Lern- und Gedächtnispsychologie

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Lern- und Gedächtnispsychologie

ISBN: 
978-3-642-33866-3

Die Forschungen zu Lern- und Gedächtnisprozessen sind zentraler Bestandteil der psychologischen Grundlagenforschung und liefern gleichzeitig ein solides Fundament für all ihre Anwendungsgebiete. Dieses kompakte und anspruchsvolle Lehrbuch gibt einen Überblick über „klassische“ Themen wie Reiz-Reaktionsmodelle, Klassifikation von Reizen und Wissenserwerb im Teil „Lernen“ sowie einen Überblick über Mehrspeicher-, Prozess- und Systemmodelle und über Ergebnisse der Hirnforschung zum Behalten und Erinnern im Teil „Gedächtnis“.

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Darüber hinaus behandelt es Themen, die in anderen Lehrbüchern, wenn überhaupt, nur am Rande vorkommen, so z.B. aktuelle Forschungen und Theorien zur Funktion von Verhaltens-Effekt Beziehungen beim Erwerb zielgerichteten Verhaltens oder zur Bedeutung sensorischer und motorischer Informationen für das episodische Erinnern. Das Lehrbuch ist somit sowohl für Einsteiger als auch für Studierende und Dozenten, die sich vertieft mit der Lern- und Gedächtnispsychologie befassen, geeignet.

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BegriffErklärung
AAM: angeborener auslösender MechanismusAngeborene auslösende Mechanismen binden die unmittelbare Ausführung von in Bereitschaft stehenden instinktiven Verhaltensweisen an das Auftreten von sogenannten Schlüsselreizen, die den Erfolg des jeweiligen Verhaltens nach evolutionärer Erfahrung sichern.
ABC Theorie: Antizipative VerhaltenskontrolleDie ABC Theorie beschreibt mutmaßliche Mechanismen zur Herausbildung von Strukturen einer antizipativen Verhaltenskontrolle (Anticipative Behavioral Control): In einem primären Lernprozess werden Verhaltensweisen mit verlässlich eintretenden Verhaltenseffekten verbunden. In einem sekundären Lernprozess werden Verhaltens-Effekt Verbindungen an das Verhalten verlässlich begleitende situative Bedingungen geknüpft. Es entstehen → Situations-Verhaltens-Effekt Tripel in denen festgehalten wird, welches Verhalten unter welchen Bedingungen zu welchen Konsequenzen führt.
AntizipationsbedürfnisDas Konzept 'Antizipationsbedürfnis' beinhaltet die Annahme eines elementaren Bedürfnisses nach Vorhersage der Konsequenzen des eigenen Verhaltens. Tiere mit einem solchen Bedürfnis streben danach, Effekte ihres Verhaltens möglichst präzise zu antizipieren, so dass Abweichungen der eintretenden von den vorhergesagten Effekten zu einer Anpassung der Effektantizipationen und/oder des Verhaltens führen. Auf diese Weise lernen die Tiere Konsequenzen ihres Verhaltens immer besser vorherzusagen und damit ihr Verhalten auch immer präziser zur Herstellung bestimmter Konsequenzen einzusetzen.
AppetenzverhaltenWenn für die Befriedigung eines aktuellen Bedürfnisses instinktives Verhalten in Bereitschaft steht, die aktuelle Situation aber keine Schlüsselreize bietet, um das Verhalten auszuführen, zeigen Tiere Unruhe und erhöhte Aktivität. Biologen sprechen vom Appetenzverhalten, das dem Auffinden einer Situation dient, in der das in Bereitschaft stehende Verhalten zur Ausführung gebracht werden kann.
ArbeitsgedächtnisDas Arbeitsgedächtnis ist ein System, das zum vorübergehenden Erhalt und zur Manipulation von Informationen dient und hilft, komplexe Aufgaben durchzuführen.
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Frage 1 von 70
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  • Unter welchen Bedingungen wird ein Reiz konditioniert?

    Lösung

    Ein Reiz wird nur dann konditioniert, wenn bei seinem Auftreten die Wahrscheinlichkeit für den US höher ist als bei seinem Ausbleiben. Ein Reiz muss die Vorhersagbarkeit des US erhöhen, um konditioniert zu werden.
  • Welche Zeitverhältnisse zwischen CS und US sind für die Ausbildung eines bedingten Reflexes besonders günstig? Was sagt dies über die Funktion bedingter Reflexe aus?

    Lösung

    Reize kurz vor dem US werden leichter konditioniert als gleichzeitige und nachfolgende Reize. Der CS dient dazu, den US vorherzusehen.
  • Was sagt das „law of effect” nach Thorndike?

    Lösung

    Ein Verhalten, dass in einer bestimmten Situation wiederholt belohnt/bestraft wird, tritt in dieser Situation häufiger/seltener auf.
  • Was sind sekundäre Verstärker?

    Lösung

    Reize, die das Eintreten einer Verstärkung nur ankündigen, können selbst als Verstärker wirken. Man nennt sie konditionierte oder sekundäre Verstärker.
  • Was versteht man unter „positivem Patterning“ und „negativem Patterning“?

    Lösung

    - Positives Patterning: Wenn zwei Reize nur gemeinsam, aber nicht einzeln eine Belohnung/Bestrafung ankündigen.
    - Negatives Patterning: Wenn zwei Reize jeweils nur einzeln, aber nicht gemeinsam eine Belohnung/Bestrafung ankündigen.
  • Sind Tiere, wie beispielsweise Tauben, in der Lage, Begriffe zu bilden?

    Lösung

    Wenn individuell unterschiedliche Reize, die jedoch Merkmale gemeinsam haben, die Verstärkung eines bestimmten Verhaltens ankündigen, dann zeigen Tiere das jeweilige Verhalten auch auf neue Reize mit diesen Merkmalen. Die Tiere scheinen die erlebten Reize zu Kategorien bzw. Konzepten zusammenzufassen.
  • Unter welchen Bedingungen kommt es zu einer Blockierung der Ausbildung eines bedingten Reflexes für einen CS, der den US verlässlich prädiktiert?

    Lösung

    Ein neuer Reiz, der zusammen mit einem bereits konditionierten Reiz einen US verlässlich ankündigt, wird nicht konditioniert. Wird ein US bereits erwartet, werden weitere Prädiktoren seines Eintretens nicht mehr gelernt.
  • Was wird im Zusammenhang mit der Ausbildung bedingter Reflexe unter „Preparedness“ verstanden?

    Lösung

    Tiere sind genetisch darauf vorbereitet („prepared“), jeweils solche Reize als potenzielle Prädiktoren verhaltensrelevanter Situationen zu beachten, die auch in ihrer natürlichen Umgebung den jeweiligen Situationen oftmals vorausgehen.
  • Auf welcher Grundannahme beruht das Konditionierungsmodell von Rescorla und Wagner?

    Lösung

    Das RWM beruht auf der Annahme, dass Organismen nur dann lernen, wenn Ereignisse ihren Erwartungen nicht entsprechen.
  • Von welchen Bedingungen ist die Ausführung instinktiven Verhaltens abhängig?

    Lösung

    Es müssen ein hinreichend starkes Bedürfnis und entsprechende Schlüsselreize gegeben sein, damit es zu einer Auslösung des zur Bedürfnisbefriedigung in Bereitschaft gesetzten Verhaltens kommt.
  • Wie wird instinktives Verhalten durch Lernen verändert und erweitert?

    Lösung

    Durch klassisches Konditionieren werden neue Auslösebedingungen und durch instrumentelles Konditionieren werden neue Verhaltensweisen zur Herstellung von Auslösebedingungen für Verhaltensakte zur Befriedigung aktueller Bedürfnisse erworben.
  • Was versteht man unter der Devaluationstechnik, und welche Schlussfolgerungen erlauben die mit ihr erzielten Resultate?

    Lösung

    Bei der Devaluationstechnik wird eine zuvor verwendete Belohnung durch die Assoziation mit negativen Konsequenzen entwertet. Die Devaluation führt dazu, dass Tiere das zuvor damit belohnte Verhalten vermeiden. Dies zeigt, dass das Verhalten der Tiere durch zu erwartende (und hier entwertete) Verhaltenseffekte determiniert wird.
  • Wie kann gezeigt werden, dass Verhaltens-Effekt-Beziehungen situationsabhängig gelernt werden?

    Lösung

    Werden zwei Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen unterschiedlich belohnt, um dann eine der Belohnungen zu entwerten, vermeiden die Tiere in der jeweiligen Situation jeweils das Verhalten, das in dieser Situation zu der entwerteten Belohnung führen würde. Verhaltens-Effekt-Beziehungen werden also situationsspezifisch gespeichert, wenn sie situationsspezifisch sind.
  • Was versteht man unter latentem Lernen?

    Lösung

    Tiere lernen Verhaltens-Effekt-Beziehungen auch dann, wenn es sich bei den Effekten nicht um Belohnungen oder Bestrafungen handelt.
  • Wodurch erhöht latentes Lernen die „Fitness“ von Tieren?

    Lösung

    Durch latentes Lernen werden Zusammenhänge zwischen dem eigenen Verhalten und seinen Effekten gewissermaßen auf Vorrat erworben: Die Tiere erwerben Wissen darüber, was sie mit ihrem Verhalten alles erreichen können und erweitern damit ihre Verhaltensmöglichkeiten weit über die Befriedigung aktueller Bedürfnisse hinaus.
  • Worin manifestiert sich der Primat des Verhaltens-Effekt-Lernens gegenüber dem Reiz-Reaktions-Lernen?

    Lösung

    Beim Verfolgen wechselnder Ziele wird vor allem gespeichert, welches Verhalten zu welchen Effekten führt, während Abhängigkeiten des Verhaltenserfolges von Situationsbedingungen nur wenig beachtet werden.
  • Welche Bedingungen beeinflussen die Beachtung von Situationsbedingungen beim Verhaltens-Effekt-Lernen?

    Lösung

    Situationsmerkmale finden vor allem dann Berücksichtigung, wenn das Verhalten häufig nicht zum Erfolg führt und wenn Situationsmerkmale einen Zusammenhang zu den Verhaltenseffekten vermuten lassen.
  • Mit welcher experimentellen Anordnung wird inzidentelles Verhaltens-Effekt-Lernen zumeist untersucht?

    Lösung

    Inzidentelles Verhaltens-Effekt-Lernen wird untersucht, indem Verhaltensalternativen der Versuchspersonen zu beiläufigen (nicht intendierten), aber jeweils spezifischen Effekten führen. Es wird dann geprüft, ob die beiläufigen Effekte Einfluss auf die Verhaltensauswahl und/oder -ausführung haben.
  • Wie ist ein serielles Wahlreaktionsexperiment aufgebaut? Was sind die wichtigsten experimentellen Variablen?

    Lösung

    Festgelegte Reaktionen auf Reize triggern die Darbietung des jeweils nächsten Reizes, auf den erneut zu reagieren ist usw. Zufällige Reiz-Reaktions-Folgen werden mit strukturierten Folgen verglichen. Es wird der Einfluss von statistischen, relationalen und raum-zeitlichen Strukturen sowie von Strukturen in Reiz-, Reaktions- und Effektfolgen auf das serielle Lernen untersucht.
  • Was versteht man unter „chunking“, worauf beruht es und wie zeigt es sich?

    Lösung

    Wenn in Verhaltensfolgen unmittelbar aufeinanderfolgende Handlungsanforderungen sicher vorhergesagt werden können, werden sie zu Teilfolgen („chunks“) zusammengefasst, die dann als Einheit schnell und sicher ausgeführt werden. Dementsprechend nehmen (Re-)Aktionszeiten und Fehler innerhalb eines „chunks“ ab, während sie jeweils zu Beginn eines neuen „chunks“ ansteigen.
  • Worin zeigen sich zieldeterminierte Imitationen?

    Lösung

    Verhaltensfolgen mit erkennbarem Ziel werden besser imitiert als Folgen beziehungslos aneinander gereihter Verhaltenseinheiten. Missglückte Verhaltensfolgen werden oftmals so imitiert, dass das vermutete Ziel nicht verfehlt, sondern erreicht wird. Bei der Imitation gezielten Verhaltens wird oft das gleiche Ziel mit anderen Bewegungen erreicht (z.B. werden kontralaterale Bewegungen durch ipsilaterale Bewegungen imitiert).
  • Was versteht man unter Spiegelneuronen?

    Lösung

    Bei Spiegelneuronen handelt es sich um Neuronengruppen im prämotorischen Cortex von Affen, die sowohl aktiv sind, wenn eine bestimmte Handlung selbst ausgeführt wird, als auch, wenn eine vergleichbare Handlung beobachtet wird. Es lassen sich verschiedene Typen von Spiegelneuronen nach der Art der Handlung (z.B. Ergreifen, Platzieren, Manipulieren) und nach dem Grad der Übereinstimmung von beobachteter und selbst ausgeführter Handlung unterscheiden, durch die sie aktiviert werden.
  • Wie ist ein Konzeptbildungsexperiment typischerweise aufgebaut, und welche Einschränkungen sind bei der Interpretation seiner Ergebnisse zu berücksichtigen?

    Lösung

    In artifiziellen Objektwelten werden Konzepte durch die Merkmale festgelegt, die die zum Konzept gehörenden Objekte besitzen sollen. Die Versuchspersonen werden über die Zugehörigkeit bzw. Nichtzugehörigkeit von einzelnen Objekten zum gesuchten Konzept sukzessiv belehrt. Das Konzept gilt als gefunden, wenn neu vorgelegte Objekte korrekt klassifiziert werden. Da die Konzepte vorgegeben sind, handelt es um eine Konzeptfindung. Unter natürlichen Bedingungen sind dagegen Konzepte völlig neu zu bilden. Die Experimente sagen deshalb wenig über die Mechanismen der spontanen Bildung von Konzepten aus.
  • Inwiefern wird die „klassische“ Definition von Konzepten als „Zusammenfassungen von Objekten nach gemeinsamen Merkmalen“ natürlichen Konzeptbildungen nicht gerecht?

    Lösung

    Unter natürlichen Bedingungen werden Objekte konzeptuell zusammengefasst, die gleichartiges Handeln erlauben, und Objekte, die unterschiedliches Handeln erfordern, werden konzeptuell unterschieden. Natürliche Konzepte sind demnach Zusammenfassungen von Objekten nach funktionaler Äquivalenz und nicht nach gemeinsamen Merkmalen. Gemeinsame Merkmale erleichtern lediglich die Repräsentation von Konzepten.
  • Welche Merkmale werden warum für die Repräsentation von Objektkonzepten bevorzugt abstrahiert?

    Lösung

    Objektkonzepte repräsentieren vor allem Merkmale, die a) für den Erfolg des Verhaltens als entscheidend erlebt worden sind, in denen sich b) nebengeordnete Äquivalenzklassen voneinander unterscheiden und c) Merkmale, anhand derer zu ihnen gehörende Objekte leicht entdeckt werden können (globale Merkmale).
  • Welche Einflüsse haben Konzepte auf den Spracherwerb und der Spracherwerb auf die Bildung von Konzepten?

    Lösung

    Konzepte repräsentieren Bedeutungen, für deren Bezeichnung Wörter erworben werden, und Wörter geben Anlass zur Bildung von Konzepten für die jeweils bezeichneten Sachverhalte. Konzepte und Sprache entwickeln sich in gegenseitiger Abhängigkeit. In der Konsequenz werden die konzeptuellen Strukturen sowohl durch Abstraktionen aus konkreten Handlungserfahrungen als auch durch Abstraktionen aus sprachlichen Aussagen generiert.
  • Wie beeinflussen Strukturen des semantischen Gedächtnisses die Wahrnehmung und das Handeln?

    Lösung

    Alle Wahrnehmungen (inkl. von Elementen der Sprache) aktivieren direkt oder indirekt konzeptuelles Wissen. In diesem Sinne ist Wahrnehmen immer auch Wieder-Erkennen. Indem wir die „Dinge“ wiedererkennen, machen wir unsere Erfahrungen mit ihnen unmittelbar verfügbar. Ohne konzeptuelle Identifikation erschienen uns alle „Dinge“ immer wieder neu, und wir wüssten nicht, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten sollen. Mit der Aktivierung konzeptueller Repräsentationen wird das aktuelle Geschehen in bestehendes Wissen integriert: Die gegebenen Informationen werden geordnet und gegebenenfalls ergänzt, und der Fortgang des Geschehens wird antizipiert.
  • Worin unterscheiden sich Konzeptbildungen über Elementen der Sprache von Konzeptbildungen über konkreten Erscheinungen?

    Lösung

    Die Elemente der Sprache werden wie alle anderen Erscheinungen nach ihrer funktionalen Äquivalenz kategorisiert. Die resultierenden linguistischen Kategorien beruhen auf Merkmalen der jeweiligen Spracheinheiten, die nichts mit ihrer Bedeutung zu tun haben. Das Wissen über die Sprache ist somit vom konzeptuellen Wissen über alle anderen Erscheinungen der Welt (nichtsprachliche Konzepte) getrennt repräsentiert (jedoch eng mit ihm verbunden).
  • Auf welchen Prozessen beruhen die Identifikation konkreter Objekte und die Identifikation von Wörtern ?

    Lösung

    Die sensorischen Wirkungen konkreter Objekte aktivieren unmittelbar ihre Objektmarken und die ihnen entsprechenden konzeptuellen Strukturen. Ihre Bezeichnungen werden dagegen nur über Assoziationen der Konzepte zu den entsprechenden Wortmarken zugänglich. Die sensorischen Wirkungen von Wörtern aktivieren unmittelbar ihre Wortmarken und gegebenenfalls deren linguistische Kategorien. Ihre Bedeutung wird dagegen nur über Assoziationen der Wortmarken zu den entsprechenden konzeptuellen Strukturen zugänglich. In der Konsequenz kann es vorkommen, dass die Bedeutung von Objekten identifiziert wird, ohne ihre Bezeichnungen zu erinnern, und dass Wörter identifiziert werden, ohne ihre Bedeutung zu erinnern.
  • Wie wird das episodische Gedächtnis definiert?

    Lösung

    Das episodische Gedächtnis leistet die Erinnerung an die spezifischen Ereignisse, die eine Person erfährt. Solche Ereignisse sind stets auf einen bestimmten Ort und einen bestimmten Zeitpunkt bezogen.
  • Was sind typische Aufgaben zur Untersuchung des episodischen Erinnerns?

    Lösung

    Die freie Reproduktion episodischer Ereignisse und das Wiedererkennen solcher Ereignisse.
  • Welche Rolle spielt das Bewusstsein beim Enkodieren und Erinnern von episodischen Ereignissen?

    Lösung

    In beiden Situationen beim Enkodieren wie beim Erinnern episodischer Ereignisse sind bewusste Prozesse kritisch.
  • Wozu brauchen wir das episodische Gedächtnis?

    Lösung

    Es führt quasi Protokoll über unseren Lebenslauf und sorgt dafür, dass wir ständig wissen, was wir wo und wann erfahren haben.
  • Was versteht William James unter Primär- und Sekundärgedächtnis?

    Lösung

    - Das Primärgedächtnis bezieht sich auf Wissen, das bewusstseinsnah gespeichert und direkt zugreifbar ist.
    - Das Sekundärgedächtnis bezieht sich auf Wissen, das dem Zugriff nicht mehr direkt zur Verfügung steht und neu reaktiviert werden muss.
  • Was sind die Grundannahmen des klassischen Mehrspeichermodells?

    Lösung

    Das Gedächtnis besteht aus zwei weitgehend unabhängigen Speichern: einem KZS und einem LZS. Der KZS speichert kurzfristig sprachliche Information in phonetischer Form durch inneres Nachsprechen und transferiert die Information dadurch in den LZS. Wird die Information nicht mehr nachgesprochen, zerfällt sie innerhalb von Sekunden. Im LZS kommt die phonetische Information mit ihrer Bedeutung in Kontakt und wird dadurch langfristig behalten.
  • Was ist die zentrale Kritik am klassischen Mehrspeichermodell?

    Lösung

    KZS und LZS arbeiten weniger unabhängig als im Mehrspeichermodell angenommen wird, denn semantische Information beeinflusst auch das Nachsprechen von sprachlichen Reizen. Sie erhöht die Kapazität des KZS und führt zu semantischer Interferenz. Der KZS ist ein spezifischer Speicher für phonetische Information und kein allgemeiner KZS.
  • Was unterscheidet das Arbeitsgedächtnis-( AG-)Modell von Baddeley vom KZS des klassischen Mehrspeichermodells?

    Lösung

    - Das AG-Modell kennt keinen LZS.
    - Das AG-Modell besteht aus zwei KZS, einem verbalen (der phonologischen Schleife) und einem visuell-räumlichen.
  • Was unterscheidet die phonologische Schleife (PL) vom klassischen Kurzzeitspeicher (KZS) und was ist ihnen gemeinsam?

    Lösung

    Die Annahmen zur phonologischen Schleife sind präziser und differenzierter als die zum klassischen KZS. Die Annahmen zur phonologischen Schleife erklären eine Reihe von stabilen Befunden wie den phonologischen Ähnlichkeitseffekt, den irrelevanten Spracheffekt, den Wortlängeneffekt und den artikulatorischen Unterdrückungseffekt.
  • Wozu dient die phonologische Schleife, und wozu trägt sie nicht bei?

    Lösung

    Sie trägt zum Spracherwerb bei. Sie trägt nicht zur Frage nach einem Kurzzeitgedächtnis für episodische Informationen bei.
  • Warum trägt der visuell-räumliche Kurzzeitspeicher (KZS) wenig zur Klärung eines Kurzzeitgedächtnisses (KZG) bei?

    Lösung

    Er ist unzulänglich beschrieben, und es fehlt eine eindeutige Messmethode. Er ist als spezifischer Speicher mit einem spezifischen Wiederholungsprozess konzipiert, ohne dass klar gesagt wird, welche Reize er speichert oder wie der visuell-räumliche Wiederholungsprozess aussieht.
  • Wann spricht man vom Arbeitsgedächtnis (AG)?

    Lösung

    Von Arbeitsgedächtnis spricht man, wenn das Gedächtnis genutzt wird, um Ziele zu erreichen. Das ist naturgemäß bei intendierten Handlungen der Fall. Hier müssen das Ziel und oft auch Teilziele der Handlungen bis zu ihrer Ausführung behalten werden. Darüber hinaus muss oft behalten werden, dass die Handlung ausgeführt wurde, um Wiederholungen zu vermeiden.
  • Was ist der Kern des Arbeitsgedächtnis-( AG-)Modells von Cowan?

    Lösung

    Bei Cowan stehen nicht Strukturen, sondern Gedächtnisprozesse im Mittelpunkt. Alle Gedächtnisinhalte sind in einem gemeinsamen Gedächtnis gespeichert. Aber nur der Teil, der gerade zur Erreichung von Zielen kritisch ist, kommt ins Bewusstsein und wird damit zugänglich. Die Aktivation von Inhalten wird durch die Zuwendung von Aufmerksamkeit gesteuert.
  • Wovon hängt nach den Prozessmodellen das episodische Erinnern ab?

    Lösung

    Von den Prozessen, die in einer Person beim Erfahren einer Episode und bei dem Versuch, diese zu erinnern, ablaufen.
  • Was ist mit den Begriffen „itemspezifische Information“ und „relationale Information“ gemeint?

    Lösung

    - Relationale Information bezieht sich auf Verbindungen (Assoziationen) zwischen Gedächtnisinhalten. Sie erleichtert das Auffinden von Information.
    - Itemspezifische Information bezieht sich auf Aspekte, die einen Gedächtnisinhalt von anderen unterscheidet. Sie erlaubt es zu entscheiden, ob ein Gedächtnisinhalt „alt“ ist.
  • Wie erklärt der Ansatz der Verarbeitungstiefe unterschiedlich gute Behaltensleistungen für Wörter?

    Lösung

    Nach dem Ansatz hängt das Behalten von der Verarbeitungstiefe der Wörter ab. Der Ansatz unterscheidet dabei drei Stufen: Die Verarbeitung auf der strukturellen, lautlichen und semantischen Stufe. Das Behalten steigt mit jeder Stufe.
  • Wann spricht man von elaborativer Organisation?

    Lösung

    Organisationsprozesse, die nicht durch Strukturen des semantischen Gedächtnisses automatisch ausgelöst werden, sondern ad hoc und bewusst in Gang gesetzt werden, z.B. indem Inhalte zu einer Geschichte verbunden werden. Elaborative Prozesse sind kontrollierte Prozesse.
  • Was ist die Grundidee hinter dem Prinzip der Enkodierspezifität?

    Lösung

    Beim Erinnern geht es darum, die Lernepisode zu reaktivieren. Dies gelingt nach dem Prinzip der Enkodierspezifität am besten, wenn die Auslösebedingungen für die Enkodierprozesse beim Erinnern wieder hergestellt werden.
  • Was ist die seriale Positionskurve (SPK), und wie wird sie erklärt?

    Lösung

    Sie besteht darin, dass die ersten (Primacy-Effekt) und letzten Items (Recency-Effekt) einer Lernliste besser behalten werden als die Items aus der Listenmitte. Der Primacy-Effekt wird darauf zurückgeführt, dass die ersten Items mehr Gelegenheit haben, wiederholt oder relational enkodiert zu werden, weil ihnen noch viele andere Items folgen. Der Recency-Effekt wird darauf zurückgeführt, dass die Items noch im KZS sind oder dass sie besonders gut itemspezifisch enkodiert werden können, weil ihnen nur noch wenige andere Items folgen.
  • Welche Arten von Vergessen werden in der Literatur unterschieden?

    Lösung

    - Vergessen durch Interferenz, d.h. durch das Überlagern von Gedächtnisspuren.
    - Abrufinduziertes Vergessen bedeutet: Der Abruf eines Exemplarreizes aus einer Kategorie (z.B. Apfel aus der Kategorie Frucht) erschwert den Abruf anderer Reize aus derselben Kategorie (z.B. der Wörter für Birne, Pflaume etc.).
    - Beim gerichteten Vergessen versucht man, bestimmte Reize gezielt zu vergessen. Auf der Ebene von Einzelreizen versucht man, diese zu ignorieren. Auf der Ebene von Teillisten versucht man, die zu vergessende Liste zu unterdrücken bzw. die zu erinnernde Teilliste gezielt zu wiederholen.
  • Was versteht man unter vertrautheits- und retrieval-basiertem Wiedererkennen?

    Lösung

    - Nur das retrieval-basierte Wiedererkennen ist echtes Wiedererkennen, bei dem der wieder zu erkennende Reiz einer spezifischen raum-zeitlichen Situation zugeordnet wird. Dieses Wiedererkennen ist kontrolliert und erfordert Aufmerksamkeit.
    - Das vertrautheitsbasierte Wiederkennen beruht dagegen lediglich auf dem Eindruck, den Reiz zu kennen. Es beruht auf automatischen Prozessen.
  • Warum ist die Beachtung abfolge-relationaler Information wichtig?

    Lösung

    Weil wir manchmal die zeitliche Abfolge von Ereignissen unabhängig von ihren Bedeutungen erinnern, z.B. wenn wir die Reihenfolge der letzten Urlaube rekonstruieren. Eine Theorie des episodischen Gedächtnisses muss auch solche Leistungen erklären können.
  • Was sind die Grundannahmen von Systemmodellen?

    Lösung

    Sie unterscheiden zwischen Eingangssystemen, einem zentralen Bedeutungssystem und Ausgangssystemen. Alle Prozesse der Informationsverarbeitung verlaufen abhängig vom jeweiligen Reiz und der Intention über spezifische Eingangssysteme und abhängig von der Art der Reaktion entweder direkt oder oder über das zentrale Bedeutungssystem zu spezifischen Ausgangssystemen. Es werden also verschiedene Wege durch das Gesamtsystem unterschieden.
  • Welche Annahmen teilt das multimodale Gedächtnismodell mit den Prozessmodellen des episodischen Gedächtnisses, und was ist der entscheidende Unterschied?

    Lösung

    Beide betrachten die Verarbeitung der Bedeutung als den Kern episodischer Gedächtnisleistungen. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass das multimodale Gedächtnismodell die unterschiedlichen sensorischen Prozesse, die zur Bedeutungsaktivation führen, sowie die motorischen Prozesse, die den unterschiedlichen Gedächtnisleistungen zugrunde liegen, für behaltenskritisch ansieht. Beiden Prozessen schenken die Prozessmodelle kaum Beachtung.
  • Wie kann man prüfen, ob Bilder automatisch implizit benannt werden?

    Lösung

    Zum Beispiel indem man Bilder einmal mit ihren Bezeichnungen und einmal ohne darbietet und den Free Recall für die Bilder unter beiden Bedingungen vergleicht. Ein Behaltensunterschied würde gegen die implizite Benennung sprechen.
  • Wie kann man testen, ob die Bildoberfläche bei konstanter Bedeutung das Behalten beeinflusst?

    Lösung

    Indem man die Bildoberflächen systematisch variiert und den Einfluss dieser Variation auf das Behalten analysiert.
  • Was versteht man unter Kongruenzeffekten beim Wiedererkennen von Bildreizen?

    Lösung

    Die Beobachtung, dass identische Reizwiederholungen im Wiedererkennenstest zu besseren Leistungen führen als oberflächenveränderte Reizwiederholungen.
  • Was versteht man unter visuellen Interferenzeffekten?

    Lösung

    Die Beobachtung, dass visuelle Nebenaufgaben bei visuellen Hauptaufgaben die Gedächtnisleistung im Vergleich zu modalitätsverschiedenen Nebenaufgaben (z.B. in akustischer Modalität) herabsetzen.
  • Was spricht dafür, dass der Tu-Effekt auf einer besonders guten itemspezifischen Information beruht und dass diese auch motorischer Natur ist?

    Lösung

    Für eine hohe itemspezifische Information spricht die sehr gute Wiedererkennensleistung nach Tun. Dafür, dass hierbei motorische Information im Spiel ist, spricht, dass die Handlungsausführung beim Enkodieren den Recency-Effekt in der serialen Positionskurve beim Free Recall im Vergleich zum Hören verstärkt. Man kann zwar den Recency-Effekt durch eine itemspezifische Orientierungsaufgabe auch beim Hören verstärken, aber der Tu-Effekt wird dadurch nicht berührt.
  • Was spricht dagegen, dass der Tu-Effekt ein verkappter Seh- bzw. Vorstellungseffekt ist?

    Lösung

    Dagegen spricht, dass man zeigen konnte, dass der Behaltenseffekt für selbstausgeführte Handlungen größer ist als für Handlungen, die man beobachtet.
  • Was sind implizite perzeptuelle und konzeptuelle Behaltenseffekte?

    Lösung

    Implizite Behaltenseffekte sind Wiederholungseffekte, deren sich die Versuchspersonen nicht bewusst sind. Die Lernsituation entspricht der beim expliziten Behalten. Die Testsituation ist jedoch verschieden. In perzeptuellen impliziten Tests muss die Person z.B. einen Reiz unter erschwerten Bedingungen erkennen oder Reizfragmente ergänzen. Der Behaltenseffekt zeigt sich in besseren Leistungen für wiederholte Reize. In konzeptuellen impliziten Tests muss die Person zu gegebenen Reizen andere assoziieren, z.B. Exemplarnamen zu einem Kategorienamen. Eine implizite Behaltensleistung liegt vor, wenn die wiederholten Reize, die Exemplare zu der Kategorie sind, häufiger assoziiert werden als neue Reize.
  • Warum gibt es in einem expliziten Wiedererkennenstest Kongruenzeffekte (für z.B. Größe und Orientierung) und in einem impliziten perzeptuellen Behaltenstest nicht?

    Lösung

    In expliziten Wiedererkennenstests liegt eine Erinnerungsintention für eine bestimmte Episode vor, die der Erinnernde zu reaktivieren versucht. Die Versuchsperson versucht, die Wahrnehmung des Reizes in der Enkodierphase zu rekonstruieren, und diese ist betrachter-orientiert, d.h. der Reiz hat eine bestimmte Orientierung und Größe. Beim impliziten perzeptuellen Test ist dagegen lediglich der aktuelle Reiz zu identifizieren. Dazu reicht die objekt-zentrierte Verarbeitung, d.h. das Erkennen der Form.
  • Was versteht man unter funktioneller Anatomie des Gehirns, und wie wird sie untersucht?

    Lösung

    Funktionelle Neuroanatomie ergänzt die strukturelle. Letztere beschreibt die Teile, aus denen sich das Gehirn zusammensetzt. Die funktionelle Neuroanatomie untersucht mittels bildgebender Verfahren (wie PET, fMRI, EKP), welche Funktionen diese Teile erfüllen. Dabei misst man, was in bestimmten Hirnarealen geschieht, wenn die untersuchte Person bestimmte Aufgaben ausführt.
  • Was geschieht im Broca- und Wernicke-Areal, wenn eine Person ein Wort hört und es nachsprechen soll?

    Lösung

    Im Wernicke-Areal wird die Repräsentation des Wortes aktiviert, im Broca-Areal das motorische Programm, das die Aussprache des Wores steuert.
  • Woher weiß man, dass der Hippocampus für das Funktionieren des episodischen Gedächtnisses entscheidend ist?

    Lösung

    Die beidseitige operative Entfernung des Hippocampus führt zum Verlust des episodischen Gedächtnisses.
  • Welche Funktion hat der mediobasale Temporallappen (MTL) für das Behalten?

    Lösung

    Er ist für das Behalten semantischer Informationen wichtig, insbesondere für das Behalten von Objektinformation.
  • Wie tragen der Hippocampus und der MTL gemeinsam zu der episodischen Erinnerung bei, ein bestimmtes Objekt zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort gesehen zu haben?

    Lösung

    Der MTL kodiert und speichert die Objektinformation, der Hippocampus seine raum-zeitliche Situierung. Nur das Ausmaß der Hippocampusschädigung korreliert mit dem Gedächtnis für den Ort, an dem die Objekte erfahren wurden.
  • Was versteht man unter dem Alt-Neu-Effekt im ereigniskorrelierten Potential (EKP)?

    Lösung

    Den Sachverhalt, dass sich EKPs (die Spannungsschwankungen im Elektroenzephalogramm) zwischen 300 und 500 ms nach der Darbietung von alten zuvor gesehenen und neuen zuvor nicht gesehenen Wörtern unterscheiden.
  • Inwiefern unterstützen Alt-Neu-Effekte im EKP die Unterscheidung zwischen vertrautheits- und retrieval-basiertem Wiedererkennen?

    Lösung

    Vertrautheitsbasiertes Wiedererkennen schlägt sich in frontalen Alt-Neu-Effekten nieder, das retrieval-basierte Wiedererkennen in parietalen Alt-Neu-Effekten.
  • Man nimmt an, dass der MTL für den Erwerb semantischen, dekontextualisierten Wissens zuständig ist. Welche Befunde stützen diese Annahme?

    Lösung

    Die Beobachtung, dass Patienten mit Hippocampusschädigungen, aber intaktem MTL zwar keine episodischen Erinnerungen mehr haben, wohl aber noch fähig sind, semantisches Wissen zu erwerben.
  • Was spricht dafür, dass auch der Neokortex an episodischen Gedächtnisleistungen beteiligt ist?

    Lösung

    Es zeigt sich, dass das Erinnern sensorischer wie motorischer Informationen mit der Aktivation entsprechender neokortikaler Areale einhergeht. Das Behalten von Positionen geht mit der erhöhten Aktivation parietaler Kortizes, das Behalten von Objektformen mit der erhöhten Aktivation in frontalen Kortizes und das Behalten von motorischen Handlungen, die man ausführt, mit erhöhter Aktivation in motorischen Kortizes einher.
  • Fertig!

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