Beendigungsphase und die Phase der Erhaltungstherapie.
  • Welche therapeutischen Techniken werden verwendet?

    Lösung

    Zu den therapeutischen Techniken der IPT gehören Exploration, Ermunterung zum Affektausdruck, Klärung, Kommunikationsanalyse und der Einsatz der therapeutischen Beziehung. Eine Verhaltensänderung soll mithilfe von direktiven Techniken, Entscheidungsanalyse und Rollenspielen erreicht werden.
  • Was für IPT-Erweiterungen gibt es?

    Lösung

    Neben der klassischen IPT zur Einzelbehandlung unipolarer Depression existieren Modifikationen und Erweiterungen für spezifische Patientencharakteristika (z. B. IPT für depressive Jugendliche oder bei postpartaler Depression), für weitere Störungsbereiche (z. B. bipolare Störungen, Angststörungen) sowie für variierende Behandlungsformate (z. B. stationäre, telefonische, Paar- oder Gruppenbehandlung).
  • Welche Wirksamkeitsnachweise liegen zur IPT vor?

    Lösung

    Positive Wirksamkeitsnachweise der IPT konnten insbesondere für affektive Erkrankungen, aber auch für die Essstörungen Bulimia nervosa und Binge Eating Disorder erbracht werden.
  • Was charakterisiert chronische verlaufende Depressionen?

    Lösung

    Als chronisch wird eine Depression bezeichnet, wenn sie länger als zwei Jahre anhält, unabhängig von den in dieser Zeit erfolgten Behandlungsversuchen.
  • Nennen Sie die Behandlungsziele von CBASP.

    Lösung

    Der Patient soll lernen, die unmittelbaren Konsequenzen seines chronisch depressiven Verhaltens zu erkennen. Er soll erkennen, welchen „Stimuluscharakter“ er für andere hat (wie er auf andere wirkt und welche Reaktionen er hervorruft). Er soll neue Fertigkeiten und Bewältigungsstrategien für interpersonelle Situationen erlernen. Zusätzlich sollen, wenn notwendig, frühe interpersonelle Traumata bearbeitet werden.
  • Was sind die therapeutischen Behandlungsmethoden und Vorgehensweisen von CBASP?

    Lösung

    Im CBASP wird viel mit Situationsanalysen und Fertigkeitstraining gearbeitet. Darüber hinaus spielen interpersonelle Strategien eine große Rolle.
  • Wie wirksam ist CBASP?

    Lösung

    CBASP wurde speziell für chronische Depressionen entwickelt und bisher nur an dieser Patientengruppe evaluiert. Es liegen einige vielversprechende Wirksamkeitsnachweise vor. Allerdings gibt es auch einige weniger eindeutige Befunde. Nach wie vor ist CBASP die einzige Therapieform, für die bei chronischer Depression in einer randomisierten Studie ein wesentlicher additiver Effekt zu Pharmakotherapie gezeigt werden konnte. Weitere Untersuchungen zur Wirksamkeit sind jedoch notwendig.
  • Welches gemeinsame Ziel haben die Psychodynamischen Psychotherapien?

    Lösung

    Das gemeinsame Ziel besteht darin, einen für den Patienten nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen seinen vergangenen Erfahrungen und seinen aktuellen Schwierigkeiten herzustellen, die Einsicht des Patienten in die unbewussten Anteile seines Gefühlslebens, Denkens und Handelns zu fördern und somit eine Veränderung des Verhaltens und Erlebens zu erzielen.
  • Nennen und beschreiben Sie vier theoretische Grundannahmen der Psychodynamischen Therapie.

    Lösung

    Unbewusstes: Ein Teil unserer seelischen Abläufe entzieht sich dem Bewusstsein, beeinflusst aber unser Denken, Handeln und Fühlen. Abwehrmechanismen: Sie werden von jedem Menschen angewandt und gelten als zum größten Teil unbewusst ablaufende Prozesse. Sie dienen dazu, ein psychisches Gleichgewicht zu halten und Angst zu mindern. Jedes Individuum ist einzigartig: Ein Symptom, das bei zwei Menschen dem Anschein nach gleich ist, kann jeweils eine andere Ursache haben. Innerpsychischer Konflikt: Man geht davon aus, dass gegensätzliche Forderungen, Strebungen und Motive miteinander kollidieren und eine Symptombildung zur Folge haben können, wenn der Konflikt besonders stark und unlösbar ist und die funktionalen Abwehrmechanismen nicht wirksam genug sind.
  • Nennen und beschreiben Sie mindestens zwei Konflikte, die in der OPD erfasst werden.

    Lösung

    Autonomie-Abhängigkeits-Konflikt: Konflikt zwischen Strebungen nach Abhängigkeit (Geborgenheit) einerseits und Autonomie andererseits; Kontroll-Unterwerfungs-Konflikt: Konflikt zwischen den Strebungen nach Herrschaft, Macht und Kontrolle einerseits sowie Hingabe und Unterwerfung andererseits; Selbstwertkonflikt: Konflikt zwischen den Strebungen nach Idealisierung anderer (mit korrespondierender Selbstwertung und Gefühlen von Minderwertigkeit) einerseits und kompensatorischer Selbstidealisierung und -überhöhung andererseits
  • Erklären Sie die Bezeichnung „strukturelle Störung“.

    Lösung

    Defizite der Persönlichkeitsstruktur oder Defizite von psychischen Funktionen, z. B. der Selbst- und Fremdwahrnehmung, Steuerung von Affekten und Impulsen sowie von Beziehungen für Abwehr, Kommunikation, Bindung oder Beziehungsgestaltung
  • Nennen und beschreiben Sie vier Techniken der Psychodynamischen Therapie.

    Lösung

    Klären: Nachfragen, zusammenfassen und ordnen des Materials, um Klarheit über die subjektiv erlebte Realität des Patienten zu erreichen; Konfrontieren: Hinweisen auf widersprüchliche oder konflikthafte Aspekte, nonverbales Verhalten, Widerstande, körperliche Vorgänge etc.; Deuten: Übersetzen der Produktionen des Patienten in ihre unbewussten Vorläufer; Zusammenhang herstellen zwischen dem manifesten Erleben und Verhalten des Patienten und seinen unbewussten Motiven, Wünschen und Gefühlen; Durcharbeiten: Wiederholtes Klären, Konfrontieren und Deuten der relevanten Themen solange, bis Widerstände überwunden sind und eine Veränderung erreicht ist
  • Was sind die Wurzeln der systemischen Therapie?

    Lösung

    Die systemische Therapie entwickelte sich aus unterschiedlichen Ansätzen, unter anderem aus der frühen Familientherapie der 1950er-Jahre in den USA und aus der Systemtheorie.
  • Was ist die zentrale Annahme dieser Therapieform?

    Lösung

    Nicht der „Indexpatient“ allein wird als „gestört“ bezeichnet, sondern die Strukturen und Kommunikationsmuster in seinem Bezugssystem werden als ursächliche und aufrechterhaltende Faktoren für seine Probleme angesehen.
  • Nennen und beschreiben Sie zwei Methoden der systemischen Therapie.

    Lösung

    Familienskulptur: Ein Mitglied soll die eigene Familie räumlich so positionieren, dass sich eine subjektive Repräsentation der aktuellen emotionalen Beziehungen zwischen den beteiligten Personen ergibt. Für die Darstellung können sowohl der Abstand der Personen im Raum, als auch Körperhaltung sowie Gestik, Größenverhältnisse, Gesichtsausdruck und Blickkontakt genutzt und verändert werden; Zirkuläre Fragen: Beziehungen und Sichtweisen der Personen übereinander sollen erfasst werden, indem indirekte Fragen gestellt werden, z. B. „Was denken _Sie_, was _er_ denkt?“; Genogramm: Ziel ist die übersichtliche Darstellung von komplexen Informationen über Familiensysteme. Bestimmte Symbole liefern hierbei sowohl „harte Fakten“ wie Namen, Daten, Berufe oder Krankheiten als auch „weiche Informationen“ wie Glaubenssätze, Atmosphäre und Streitthemen. Durch parallele Erzählungen können weitere Hintergründe in Erfahrung gebracht werden.
  • Welche speziellen Formen der Paartherapie kennen Sie?

    Lösung

    Ein Partnerschaftliches Lernprogramm (ELP) nach Thurmaier, Engl und Hahlweg; Verhaltenstherapie mit Paaren nach Bodenmann
  • In welchen Fällen ist die Anwendung systemischer Therapieansätze kontraindiziert?

    Lösung

    Die Anwendung systemischer Therapieansätze ist kontraindiziert: bei klar abgrenzbaren, intrapsychischen Konflikten; wenn das den Indexpatienten umgebende System keine Therapiemotivation besitzt; wenn die Gefahr besteht, dass Offenheit während der Therapie im Anschluss bestraft oder missbraucht wird; bei deutlichen Tendenzen zu externaler Ursachenzuschreibung.
  • Welche Haupttypen sozial kompetenten Verhaltens lassen sich unterscheiden?

    Lösung

    Unterschieden werden: Recht durchsetzen, Beziehungen aufbauen, um Sympathie werben
  • Welche therapeutischen Techniken prägen Trainings sozialer Kompetenzen?

    Lösung

    Neben der allgemeinen Informationsvermittlung zu sozial kompetentem Verhalten besitzen Rollenspiele, mit denen die Patienten soziale Zielverhaltensweisen einüben, einen wichtigen Stellenwert. Durch Rückmeldungen wird dem Patienten z. B. mitgeteilt, was an seiner Leistung in einem Rollenspiel bereits gut war und wo noch Verbesserungen möglich sind. Auch Techniken kognitiver Umstrukturierung kommen zum Einsatz.
  • Was versteht man unter emotionalen Kompetenzen? Welche Kompetenzen kennen Sie?

    Lösung

    Unter emotionalen Kompetenzen versteht man Fertigkeiten, die einen konstruktiven Umgang mit belastenden Emotionen ermöglichen. Dazu zählen z. B. die Fähigkeiten: Emotionen bewusst wahrzunehmen; sie korrekt zu identifizieren und zu benennen; ihre Ursachen zu verstehen; sie zu verändern bzw. sie zu akzeptieren und zu tolerieren wenn Veränderung nicht möglich ist; sich erfahrungsoffen in Situationen zu begeben, die diese Emotionen auslösen und sich während der Konfrontation mit negativen Gefühlen innerlich effektiv („liebevoll“) zu unterstützen.
  • Warum ist das Akzeptieren-Können aversiver Gefühle für die psychische Gesundheit von Bedeutung?

    Lösung

    Das rigide Festhalten an Emotionsreduktionszielen in Situationen, in denen man die Emotion nicht beeinflussen kann, führt zu Misserfolgen, welche dann ihrerseits negative Emotionen auslösen. Über diesen Teufelskreis kann der Kampf gegen belastende Gefühle diese letztlich stärker machen. Eine Alternative wäre der Einsatz von akzeptanz- und toleranzfördernden Strategien – zumindest während des Zeitraums, in dem sich die Emotion nicht verändern lässt. Ein Ziel beim Einsatz dieser Strategien besteht darin, die Ruhe ins System zu bringen, aus der heraus sich die Emotion dann möglichst effektiv verändern lässt.
  • Was versteht man unter einem Problem? Was unter Problemlösen?

    Lösung

    Ein Problem besteht aus einem Ist-Zustand, einem Soll-Zustand und einer Barriere, die verhindert, dass der Soll-Zustand erreicht wird. Problemlösen bezeichnet das Finden eines Weges, mit dem die Barriere überwunden und der Soll-Zustand erreicht werden kann.
  • Welche Schritte werden im Allgemeinen Problemlösemodell unterschieden?

    Lösung

    Schritte im Allgemeinen Problemlösemodell: Aktivierung einer konstruktiven Einstellung zum Problem, Problembeschreibung und -analyse, Zielsetzung, Brainstorming bzgl. Lösungsmöglichkeiten, Bewertung und Auswahl vielversprechender Strategien, Erstellen eines konkreten Planes, Umsetzung des Planes, Evaluation, Selbstverstärkung und Neuausrichtung
  • Welches Ziel verfolgen Entspannungsverfahren allgemein?

    Lösung

    Als Ziel wird das Herbeiführen eines psychophysiologischen Entspannungszustandes durch das Absenken des Erregungsniveaus verfolgt.
  • Nennen Sie vier physiologische Parameter, die einen hohen Entspannungszustand charakterisieren.

    Lösung

    niedriger Puls, niedriger Blutdruck, erhöhte Hauttemperatur, niedriger Muskeltonus, verlangsamte Atmung
  • Nennen Sie verschiedene Entspannungsverfahren.

    Lösung

    Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Autogenes Training nach Schultz, Biofeedback, imaginative Verfahren, Hypnose
  • Welches Rational liegt Biofeedback-Methoden zugrunde?

    Lösung

    Bei Biofeedback werden physiologische Vorgänge, die dem Bewusstsein schwer zugänglich sind, durch technische Hilfsmittel wahrnehmbar gemacht. Das technisch vermittelte Feedback ermöglicht Lernprozesse, mit denen die physiologischen Prozesse im erwünschten Sinne beeinflusst werden können.
  • Was versteht man unter angewandter Entspannung?

    Lösung

    Darunter versteht man die Vermittlung eines Entspannungsverfahrens (i.d.R. PMR), welches schrittweise verkürzt wird, so dass der Patient am Ende in der Lage ist, die Entspannungsreaktion bei Bedarf relativ schnell (innerhalb von 5–30 Sekunden) zu aktivieren. Die bewusst aktivierte Entspannungsreaktion wird dann als Mittel zur Bewältigung akuter Belastungssituationen eingesetzt.
  • Was sind die zentralen Dimensionen von Achtsamkeit?

    Lösung

    bewusste (Re-)Fokussierung der Aufmerksamkeit auf ein Wahrnehmungsobjekt, nicht-bewertende, akzeptierende und erfahrungsoffene Einstellung gegenüber sämtlichen Wahrnehmungen, liebevolle Unterstützung des Selbst beim Versuch, Achtsamkeit zu praktizieren.
  • Welche therapeutischen Verfahren nutzen achtsamkeitsbasierte Techniken?

    Lösung

    Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT), Mindfulness-Based Relapse Prevention (MBRP), Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), Acceptance and Commitment Therapy (ACT)
  • Aus welchen Übungen besteht MBSR, und worauf liegt der Fokus bei der Durchführung?

    Lösung

    Übungen der formalen Praxis: Body-Scan-Übung, Sitzmeditation, Hatha-Yoga-Übungen; informelle Meditation in Form bewusster Aufmerksamkeitslenkung auf alltägliche Tätigkeiten wie etwa Gehen, Essen oder Abwaschen
  • Für welche Patientengruppen wurden MBCT, MBRP und DBT entwickelt?

    Lösung

    MBCT: Patienten mit unipolaren rezidivierenden Depressionen, MBRP: Patienten mit Abhängigkeitsproblemen, DBT: Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Was sind zentrale Annahmen von ACT?

    Lösung

    Negative Emotionen sind als notwendiger Bestandteil der menschlichen Existenz zu sehen und als solche zu akzeptieren. Verhalten soll nicht dem Ziel der maximalen Schmerzreduktion dienen, sondern dem Verfolgen und Erreichen von positiven und intrinsisch motivierten Zielen.
  • Welche Wirkmechanismen werden für die achtsamkeitsbasierten Interventionsprogramme diskutiert, und wo liegen die Stärken dieses Ansatzes?

    Lösung

    Potenzielle Wirkfaktoren umfassen Exposition und Reaktionsverhinderung, Aufbau funktionaler Metakognitionen, Stärkung von Toleranz und Akzeptanz, Ablenkung, Selbstfürsorge und Selbstmanagement, Entspannung, euthymes Erleben und Transzendenz. Die spezifische Stärke des Ansatzes liegt v. a. in der Vermittlung eines konkreten Konzeptes für den Umgang mit schwer oder überhaupt nicht veränderbaren Problemen.
  • Beschreiben Sie mögliche Vorteile eines Stepped-Care-Ansatzes. Warum könnten internetbasierte Interventionen darin eine nützliche Rolle spielen?

    Lösung

    In Stepped-Care-Konzepten wird angestrebt, das Ausmaß der therapeutischen Unterstützung in Abhängigkeit des aktuellen Bedarfs des Patienten zu gestalten und die Betreuung stufenweise an den sich verändernden Bedarf bei Nichtansprechen auf die Behandlung (Step-up) bzw. Verbesserung der Symptomatik (Step down) anzupassen. Vorteile hiervon sind die Flexibilität in der Auswahl der Behandlungsschritte, die Effektivität im Sinne der bedarfsangemessenen Versorgung jedes Betroffenen und die Effizienz im Sinne des bestmöglichen Nutzens der vorhanden Ressourcen in finanzieller und zeitlicher Hinsicht. Internetbasierte Interventionen können hierbei eine nützliche Rolle spielen, weil sie in der Regel weniger zeit- und kostenintensiv sind als andere Angebote und auch durch die mögliche Anonymität eine niedrigschwellige erste Anlaufstelle sein können. Self-Help- oder Guided-Self-Help-Ansätze können beispielsweise Betroffenen mit einer verhältnismäßig gering ausgeprägten Symptomatik als erstes Element in der Behandlungskette angeboten werden. Anstatt wie üblich monatelang auf die Behandlung warten zu müssen, könnten Betroffene sofort Unterstützung erhalten. Die dadurch frei gewordenen therapeutischen Ressourcen könnten dann dafür eingesetzt werden, dass Patienten mit komplexer und ausgeprägter Psychopathologie dringend benötigte Unterstützung möglichst unmittelbar erhalten. Ebenso können internetbasierte als weniger intensive Maßnahme an eine face-to-face Behandlung angeschlossen werden, wenn die Symptomatik abklingt bzw. eine geringere Frequenz oder Intensität in der Behandlung ausreichend ist als zuvor. Beispielsweise können internetbasierte Konzepte Patienten einer stationären Psychotherapie dabei unterstützen, die dort erzielten Behandlungserfolge langfristig zu stabilisieren.
  • Nach welchen Kriterien lassen sich online-basierte Interventionen unterscheiden?

    Lösung

    Beispielsweise nach Zeitpunkten/Anwendungsgebieten innerhalb der psychotherapeutischen Versorgungskette, nach Ausmaß der therapeutischen Unterstützung, nach Wahl des Therapieverfahrens und nach Art der Zielgruppe bzw. des zu behandelnden Störungsbildes.
  • Warum eignen sich insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Techniken zur Umsetzung in Online-Angebote?

    Lösung

    Kognitiv-verhaltenstherapeutische Techniken weisen eine vergleichsweise hoch ausgeprägte Strukturiertheit, Standardisierung und Methodenfokussierung auf, was bei einer Online-Nutzung besonders hilfreich ist. Darüber hinaus geht es sowohl in internetbasierten Interventionen als auch im Rahmen traditioneller verhaltenstherapeutischer Interventionen meist darum, dass Patienten aktiv neue Verhaltensweisen erproben, in ihren individuellen Alltag integrieren und langfristig aufrecht erhalten. Insbesondere internetbasierte (Guided-)Self-Help-Konzepte betonen diese aktive Rolle des Betroffenen im Genesungsprozess von Anfang an.
  • Zu welchen Ergebnissen gelangen Studien hinsichtlich der Effektivität internetbasierter Therapieprogramme?

    Lösung

    Metaanalysen haben u.a. die Wirksamkeit bzgl. der Reduktion von depressiver und Angstsymptomatik belegt. Zudem zeigte sich, dass Interventionen, die eine therapeutische Begleitung integrierten, (Guided-Self-Help-) Interventionen ohne eine solche therapeutische Begleitung (Self-Help) in der Regel überlegen sind.
  • Welche Chancen ergeben sich aus internetbasierten Interventionen bzgl. der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland?

    Lösung

    Insbesondere für die Versorgung von Betroffenen mit subklinischer Symptomatik (indizierte Prävention) scheinen internetbasierte Konzepte ein großes Potenzial zu haben. Darüber hinaus könnten internetbasierte Interventionen Wartezeiten für eine Psychotherapie überbrücken oder in Fällen leichterer Symptomatik eine Psychotherapie möglicherweise sogar ersetzen. Die dadurch frei gewordenen therapeutischen Ressourcen könnten dann dafür eingesetzt werden, dass Patienten mit komplexer und ausgeprägter Psychopathologie dringend benötigte Unterstützung möglichst unmittelbar erhalten. Durch die grundsätzliche Zeit- und Ortsunabhängigkeit dieser Konzepte könnte der Zugang zu evidenzbasierten Interventionen für Betroffene mit tagsüber starker beruflicher oder familiärer Beanspruchung, mit Mobilitätseinschränkung und in Gebieten mit niedriger Versorgung erleichtert werden. Durch die Möglichkeit, im Rahmen von Online-Angeboten zunächst niedrigschwellig anonym Hilfe suchen zu können, kann Betroffenen zudem der Einstieg in weiterführende Face-to-face-Angebote erleichtert werden.
  • Was ist das Ziel der Präventionsforschung?

    Lösung

    Ziel der Präventionsforschung ist das frühzeitige Erkennen und die frühzeitige Behandlung psychischer Auffälligkeiten und Störungen. Dabei müssen universelle Programme, die sich an die gesamte Bevölkerung richten, von selektiven und indizierten, die sich an Risikogruppen bzw. Gruppen mit Prodromalsymptomen richten, unterschieden werden.
  • Welche Formen der Prävention lassen sich unterscheiden? Nennen Sie jeweils ein Beispiel.

    Lösung

    Neben der Unterscheidung in universelle, selektive und indizierte Ansätze (Spezifität) sind Präventionsprogramme noch hinsichtlich des Zeit- (primär, sekundär, tertiär) und Ansatzpunktes (individuumszentriert vs. umweltorientiert) zu unterscheiden. Beispielsweise handelt es sich bei Plakat- und Werbeanzeigen zur Benutzung von Kondomen zur Prävention von HIV-Erkrankungen um einen primär universellen Ansatz, der sich an die gesamte Bevölkerung richtet.
  • Was ist die Grundannahme der Risiko-Ressourcen-Modelle?

    Lösung

    Risiko-Ressourcen-Modelle gehen von der Grundannahme aus, dass sich die Wahrscheinlichkeit, an einer psychischen Störung zu erkranken, aus dem relativen Verhältnis von individuellen Risiko- und Schutzfaktoren ergibt. Gleichgewichtsmodelle gehen von der Existenz eines Schwellenwertes aus, der sich aus dem Zusammenspiel von Risiken und Ressourcen ergibt. Schutz- oder Schildmodelle weisen den Ressourcen die Funktion zu, keine Gefährdungen zuzulassen. Kompensatorische Modelle beschreiben die Fähigkeit von Ressourcen, Mängel auszugleichen. Puffermodelle gehen davon aus, dass sie die Wirkung von Stressoren mindern können. Herausforderungsmodelle nehmen an, dass Stressoren, die nicht in allzu intensiver Form auftreten, Protektoren aktivieren können.
  • Wodurch zeichnen sich erfolgreiche Präventionsprogramme aus?

    Lösung

    Erfolgreiche Maßnahmen sind theoretisch gut begründet und zugleich individuen- und umweltzentriert. Sie betrachten sowohl Ressourcen als auch Defizite der Betroffenen und werden meist Setting-übergreifend eingesetzt. Erfolgreiche Programme sind kulturell angepasst, hochstrukturiert und variabel in der Didaktik, und die Anleiter sind gut geschult. Erfolgreiche Programme sind in der Regel langfristig angelegt und in die Regelversorgung implementiert.
  • Nennen Sie die Wirkfaktoren des Common Component Model von Frank (1961).

    Lösung

    Die vier zentralen Wirkfaktoren, die nach Frank (1961) schulenübergreifend die Wirksamkeit von Psychotherapie erklären sollten sind: die intensive und vertrauensvolle Beziehung zwischen Hilfesuchendem und Hilfegebendem, die Vermittlung eines Behandlungsrationals, ein mit diesem Rational konsistentes Behandlungsvorgehen, das Bestehen eines formalisierten Behandlungsangebot an sich
  • Welche allgemeinen Wirkfaktoren hat Grawe definiert? Beschreiben Sie ihre Bedeutung.

    Lösung

    Die Wirkfaktoren nach Grawe sind: Problemaktualisierung (Aktivierung der intrapsychischen Repräsentation des Problems auf Seiten des Patienten auf möglichst vielen Modalitäten, z. B. sensorisch, emotional, kognitiv, imaginativ, motivational, behavioral, somatisch); motivationale Klärung (Vermittlung eines funktionalen Verständnisses der eigenen Problematik; der Fokus liegt dabei auf der Identifikation der motivationalen Faktoren, die für die Aufrechterhaltung von Erlebens- und Verhaltensproblemen relevant sind); Ressourcenaktivierung (explizite oder implizite Nutzung der Stärken, Fähigkeiten, Potenziale, Möglichkeiten, Ziele und positiven Stimmungen zur Erreichung der Ziele des Patienten); therapeutische Beziehung (eine gute Therapiebeziehung kann die Anwendung therapeutischer Techniken positiv beeinflussen, eine gelungene Umsetzung therapeutischer Techniken kann eine gute therapeutische Beziehung festigen); aktive Hilfe zur Problembewältigung (der Therapeut unterstützt den Patienten aktiv durch den Einsatz bzw. Erwerb bislang nicht nutzbarer Strategien darin, seine Probleme besser zu bewältigen; er vermittelt Fertigkeiten und Kompetenzen, über die der Patient vorher nicht verfügt hat)
  • Beschreiben Sie kurz Sinn und Vorgehen der Plananalyse.

    Lösung

    Die Plananalyse nach Caspar (1989, 2007) ist eine systematische Art, sich zu fragen, zu welchem Zweck eine Person etwas tut, welchen Motiven konkretes Handeln dient oder welche Mittel sie für wichtige Ziele einsetzt. Das Resultat einer Plananalyse ist die Planstruktur, welche als Grundlage für die Fallkonzeption und Therapieplanung dienen kann, die sich aber auch zur Arbeit mit dem Patienten selbst eignet. Je höher man in der Hierarchie einer solchen Planstruktur geht, desto abstrakter werden die Pläne. Ganz oben stehen die Grundbedürfnisse. Auf den unteren Hierarchieebenen findet man diskrete, also beobachtbare Verhaltensweisen. Emotionen entstehen, wenn aktuelle Erfahrungen als relevant für bedeutsame Pläne eingeschätzt werden.
  • Was sind die Vorteile und Nachteile von randomisierten klinischen Studien?

    Lösung

    Vorteile: hohe interne Validität, d.h. es kann mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die Effekte einer Intervention nicht auf alternative Erklärungen zurückgeführt werden können (wie z.B. Spontanremission, Jahreszeiteffekte, situative und Persönlichkeitseigenschaften in Experimental- und Kontrollgruppe). Nachteile: niedrige externe Validität, d.h. es werden i.d.R. selektive, homogene Stichproben mit stark standardisierten Verfahren behandelt; die Ergebnisse solcher Studien sind damit nicht unbedingt auf den Behandlungsalltag in der Routineversorgung zu übertragen.
  • Wie wird bei einer Intention-to-treat-Analyse vorgegangen? Wovon ist dieses Vorgehen abzugrenzen?

    Lösung

    Alle Personen, die zu Beginn der Interventionsstudie in die Studie eingeschlossen wurden, gehen in die Auswertung mit ein, unabhängig davon, in welchem Umfang sie tatsächlich an der Intervention (bzw. Kontrollbedingung) teilnahmen. ITT-Analysen sind abzugrenzen von sog. Completer- oder Per-protocol-Analysen, bei denen nur die Teilnehmer ausgewertet werden, die die Intervention wie vorgesehen absolviert haben. Completer Analysen helfen dabei, Verzerrungen durch Selektionseffekte zu kontrollieren. Diese entstehen z.B., wenn nur diejenigen Teilnehmer weiter an der Intervention teilnehmen, die von dieser auch profitieren, und wenn dann nur diese Teilnehmer in die Auswertung eingehen. Completer-Analysen können aber wichtige Hinweise geben, inwieweit eine Intervention wirksam ist unter der Bedingung, dass sie auch wie vorgesehen von den Teilnehmern umgesetzt wurde.
  • Nennen Sie drei Fehlerquellen, die bei der Interpretation von Metaanalysen berücksichtigt werden müssen.

    Lösung

    Publikationsbias, Selektionsbias, Variablendiffusion, unterschiedliche Drop-out-Raten
  • Was ist das Ziel psychotherapeutischer Prozessforschung? Wie wird dabei typischerweise vorgegangen?

    Lösung

    Das Ziel psychotherapeutischer Prozessforschung besteht darin, Wirkfaktoren- und Prozesse zu identifizieren, die für den Therapieerfolg relevant sind. In der Praxis kommen dabei oft längsschnittliche Beobachtungsstudien zum Einsatz. Durch den Einsatz von Videoanalysen können relevante Prozesse in Realzeit und mit vergleichsweise geringer Reaktivität erfasst werden. Um belastbare Kausalaussagen zu ermöglichen, sollten aus prospektiven Zusammenhängen abgeleitete Gesetzmäßigkeiten jedoch idealerweise in experimentellen Designs (z.B. in sog. Dismanteling-Studien) weiter geprüft werden.
  • Im Gesundheitswesen hat sich die Definition verschiedener Evidenzgrade bewährt. Welche Studienergebnisse sind mit Evidenzgrad II verbunden?

    Lösung

    IIa: Evidenz aufgrund von mindestens einer gut angelegten kontrollierten Studie ohne Randomisierung; IIb: Evidenz aufgrund von mindestens einer gut angelegten quasi-experimentellen Studie
  • Nennen Sie die Kriterien der amerikanischen psychologischen Gesellschaft APA, ab wann psychotherapeutische Verfahren als „wissenschaftlich fundiert“ anzusehen sind.

    Lösung

    Eine Therapieform gilt als wissenschaftlich in ihrer Effektivität gesichert, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: I. Mindestens zwei fundierte Gruppenuntersuchungen, die von verschiedenen Forschern bzw. Forschergruppen durchgeführt wurden und die Wirksamkeit der Therapie durch mindestens einen der folgenden Nachweise belegen: A. Therapieform ist anderer Therapieform oder Placebo überlegen. B. In Studien mit adäquater statistischer Power (N>30 pro Gruppe) wird Vergleichbarkeit mit einer gesicherten Therapie nachgewiesen. ODER: II. Eine große Anzahl von Einzelfallstudien, welche die Wirksamkeit der Therapie belegen. Die Studien müssen: A. einen experimentellen Versuchsplan haben. B. die Wirksamkeit mit einer anderen Therapieform vergleichen. Weitere Kriterien für I und II: III. Die untersuchten Therapien müssen auf Behandlungsmanualen basieren. IV. Die Charakteristika der jeweiligen Stichproben müssen klar beschrieben sein.
  • Fertig!

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Kapitel 1: Rahmenbedingungen von Psychotherapie und Beratung

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