Lexikon - Gesamtglossar aller Bücher

  • Begriff
    Erklärung
  • Abhängigkeit
    Abhängigkeit definiert sich über die folgenden Kriterien: 1. starkes, oft unüberwindbares Verlangen, die Substanz einzunehmen; 2. Schwierigkeiten, die Einnahme zu kontrollieren (was den Beginn, die Beendigung und die Menge des Konsums betrifft); 3. körperliche Entzugssymptome bei Nichtkonsum; 4. Toleranzentwicklung; 5. fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen, Aktivitäten, Vergnügen oder Interessen (Droge wird zum Lebensmittelpunkt); 7. fortdauernder Gebrauch der Substanz(en) wider besseres Wissen und trotz eintretender schädlicher Folgen.
  • Abstinenzverletzungssyndrom
    Vorfall (z. B. Trinken von einem Bier) führt zu Abfall der abstinenzbezogenen Selbstwirksamkeit (Ich kann das einfach nicht) und der Entwicklung dissonanzreduzierender Kognitionen (Jetzt ist es auch egal!) mit abschließendem Rückfall in das komplette dysfunktionale Suchtverhalten.
  • Achtsamkeitstraining
    Training im erfahrungsoffenen, nichtbewertenden Wahrnehmen von Phänomenen (Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen etc. ). Kann über spezifische standardisierte (Meditations-) Übungen oder informell mithilfe von Alltagsaktivitäten (beim Abwaschen auf Empfindungen in den Händen achten) praktiziert werden. Lässt sich gut mit Konfrontationsverfahren kombinieren.
  • Adipositas
    Fettleibigkeit, die durch einen Body-Mass-Index ? 30,0 kg/m2 definiert ist.
  • Agoraphobie
    Von griechisch agora, Versammlungsplatz: Furcht vor und Vermeidung von Orten und Situationen, von denen eine Flucht schwierig ist. Das Vermeidungsverhalten schränkt den Betroffenen immer weiter ein.
  • Aktometrie
    Verfahren zur Messung der Bewegung während des Schlafes mithilfe einer Handgelenk-Manschette. Lieferung von Erkenntnissen über den Schlaf-Wach-Rhythmus und die nächtliche Aktivität einer Person.
  • Amenorrhö
    Ausbleiben der Monatsblutung.
  • Anhedonie
    Unfähigkeit, Freude zu empfinden; eines der Kernsymptome einer klinisch relevanten Depression.
  • Anorgasmie
    Verzögerter oder ausbleibender Orgasmus.
  • Anticipatory anxiety (Erwartungsangst)
    Furcht, die im Vorfeld eines sozialen Ereignisses auftritt und sich auf das antizipierte Auftreten von Angst bezieht (Angst vor der Angst).
  • Appetenzphase
    Erste zu identifizierende Phase beim Sexualverhalten. Das Bewusstsein für das sexuelle Bedürfnis tritt auf, oft in Begleitung von Fantasien.
  • Artifizielle Störung (Münchhausen-Syndrom)
    Absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen körperlicher Symptome, meist um einen offensichtlichen Vorteil für den Patienten zu erzielen.
  • Auslöser von Schlafstörungen
    Stress, unregelmäßige Schlafzeiten und psychoaktive Substanzen.
  • Benzodiazepine
    Psychoaktive Substanz aus der Gruppe der Hypnotika, die zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt werden kann. Paradoxerweise ist diese Substanz aber auch gleichzeitig möglicher Auslöser von Schlafstörungen: Verursachung von sogenannter Rebound-Insomnie als Entzugssymptom bereits nach mehrtägiger Einnahme. Metaanalytisch ist deutliche Überlegenheit im Vergleich zu Placebo nachgewiesen bei Einnahme bis zu sechs Wochen. Risiken und Nebenwirkungen: hohes Toleranz- und Abhängigkeitsrisiko, plötzliches Absetzen löst häufig Rebound-Insomnie aus.
  • Bewältigungsstil
    Strategien im Umgang mit unangenehmen Emotionen, die durch Schemata ausgelöst werden.
  • Binge-eating-Störung
    Essstörung, die durch wiederkehrende Essanfälle ohne kompensatorische Maßnahmen gekennzeichnet ist.
  • Biofeedback
    Methode zur Vermittlung psychophysiologischer Erklärungen für körperliche Beschwerden sowie zur Einflussnahme auf ansonsten nicht willentlich steuerbare Vorgänge. In der Regel werden dabei relevante biologische Prozesse mithilfe technischer Hilfsmittel erfasst und in Signale umgesetzt, die der Patient wahrnehmen kann. Beispiel: Muskelanspannung wird in Form eines in Tonhöhe/Lautstärke variierenden Tones rückgemeldet.
  • Biologische Verfahren zum Nachweis des Konsums psychotroper Substanzen
    Beispielsweise Atem-, Urin-, Blut-, oder Haaranalysen.
  • Bipolare Störung
    Bipolare Störungen sind eine affektive Erkrankung, bei der extreme Antriebs-, Aktivitäts- und Stimmungsauslenkungen episodenhaft in depressiver oder (hypo-/)manischer Form auftreten. Sie verlaufen in der Regel chronisch und bedingen erhebliche psychosoziale Beeinträchtigungen.
  • Bruxismus
    Nächtliches Zähneknirschen: kann als Schlafstörung klassifiziert werden. Kennzeichnend: stereotype Kieferbewegungen während des Schlafs; Folgen: Zahnabrieb, Zahnschmerzen, Schmerzen im Kiefermuskel und -gelenk sowie Kopfschmerzen. Klassifikation von Bruxismus gemäß ICSD-2 als Sleep related moving disorder. Behandlung: Einsatz von Aufbissschienen, Biofeedback.
  • Chronische Major Depression
    Die Diagnose einer chronischen Major Depression kann im DSM-IV vergeben werden, wenn eine depressive Episode länger als zwei Jahre anhält.
  • CIDI (Composite International Diagnostic Interview)
    Hiermit können sowohl DSM- als auch ICD-Diagnosen im Bereich psychischer Erkrankungen gestellt werden. Das CIDI setzt kein besonderes Ausmaß an klinischer Expertise voraus, sodass es auch von speziell geschulten Laien eingesetzt werden kann. Allerdings zählt es zu den aufwändigsten Interviewverfahren.
  • Coenästhetische Halluzinationen
    Illusorische Wahrnehmungen von veränderten körperlichen Zuständen, z. B. Gitter im Bauch, Brennen im Gehirn.
  • Craniomandibuläre Dysfunktionen
    Bezeichnen Schmerzen in Kiefermuskeln und Kiefergelenken als Folge nächtlichen Bruxismus.
  • Daily-hassles-Ansatz zur Erklärung psychischer Störungen
    Bedeutung der Kulmination kleinerer Ärgernisse im Alltag (z. B. Stau, Auto springt nicht an, Schlüssel vergessen, Nachbarschaftsstreit) für die Gefährdung der psychischen Gesundheit. Sie stellen einen besseren Prädiktor für aktuelle und künftige psychopathologische Symptome dar als bedeutsame Life events.
  • DGSM
    Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.
  • Diagnostischer Prozess
    Mehrschrittiger Prozess, mit dem Ziel der Diagnosefindung: Zuerst erfolgt eine Exploration der Symptome, die zu einem Syndrom zusammengefasst werden können. Die anschließende Prüfung, ob entsprechende diagnostische Kriterien erfüllt werden, führt schließlich zur Diagnose.
  • Diathese-Stress-Modell
    Annahme, dass unspezifische Belastungen (z. B. Stress) in Abhängigkeit von spezifischen Vulnerabilitäten bei verschiedenen Personen zu verschiedenen psychischen Störungen führen. Die Vulnerabilitäten können z. B. genetisch oder lerngeschichtlich bedingt sein.
  • Dimensionale Diagnostik
    Der kontinuierliche Übergang zwischen den beiden Polen gesund und krank wird berücksichtigt. Der dimensionalen Verteilung der Krankheitsmerkmale wird Rechnung getragen: Psychische Merkmale einer Person werden entlang eines Kontinuums erfasst und beschrieben.
  • DIPS (Diagnostisches Interview für Psychische Störungen)
    Dieses Interviewverfahren stammt ursprünglich aus der Angstforschung und wurde dann für andere psychische Erkrankungen ausgeweitet. (Schneider und Margraf 2006, dt. Version des ADIS; Grisham, Brown und Campbell 2004)
  • Disengagement from incentives (Loslösen von vormals relevanten Anreizen)
    Das von Eric Klinger stammende Konzept bezeichnet die Fähigkeit, von vormaligen Anreizen loszulassen bzw. Ziele und Erwartungen aufzugeben, wenn diese nicht erreicht werden können oder wenn das Erreichen mit zu hohen Kosten verbunden wäre. Nur durch ein solches Loslassen, das notwendigerweise mit einem Trauerprozess verbunden ist, ist die Setzung neuer, erreichbarer Ziele wieder möglich.
  • Double Depression
    Diese Diagnose kann nach dem DSM-IV bei einer von einer depressiven Episode überlagerten Dysthymie vergeben werden.
  • DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Diseases)
    Amerikanisches Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen, das einen multiaxialen Katalog mit Diagnosen enthält, für die neben den Kriterien auch Hintergrundinformationen beschrieben werden. Diagnostische Einschätzungen werden auf verschiedenen Ebenen vorgenommen. Zudem wird das DSM von Wissenschaftlern sehr geschätzt, da es in verschiedenen Bereichen stärker auf Forschungsergebnissen aufgebaut ist als das international eingesetzte ICD-10.
  • DSM-IV-TR
    Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders 4th Edition ? Text Revision: Diagnoseklassifikationssystem für psychische Störungen der American Psychiatric Association. Wird v. a. in der Forschung und in den USA verwendet.
  • Dysfunktionale Schlafgewohnheiten
    Faktor für die Aufrechterhaltung der nichtorganischen Insomnie gemäß des psychophysiologischen Modells der primären Insomnie: Entwicklung von Gewohnheiten, die schlafförderlich sein sollen, um mangelnde Erholsamkeit auszugleichen, letzlich aber oft gegenteilige Wirkung erzielen (z. B. zu frühes Zubettgehen, Tagschlaf, Lesen oder Fernsehen im Bett).
  • Dyspareunie
    Problem, bei dem Geschlechtsverkehr als schmerzhaft erlebt wird.
  • Dyssomnie
    Zählt zu den nichtorganischen Schlafstörungen; bedeutet ein Zuviel oder Zuwenig an Schlaf, z. B. nichtorganische Insomnie oder Hypersomnie oder nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Dysthymie
    Zählt laut ICD-10 zu den unipolaren Depressionen: Chronisch depressive Symptomatik, die nicht (oder nur kurzfristig) den Schweregrad einer depressiven Episode erreicht (ICD-10).
  • E+V-Technik (Erfolg-und-Vergnügen-Technik)
    Strategie, die als Teil der Verhaltenstherapie depressiver Störungen angewendet wird und dabei helfen soll, den Alltag des Patienten zu strukturieren und verstärkende Aktivitäten zu integrieren. Kern der Technik ist das regelmäßige Planen und Protokollieren von (a) Erfolgen (d. h. erfolgreiches Anstreben von systematisch gesetzten kleinen Zielen) und (b) genussvollen/angenehmen Erlebnissen.
  • Einstiegsdrogen
    Legale Drogen gelten als Einstiegsdrogen. Jeder junge Mensch wird meistens zuerst mit legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin konfrontiert. Legale Drogen können den Weg in den Konsum illegaler Drogen bahnen.
  • Ejaculatio praecox
    Samenerguss ereignet sich noch vor oder unmittelbar nach dem Einführen in die Scheide.
  • Endurance-Response-Modell
    Modell, wonach auch übermäßiges Durchhalten und Bagatellisieren von Schmerzsymptomen den Schmerz verstärken kann
  • Entwicklungsprozesse
    Sind in der Therapie von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen. Haben große Bedeutung für Störungsausprägung und Verlauf: Eine Vielzahl potenziell pathologischer Symptome tritt im Verlauf von normaler kindlicher Entwicklung auf (z. B. motorische Unruhe, Fremdeln, Trotzverhalten). Das Fortbestehen über entsprechendes Entwicklungsalter hinaus macht solche Verhaltensweisen erst zu klinisch relevantem Problemverhalten.
  • Entwicklungsstörungen
    Störungen wie z. B. LRS, Dyskalkulie oder motorische Entwicklungsverzögerung, die zusätzliche Wirkung auf psychische Symptomatik haben können.
  • Entwicklungsübergänge
    Im Entwicklungsverlauf auftretende Übergänge, die begünstigend auf Entwicklung psychischer Störungen wirken können (z. B. Einschulung, Pubertät, Ablösung von Eltern).
  • Erregungsphase
    Zweite Phase beim Sexualverhalten, die durch physiologische Reaktionen gekennzeichnet ist (z. B. beschleunigte Atmung und Puls, Hautrötungen) und charakterisiert das damit einhergehende Erleben (beim Mann z. B. Errektion, Anschwellen der Hoden).
  • Erwartungsängste bei Sexualstörungen
    Beim Auftreten erster sexueller Probleme können Erwartungsängste entstehen, die das Problem verstärken. Zunehmende negative Erwartung, Angst vor Misserfolg und Vermeidung von bestimmten Situationen und Ereignissen können zu Angstreaktionskonditionierung und zur Chronifizierung sexueller Probleme führen.
  • Erworbene Hirnschädigung
    Erworbene Hirnstörungen entstehen durch körperliche Erkrankungen, die das Gehirn direkt (z. B. durch Schädel-Hirn-Verletzungen) oder indirekt (z. B. als Folge einer den ganzen Organismus beeinflussenden Erkrankung) betreffen.
  • ESS (Epworth Sleepiness Scale)
    Erfasst zusätzlich zu den Schlafproblemen auch Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit. (Johns 1991)
  • Exhibitionismus
    Form der Paraphilie: Bezeichnet die Zurschaustellung der eigenen Sexualorgane in der Öffentlichkeit. Befriedigung des Exhibitionisten hängt vom Überraschen oder Erschrecken fremder Personen ab, weshalb die Täter frustriert sind, wenn die Opfer mit Gelassenheit reagieren.
  • Exposition
    Konfrontation mit einem angstauslösenden Reiz.
  • Fear-avoidance-Modell
    Modell, wonach Vermeidung von Bewegung aufgrund von Angst vor Auftreten/Verstärkung des Schmerzes zur Aufrechterhaltung von Schmerzen beiträgt.
  • Fetischismus
    Ein zunächst sexuell neutrales Objekt wird als luststeigernd wahrgenommen. Wenn das Fetischobjekt nicht berührt, berochen oder getragen werden kann, erfährt die betroffene Person keine sexuelle Erregung.
  • Flashback
    Plötzlich auftretende und lebendige Erinnerungsattacke, die mit dem Gefühl einhergeht, das Trauma noch einmal zu durchleben.
  • Frotteurismus
    Störungsbild, bei dem sich Person durch Reibung der Genitalien an Fremden oder durch Berührung der Sexualorgane Fremder Lustgewinn verschafft.
  • Funktionale Norm
    Bezogen auf die Fähigkeit einer Person, ihm zugetragene Funktionen zu erfüllen. Dieser Normbegriff ist für eine Mehrzahl der Diagnosen psychischer Störungen vordergründig.
  • Gedanken-Handlungs-Fusion
    Die Annahme, dass Gedanken unweigerlich zu Handlungen führen (z. B. der Gedanke, mein Kind zu töten, wird dazu führen, dass ich es tatsächlich tue).
  • Habituation
    Prozess der Gewöhnung bzw. Reduktion der Reaktionsintensität bei prolongierter bzw. wiederholter Darbietung eines Reizes, der sich als unbedeutend erweist.
  • Hebenephrene/desorganisierte Schizophrenie
    Einer von drei charakteristischen Subtypen der Schizophrenie, denen sich die meisten Störungsbilder zuordnen lassen; klinisches Bild ist primär durch wenig planvolles Handeln gekennzeichnet: Denken und Sprechen sind ungeordnet, Stimmung und emotionaler Ausdruck passen oft nicht zur aktuellen Situation.
  • Holistische Rehabilitationsprogramme
    Holistische Rehabilitationsprogramme: Ziel ist die Verbesserung der psychosozialen Anpassung und Lebensqualität der Betroffenen. Holistische Rehabilitation beinhaltet neuropsychologische Verfahren zur positiven Beeinflussung kognitiver Leistungsfähigkeit. Die Besonderheit ist aber die individualisierte, alltagsbezogene Umsetzung dieser Interventionen und die Integration psychotherapeutischer Verfahren in die Einzel- und Gruppentherapie.
  • Hyperarousal
    Faktor für die Aufrechterhaltung der nichtorganischen Insomnie gemäß des psychophysiologischen Modells der primären Insomnie: Angespanntheit und Übererregung als zentraler Faktor. Äußerung auf physiologischer, kognitiver und emotionaler Ebene.
  • Hypervigilanz
    Erhöhte Wachsamkeit und Reaktivität gegenüber Reizen, die mit potenziellen Gefahren assoziiert sind.
  • Hypervigilanz
    Übermäßige Wachsamkeit; fortdauerndes Gefährdungsgefühl.
  • Hypochondrische Störung
    Bestehen unklarer körperlicher Missempfindung. Angst oder die Überzeugung, ernsthaft krank zu sein, ist der zentrale Unterschied zu anderen somatoformen Störungen. Die Angst muss mindestens ein halbes Jahr trotz der medizinischen Rückversicherung bestehen, dass keine Erkrankung vorliegt.
  • Hypomanische Episode
    Hypomanie als leichtere Ausprägung der Manie: Stimmung ist anhaltend für die Dauer von wenigstens einigen Tagen leicht gehoben; zusätzliche Symptome: gesteigerter Antrieb und Aktivität, auffallendes Gefühl von Wohlbefinden und erhöhte Leistungsfähigkeit, erhöhte Geselligkeit und verringertes Schlafbedürfnis. Die Symptomausprägungen sind nicht so stark, dass sie zu einem Abbruch der Berufstätigkeit oder zu sozialer Ablehnung führen.
  • ICD-10
    International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems: weltweit eingesetztes Diagnoseklassifikationssystem; von WHO-Expertengruppen entwickelt; psychische Störungen finden sich unter der Kategorie F.
  • ICD-10 (International Classification of Diseases )
    Katalog zur Klassifikation von Krankheiten, der von der WHO herausgegeben wird und alle Krankheiten abdeckt. Dient der Einordnung und Codierung sämtlicher Krankheiten und ist in Deutschland von Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern für die Diagnosestellung vorgeschrieben.
  • Ich-Dystonie
    Erlebens- und Verhaltensmuster werden als nicht zur Person zugehörig wahrgenommen. Beispiel: Person entwickelt eine Angststörung, erlebt diese als eine fremde, neue Eigenschaft von sich und bemüht sich, diese loszuwerden.
  • Ich-Syntonie
    Erlebens- und Verhaltensmuster werden als zur Person zugehörig wahrgenommen. Beispiel: Eine Person mit ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung erlebt ihre Schüchternheit nicht als einen abgegrenzten Teilbereich, der kommt und auch wieder geht, sondern als ein definierendes Element der eigenen Persönlichkeit.
  • ICSD-2 (International Classification of Sleep Disorders 2)
    Klassifikationssystem von Schlafstörungen der American Academy of Sleep Medicine (2005), das eine differenziertere Klassifikation von Schlafstörungen erlaubt als ICD-10 oder DSM-IV-TR.
  • IDCL (Internationale Diagnose-Checklisten für ICD-10 und DSM-IV)
    Stellen eine ökonomische Alternative zu den aufwändigen Langversionen der Interviewleitfäden dar. Sie weisen einen deutlich geringeren Strukturierungsgrad auf als die ausgearbeiteten Interviews und berücksichtigen dennoch alle Einzelkriterien. Sollte ein Patient die Hauptkriterien einer Diagnose nicht erfüllen, so kann direkt zur nächsten F-Diagnose gesprungen werden, was das Verfahren ökonomischer macht. (Hiller, Zaudig und Mombour 1997)
  • Idealnorm
    Normalitätsdefinition als einen Zustand vordefinierter Vollkommenheit.
  • Impotenzprobleme
    Problem kann in der Phase sexueller Erregung auftreten. Erektion kann nicht auf Dauer gehalten werden oder Stärke reicht nicht für befriedigenden Verkehr aus.
  • Inkongruenz-Ansatz zur Erklärung psychischer Störungen
    Konzept von Klaus Grawe, demzufolge ein Auseinanderklaffen der Bedürfnisse, Wünsche, Ziele und Erwartungen einerseits und der wahrgenommenen Erreichung dieser Zustände andererseits als Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen gesehen wird. Ein latent hohes Inkongruenzniveau wird als wichtiger Risikofaktor, ein akuter signifikanter Anstieg des Inkongruenzniveaus als wichtiger Auslöser für die Entwicklung psychischer Störungen betrachtet.
  • Interviewleitfäden
    Zu den Einzeldiagnosen der Klassifikationssysteme entwickelte strukturierte oder standardisierte Leitfäden, die möglichst konkret beschreiben, wie die Symptomatik zu erfassen ist (d. h. vor allem mit welchen Fragen). Auf diesem Weg soll die Reliabilität und damit die Validität der Diagnose erhöht werden.
  • Intrusion
    Spontan auftretende, ungewollt wiederkehrende belastende Erinnerungen/Gedanken/Vorstellungen.
  • K-SADS-PL (Kiddie-Schedule for Affective Disorders and Schizophrenia Present and Lifetime)
    Klinisches Interview zur störungsspezifischen Diagnostik: Erfasst aktuell auf die Lebenszeit bezogene psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters. (Übersetzung und Adaption: Delmo et al. 2000/2001)
  • Katatone Schizophrenie
    Einer von drei charakteristischen Subtypen der Schizophrenie, denen sich die meisten Störungsbilder zuordnen lassen; klinisches Bild ist primär durch motorische Störungen gekennzeichnet (sowohl motorische Übererregung, als auch Haltungsstereotypien sind möglich). Oft sind Patienten nur schwer verbal erreichbar, dadurch sind innerpsychische Prozesse schwer zugänglich.
  • Kategoriale Diagnostik
    Dichotomisierung der Diagnosenvergabe in Form von kategorialen Einheiten: Diagnosen werden so vergeben, als wären sie klar zu trennende Zustände (entweder gesund oder krank). Psychische Störungen werden demnach als diskrete, klar voneinander und von der Normalität abgenzbare und unterscheidbare Störungseinheiten verstanden.
  • Klassifikation
    Einordnung von Phänomenen (mit bestimmten gemeinsamen Merkmalen) in ein Kategoriensystem.
  • Klinische Psychologie
    Teildisziplin der Psychologie, deren Forschungs- und Praxisschwerpunkt sich mit psychischen Störungen und psychischen Aspekten somatischer Störungen und Krankheiten beschäftigt. Speziell: Deskription, Klassifikation, Diagnostik, Verbreitung, Verlauf, Ätiologie- und Bedingungsanalyse, Gesundheitsförderung, primäre und sekundäre Prävention, Therapie und Rehabilitation bei psychisch (mit-)bedingten Gesundheitsproblemen.
  • Kognitive Remediation
    Wirksamer psychologischer Behandlungsansatz zur Schizophreniebehandlung. Intervention zielt darauf ab, die neurokognitiven Defizite schizophrener Patienten zu reduzieren.
  • Kognitive Techniken
    Ziel kognitiver Techniken bei Behandlung von Schlafstörungen: Identifikation, Hinterfragung und Veränderung dysfunktionaler Schlafkognitionen.
  • Komorbidität
    Das gleichzeitige Vorliegen verschiedener Erkrankungen bei einer Person.
  • Komorbidität
    Auftreten einer oder mehrerer zusätzlicher Störungsbilder/Erkrankungen bei der gleichen Person.
  • Komorbiditätsprinzip
    Prinzip, welches postuliert, dass bei einem Patienten so viele Diagnosen gestellt werden, wie für die Gesamtbeschreibung der klinischen Problematik notwendig sind.
  • Kompensation
    Ausgleich von kognitiven Defiziten durch die Vermittlung von Ersatzstrategien oder durch Einsatz unbeeinträchtigter Fähigkeiten, um ausgefallene Fähigkeiten zu ersetzen (z. B. Nutzung elektronischer oder schriftlicher Speichermedien zur Erinnerung an Termine).
  • Konsequenzen
    Faktor für die Aufrechterhaltung der nichtorganischen Insomnie gemäß des psychophysiologischen Modells der primären Insomnie: Folgen von Schlafstörungen sind oft Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsstörungen, Beeinträchtigungen der Stimmung, Depressivität oder Ängstlichkeit. Mitunter liegt subjektive Überbewertung der eigenen Beeinträchtigung vor, obwohl Leistung und Konzentration objektiv gesehen im Normalbereich liegen.
  • Kontinuitätsnannahme psychotischer Erfahrungen
    Die Annahme eines kontinuierlichen Übergangs zwischen normalem Erleben und psychotischen Symptomen.
  • Kontinuumsmodell der Schizophrenie
    Ätiologisches Modell der Schizophrenieentstehung, das auf der Annahme basiert, dass es keinen qualitativen Bruch zwischen normalem Erleben und psychotischen Symptomen gibt, sondern Patienten sich am psychopathologischen Pol eines Kontinuums psychotischer Erfahrungen befinden.
  • Konversionsstörung
    Pseudoneurologische Symptome: erwecken den Anschein, als läge eine neurologische Krankheit vor.
  • Körperdysmorphe Störung
    Gemäß ICD-10 klassifiziert als Spezialform der Hypochondrie, trotz geringer Gemeinsamkeiten. Betroffene beschäftigen sich anhaltend mit einer wahrgenommenen Entstellung/Missbildung, die von anderen nicht (in entsprechendem Ausmaß) nachvollzogen werden kann.
  • Kritische-Lebensereignisse-Ansatz (Life-event-Ansatz) zur Erklärung psychischer Störungen
    Versuch, die Entstehung psychischer Störungen durch kritische Lebensereignisse zu erklären. Annahme, dass psychische Störungen oft von belastenden Ereignissen ausgelöst werden, die eine bedeutsame Anpassungsleistung verlangen. Die Relevanz des Konzepts ist durch empirische Studien mit kleinen bis mittleren Zusammenhängen belegt, reicht aber allein nicht aus, um psychische Störungen zu erklären.
  • Lanugobehaarung
    Feine, flaumartige Behaarung vor allem an Unterarmen, Rücken oder Gesicht.
  • Lebenszeitprävalenz
    Auftretenshäufigkeit einer Krankheit/Störung über die gesamte Lebensspanne in einer bestimmten Population.
  • Lubrikationsprobleme
    Ausbleiben des Feuchtwerdens als sexuelles Problem.
  • Makroanalyse
    Die Makroanalyse analysiert Zusammenhänge zwischen Problembereichen und über Faktoren, die über verschiedene Problembereiche hinweg zur Aufrechterhaltung des unterwünschten Zustandes beitragen.
  • Manische Episode
    Situationsinadäquat gehobene Stimmung, die zwischen sorgloser Heiterkeit und quasi unkontrollierbarer Erregung schwankt. Die euphorische Stimmung wird dabei von vermehrtem Antrieb, Rededrang, übertriebenem Optimismus und ähnlichen Symptomen begleitet. Episode dauert mindestens eine Woche an und ist schwer genug, um die berufliche und soziale Funktionsfähigkeit mehr oder minder vollständig zu unterbrechen.
  • Medizinisches Krankheitsmodell
    Annahme, dass beobachtbare Beschwerden eindeutig einer dahinterliegenden somatischen Erkrankung zugeordnet werden können und dass mit einer aus der Diagnose ableitbare Therapie diese Ursache und entsprechend auch die Symptome beseitigt werden können. Im Bereich psychischer Störungen greifen derartige Vorstellungen allerdings zu kurz.
  • Metakognitives Training
    Training in der Kompetenz, das eigene Denken zu beobachten und ggf. systematisch zu beeinflussen.
  • Mikroanalyse
    Die genaue Analyse von problematischen Situationen, die als relevant für die psychische Störung eingeschätzt werden, wird Mikroanalyse genannt. Sie zeigt das Problemverhalten am Beispiel einer speziellen Situation auf.
  • Missbrauch/schädlicher Gebrauch
    Wiederkehrender Gebrauch einer psychotropen Substanz, welche weiter konsumiert wird, obwohl Wissen über konsumbedingte soziale, berufliche, psychologische oder körperliche Probleme besteht.
  • Modell der doppelten Handlungsregulation
    Modell nach Sachse (2001), demzufolge PS als Interaktionsstörungen zu verstehen sind. Die drei wesentlichen Komponenten des Modells stellen die Motivebene (Ebene der authentischen Handlungsregulation), die Spielebene (Ebene der manipulativen Handlungsregulation) und die Schemata dar.
  • Negativsymptome der Schizophrenie
    Symptome der Schizophrenie, die durch das Fehlen üblicherweise vorhandener Funktionen der menschlichen Psyche gekennzeichnet sind (z. B. Affektverflachung, Gedankenarmut).
  • Neutralisieren
    Durchführung von Zwangshandlungen, um (durch Zwangsgedanken ausgelöste) Anspannung zu reduzieren oder die bedrohlichen Vorstellungen zu verhindern.
  • NIMH (National Institus of Mental Health)
    1949 in den USA gegründete Organisation, die als Meilenstein für die Entwicklung von Ausbildungsrichtlinien zum Clinical Psychologist gesehen wird.
  • Normale Sexualität
    Die menschliche Sexualität zeichnet sich durch eine ausgeprägte Heterogenität aus. Die Definition einer Störung des Sexualverhaltens oder der Präferenzen unter Rückgriff auf soziale oder statistische Nomen ist entsprechend erschwert. Daher gilt, dass alles normal ist und keinen Veränderungsbedarf aufweist, womit alle Beteilligten zufrieden sind und niemand zu Schaden kommt.
  • Operante Faktoren
    Faktoren, die verstärkenden Einfluss ausüben und somit die Auftretenswahrscheinlichkeit für ein Verhalten erhöhen (z. B. Krankheitsverhalten und die positive Konsequenz der Zuneigung von Angehörigen, wodurch Krankheitsverhalten verstärkt wird; oder Lob des Therapeuten zur Verstärkung funktionalen Verhaltens).
  • Orale Parafunktionen
    Tritt oft in Kombination mit nächtlichem Bruxismus auf. Beinhaltet Zusammenpressen der Zähne, Lippen oder Zunge, Nägelkauen, usw. tagsüber.
  • Orgasmusphase
    Vierte Phase des Sexualverhaltens: gekennzeichnet durch Orgasmus und Ejakulation bzw. weitere Kontraktionen im Sexualbereich.
  • Pädophilie
    Erreichung sexueller Erregung durch das Berühren von meist präpubertären Kindern oder durch die Stimulation der Genitalien durch das Kind.
  • Panikattacke
    Plötzliche, unvorhersehbar auftretende, zeitlich begrenzte Zustände starker Furcht, begleitet von intensiven physiologischen Reaktionen (z. B. Herzklopfen, Schwindel) und kognitiven Symptomen (z. B. Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben).
  • Panikstörung [Episodisch paroxysmale Angst (ICD-10, F41.0)]
    Kennzeichnend sind wiederholt auftretende Panikattacken, die in Abwesenheit eines eindeutigen externen Auslösers auftreten. Sie führen zu deutlichen Verhaltensänderungen und zu anhaltenden Sorgen bzgl. der Attacken.
  • Paradoxe Intention
    Wirksame kognitive Technik in der Behandlung von Schlafstörungen. Anleitung des Patienten, im Gegensatz zu sonst zu versuchen, möglichst lange wach zu bleiben, um so den Teufelskreis aus Erwartungsangst, physiologischer Anspannung und resultierender Schlaflosigkeit zu unterbrechen.
  • Paranoide Schizophrenie
    Einer von drei charakteristischen Subtypen der Schizophrenie, denen sich die meisten Störungsbilder zuordnen lassen; klinisches Bild der paranoiden Schizophrenie als häufigster Subtypus ist geprägt von Wahnideen und/oder Halluzinationen.
  • Parasomnie
    Zählt zu den nichtorganischen Schlafstörungen; umfasst Störungen, die während des Schlafes auftreten, z. B. Schlafwandeln, Albträume, Pavor nocturnus.
  • Parasuizidalität
    Der Übergangsbereich von Suizidalität zur intentionaler Selbstverletzung.
  • Parasympathikus
    Teil des vegetativen Nervensystems, der für die Aufrechterhaltung der normalen Organfunktion und der Regeneration des Organismus zuständig ist. Antagonist des Sympathikus.
  • Persönlichkeitsstörung
    Überdauerndes Muster von innerem Erleben und Verhalten, das merklich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweicht, tiefgreifend und unflexibel ist und zu Leid oder Beeinträchtigungen bei den Betroffenen (und/oder im sozialen Umfeld) führt.
  • Phobie
    Unbegründete, übermäßig starke, krankhafte Angst vor abgrenzbaren Stimuli.
  • Plateauphase
    Dritte Pase des Sexualverhalten, gekennzeichnet durch Verstärkung der physiologischen Aktivierung und durch zunehmende Koitusbewegungen.
  • Positivsymptome der Schizophrenie
    Symptome der Schizophrenie, die das gewöhnliche Erleben und Verhalten erweitern (z. B. Wahnvorstellungen).
  • Postorgastische Phase
    Beim Mann i. d. R. mit Refraktärzeit verbunden, in der sich Erregung zurückbildet. Erst nach Ablauf der Refraktärzeit sind die meisten Männer wieder zu erneuter Erregung in der Lage.
  • Prädisponierende Faktoren für Schlafstörung
    Schlafqualität kann durch organische Erkrankungen beeinträchtigt werden (z. B. Herz- und Lungenerkrankungen, chronische Schmerzen). Auch psychische Störungen (v. a. Major Depression) bedingen Ein- und Durchschlafstörungen, sowie Veränderung der Schlafarchitektur. Andere schlafbeeinträchtigende psychische Störungen sind z. B. Angststörungen, Alkoholabhängigkeiten, Demenzen, Essstörungen und Schizophrenien.
  • Preparedness
    Evolutionär bedingte, biologische Prädisposition zum Erlernen bestimmter Reiz-Reaktions-Assoziationen.
  • Primäre Insomnie
    Nichtorganische Insomnie im Sinne eines eigenständigen Störungsbildes. Häufigste Form der Schlafstörung. Hauptbeschwerden: Ein- und/oder Durchschlafstörungen, frühmorgendliches Erwachen, nichterholsamer Schlaf und entsprechende Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit.
  • Problemlösetechniken
    Kognitive Technik zur Behandlung von Schlafstörungen. Anstelle ruminativen Grübelns wird ein aktives, konstruktives Problemlösen gesetzt.
  • Prodromalphase
    Phase, die häufig vor Störungsbeginn auftritt. Geht mit unspezifischen Symptomen einher (z. B. Ängste, Schlafstörungen, Depression) und bedeutet meistens eine Reduktion des vorher bestehenden Funktionsniveaus.
  • PSG (Polysomnographie)
    Stellt die differenzierteste Methode zur Schlafdiagnostik dar. Umfasst: Aufzeichnung von EEG, Elektrookulogramm (EOG), Elektromyogramm (EMG) sowie nach Bedarf Variablen wie Schnarchgeräusche, Atmung oder Beinbewegung. Ist erst bei Verdacht auf organische Ursache oder bei chronischer therapierefraktärer Insomnie mit mehreren erfolglosen Behandlungsversuchen indiziert.
  • PSQI (Pittsburgher Schlafqualitäts-Index)
    Schlaffragebogen. Liefert Überblick über die Schlafproblematik. (Buysse et al. 1989)
  • Psychische Störung
    Zentrale Thematik der klinischen Psychologie in Forschung und Praxis: Gruppe untereinander zusammenhängender, klinisch relevanter Symptome, die mit außergewöhnlichem Leid und/oder Funktionsbeeinträchtigungen einhergehen.
  • Psychometrische Diagnostik
    Psychometrische Diagnostik sollte möglichst multimethodal geschehen. Sie sollte also nicht nur auf einer einzigen Erhebungsmethode beruhen, sondern zusätzliche Datenquellen einsetzen. Dazu bieten sich validierte psychometrische Instrumente sowie systematische Verhaltensbeobachtungen oder Fremdanamnesen an.
  • Psychotherapie
    Gezielter Einsatz psychologischer Verfahren zur Reduktion/Bewältigung von leidhaften und/oder beeinträchtigenden Erlebens- und Verhaltensmustern: Bewusster und geplanter interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die übereinstimmend für behandlungsbedürftig gehalten werden. Es werden psychologische Mittel zur Hilfe gezogen, die auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens basieren, um eine Veränderung in Richtung eines (gemeinsam) vereinbarten Ziels (Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit) zu bewirken.
  • Psychotrope Substanzen
    Natürliche, chemisch aufbereitete oder synthetisch erzeugte Substanzen, die das zentrale Nervensystem beeinflussen. Nehmen Einfluss auf Wahrnehmung, Fühlen, Verhalten. Zeichnen sich z. T. durch substanzielles Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial aus.
  • Purging
    Kompensatorische Maßnahmen zur Vorbeugung einer Gewichtszunahme, z. B. selbst herbeigeführtes Erbrechen oder Missbrauch von Laxantien (Abführmitteln) oder Diuretika (Entwässerungsmittel).
  • RCT (Randomized Controlled Trial)
    Diese Studien sind ein Spezialfall des Experiments: Die Wirkung einer Interventionsmaßnahme wird durch einen Vergleich mit einer Kontrollgruppe evaluiert (z. B. Wartekontrollgruppen, Treatment-as-usual-Gruppen und aktive Alternative-treatment-Bedingungen), die je nach angestrebtem Ziel der Studie ausgewählt wird.
  • Restitution
    Wiederherstellung geschädigter kognitiver Funktionen durch übungs- und trainingsbasierte Funktionstherapien (z. B. computergestützte Übungsprogramme).
  • Risikoarmer Konsum
    Abstufung der Klassifikation von Konsumverhalten. Konsum liegt unterhalb einer statistisch definierten Harmlosigkeitsgrenze.
  • Riskanter Konsum
    Abstufung der Klassifikation von Konsumverhalten. Gefährlicher Gebrauch: Konsum liegt oberhalb einer Gefährdungsgrenze, bei der nach längerem Konsum nachgewiesenermaßen erhöhtes Risiko besteht, eine substanzgebundene Störung zu entwickeln.
  • Rückfall
    Nach der Abstinenz erneutes Durchführen des Konsumverhaltens.
  • Rückfallprävention
    Gezielte therapeutische Maßnahmen zur Verhinderung eines Rückfalls. Hauptbestandteil der Suchttherapie, da sich Sucht im Wesentlichen über den Rückfall definiert (Mit dem Rauchen aufhören ist einfach, das hab' ich schon mehrere hundert Mal gemacht). Dabei ist zwischen Rückfallpräventionselementen im Rahmen der intensiven, akuten Therapie und der sich anschließenden Anbindung an langfristige Unterstützungsangebote zu unterscheiden.
  • Rückfallstadien
    Marlatt und Gordon benennen folgende wichtige Stadien des Rückfalls in ihrem Rückfallmodell: 1. Ungleichgewicht von negativen und positiven Erfahrungen/Gefühlen, 2. scheinbar unbeabsichtigte Entscheidungen, 3. Konfrontiertwerden mit einer Risikosituation (aufgrund unbeabsichtigter Entscheidungen), 4. Problem der extremen Verlockung zum Konsum in Risikosituationen, 5. Lapse (Vorfall, z. B. Trinken von einem Bier) und 6. Abstinenzverletzungssyndrom.
  • Rückversicherungsverhalten
    Verhaltensweisen, die darauf abzielen, (von anderen) Informationen zu erhalten, die bestätigen, dass ein gefürchtetes Ereignis nicht eingetreten ist, und somit zur Angstreduktion oder Beruhigung eingesetzt werden. Sie müssen jedoch häufig wiederholt werden, weil der erleichternde Effekt nicht lange anhält. Da somit jegliche Habituation vermieden wird, tragen sie zur Aufrechterhaltung der Störung bei.
  • SAIB (Scale for the Assessment of Illness Behavior)
    Fragebogen von Rief, Ihle und Pilger (2003), der speziell zur Erfassung des Krankheitsverhaltens bei Patienten mit unklaren körperlichen Beschwerden entwickelt und validiert wurde. Erfasste Bereiche sind fünf Aspekte des Krankheitsverhaltens: Diagnoseverifizierung, Beschwerdeausdruck, Medikamente/Behandlung, Erkrankungskonsequenzen, Scanning.
  • Schema
    Ein in der Kindheit entstandenes Muster, das aus Erinnerungen, Emotionen, Kognitionen und Körperfunktionen besteht, die sich auf den Betreffenden selbst und seine Kontakte zu anderen Menschen beziehen.
  • Schemamodi
    Adaptive/aladaptive Schemata und Bewältigungsreaktionen, die in einem konkreten Augenblick aktiv sind.
  • Schematherapie
    Von J. Young in der Tradition kognitiver Verfahren entwickelte Therapieform, die Elemente der Bindungstheorie, der Gestalttherapie, der Objektbeziehungstherapie, der konstruktivistischen Psychotherapie sowie psychodynamischer Ansätze und kognitive-behaviorale Modelle und Interventionen integriert. Fokussiert auf Zusammenhang zwischen dysfunktionalem Verhalten/Erleben und biographischen Erfahrungen. Der Behandlungsfokus liegt auf der Bearbeitung von Schemata, maladaptiven Bewältigungsstilen und sog. Schemamodi.
  • Schlafbehindernde Kognitionen
    Faktor für die Aufrechterhaltung der nichtorganischen Insomnie gemäß des psychophysiologischen Modells der primären Insomnie: Entwicklung dysfunktionaler, schlafbehindernder Kognitionen im Verlauf von Schlafproblemen. Erhöhte Selbstbeobachtung, Sorgen und Antizipation unangenehmer Folgen erhöhen Anspannungsniveau und erschweren Einschlafen.
  • Schlafdiagnostik
    Beinhaltet immer basale körperliche Anamnese und Diagnostik: Erhebung von Routinelaborparametern und Erfragung körperlicher Erkrankungen, Medikamente, Alkohol, Nikotin und Drogengebrauch; zudem Abklärung des Vorliegens psychischer Störungen mit einem diagnostischen Interview.
  • Schlafhygiene
    Allgemeine Regeln, die auf individuellen Informationen aus Schlafprotokoll basieren und mit Patient gemeinsam umgesetzt werden (z. B. keine koffeinhaltigen Getränke mehr nach dem Mittagessen, abends keine schweren Mahlzeiten, regelmäßige körperliche Aktivität, Einführung von persönlichem Einschlafritual, usw.)
  • Schlafstörungen
    Wörtlich Schlaflosigkeit. Bezieht sich auf Probleme beim Ein- und Durchschlafen sowie auf nichterholsamen Schlaf. Kann das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Betroffene leiden unter Tagesmüdigkeit, Tagesschläfrigkeit, Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen und körperlichen Beschwerden. Schlafstörungen können komorbid mit körperlichen und psychischen Krankheiten oder als eigenes Störungsbild auftreten.
  • Sekundäre sexuelle Funktionsstörungen
    Erworbene sexuelle Funktionsstörung als Folge anderer Probleme, z. B. sekundär zu körperlichen und psychischen Erkrankungen oder bei Medikamenteneinnahme.
  • Self images im Modell von David Clark
    Generalisiertes, meist negatives Bild/ Vorstellung des Selbst in der angstauslösenden Situation.
  • Self-focused attention
    Stark nach innen gerichtete, d. h. auf internale Prozesse fokussierende Aufmerksamkeit.
  • Sensate focus
    Intervention, die darin besteht, auf Verhaltensweisen zu fokussieren, die noch weitestgehend befriedigend und unproblematisch erlebt werden können (bevor Erwartungsängste einsetzen). Zudem Vermittlung der Überzeugung, dass sexuelle Erlebnisse bereits in der Vorphase (z. B. Streicheln, Petting) große Bedeutung haben und Sexualität nicht erst mit dem Geschlechtsverkehr beginnt.
  • Sexuelle Funktionsstörungen
    Klassifikation sexueller Funktionsstörungen gemäß der Phase, in der sie auftreten. Diagnose einer Störung allerdings erst, wenn sie zu einer wahrgenommenen Beeinträchtigung führt und sichtlicher Leidensdruck erkennbar ist.
  • Sexueller Masochismus
    Sexuelle Erregung wird durch gewollte Demütigung der eigenen Person oder durch erwünschtes Geschlagen oder Gefesseltwerden erzielt.
  • Sexueller Sadismus
    Sexuelle Erregung wird durch die gewaltvolle Erniedrigung und Qual anderer hervorgerufen.
  • SKID (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-Diagnostik)
    SKID-I zählt zu den am häufigsten verwendeten Interviewleitfäden für die Diagnostik psychischer Störungen. Es ist v. a. auf das DSM-IV zugeschnitten und erfordert ein gewisses Maß an Expertise vom Interviewer. Das SKID-II, entwickelt in derselben Tradition wie sein Vorgänger, wurde speziell für die Erfassung von Persönlichkeitsstörungen entwickelt. Es besteht aus einem Fragebogen für ein Vorscreening und einem Interview, welches zum Einsatz kommt, wenn die Werte im Fragebogen auf das Vorliegen einer PS hinweisen. (Wittchen, Zaudig und Fydrich 1997)
  • Social-drift-Hypothese
    Ansatz zur Erklärung des Befundes epidemiologischer Studien, die zeigen, dass Personen mit niedrigerem sozioökonomischen Status ein höheres Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen im Allgemeinen aufweisen (s. dazu auch Stress-and-Strain-Hypothese und Transaktionsmodell): Eine psychische Erkrankung führt zu einem sozialen Abrutschen der Betroffenen und somit zu einem niedrigeren sozioökonomischen Status. Somit wird die Erkrankung als der kausale Faktor gesehen, der zu einem niedrigeren sozioökonomischen Status führt.
  • Somatisches Syndrom
    Kann bei der Spezifikation der Diagnose einer depressiven Episode (ICD-10) bzw. einer Major Depression (DSM-IV) neben der Schwere und des Verlaufsmusters mitcodiert werden, wenn Symptome wie Interessenverlust, fehlende Aufhellbarkeit, Agitiertheit, Libidoverlust, Appetitverlust oder Gewichtsverlust das Beschwerdebild in bedeutsamem Maße prägen. Studien liefern Hinweise dafür, dass diese Symptomatik mit einem erhöhten Suizidrisiko assoziiert ist.
  • Somatisierungsstörung
    Vorliegen vieler unterschiedlicher körperlicher Beschwerden ohne medizinische Erklärung seit mindestens zwei Jahren (mindestens sechs körperliche Symptome aus mindestens zwei Organgruppen); Prototyp der somatoformen Störungen.
  • Somatoforme autonome Funktionsstörung
    Zentral ist, dass körperliche Beschwerden mit einer vegetativen Erregbarkeit einhergehen. Kriterienerfüllung, sofern Symptome autonomer Erregung aus mindestens einem Organsystem (gastrointestinal, kardiovaskulär, respiratorisch, urogenital) vorhanden sind und zudem ein weiteres Symptom aus einer vorgegebenen Liste vorliegt (z. B. Reizdarm, Brustschmerz).
  • Somatoforme Schmerzstörung
    Vorliegen von mindestens einem Schmerzsymptom seit mindestens sechs Monaten, das den Hauptfokus der Aufmerksamkeit des Patienten darstellt. Die Schmerzempfindung ist nicht adäquat organmedizinisch erklärbar.
  • Somatosensorische Verstärkung
    Prozess, bei dem die Aufmerksamkeitsfokussierung auf körperliche Empfindungen und deren dysfunktionale Bewertung zu einer Verstärkung der körperlichen Empfindungen führt.
  • SOMS (Screening für Somatoforme Störungen)
    Von Rief und Hiller (2008) entwickeltes und evaluiertes Screeningverfahren zum Vorscreening spezifischer somatoformer Störungen. Außerdem erlaubt das Verfahren eine Quantifizierung und Verlaufsbeschreibung der Symptomatik. ICD-10- und DSM-IV-Kriterien finden dabei gleichermaßen Berücksichtigung.
  • Sorgenexposition
    Kognitiv-verhaltentherapeutisches Vorgehen zur Behandlung von generalisierter Angststörung, bei dem ein ausgewähltes Sorgenszenario gezielt bis zum Ende gedacht wird. Konkretes und bildhaftes Vorstellen soll den Angstanstieg zusätzlich fördern und im prolongierten Verlauf zu Habituation führen.
  • SORKC-Modell
    Das SORKC-Modell stellt ein einfaches Modell zur Analyse problematischer Verhaltens- und Erlebensweisen dar. Dabei werden die drei Prozessvariablen (S = situative Merkmale; O = Organismusvariable; R = Reaktionskomponenten) analysiert und die darauf folgenden Konsequenzen (K) betrachtet, die in irgendeiner Form verstärkend sein könnten. Die Kontingenzverhältnisse (C) legen abschließend die Art und die zeitlichen Verhältnisse der (verstärkenden) Konsequenzen fest.
  • Soziale Norm
    Normalitätsbegriff wird durch Werte einer Gesellschaft definiert.
  • Spiegelexposition
    Therapeutische Übung zur Reduktion intensiver figurbezogener Ängste und Vermeidung, bei der der Patient dazu aufgefordert wird, sich langanhaltend in einem Ganzkörperspiegel zu betrachten und so neutral wie möglich zu beschreiben.
  • Spontanremission
    Teilweise oder komplette Genesung von einer Störung, ohne diese behandelt zu haben.
  • Squeeze-Technik
    Technik, die bei Männern mit Ejaculatio praecox eingesetzt werden kann: Kurz vor dem Point of no return wird versucht, durch Abdrücken des Penis unter der Eichel der Orgasmus zu unterbinden.
  • Statistische Norm
    Als Normalität wird definiert, wenn sich Menschen in einem bestimmten Bereich um den Mittelwert eines Merkmals befinden.
  • Stimuluskontrolle
    Methode zur Strukturierung des Schlaf-Wach-Rhythmus mit dem Ziel der Löschung ungünstiger Konditionierungsprozesse und erneute Assoziation von Bett mit Schlaf und Entspannung. Annahme: Schlafumgebung bei gesunden Schläfern mit Ruhe assoziiert, bei schlafgestörten Personen jedoch hat das Bett Stimulusqualität für Schlaf verloren. Daher: Ungünstigen Konditionierungsprozess löschen und lernen, Bett wieder mit Entspannung zu assoziieren (Bett ist zum Schlafen da; ggf. mit der Ausnahme sexueller Aktivität; wenn man nicht schlafen kann, ist das Bett zu verlassen).
  • Stop-and-go-Technik
    Technik, die bei Männern mit Ejaculatio praecox eingesetzt werden kann: Ziel ist, die Erektion zu halten und auszubauen bis kurz vor dem Point of no return. Dann wird die Stimulation beendet. Es folgt eine kurze Pause, bis die Selbstkontrolle über das Erregungsniveau wieder hergestellt ist. Anschließend wird wieder stimuliert usw.
  • Störung der Sexualpräferenz (Paraphilie)
    Drang nach einem unüblichen Sexualobjekt oder einer ungewöhnlichen Art der Stimulation.
  • Störung der sexuellen Identität
    Person fühlt sich nicht eindeutig zum eigenen Geschlecht zugehörig. Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören, dominiert.
  • Störungsbewusstsein
    Wahrnehmen und Anerkennen, dass man selbst an einer Störung leidet.
  • Stress-and-strain-Hypothese
    Ansatz zur Erklärung des Befundes epidemiologischer Studien, die zeigen, dass Personen mit niedrigerem sozioökonomischen Status ein wesentlich höheres Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen im Allgemeinen aufweisen (s. dazu auch Social-drift-Hypothese und Transaktionsmodell). Der Ansatz geht davon aus, dass ein niedriger Status mit einer Vielzahl von Belastungen verbunden ist, welche zu psychischen Erkrankungen führen.
  • Subjektive Norm
    Individuum selbst legt fest, was für es normal ist.
  • Suizid
    Absichtliche, bewusste, selbst herbeigeführte und selbstschädigende Handlung, die den eigenen Tod zum Ausgang hat.
  • Suizidalität
    Psychischer Zustand, in dem Gedanken und Verhaltensweisen darauf ausgerichtet sind, gezielt den eigenen Tod herbeizuführen oder diesen als möglichen Ausgang in Kauf zu nehmen.
  • Sympathikus
    Teil des vegetativen Nervensystems, der die Körperorgane in Leistungsbereitschaft versetzt. Antagonist des Parasympathikus.
  • Symptome von Hirnschädigungen
    Symptome erworbener Hirnschädigungen umfassen sensorische, motorische und neuropsychologische Beeinträchtigungen sowie Veränderungen der emotional-motivationalen Verarbeitung. Verhaltensauffälligkeiten können eine mögliche Folge sein.
  • Symptomtagebuch
    Methode zur Vermittlung funktionaler Erklärungen für Beschwerden: Tägliches Notieren von Art und Intensität der Beschwerden sowie von vorausgehenden und nachfolgenden Situationen, Gedanken, Emotionen etc., um bedeutsame Auslöser und aufrechterhaltende Bedingungen zu identifizieren.
  • Syndrom
    Menge von Symptomen, die (oft) gemeinsam auftreten.
  • Teasing-Techniken
    Technik, die bei Männern mit Impotenzproblemen eingesetzt werden kann: Eine Erektion soll immer wieder gezielt abklingen und nachher erneut aufgebaut werden, um dem Betroffenen die Sicherheit zu vermitteln, dass eine abgeschwächte Erektion erneut aufgebaut werden kann.
  • Therapeutisch optimiertes Störungsmodell
    Modell, welches der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten entwickelt, damit der Patient seine Störung auf hilfreiche Art versteht. Das bedeutet in der Regel, dass das Modell die Störung im Einklang mit der aktuellen wissenschaftlichen Theorie- und Befundlage und im Einklang mit den Erfahrungen und Denkweisen des Patienten so erklärt, dass Schuld- und Schamgefühle minimiert, Kontrollerwartungen gestärkt und konkrete Veränderungspunkte identifiziert werden. Außerdem sollte das Modell möglichst einprägsam sein, sodass es auch in Belastungssituationen aktiviert werden kann.
  • Transaktionsmodell
    Ansatz zur Erklärung der höheren Prävalenz psychischer Störungen bei Personen mit niedrigerem sozioökonomischen Status, der die Stress-and-Strain-Hypothese und die Social-Drift-Hypothese kombiniert. Danach führt ein niedriger SÖS über statusspezifische Belastungen und eine schlechte Versorgung mit effektiven Präventions- und Behandlungsverfahren zu psychischen Störungen. Anschließend führt ein Teufelskreis aus niedrigem SÖS, erhöhten Belastungen, schlechter Gesundheitsversorgung und psychopathologischen Symptomen dazu, dass die Störung aufrechterhalten bleibt und sich der SÖS weiter verschlechtert.
  • Travestismus
    Tragen der gegengeschlechtlichen Kleidung geht mit sexueller Erregung einher.
  • Undifferenzierte Schizophrenie
    Wird diagnostiziert, wenn das klinische Bild die Merkmale von mehr als einem der drei Subtypen der Schizophrenie (paranoid, desorganisiert, kataton) erfüllt.
  • Undifferenzierte Somatisierungsstörung
    Vorliegen von mindestens einer unklaren Körperbeschwerde seit mindestens sechs Monaten.
  • Unipolare Depression
    Affektive Störung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass depressive Symptome bei Abwesenheit von (hypo-)manischen Symptomen vorliegen. Innerhalb der unipolaren Depression wird eine Unterscheidung zwischen Störungsbildern getroffen, die einen phasischen Verlauf aufweisen (einzelne depressive Episoden, rezidivierende depressive Störung), und solchen, die einen chronischen Verlauf aufzeigen (Dysthymie oder chronische Depression). Gemäß ICD-10 zählen auch die saisonale affektive Störung und die postnatale/-partiale Depression zu den unipolaren Depressionen. Kernsymptome unipolarer Depressionen sind eine anhaltende dysphorische Stimmung, Anhedonie und Antriebslosigkeit bzw. leichte Ermüdbarkeit. Die Bandbreite depressiver Symptome umfasst unterschiedlichste affektive, kognitive, behaviorale und somatische Veränderungen.
  • Vaginismus
    Sexuelles Problem bei Frauen, bei dem es zu unwillkürlichen Spasmen der Scheidenmuskulatur kommen kann, die eine Penetration unmöglich machen können.
  • Vegetatives Nervensystem
    Nicht willlentlich steuerbares Netzwerk aus Nervenfasern, das u. a. für die Anpassung der Körperorgane an aktuelle Belastungen zuständig ist.
  • Verhaltens- oder nichtstoffgebundene Sucht (behavioral addiction)
    Die Sucht bezieht sich auf nichtsubstanzassoziiertes Verhalten (z. B. Spielsucht, Internetsucht, Sexsucht etc.).
  • Viagra
    Medikament Sildenafil zur Behandlung von Impotenz bei Männern. Wirkt sich positiv auf Erektionsfähigkeit aus und verkürzt u. U. ein wenig die Refraktärzeit. Ermöglicht Einflussnahme auf Erektionsfähigkeit, die gerade bei körperlich bedingten Errektionsstörungen und fehlenden alternativen Therapiemöglichkeiten wichtig ist.
  • Voyeurismus
    Form der Paraphilie: Sexuelle Erregung wird durch das heimliche Beobachten sexueller Handlungen anderer ausgelöst. Besondere Luststeigerung resultiert aus Gefahr, die mit Eingriff in Intimsphäre anderer verknüpft ist. Anteil derer, die im Verlauf zu sexueller Delinquenz neigen, ist bei Voyeuren deutlich größer als bei Exhibitionisten.
  • Vulnerabilität
    Wörtlich Verwundbarkeit; im Kontext der klinischen Psychologie i. d. R.: Anfälligkeit für das Entwickeln psychischer Symptome.
  • Wahnphänomene
    Häufigstes Positivsymptom bei Schizophrenie; eines der markantesten Merkmale akut psychotischer Episoden. Wahnphänomene sind falsche Überzeugungen, die gewöhnlich mit einer Fehldeutung von Wahrnehmungen oder Erfahrungen einhergehen (DSM-IV-TR). Wahnideen können sich z. B. auf eigene Gedanken, Verfolgungs- oder Größenideen, Halluzinationen oder Beziehungsideen beziehen.
  • Wahnvorstellung (Delusion)
    Eine falsche Überzeugung, die gewöhnlich mit einer Fehldeutung von Wahrnehmungen oder Erfahrungen einhergeht.
  • Whiteley-Index
    International verbreiteter Fragebogen von Hiller und Rief (2004), der eine ökonomische Erhebung hypochondrischer Merkmale durch die Bereiche Krankheitsängste, somatische Beschwerden und Krankheitüberzeugung ermöglicht.
  • WMS-R (Wechsler Memory Scale Revised)
    Test zur Erfassung der bereichsbezogenen kognitiven Leistungsfähigkeit, wie z. B. der Gedächtnisleistung.
  • Y-BOCS
    Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale: Halb-strukturiertes Interview zur Erfassung der Art und der Ausprägung von Zwangsgedanken und -handlungen.
  • Zopiclon
    Benzodiazepin-ähnliche Substanz: Einsatz in der medikamentösen Behandlung von Schlafstörungen. Wirkung ähnlich wie Benzodiazepine, aber weniger unerwünschte Nebenwirkungen.
  • Zwangsgedanken
    Sich wiederholt (unkontrollierbar) aufdrängende Gedanken, die starke Angst oder Unwohlsein auslösen.
  • Zwangshandlungen
    Ritualisierte Handlungen (auch in Form von Gedankenritualen), die willentlich ausgeführt werden und dazu dienen, Anspannung zu reduzieren oder vermeintliche Katastrophen abzuwenden.
  • Zyklothymia
    Zählt zu den weiteren affektiven Störungen und bezeichnet eine chronische Instabilität der Stimmung, die mit zahlreichen hypomanischen und dysthymen Phasen verbunden ist.
  • Introspektion
    Lässt sich als Spezialfall einer Fallstudie verstehen: Untersucher und Untersuchter sind ein und dieselbe Person. Die persönliche, innere Erfahrung des Wissenschaftlers dient als Grundlage für die Modellbildung. Diese heuristische Beobachtungsform liefert keinen Kausalbeleg.