Lexikon - Gesamtglossar aller Bücher

  • Begriff
    Erklärung
  • Abwehrmechanismen
    Verschiedene und zum größten Teil unbewusst ablaufende Strategien, die der Mensch der psychoanalytischen Theorie zufolge verwendet, um schmerzhafte und unangenehme Gefühle vom Bewusstsein fernzuhalten und ein psychisches Gleichgewicht beizubehalten.
  • Achtsamkeit
    Selbstregulatorischer Prozess, der auf bewusstes, nichtwertendes Erleben aktueller subjektiver Erfahrungen (z. B. Körperempfindungen, Sinneseindrücke, Gedanken, Erinnerungen, Gefühle) abzielt. Umgang mit diesen Erfahrungen im Sinne der Achtsamkeit zeichnet sich durch Neugier, Akzeptanz, Offenheit und Selbstunterstützung aus.
  • Achtsamkeitsassoziierte Verfahren
    Verfahren, bei denen Achtsamkeit eine von mehreren eingesetzten Vorgehensweisen ist.
  • Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie bei Depressionen [Mindfulness-Based Cognitive Therapy for Depression (MBCT)]
    MBCT ist ein strukturiertes Verfahren, das sich in der Versorgungslandschaft etabliert hat. MBCT kombiniert KVT mit achtsamkeitsbasierten Interventionen zur Rückfallprävention bei Patienten mit unipolarer Depression. In der MBCT liegt der Fokus im Gegensatz zur kognitiven Therapie weniger auf der Veränderung von Denkinhalten, sondern auf einer größeren Distanz bei gleichzeitiger Akzeptanz gegenüber den eigenen Gedanken.
  • Achtsamkeitsbasierte Rückfallprävention [Mindfulness-Based Relapse Prevention (MBRP)]
    Gruppenprogramm zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen. Integration des Rationals achtsamkeitsbasierter Vorgehensweisen und Techniken sowie des Rationals und der Vorgehensweisen des kognitiv-verhaltenstherapeutischen Rückfallpräventionsprogramms von Marlatt und Grodon. Zentral: Achtsame Wahrnehmung motivationaler Impulse, ohne auf sie zu reagieren. Zuhilfenahme des SOBER-Akronyms zum Einsatz in Hochrisikosituationen im Alltag, welches konkretes Vorgehen vorgibt: Stop ? Observe ? Breath ? Expend ? React wisely.
  • Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion
    Hochstrukturiertes Programm zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion. Zählt zu den etabliertesten achtsamkeitsbasierten Ansätzen. MBSR besteht aus formaler Atemmeditation und Yogaübungen sowie informellen Achtsamkeitsübungen im Alltag.
  • Achtsamkeitsbasierte Verfahren
    Verfahren, bei denen Achtsamkeit ein zentrales Behandlungselement darstellt.
  • ACT (Acceptance and Commitment Therapy)
    ACT als Versuch, durch Förderung der Akzeptanz unangenehmer Empfindungen und durch die Ausrichtung an positiven Zielen ein erfülltes Leben zu ermöglichen. Statt Unangenehmes zu vermeiden, sollen negative Emotionen als notwendiger Bestandteil menschlicher Existenz betrachtet werden, die bei Bedarf akzeptiert und ausgehalten werden können.
  • Advokat (des Patienten)
    Therapeutenrolle in der IPT (und in anderen Therapien): Therapeut ist parteiisch, aktiv, arbeitet ressourcenorientiert, unterstützt, ermutigt und stellt sich auf die Seite des Patienten.
  • Akkomodation
    Die Anpassung eines semantischen Konzeptes an die empirische Erfahrung.
  • Aktualisierungstendenz
    Von Carl Rogers geprägter Begriff: Bezieht sich auf die jedem Menschen zugeschriebene Tendenz, sich selbst zu entfalten und seine individuellen Entwicklungsmöglichkeiten voll auszuschöpfen. Dazu zählt Wahrnehmung, Bewertung und bewusste Reflektion persönlicher Erfahrungen. Gilt in der GT als zentrale Motivationsquelle und Antriebskraft.
  • Allgemeine Wirkfaktoren
    Merkmale, die über verschiedene therapeutische Verfahren hinweg den therapeutischen Prozess im Allgemeinen kennzeichnen und somit für den Therapieerfolg verantwortlich sind (z. B. Selbstwirksamkeit, therapeutische Beziehung).
  • Ambulante Behandlung
    Therapie über Zeiträume im Stundenbereich, ohne Übernachtung.
  • Assimilation
    Die Einordnung einer empirischen Erfahrung in ein semantisches Konzept.
  • AT (Autogenes Training)
    Verfahren, das auf Grundlage der Hypnose entwickelt wurde. Beim AT leitet der Anwender den Entspannungszustand durch konzentrative Autosuggestion (daher autogen) selbst ein.
  • Aufrechterhaltung
    Phase im Veränderungsmodell von Prochaska und Diclemente: Problematisches Verhalten seit längerem nicht mehr praktiziert, Rückfallgefahr ist aber nach wie vor gegeben.
  • Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für psychologische Psychotherapeuten (PsychTh-APrV)
    An das PsychThG gebundene Verordnung, die die Inhalte der Ausbildung (Aufbau, Dauer, Inhalte, Struktur) zum psychologischen Psychotherapeuten regelt. Verbindlich für alle Ausbildungsinstitute in der BRD.
  • Aushaltekompetenz
    Stärkung von Toleranz und Akzeptanz. Das Aushalten und Wahrnehmen von z. T. gezielt induziertem aversivem Erleben (z. B. im Zuge einer Achtsamkeitsübung), ohne den Vermeidungsimpulsen nachzugeben, liefert dem Meditierenden den Beweis seiner eigenen Belastbarkeit, was sich in positiven Annahmen und Schlussfolgerungen zur eigenen Aushaltekompetenz niederschlagen kann. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Betroffene zu dysfunktionalen Verhaltensweisen greift, um aversives Erleben zu vermeiden, da die Schlussfolgerungen den Vermeidungsdruck gegenüber aversiven inneren Erfahrungen reduzieren.
  • Bedingungsfreie Wertschätzung
    Einer der drei Faktoren, der die therapeutische Grundhaltung in der GT prägt: Eine nicht an Bedingungen oder an Verhalten geknüpfte positive Anerkennung eines Menschen.
  • Beeindigungsphase (IPT)
    Dritte Phase der IPT. Ziele: angemessener Umgang mit Behandlungsende, Verfestigung neu erreichter Kompetenzen, Vorbereitung der Zukunft.
  • Beendigung vs. Rückfall
    Phase im Veränderungsmodell von Prochaska und Diclemente: Stabilität des neuen Verhaltens ohne weitere Anstrengungen vs. Rückfall in alte Verhaltensmuster.
  • Berufsordnung
    Sammlung gesetzlicher Richtlinien zur praktischen Ausübung eines bestimmten Berufs (hier Psychotherapeut).
  • Berufsordnungen
    Dienen der bundeslandspezifischen verbindlichen Regelung der praktischen Berufsausübung, z. B. Umgang mit Patientendaten, Dokumentations- und Aufklärungspflichten.
  • BFB (Biofeedback)
    Dem Bewusstsein unzugängliche körperliche Vorgänge werden durch technische Hilfsmittel (Rückmeldung optischer oder akustischer Art) wahrnehmbar gemacht. Kurz: Systematische Rückmeldung (Feedback) physiologischer Parameter (Bio). Körperliche Vorgänge sollen dabei vom Patienten mithilfe der Feedbackfunktion in therapeutisch gewünschte Richtung verändert werden. Patient lernt durch aktive Steuerung psychophysiologischer Prozesse, seine Beschwerden direkt oder indirekt positiv zu beeinflussen.
  • Bias
    Systematisch fehlerhafte Urteilstendenz.
  • Blended care (internetbasierte Interventionen)
    Kombination von internetbasierten und Face-to-face-Interventionen.
  • CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy)
    Psychotherapeutisches Konzept, das speziell für Behandlung chronischer Depressionen entwickelt wurde. Annahme: chronisch depressive Patienten weisen aufgrund ungünstiger Lernerfahrungen defizitäre kognitiv-emotionale Entwicklung im interpersonellen Kontext auf (Schwierigkeiten, die Folgen des eigenen Handelns zu erkennen, sich in andere Personen hineinzuversetzen, Emotionen unter Belastung zu regulieren). In CBASP kommt eine Reihe verhaltenstherapeutischer, kognitiver und dynamischer Techniken zum Einsatz, um Patienten wieder zu einer effektiven Auseinandersetzung mit ihrer (sozialen) Umwelt zu verhelfen.
  • Change talk
    Soll im therapeutischen Gespräch systematisch gefördert werden. Beinhaltet die systematische Verstärkung aller Aussagen des Patienten durch den Therapeuten, wenn sich die Aussagen auf (a) Nachteile bisherigen Verhaltens, (b) Vorteile möglicher Verhaltensänderungen, (c) konstruktive Änderungsabsichten und (d) konkrete Änderungspläne beziehen.
  • DBT (Dialektisch-behaviorale Therapie)
    In der DBT gilt Vermittlung von Achtsamkeitsfertigkeiten (Core-Skills) als zentrales Therapieziel. Core-Skills sind die Grundlage für den erfolgreichen Einsatz der erlernten Fertigkeiten.
  • DPI (Disciplined Personal Involvement)
    Erforderlichkeit, dass sich Therapeut in gewissem Maß persönlich in die Therapie einbringt, da Therapeut in CBASP wichtige Bezugsperson für Patient darstellt. Bedeutet z. B. authentische Reaktionen, Selbstöffnung, Preisgabe eigener Emotionen.
  • Effektivität
    Effektivität ist definiert als Grad der Zielerreichung und stellt Maßgröße für das Ausmaß des erzielten Effektes dar.
  • Effizienz
    Effizienz stellt eine Relation von Input und Output dar und kann als Maßstab für Ressourcenwirtschaftlichkeit dienen.
  • Einbindung (systemische Therapie)
    Aktives Sicheinbinden des Therapeuten in bestehende Strukturen, anstelle von Restrukturierungsversuchen als Außenstehender von außen. Schafft kooperatives Arbeitsbündnis zwischen Therapeut und Klient und liefert tragfähige Vertrauensbeziehung.
  • Emotionale Kompetenz
    Fähigkeiten, konstruktive mit affektive Zustände (d. h. Stimmungen, Emotionen, motivationale Impulse, Stressreaktionen) umgehen zu können (v. a. bewusst wahrzunehmen, zu benennen, zu verändern, zu akzeptieren, ihre Ursachen zu verstehen und sich selbst während der Konfrontation mit aversiven Gefühlen innerlich zu unterstützen).
  • Emotionale Schemata
    Mittelpunkt der Behandlung beim prozess-/erlebnisorientierten Therapieansatz nach Greenberg. Verständnis emotionaler Schemata: Organisationseinheiten von sich stetig verändernden Erfahrungen, die dem Bewusstsein bis zum Zeitpunkt ihrer Aktivierung oder Restrukturierung unzugänglich sind. Ziel im Rahmen des Therapieprozesses: Patient soll Zugang zu emotionalen Schemata erlangen, um diese zu restrukturieren.
  • Emotionsregulation
    Menge aller Prozesse, die bei Monitoring, Evaluation und Modifikation emotionaler Reaktionen (in Bezug auf deren Qualität, Intensität und zeitliche Dauer) involviert sind.
  • Empathie
    Einer der drei Faktoren, der die therapeutische Grundhaltung in der GT prägt: Einfühlsames Verstehen und Nachempfinden der Welt (innerer Bezugsrahmen) des Patienten sowie Wiedergabe des empathisch Verstandenen.
  • Entschlussfassung/Vorbereitung
    Phase im Veränderungsmodell von Prochaska und Diclemente: Die Entscheidung für Veränderung ist gefallen. Konkrete Veränderungsschritte werden geplant.
  • Entspannungsverfahren
    Methoden zur Absenkung des psychophysiologischen Erregungsniveaus eines Organismus. Geht auf psychologischer Ebene mit Verbesserung des Wohlbefindens, dem Gefühl der Ausgeglichenheit und allgemeiner Zufriedenheit einher.
  • EPOS
    Ansatz zur Elaboration positiver Perspektiven in der Psychotherapie (Koban und Willutzki 2001): Methode zur Generierung von persönlich relevanten Annäherungszielen. Diese stellen die zentrale Antriebsmotivation für Einleiten und Aufrechterhalten adaptiver Veränderungen dar.
  • Erhaltungstherapie (IPT)
    Erweiterungsphase der IPT: gerichtet an remittierte Patienten. Ziel: Erhalt des Remissionszustandes und Verhinderung von erneuter depressiver Episode.
  • Evidenzbasierte Psychotherapie
    Eine psychotherapeutische Intervention gilt als evidenzbasiert, wenn empirische Nachweise ihrer Wirksamkeit und Effizienz vorliegen.
  • Explorationsphase (CBASP)
    Erste Phase der Situationsanalyse. Patient soll Verständnis dafür entwickeln, warum Situation für Patient unbefriedigend verlaufen ist.
  • Expositionsverfahren
    Siehe Konfrontationsverfahren.
  • Face to face therapy
    Therapie im klassischen Kontext, dem sich Patienten und Therapeut von Angesicht zu Angesicht begegnen (Gegensatz zu Onlinetherapie).
  • Familienskulptur
    Besonderheit der systemischen Therapie: Einsatz von symbolisch-methaphorischem Verfahren, zur symbolischen Darstellung von Beziehungen und Interaktionsmustern von Familienmitgliedern zueinander, um systemisches Verständnis über eigene Person und Beziehungsmuster zu anderen zu entwickeln.
  • Felt sense
    Gefühlte Bedeutung. Zentrales Konstrukt im Focusing-Ansatz von Gendlin.
  • FMP (Fragebogen zur Messung der Psychotherapiemotivation)
    Fragebogen von Schneider, Basler und Beisenherz (1989) zur Erfassung motivationsrelevanter Skalen der Therapiemotivation.
  • Focusing-Therapie
    Erste Weiterentwicklung der GT von Gendlin: Experienzielle Therapie. Wichtigstes Element: Focusing-Technik, d. h. bewusste Aufmerksamkeitslenkung des Patienten auf bedeutungshaltige Körperwahrnehmungen und begriffliche oder bildhafte Erfassung des sog. Felt sense (gespürte Bedeutung). Zweck: Schaffung kognitiver Repräsentationen diffuser Erlebensaspekte und die damit einhergehende Förderung der erfolgreichen inneren Verarbeitung problematischen Erlebens.
  • Freie Assoziation
    Aus der Psychoanalyse stammende Technik, bei der der Patient aufgefordert wird, alles, was ihm durch den Kopf geht, auszusprechen und dabei Zensur und Kontrolle weitestgehend beiseite zu lassen.
  • Gegenübertragung
    Die bewussten und unbewussten Reaktionen des Analytikers auf den Patienten und dessen Übertragung.
  • Geleitete Selbsthilfeintervention (internetbasierte Interventionen)
    Interventionsansatz, bei dem der Betroffene unter geringer therapeutischer Begleitung selbstständig durch evidenzbasierte Methoden die Bewältigung der eigenen Beschwerden in die Hand nimmt. Der Patient erhält dabei nur so viel therapeutische Begleitung , wie es für erfolgreiche Beschwerdebewältigung notwendig erscheint.
  • Geleitetes Entdecken
    Therapeut verdichtet Information für den Patienten so, dass der Patient selber wichtige Zusammenhänge erkennt und hilfreiche Schlussfolgerungen zieht.
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)
    Selbstverwaltender Bundesausschuss, bestehend aus Vertretern von Ärzten, Therapeuten und Krankenkassen. Erarbeitung von Psychotherapierichtlinien (basierend auf Sozialgesetzen).
  • Genogramm
    Besonderheit der systemischen Therapie: Einsatz von symbolisch-methaphorischem Verfahren, zur anschaulichen Darstellung der Struktur der Familie des Indexpatienten.
  • Gleichgewichtsmodell
    Risiko-Ressourcen-Modell, bei dem sich aus dem Zusammenspiel von Risiken und Ressourcen ein Schwellenwert ergibt, der die Wahrscheinlichkeit kennzeichnet, an einer psychischen Störung zu erkranken.
  • GMP (Generic Model of Psychotherapy)
    Versuch von Orlinsky und Howard, auf Basis metaanalytischer und theoretisch-konzeptioneller Analysen Faktoren und Prozesse, die relevant für den Therapieerfolg sind, sowie deren Zusammenspiel darzustellen.
  • GSK (Gruppentraining zur Förderung sozialer Kompetenzen)
    Wissenschaftlich gut evaluiertes, halbstandardisiertes Gruppenprogramm von Hinsch und Pfingsten (2007). Annahme der Notwendigkeit verschiedener Fertigkeiten zur Bewältigung von drei verschiedenen Arten relevanter sozialer Situationen: Typ R (Recht durchsetzen), Typ B (Beziehungen), Typ S (um Sympathie werben). Sozial kompetentes Zielverhalten wird im Anschluss an Diskriminationsübungen (was ist R, was ist B, was ist S?), durch Rollenspiele eingeübt. Entspannungsübungen und konstruktive Selbstinstruktionen dienen dabei als selbstverstärkende Strategien zur Überwindung von Schwierigkeiten in der Ausführung neu erworbener Verhaltensweisen.
  • Handlung
    Phase im Veränderungsmodell von Prochaska und Diclemente: Veränderungsschritte werden in die Tat umgesetzt.
  • Homöostase (systemische Therapie)
    Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts durch Regelprozesse innerhalb eines Systems.
  • Hypnose
    Imaginatives Verfahren, bei dem der Patient in bewusstseinsveränderten Trancezustand versetzt wird, in dem innere Verarbeitungsprozesse und Veränderungen angestoßen werden können.
  • IDÜ (Interpersonelle Diskriminationsübung)
    Patient soll am konkreten Beispiel neue interpersonelle Lernerfahrungen bezüglich relevanter Übertragungssituationen machen. Patient erwartet erfahrungsbedingt bestimmtes Verhalten von Therapeut in potenziell problematischen Übertragungssituationen. Therapeut verhält sich inkonsistent zu Erwartungen des Patienten. Aufforderung an Patient, systematische Differenzierung zwischen tatsächlichem und erwartetem Therapeutenverhalten anzustellen (systematische Gegenüberstellung).
  • Indikation
    Von lateinisch indicare (anzeigen). Bezieht sich darauf, welche therapeutische Maßnahme bei einer bestimmen Störung angebracht ist und zum Einsatz kommen soll.
  • Individuumszentrierte Prävention
    Wird auch personenorientierte Prävention oder Verhaltensprävention genannt und richtet sich direkt an die einzelnen Personen, deren Merkmale und Verhalten.
  • Indizierte Prävention
    Maßnahme wird als indiziert bezeichnet, wenn bei der Zielgruppe bereits Prodromalsymptome einer zu vermeidenden Erkrankung vorliegen. Die Intervention ist in diesen Fällen klinisch notwendig.
  • Initialphase (IPT)
    Erste Phase der IPT. Hauptziele: Entlastung des Patienten, Informationsgewinn, Problemidentifikation und erste Symptomreduktion.
  • Inkongruenz nach C. Rogers
    Der auf Carl Rogers zurückgehende Begriff der Inkongruenz bezieht sich auf die Diskrepanz zwischen dem, wie man sich erlebt (Selbstkonzept), und dem, wie man sich sehen will (Ideal-Selbst). In der GT kann chronische Inkongruenz entstehen, wenn Veränderungen nicht in das Selbstbild integriert werden können (weil man sich nicht als Person, sondern nur für Leistungen etc. wertschätzt) und es stattdessen zu Verleugnen, Verdrängen oder Verzerren von Erfahrungen kommt. Dieser Prozess erfüllt dann den Zweck, ein instabiles Selbstbild zu stabilisieren bzw. das Selbstwertgefühl zu stabilisieren. Bei Klaus Grawe bezieht sich der Begriff auf das Abweichen der wahrgenommenen Realität von den eigenen Bedürfnissen/Wünschen/Zielen.
  • Input-Variablen (GMP)
    Variablentyp, der im Zuge des GMP expliziert wird. Beinhaltet alle Ausgangs- und Settingmerkmale der Therapie.
  • Integrative Verhaltenstherapie (IVT)
    Moderne Verhaltenstherapie, die Selbstmanagementmodelle, motivationale Konzepte, in früher Kindheit erworbene Schemata in verhaltenstherapeutische Fallkonzeptionen und die anschließende Behandlung einbindet.
  • Interpersonelle Problemfelder
    Annahme von vier zentralen interpersonellen Problemfeldern, die empirisch am häufigsten mit Depressionen in Verbindung gebrachte interpersonelle Schwierigkeiten darstellen: Trauer, unbewältigte Rollenwechsel, interpersonelle Konflikte, interpersonelle Defizite.
  • IPT (Interpersonelle Psychotherapie)
    Fokussierte und halbstrukturierte Kurzzeittherapie, ursprünglich für ambulante Behandlung akuter, unipolarer, depressiver Episoden entwickelt. Annahme von Zusammenhang zwischen depressiven Erkrankungen und interpersonellen Belastungen: zwischenmenschliche Belastungen zugleich Auslöser, aufrechterhaltende Bedingung und Folge depressiver Erkrankungen. Ziel: Verbesserung der bestehenden Symptomatik durch Behandlung derjenigen interpersonellen Probleme, in deren Kontext Störung auftritt.
  • IPT-D
    ITP bei Dysthymie; Modifikation der IPT für affektive Störungen (hier speziell: Dysthymie).
  • IPT-S
    Stanionäre ITP, Modifikation der IPT für affektive Störungen im stationären Setting.
  • Kassenärztliche Vereinigungen
    Vertretung von Ärzten und Psychotherapeuten in Sachen Vergütung: Über diese wird Psychotherapie bei gesetzlich versicherten Patienten (nach spezifischen Honoraren gemäß der Gebührenverordnung) abgerechnet (zur Zeit ca. 80 € für 50-minütige Therapiestunde).
  • Kognitive Therapie (KT)
    Therapieform, die auf der Annahme beruht, dass dysfunktionale Einstellungen, Bewertungen, Schlussfolgerungen und kognitive Reaktionsmuster (Schemata) für Entstehung, Aufrechterhaltung und Behandlung psychischer Störungen eine zentrale Rolle spielen. Prototypische Interventionsformen: Gedankenprotokolle, Disputation, hypothesenprüfende Experimente, kognitive Umstrukturierung etc.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
    Ursprünglich durch empirisch-wissenschaftlichen Ansatz definierte Form der Psychotherapie, die Elemente der kognitiven Therapie und der Verhaltenstherapie vereinigt. Zeichnet sich durch empirisch-wissenschaftliche Ausrichtung, durch Problem- und Zielorientierung, durch Transparenz und durch KVT-typische Erklärungsmodelle und Interventionsmethoden aus (wie z. B. Verstärker-Verlust-Theorie, behaviorale Aktivierung, kognitive Umstrukturierung oder Expositionsverfahren).
  • Kompatibilität
    Vereinbarkeit vieler buddhistischer Konzepte und überlieferter Grundgedanken des Buddah mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen Erklärungs- und Veränderungstheorien.
  • Komplementäre Beziehungsgestaltung
    Methode zur Stärkung der therapeutischen Beziehung: Therapeut verhält sich so, dass der Patient den Kontakt als förderlich für seine Zielerreichung erlebt; Therapeut verhält sich komplementär zu den individuellen Bedürfnissen und Motiven des Patienten. Beispiel: Einem nach Autonomie strebenden Patienten gewährt man in der Therapie möglichst viel Autonomie.
  • Konfrontationsverfahren
    Interventionsmethode, bei der Patienten dazu angeleitet werden, sich einer vormals vermiedenen, häufig angstbesetzten Situation auszusetzen, um so korrigierende Lernerfahrungen machen bzw. habituieren zu können.
  • Kongruenz/Echtheit
    Einer der drei Faktoren, der die therapeutische Grundhaltung in der GT prägt: Beziehung des Therapeuten zu sich selbst (Fähigkeit, neue Informationen in eigenes Selbstbild zu integrieren). Beziehung des Therapeuten zum Patienten (echt, authentisch, unverfälscht).
  • Kontraindikation
    Von lateinisch contra (gegen) und indicare (anzeigen). Bezieht sich darauf, welche therapeutische Maßnahme bei einer bestimmen Störung nicht angebracht ist und nicht zum Einsatz kommen soll. Das Ignorieren einer Kontraindikation kann zu einer Verschlechterung der Symptomatik führen.
  • KOP (Klärungsorientierte Psychotherapie)
    Weiterentwicklung der klassisch-rogerianischen Form der GT. Annahme: Patient wird durch teilweise dysfunktionale, oft unbewusste Schemata (hier: organisierte Strukturen von Annahmen mit kognitivem und affektivem Gehalt) gesteuert, die problematisches Handeln bzw. psychische Probleme bedingen können und vom Patienten (alleine) nicht verändert werden können. Aufgabe des Therapeuten: aktive, direktive Steuerung des Klärungsprozesses des Patienten.
  • Kosten-Nutzen-Analyse
    Analyse der Kosteneffizienz einer Intervention unter simultaner Berücksichtigung ihres Nutzens hinsichtlich der Reduktion direkter und indirekter Krankheitskosten, sowie der Kosten einer klinischen Implementierung des Verfahrens.
  • Kritische Kontemplation/Reflexion
    Phase im Veränderungsmodell von Prochaska und Diclemente: Es bildet sich eine Veränderungsabsicht heraus.
  • Landespsychotherapeutenkammern
    Überwachung der ordnungsgemäßen Berufsausübung und Einsatz für Interessen und Weiterbildung der Psychotherapeuten. Mitgliedschaft in einer Landespsychotherapeutenkammer ist verpflichtend.
  • Liste prägender Bezugspersonen (CBASP)
    Dient der Erarbeitung der Übertragungshypothese, damit Therapeut in die Lage versetzt wird, kritische Punkte in interpersonellen Kontakten von Patient genau kennenzulernen und zu verstehen (inkl. Prägung und Beeinflussung von Denkens- und Verhaltensweisen des Patienten durch Bezugspersonen).
  • Lösungsphase (CBASP)
    Zweite Phase der Situationsanalyse. Erarbeitung, wie Patient sein erwünschtes Ergebnis besser erreichen kann: Vergleich von tatsächlichem und erwünschtem Ergebniss ist anfangs meist inkongruent, deshalb werden beim Patienten oft starke negative Emotionen hervorgerufen. Ziel: Reduktion des negativen Affekts durch Erarbeitung adaptiven Verhaltens in der Lösungsphase.
  • Modell der allgemeinen Wirkfaktoren
    Modell von Frank (1961) im Bereich der allgemeinen Wirkfaktoren. Postulation von vier zentralen schulenübergreifenden Wirkfaktoren zur Erklärung der Wirksamkeit von Psychotherapie.
  • Modelllernen
    Von Albert Bandura eingeführter Begriff, der den kognitiven Lernprozess bezeichnet, welcher vorliegt, wenn sich ein Individuum neue Verhaltensweisen als Folge der Beobachtung des Verhalten anderer Individuen aneignet.
  • Motivations-Screening
    Einsatz von Fragebogen zur Erfassung von Therapieerwartung, sowie Therapie- und Veränderungsmotivation von Patienten, z. B. PATHEV (Schulte 2005).
  • Motivierende Gesprächsführung (MG)
    Ursprünglich von Miller und Rollnik als klientenzentrierte, semidirektive Gesprächsführungsform zur Behandlung von Suchterkrankungen entwickelt, heute bei Vielzahl von Störungsbildern zur Stärkung der Veränderungsmotivation eingesetzt. Zeichnet sich durch spezifische Frage- und Explorationstechniken aus, die Stärkung der intrinsischen Veränderungsmotivation bewirken soll. Prinzipien: Empathie, Diskrepanzherausarbeitung, Umgang mit Widerstand, Selbsteffizienzstärkung. Eingesetzte therapeutische Interventionen: u. a. empathisches Zuhören, offene Fragen, geleitetes Entdecken, usw.
  • Onlinebasierte Interventionen
    Unterstützung von Betroffenen bei der Bewältigung bestehender psychischer/psychosomatischer Symptomatik und/oder zur Prävention von Gesundheitsproblemen durch Nutzung therapeutischer Angebote die das Medium Internet bietet. Arten: Therapeutenkontakt in Echtzeit, Self-help-Interventionen, Guided-self-help-Interventionen, Blended care. Überwiegend Verwendung von kognitiv-verhaltenstherapeutischen Verfahren aufgrund Eignung zur Onlinenutzung durch hohe Strukturiertheit und Methodenfokussierung.
  • Operante Verfahren
    Gruppe von Interventionsmethoden, die auf dem Prinzip der instrumentellen Konditionierung beruhen und die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens über die nachfolgenden Konsequenzen beeinflussen.
  • Output-Variablen (GMP)
    Variablentyp, der im Zuge des GMP expliziert wird. Beinhaltet kurz- und langfristige Behandlungsergebnisse.
  • PATHEV
    Fragebogen zur Messung der Therapiemotivation und Therapieerwartung von Patienten durch Skalen Hoffnung auf Verbesserung, Furcht vor Veränderung, wahrgenommene Passung zwischen therapeutischem Angebot und Ausgangslage des Patienten.
  • Phasen der Verhaltensänderung
    Unterteilung des Veränderungsprozesses in verschiedene Stationen/Phasen (Prochaska und Diclemente: Präkontemplation, Reflexion, Entschlussfassung, Handlung, Aufrechterhaltung, Beendigung/Rückfall) mit jeweils spezifisch zuordenbaren therapeutischen Interventionen, die den Übergang in die nächste Phase erleichtern sollen (letzte Phase in diesem Fall: Aufrechterhaltung).
  • Plananalyse
    Erweiterung der vertikalen Verhaltensanalyse. Erstellung einer Hierarchie der Ziele und Pläne eines Patienten, die ihn zu bestimmten (problematischen) Verhaltensweisen motivieren. Es besteht die Möglichkeit, auf zwei Weisen eine Plananalyse durchzuführen: entweder im Sinne des Bottom-up-Ansatzes (ausgehend von auffälligen Verhaltensweisen des Patienten wird dieser befragt, was er mit diesen Verhaltensweisen zu erreichen versucht) oder im Sinne der Top-down-Methode (ausgehend von den Grundbedürfnissen fragt der Therapeut den Patienten, was dieser zur Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse tut). Diese Zielstrukturen dienen dazu, Konflikte zwischen Zielen oder Diskrepanzen zwischen Zielen und den Wahrnehmungen der Realität zu identifizieren und zu lösen.
  • PMR (Progressive Muskelrelaxation)
    Ökonomisches, leicht erlernbares und effektives Entspannungsverfahren nach E. Jacobson. Vorgehen: Abwechselnde An- und Entspannung einzelner Muskelgruppen soll fortschreitenden (=progressiven) psychophysiologischen Entspannungszustand bedingen. Zentral: Erleben des Kontrasts aktiv hergestellter muskulärer Anspannung und bewusst wahrgenommener (muskulärer) Entspannung.
  • Präkontemplation
    Phase im Veränderungsmodell von Prochaska und Diclemente: Problemverhalten wird als unproblematisch gesehen.
  • Prävention
    Begriff umfasst alle vorbeugenden Maßnahmen zur gezielten Verhinderung einer gesundheitlichen Schädigung, zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit einer solchen oder zur Verzögerung ihres Eintritts. Beinhaltet auch Anstreben der Vermeidung von Rückfällen bzw. neuen Krankheitsepisoden. Prävention ist von Gesundheitsförderung abzugrenzen.
  • Primärprävention
    Prävention, die sich an gesunde Individuen richtet, die keinerlei Erkrankungsanzeichen zeigen. Dient dem Erhalt der Gesundheit, indem sie bei der Bewältigung von Risikofaktoren hilft und entsprechende Ressourcen zur Verfügung stellt.
  • Problem
    Besteht aus einem Ist-Zustand, einem Soll-Zustand und einer Barriere, die der Erreichung des Soll-Zustandes im Weg steht.
  • Problemlösen
    Finden eines zuvor unersichtliches Weges zur Überwindung der Barriere, um somit die Differenz zwischen Ist- und Soll-Zustand bewältigen zu können.
  • Problemlösetraining
    (Gruppen-)Training zur Stärkung genereller Problemlösekompetenz, durch Vermittlung einer generellen Heuristik für den Umgang mit Problemen im Allgemeinen. Ziel: Förderung der Selbstständigkeit des Patienten im Umgang mit Problemen durch Stärkung und Optimierung seiner Problemlösefähigkeiten.
  • Prodromalsymptom
    Unspezifisches Vorläufersymptom einer Krankheit.
  • Prozess-Variablen (GMP)
    Variablentyp, der im Zuge des GMP expliziert wird. Beinhaltet Merkmale des Behandlungsprozesses an sich, die in sechs Kategorien unterteilt werden können, die untereinander in Wechselbeziehung stehen (formale, technische, interpersonale, intrapersonale, klinische und zeitliche Aspekte).
  • Psychologischer Psychotherapeut
    Psychologe (Master oder Diplom) mit erfolgreich abgeschlossener drei- bis fünfjähriger Zusatzausbildung in Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie oder Psychoanalyse und anschließender Approbation.
  • Psychotherapiegesetz (PsychThG)
    Dient der Regelung der Voraussetzungen für den Beruf des psychologischen Psychotherapeuten. Wichtige Funktionen sind z. B. Schützung des Begriffs Psychotherapeut/in, Vorschreibung von Approbation für Ausübung von Psychotherapie als Psychologischer Psychotherapeut, Regelung von zu erfüllenden Voraussetzungen und Anforderungen zur Approbationserlangung, Abgrenzung von Therapie gegenüber Beratung.
  • Psychotherapierichtlinien
    Konkretisierung der verfahrensspezifischen Ansätze, die im Rahmen von Therapie erbracht werden dürfen.
  • Puffermodelle
    Risiko-Ressourcen-Modell, bei dem davon ausgegangen wird, dass Ressourcen die Wirkung von Stressoren mindern können.
  • Q-Sort
    Diagnostisches Instrument zur Erfassung von Abweichungen von Real- und Selbstbild des Therapieverlaufs (Rogers und Dymod 1954); Verwendung anstelle von störungsspezifischer Eingangsdiagnostik. Annahme in der klassisch-rogerianischen Form der GT: Ausgiebige (störungsspezifische) Diagnostik hinderlich für vorurteilsfreie Zusammenarbeit.
  • Randomisierte kontrollierte Studie [Randomized Controlled Trial (RCT)]
    Studie zur Analyse der Wirksamkeit oder Effizienz einer Intervention, bei der die Patienten zufällig einer von mehreren Behandlungsbedingungen zugewiesen werden.
  • Risiko-Ressourcen-Modelle
    Zentrales Modell der Prävention. Annahme: die Wahrscheinlichkeit an einer psychischen Störung zu erkranken, ergibt sich aus dem relativen Verhältnis von Schutzfaktoren (personale Ressourcen, Umweltressourcen) und individuellen dispositionellen Risiken und Vulnerabilitäten (personengebundene Risikofaktoren, Umweltbelastungen bzw. pathogene Kontexte). Die Konzipierung des Verhältnisses ergibt sich je nach zugrundeliegendem Modell.
  • Salutogenese
    Konzept von Antonovsky, das eine Loslösung vom pathogenetisch geprägten Verständnis von Krankheiten bedingt. Befasst sich primär mit der Frage nach dem, was Menschen gesund hält.
  • Schweigepflicht
    Die gesetzliche Pflicht zur Verschwiegenheit über patientenbezogene Daten.
  • Schweigepflicht
    Psychotherapeuten müssen sich zum Schutz des Patienten und aus strafrechtlichen Gründen an Schweigepflicht halten. Regelung der Schweigepflicht in der Berufsordnung und im Strafgesetzbuch (StGB § 203). Konsequenz bei Bruch von Schweigepflicht: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe. Nur unter besonderen Umständen möglich (§ 139 StGB): Notwendigkeit des Bruchs zur Verhinderung einer künftigen, schweren Straftat (Mord, terroristische Angriffe) oder im Rahmen von gerechtfertigtem Notstand (§ 34 StGB) im Sinne eines letzten Mittels, um eine drohende Gefahr von sich und anderen abzuwenden.
  • Sekundärprävention
    Interventionen, die bei Risikogruppen angewendet werden. Anwendung von Screeningverfahren, um Erkrankungen in diesem Studium möglichst früh erkennen zu können. Im Falle auffälliger Werte erfolgt Durchführung von Frühinterventionsmaßnahmen zur Verhinderung von Erkrankung oder zur Beeinflussung der Schwere derselben.
  • Selbstaktualisierungstendenz
    Von Carl Rogers geprägter Begriff: Bezieht sich auf die jedem Menschen zugeschriebene Tendenz, sich selbst zu entfalten und seine individuellen Entwicklungsmöglichkeiten voll auszuschöpfen.
  • Selbsterfahrung
    Selbsterfahrung im Zuge von Ausbildung dient dem Sichkennenlernen und Positivverändern im Hinblick auf professionelle Rolle als Psychotherapeut. Soll angehenden Therapeuten bei Trennung eigener Verhaltens- und Denkmuster in der Therapie von Problemstellung des Patienten helfen. Zweck ist Professionalisierung und nicht Selbstverwirklichung.
  • Selbsthilfeintervention (internetbasierte Interventionen)
    Interventionsansatz, bei dem der Betroffene ohne therapeutische Unterstützung selbstständig durch evidenzbasierte Methoden die Bewältigung der eigenen Beschwerden in die Hand nimmt.
  • Selbstverbalisation
    An sich selbst gerichtete Instruktionen im Sinne eines inneren Sprechens. Von Meichenbaum im Selbstinstruktionstraining systematisch genutzte Methode.
  • Selektive Prävention
    Maßnahmen, die sich mit ausgesuchten, zumeist hochbelasteten Risikogruppen befassen, bei denen zum Zeitpunkt des Interventionsbeginns noch keine Krankheitssymptome vorliegen.
  • Situationsanalyse (CBASP)
    Analyse konkreter interpersoneller Alltagssituationen, die für Patienten unbefriedigend verlaufen sind. Idee: Soll interpersonelles Lernen ermöglichen, da bei chronisch Depressiven meist Probleme im interpersonellen Bereich vorliegen. Zweck: Patient soll lernen, Verhalten und Verhaltenskonsequenzen besser einzuschätzen. Anknüpfend daran: Erarbeitung von Denk- und Verhaltensweisen, die die Zielerreichung des Patienten wahrscheinlicher machen würden. Aufbau: Untergliederung in zwei Phasen: Explorations- und Lösungsphase.
  • Sokratischer Dialog
    Methode der kognitiven Umstrukturierung, bei der der Therapeut den Patienten dazu anleitet, problematische Kognitionen kritisch zu hinterfragen und systematisch zu prüfen. Beispiel: Wenn Sie sagen 'Nur wenn man etwas leistet, ist man etwas wert', dann müsste man ja auch sagen, dass Kinder und Behinderte nichts wert sind, oder? Und ist das so? O.K., wenn das nicht so ist, was heißt das? Dann gilt dieser Satz also nicht absolut. Unter bestimmten Umständen kann man etwas wert sein, auch wenn man nichts leistet, korrekt? Was sind das denn für Umstände? ... Treffen die nicht auch auf Sie zu?
  • Soziale Kompetenz
    Soziale Kompetenz umfasst die Menge spezifischer Fertigkeiten als notwendige Voraussetzung zum effektiven Erreichen persönlicher Ziele im interpersonalen Kontext. Dazu zählen u. a. die Fertigkeit, stabile Beziehungen aufzubauen, konstruktiv mit Konflikten umzugehen oder eigene Interessen durchsetzen zu können. Defizitäre soziale Kompetenzen gelten als Risikofaktor für Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen.
  • Sozialgesetze zur Krankenversicherung
    Vorschreibung von Voraussetzungen und Standards für Psychotherapie im Rahmen der Krankenversicherung: Definition konkreter abzurechnender Leistungen; Benennung der Richtlinienverfahren, nach denen abgerechnet werden darf; Festlegung der maximal möglichen verfahrensspezifischen Therapiesitzungsanzahl; Regelung von Zusammenarbeit zwischen kassenärztlichen Vereinigungen und gesetzlichen Krankenversicherungen.
  • Spezifische Wirkfaktoren
    Exklusive Merkmale, die für ein therapeutisches Verfahren typisch und für den Therapieerfolg verantwortlich sind.
  • Stand-alone-Intervention
    Therapeutische Strategie, die eigenständig eingesetzt wird (im Gegensatz zu ergänzende Therapie, die in Kombination mit anderen Verfahren zum Einsatz kommen).
  • Stationäre Behandlung
    Therapie in Einrichtungen, in denen die Patienten für die Dauer der Therapie auch wohnen, inklusive Übernachtung.
  • Stempel (CBASP)
    Erarbeitung kausaler Schlussfolgerungen aus Informationen über prägende Personen und deren Einflüsse auf Denken und Verhalten des Patienten.
  • Stepped care
    Behandlungskonzept, bei dem das Ausmaß der therapeutischen Unterstützung an den tatsächlichen individuellen Bedarf des Patienten angepasst wird.
  • Störungsspezifische Interventionen
    Interventionen, die auf die Vermeidung einzelner psychischer und physischer Störungen abzielen und dadurch Kosteneinsparungen erzielen, z. B. zu den Themen Suizidalität, Essstörung, Drogenmissbrauch, usw.
  • Supervision
    Besprechung bisheriger Behandlungsstunden und Planung weiterer Behandlungsschritte unter Anleitung eines (erfahrenen) Supervisors (mit entsprechender Zusastzausbildung und Annerkennung). Ziele: 1. Hilfestellung bei der Weiterentwicklung therapeutischer Fähigkeiten (um gute Therapie durchführen zu können); 2. Sicherung, dass dem Patienten optimale Therapie zukommt (durch Überprüfung und ggf. Korrektur des Vorgehens der Ausbildungskandidaten).
  • Symptomstress
    Von A. Ellis vorgeschlagenes Konzept, wonach die aus einem Bewertungsprozess entstandenen Konsequenzen ihrerseits wieder Gegenstand von Bewertungsprozessen werden. Beispiel: Ich bewerte meine Wut als etwas, was ich nicht haben darf und löse hierdurch noch mehr Wut (auf mich selber) aus.
  • System
    Komplexe Einheit; ein aus einzelnen Elementen bestehendes Ganzes.
  • Tagesklinik
    Patienten werden den Tag über therapeutisch betreut ohne in der betreuenden Einrichtung zu übernachten. Tageskliniken sind oft angeschlossen an vollstationäre Psychiatrien, Fachkrankenhäuser für Psychotherapie oder psychosomatische Kliniken. Oft dienen sie als Übergangsform zwischen ambulantem und stationärem setting zu verstehen.
  • Tertiärprävention
    Interventionen heißen Tertiärpräventionen, wenn sie sich mit der Begrenzung von Krankheitsfolgen oder der Vermeidung von Chronifizierung bei bereits erkrankten Personen befassen.
  • Therapeutische Basisvariablen
    Variablen, die nach Rogers wichtige Voraussetzungen für die Realisierung einer guten therapeutischen Beziehung sind. Dazu zählen: Empathie, Akzeptanz und Echtheit oder Kongruenz.
  • Therapeutischer Prozess (IPT)
    Mittlere Behandlungsphase. Primäre Ziele: Erarbeitung adäquater Bewältigungsstrategien und alternativer Verhaltensweisen, Erreichen von Symptomverringerung.
  • Therapiemotivation
    Motivation, eine Therapie zu beginnen und fortzuführen.
  • Transzendenz
    Starkes Verbundenheitsgefühl mit anderen Personen und der Welt im Zuge euphorisierender Meditationszustände. In der Regel geht diese affektiv-kognitive Fokusverschiebung mit einer Reduktion von negativen Bewertungen des Selbst und anderer einher, reduziert gleichermaßen auch die Ängste vor zukünftigen Selbst- und Fremdabwertungen sowie Ärger auf sich und andere.
  • Übertragung
    Von Psychoanalytikern beschriebenes Phänomen, das sich im Verlauf der psychodynamischen Psychotherapie ereignen kann. Beziehungserfahrungen, die der Patient in der Vergangenheit erlebt hat, werden unbewusst wiederholt und in der Beziehung zum Psychoanalytiker wiedererlebt.
  • Übertragungshypothese (CBASP)
    Hilft dem Therapeuten bei der schnelleren Erkennung kritischer Punkte in interpersonellen Situationen. Hypothese sagt vorher, welche Reaktion der Patient in kritischen interpersonellen Situationen vom Therapeuten erwartet und wie der Patient selbst in solchen Situationen reagieren wird.
  • Umdeutung/Reframing (systemische Therapie)
    Umdeutung von Phänomenen (Ereignisse, Gedanken, Verhaltensweisen, etc.), sodass sie eine andere Bedeutung bekommen und andere Reaktionen auslösen (wörtlich: in einen anderen (Bezugs-)Rahmen stellen).
  • Umweltorientierte Prävention
    Umweltorientierte Präventionen setzen an äußeren Bedingungen an. Die Umwelt der Betroffenen wird mit unterschiedlichsten Ressourcen angereichert. Somit wird die Minimierung der Auftretenswahrscheinlichkeit objektiver Belastungen angestrebt. (Synonym: Verhältnisprävention).
  • Unbewusstes
    Der Psychoanalyse zufolge der Teil unserer mentalen und affektiven Abläufe, der sich unserem Bewusstsein entzieht und unser Verhalten, Fühlen und Denken beeinflusst.
  • Universelle Prävention
    Maßnahmen, die an die gesamte Bevölkerung gerichtet sind und somit ebenfalls nicht oder nur schwach belastete Personen miteinbeziehen.
  • VEE (Verbalisierung emotionaler Erlebnisinhalte)
    Konzept stellt verhaltensnahe Option zur Umsetzung empathischen Verhaltens dar. Therapeut spiegelt dem Patienten bei VEE wider, was er von dessen Erlebnissen und damit zusammenhängenden Emotionen verstanden hat. Gefahr bei ungeschicktem Einsatz: papageienhaftes Verhalten.
  • Veränderungsmotivation
    Motivation, die zum Lösen relevanter Probleme notwendigen Veränderungen vorzunehmen.
  • Verhaltenstherapie (VT)
    Therapieform, die zu Erklärung und Behandlung psychischer Störungen v. a. auf lerntheoretische Prinzipien zurückgreift (klassische und operate Konditionierung, Modelllernen). Prototypische Interventionsmethoden sind z. B. Expositionsverfahren und Kontingenzmanagementsysteme.
  • Verhältnisprävention
    Verhältnisprävention beinhaltet Ausrichtung der gesellschaftlichen und staatlichen Gegebenheiten in der Form, dass Krankheiten vermieden oder frühzeitig erkannt werden können. Synonym: Umweltorientierte Prävention.
  • Vermeidungstendenzen
    Tendenz, aversive Erfahrungen zu verhindern oder schnellstmöglich zu beenden. Vermeidungstendenzen können sich u. a. auf Therapie als Gesamterfahrung (Investition von Zeit, Mühe und Geld, Stigmatisierungsgefahr), auf aversiv erlebte therapeutische Übungen (Exposition, etc.) und/oder schmerzhafte Erkenntnisse beziehen.
  • Versorgungsformen stationärer Versorgung
    Kliniken für: 1. Psychiatrie und Psychotherapie, 2. Psychosomatik und Psychotherapie, 3. Psychosomatische Rehabilitation.
  • Versorgungspraktische Wirksamkeit
    Analyse der versorgungspraktischen Effektivität einer Intervention unter klinisch-praktischen Routinebedingungen.
  • Voll funktionsfähige Person
    Hypothetischer Endzustand des menschlichen Entwicklungsprozesses; Annäherung an diesen Zustand ist das zentrale Ziel der GT. Zeichnet sich aus durch stabiles Selbstwertgefühl, welches eine angstfreie Wahrnehmung von Erfahrungen ermöglicht sowie die Integration dieser Erfahrungen in das Selbstkonzept.
  • Was-Skills
    Eine von zwei Arten der Aufteilung von Achtsamkeitsfertigkeiten in der DBT. Was-Skills beschreiben, was beherrscht und praktiziert werden sollte. Dazu zählen die Skills: Wahrnehmen, Beschreiben, Teilhaben.
  • Widerstand
    Der Psychoanalyse zufolge erzeugt das Aufdecken unbewusster Motive Abwehr, die sich im therapeutischen Prozess als Widerstand zeigt und sich gegen das Wirksamwerden der Intervention richtet. Zu typischen Widerstandsreaktionen zählen u. a. Verpassen von Sitzungen, Zuspätkommen, Schweigen und automatisiertes Ablehnen von Deutungsvorschlägen.
  • Wie-Skills
    Eine von zwei Arten der Aufteilung von Achtsamkeitsfertigkeiten in der DBT. Wie-Skills beschreiben, wie die Was-Skills eingesetzt werden sollen. Zu diesen Fertigkeiten zählen die Attribute: bewertungsfrei, fokussiert, effektiv.
  • Wirksamkeit
    Analyse der klinischen Effektivität einer standardisierten Intervention unter kontrollierten Bedingungen.
  • Zielanalyse
    Erfassung wichtiger persönlicher Ziele und Pläne als notwendiger Bestandteil der Motivationsdiagnostik.
  • Zielsystem
    Menge der Ziele eines Individuums, welche als hierarchisch organisiert angesehen werden können (hierarchisch niedrigere Ziele dienen dem Erreichen von hierarchisch höher stehenden Zielen) und letztlich die Befriedigung von Grundbedürfnissen sicherstellen sollen.
  • Zirkuläres Fragen
    Erfassung von Beziehungen und Meinungen der Personen übereinander durch (nicht direktes) Erfragen von Sachverhalten über Dritte (Was glauben Sie, wie er sich dabei fühlt?).
  • Zirkularität (systemische Therapie)
    Veränderungen in dynamischen Systemen bleiben nicht lokal beschränkt, sondern setzen sich fort, wirken an anderer Stelle weiter.
  • Ablenkung
    Eine anhaltende, repetitive Neuausrichtung der Aufmerksamkeit auf sensorische Inputs im Zuge der achtsamkeitsbasierten Ansätze hilft dabei, störungsaufrechterhaltende Teufelskreise zu durchbrechen. Sofern Ablenkung nicht rigide zur Vermeidung aversiven Erlebens eingesetzt wird, kann sie als wichtiger Wirkfaktor angesehen werden.