Persönlichkeitspsychologie für Bachelor

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Persönlichkeitspsychologie für Bachelor

ISBN: 
978-3-662-46453-3

Die „Psychologie der Persönlichkeit" wird hier in einem kompakten und doch vollständigen Lehrbuch sehr verständlich, praxisnah und unterhaltsam vorgestellt: Welche Rolle spielt die Persönlichkeit in Alltag, Wissenschaft und Praxis? Wie hat sich die Persönlichkeitsforschung historisch entwickelt? Wie unterscheidet und erfasst man verschiedene Persönlichkeitsbereiche wie Intelligenz, soziale Kompetenz oder Einstellungen? Welchen Einfluss hat die Umwelt? Was weiß man über kulturelle Unterschiede?

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Eine lernfreundliche Didaktik macht das Buch zu einem verständlichen und spannenden Leseerlebnis und erleichtert das Lernen für die Prüfung: Beispiele und Tipps für die Praxis lockern den Text auf, Kontrollfragen laden zur Wissensüberprüfung ein. Ein duales Konzept erleichtert das Wiederholen: Eine breite Randspalte fasst das Wichtigste in Kürze zusammen. Auf der Begleitwebsite befinden sich kostenlose Hörbeiträge der Kapitel, Lerntools und Vorlesungsmaterialien für Dozenten. Für Studierende im Bachelorstudium und alle, die einen verständlichen Einstieg in die Persönlichkeitspsychologie suchen.

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Frage 1 von 74
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  • Ist die tägliche Stimmung beim Mittagessen, beurteilt auf einer Skala von »sehr schlecht« bis »sehr gut«, eine Persönlichkeitseigenschaft?

    Lösung

    Die tägliche Stimmung beim Mittagessen ist keine Persönlichkeitseigenschaft, weil sie von Person zu Person je nach den Erlebnissen am Vormittag mehr oder weniger stark von Tag zu Tag schwankt. Mittelt man allerdings die Stimmung über mehrere Wochen, so erhält man eine Persönlichkeitseigenschaft, die als Affektivität bezeichnet wird, weil sich Menschen auf stabile Weise in ihrer mittleren Stimmungslage unterscheiden.
  • Über 90% der Studenten sind der Meinung, dass die Aussage »Ich bin sensibler, als die meisten Leute glauben«, sie persönlich besonders gut charakterisiert. Ist diese Meinung eine Persönlichkeitseigenschaft von Studenten?

    Lösung

    Diese Meinung ist keine Persönlichkeitseigenschaft, weil sie von fast allen Studenten geteilt wird (mit derartigen Aussagen können Wahrsager gute Geschäfte machen, weil diese Aussagen von den Betroffenen für hoch diagnostisch gehalten werden, obwohl sie es gar nicht sind).
  • Ein Wissenschaftler führt eine Studie an 100 Personen als Beleg seiner These an, dass Schönheit und IQ nicht zusammenhängen, ein Praktiker seine jahrzehntelange Erfahrung in der Personalauswahl, dass es einen positiven Zusammenhang gibt. Wer hat Recht?

    Lösung

    Vermutlich hat der Wissenschaftler Recht, weil das Intelligenzurteil des Praktikers durch die alltagspsychologische Koppelung von Schönheit und Intelligenz beeinflusst ist. Allerdings setzt das voraus, dass Schönheit und Intelligenz vom Wissenschaftler gut gemessen wurden (denn eine schlechte Messung eines der beiden Merkmale würde bereits das Fehlen eines Zusammenhangs erklären) und dass die von ihm untersuchten Personen genügend in Schönheit und Intelligenz variierten (wenn ein Merkmal kaum variiert, z.B. wenn nur Hochbegabte oder nur Schönheitsköniginnen getestet werden, mindert das bereits den Zusammenhang mit jedem beliebigen anderen Merkmal enorm).
  • Sie sollen ein Testverfahren zur Erfassung der emotionalen Kompetenz von Mitarbeitern im mittleren Management entwickeln. Hierzu erfragen Sie diese Fähigkeiten für vier verschiedene Situationen (Umgang mit eigenem Ärger, mit dem Ärger von Mitarbeitern, mit Erfolg bei einer eigenen Leistung, mit Erfolg von Mitarbeitern) von den Mitarbeitern selbst. Wie hoch wird die transsituative Konsistenz vermutlich ausfallen? Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

    Lösung

    Die transsituative Konsistenz wird vermutlich niedrig ausfallen. Nur dann, wenn die transsituative Konsistenz hoch ist, dürfen Sie über Situationen mitteln. Denn sonst würden Sie nicht nur zu viel Information verlieren, sondern auch zu Ergebnissen kommen, die keiner Realität entsprechen (hat z.B. ein Mitarbeiter, der sich in zwei Situationen als hoch kompetent einschätzt, in den beiden anderen aber als niedrig kompetent, deshalb eine »mittlere emotionale Kompetenz«?). Sie sollten also eher die individuellen Situationsprofile als den individuellen Mittelwert über die vier Situationen zur Beurteilung der emotionalen Kompetenz heranziehen.
  • Wie könnte man mit Hilfe des affektiven Primings die Frage prüfen, ob
    a. deutsche Studierende ein implizites Vorurteil gegenüber Türken haben?
    b. Türken in Deutschland ein implizites Vorurteil gegenüber Türken haben?
    c. das implizite Vorurteil bei Deutschen stärker oder schwächer ist als bei Türken in Deutschland?

    Lösung

    Skizzieren Sie ein Experiment zum affektiven Priming mit typisch deutschen bzw. türkischen Vornamen als Primes und Worten mit positiver Bedeutung (z.B. »gut«, »Glück«) und negativer Bedeutung (z.B. »schlecht«, »Unglück«) als nachfolgenden Reizen; Aufgabe der Versuchspersonen wäre es dann zu entscheiden, ob das Wort ein Adjektiv oder ein Substantiv ist. Für jede Gruppe (Deutsche, Türken in Deutschland) können Sie dann einen Primingeffekt bestimmen (wie?), und (c) können Sie dann durch Vergleich der beiden Primingeffekte von (a) und (b) beantworten.
  • Unterschiede in Geselligkeit sind genetisch beeinflusst. Welche Entwicklungsbedingungen tragen dazu bei, dass gesellige Kinder mehr Freunde haben als ungesellige?

    Lösung

    Denken Sie hierbei nicht nur an die Vererbung durch Weitergabe der elterlichen Gene an das Kind, sondern auch an (a) das größere soziale Netzwerk der Familie, das mehr Gelegenheiten für Freundschaften bietet, (b) an selbstinitiierte Freundschaften des Kindes und (c) an Freundschaften des Kindes, die von anderen initiiert wurden, weil sie merkten, dass das Kind eher gesellig ist. Welche Arten der Genom-Umwelt-Korrelation tragen zu (a) – (c) jeweils bei?
  • Welche Personen lernen nach Eysencks Theorie besser bei leichter Hintergrundmusik, und welche meiden eher laute Diskomusik: Introvertierte oder Extravertierte? Welche Personen sind nach Eysencks Theorie eher prüfungsängstlich?

    Lösung

    Die Lautstärke von Hintergrundmusik ist ein Aspekt des Aktivierungspotentials einer Situation. Gemäß Abb. 2.5 sollten deshalb Introvertierte besser in einem stillen Raum arbeiten und Extravertierte besser bei Hintergrundmusik; Introvertierte sollten laute Diskomusik wegen der transmarginalen Hemmung meiden, während Extravertierte sich in Diskos wohl fühlen sollten.
  • Wenn gefunden würde, dass sich Homosexuelle von Heterosexuellen in der Anatomie bestimmter Hirnareale unterschieden, wäre damit eine Erklärung für Homosexualität gefunden?

    Lösung

    Nein, denn die anatomischen Begleiterscheinungen von Homosexualität könnten die Folge homosexuellen Verhaltens sein; damit würden sie Homosexualität lediglich auf anatomischer Ebene beschreiben, nicht aber erklären.
  • Vergleiche des Genoms von Menschen und Schimpansen zeigen eine sehr hohe Übereinstimmung in den Genen (ca. 98%). Eltern und Kinder sind aber nur zu 50% genetisch identisch, weil die Kinder nur die Hälfte ihres Genoms von einem der beiden Elternteile geerbt haben. Gibt es da nicht einen Widerspruch?

    Lösung

    Nein, denn in ihren Genen unterscheiden sich Menschen praktisch nicht, nur in ihren Allelen. Streng genommen sollte deshalb von der Allel-Ähnlichkeit von Menschen gesprochen werden.
  • Kann man aus den in Abb. 2.7 dargestellten Ergebnissen ableiten, dass
    a. Kindesmisshandlung an sich keine Effekte auf antisoziales Verhalten hat?
    b. das Allel »MAO-A hoch« vor Folgen von Kindesmisshandlung schützt?
    c. Krankenkassen darauf drängen sollten, nach festgestellter Misshandlung mittels Genomanalyse zu entscheiden, ob weitere Maßnahmen überhaupt nötig sind, da diese nur in den selteneren Fällen des Allels »MAO-A niedrig« zu erwarten sind?

    Lösung

    Antworten auf die Teilfragen:
    a. Nein, denn es wurden nur Männer untersucht, und bei ihnen gab es insgesamt einen (schwachen) Zusammenhang zwischen schwerer Misshandlung und antisozialem Verhalten.
    b. Nein, denn es wurden nur Männer untersucht, und es könnte sein, dass die »MAO-A hoch« Gruppe andere negative Folgen der Misshandlung zeigte, z.B. Depressionen. Allerdings wurde in weiteren Analysen auch diese Frage untersucht, ohne dass derartige Konsequenzen gefunden wurden.
    c. Nein, denn Abb. 2.7 zeigt nur statistische Risikofaktoren. Im Einzelfall können auch bei Personen mit dem »schützenden« Allel psychische Schäden auftreten, so dass dies Fall für Fall entschieden werden muss.
  • Stellen Sie sich vor, dass Sie sich in der Wüste zusammen mit 1 oder 3 Geschwistern verirren. Sie könnten sich selbst umbringen, um es damit den Geschwistern zu ermöglichen zu überleben, weil die Nahrung begrenzt ist. Fördert es Ihre inklusive Fitness, wenn Sie sich für (a) 1 Geschwister oder (b) 3 Geschwister opfern?

    Lösung

    Sie sind mit ihren Geschwistern zu 50% genetisch identisch. Opfern Sie sich für ein Geschwister auf, fördert das Ihre inklusive Fitness nicht, sondern senkt sie (Sie haben nur 50% Ihrer Allele gerettet). Opfern Sie sich für drei auf, so haben Sie 3 × 50% = 150% Ihrer Allele gerettet. Das ist mehr, als Sie selbst haben, erhöht also Ihre inklusive Fitness.
  • Könnten die Zusammenhänge zwischen Vaterabwesenheit und Regelblutung auch genetisch erklärt werden?

    Lösung

    Es könnte sein, dass dieselben Allele einerseits Männer dazu disponieren, wenig in ihre Töchter zu investieren, und andererseits Mädchen zu einer beschleunigten sexuellen Reifung.
  • Wie hoch ist ? im Beispiel der Auswahl von Psychologiestudenten bei 80% tatsächlicher Übereinstimmung, wenn
    – beide Urteiler 40% der Bewerber für geeignet halten?
    – der eine 10% der Bewerber für geeignet hält, der andere 20%?

    Lösung

    Wenn beide Beurteiler 40% der Bewerber für geeignet halten, ist die Zufallsübereinstimmung .60 × .60 + .40 × .40 = .52, also ? = (.80 – .52)/(1 – .52) = .58 und damit die Übereinstimmung von 80% fast ausreichend. Wenn einer 10% für geeignet hält und der andere 20%, ist die Zufallsübereinstimmung .90 × .80 + .10 × .20 = .74, also ? = (.80 – .74)/(1 – .74) = .23. In diesem Fall ist also eine Übereinstimmung von 80% völlig unzureichend; das liegt daran, dass die Zufallsübereinstimmung von 74% nahe an der tatsächlichen Übereinstimmung von 80% liegt.
    In der Praxis ergeben sich bei unzureichender Strukturierung des Interviews und unzureichendem Training der Beurteiler oft kappas im Bereich .30 – .40; Interviews sind deshalb für die Zulassung von Studierenden nicht nur sehr aufwändig, sondern auch einfach unzuverlässig.
  • Ist 0 = heterosexuell – 1 = bisexuell – 2 = homosexuell eine Intervallskala?

    Lösung

    Nur dann, wenn der psychologische Unterschied zwischen Bisexualität und Heterosexualität als genauso groß angesehen wird wie der zwischen Bisexualität und Homosexualität. Darüber lässt sich streiten.
  • Sie interessieren sich für Religiosität und wollen sie bei Christen u.a. durch die Häufigkeit der Kirchenbesuche mittels folgender Skala messen: 0 = nie – 1 = selten – 2 = manchmal – 3 = oft – 4 = sehr oft. Handelt es sich um eine Rationalskala? Gibt es eine bessere Art der Messung?

    Lösung

    Das ist ein typischer Fehler in der Skalenwahl, weil es nicht besonders klar ist, was z.B. »manchmal« bedeutet. Eigentlich handelt es sich nur um eine Ordinalskala. Immer dann, wenn wie im vorliegenden Fall Häufigkeiten pro Zeiteinheit abgefragt werden können (z.B. Zahl der Kirchenbesuche pro Monat), ist das besser, weil nicht nur die Antwortalternativen klar sind, sondern auch, weil eine Rationalskala entsteht. Wenn z.B. Fritz »manchmal« ankreuzt und Susi »selten«, so bedeutet das nur, dass Fritz häufiger in die Kirche geht als Susi; falsch wäre der Schluss, dass er doppelt so häufig wie Susi in die Kirche geht. Wenn aber Fritz angibt, dass er 2-mal im Monat in die Kirche geht, und Susi angibt, dass sie 1-mal im Monat in die Kirche geht, gibt Fritz tatsächlich einen doppelt so häufigen Kirchenbesuch an wie Susi.
  • Sie wollen die Einstellung zu einem neuen Schokoriegel durch einen etablierten Einstellungsfragebogen messen, der die Likert-Skala 0–1–2–3–4 verwendet. Versehentlich verwendeten Sie aber die Skala 1–2–3–4–5. Sie wollten eigentlich Ihre Ergebnisse zum neuen Schokoriegel mit denen früherer Studien zu einem anderen Schokoriegel vergleichen, nämlich ob der neue positiver bewertet wird und ob die Meinungen beim neuen weniger stark streuen als früher. Wie gehen Sie vor?

    Lösung

    Die beiden Skalen unterscheiden sich nur durch eine Konstante. Deshalb können Sie problemlos Ihre Fragebogenantworten umkodieren, indem Sie jeweils einen Punkt abziehen. Dadurch vermindert sich auch der Mittelwert Ihres Fragebogens um einen Punkt und die Standardabweichung gar nicht (die Verteilung wurde nur um einen Punkt nach links verschoben, ohne dass sich die Streuung änderte). Dann können Sie problemlos Ihre Ergebnisse zu Mittelwert und Streuung mit denen früherer Untersuchungen vergleichen.
  • Aggressionen sind im Jugendalter häufiger als im Kindes- und Erwachsenenalter. Sie messen die Aggressivität von 100 Personen im Alter von 8, 16 und 24 Jahren und korrelieren die drei Messungen untereinander. Können die Korrelationen sehr hoch sein, obwohl die mittlere Aggressivität erst zunimmt und dann wieder abnimmt?

    Lösung

    Veränderungen, die alle Personen betreffen, ändern deren z-Werte nicht (sie entsprechen ja dem Addieren einer Konstante). Deshalb können die Korrelationen zwischen den drei Messungen der Aggressivitätsvariablen sogar exakt 1 sein, auch wenn die Mittelwerte der Messungen sich unterscheiden.
  • Sie messen die Stimmung vor dem Abendessen mit zwei parallelen Items bei 100 Personen; die Korrelation zwischen den Items beträgt .80. Haben Sie damit gezeigt, dass Sie eine Persönlichkeitseigenschaft reliabel erfasst haben?

    Lösung

    Nein, denn Sie haben nur gezeigt, dass Ihre Messung der aktuellen Stimmung intern konsistent ist. Die Retestreliabilität der Stimmung wird aber nur um .30 liegen und damit viel zu niedrig sein, um von einer Persönlichkeitseigenschaft sprechen zu können.
  • Sie sind Personalchefin einer Softwarefirma und wollen zehn neue Informatiker zur Kundenbetreuung im Außendienst einsetzen. Hierfür können Sie 30 Bewerber vor Ort einladen. Sie fordern neben einem sehr guten Abschlusszeugnis hohes mathematisches Verständnis und wegen des Kundenkontakts überdurchschnittliche Extraversion (beides ist für Sie gleich wichtig). Sie erwarten 300 Bewerbungen, da die IT-Branche gerade kriselt. Ihr Personalpsychologe schlägt vor, die Bewerberflut durch Internetvorauswahl zu kanalisieren, in der alle Bewerber einen Test zum mathematischen Verständnis mit zehn Aufgaben und 20 Fragen zu Extraversion auf einer Likert-Skala bearbeiten sollen. Die Aufgaben/Fragen korrelierten in Voruntersuchungen zu .30.
    a. Ist die Aufgabenzahl jeweils angemessen?
    b. Wie sollen die Testergebnisse (Gesamtpunktzahl im Test, mittlerer Likert-Skalenwert) zu einem Auswahlkriterium zusammengefasst werden?
    c. Die Bewerber könnten ihre Ergebnisse ja auch fälschen! Besteht hier ein Problem?

    Lösung

    Antworten auf die Teilfragen:
    a. Die Reliabilität beträgt bei dem Test für mathematisches Verständnis ca. .80. Das ist ausreichend. Die Extraversionsfragen ließen sich aber von 20 auf die Hälfte kürzen, weil auch der Mittelwert von zehn Antworten noch eine Reliabilität von ca. .80 haben wird.
    b. Die Abschlussnote haben Sie umsonst, können danach also z.B. die besten 150 auswählen. Da Ihnen mathematisches Verständnis genauso wichtig ist wie überdurchschnittliche Extraversion, könnten Sie auf die Idee kommen, auf der Basis der jeweils vorhandenen 150 Werte z-Werte zu bilden und dann die 30 mit den höchsten Werten einzuladen. Wenn Sie so vorgehen, bekommen Sie aber auch extrem extravertierte Bewerber mit nicht besonders gutem mathematischen Verständnis, weil der Mittelwert gebildet wird. Sie wollen ja nur sichern, dass die Bewerber zumindest überdurchschnittlich extravertiert sind. Deshalb folgen Sie dem Rat Ihres Personalpsychologen, nur Bewerber mit überdurchschnittlichen Werten in Extraversion weiter zu berücksichtigen und unter diesen die 30 Besten im Test für mathematisches Verständnis einzuladen.
    c. Die Daten lassen sich zwar fälschen, aber der Test für mathematisches Verständnis wird bereits viele Bewerber abschrecken, und wer einen mathematisch begabteren Bekannten die Aufgaben lösen lässt, zeigt damit, dass er clever ist. Fragebogenantworten zu fälschen ist besonders leicht, aber wer nicht einmal in der Lage ist, sich so zu beschreiben, wie es der Stelle angemessen ist, dürfte auch im Kundenkontakt wenig flexibel reagieren. Deshalb sollten Sie dann doch beide Verfahren zur Vorauswahl nutzen. Zur endgültigen Auswahl sollten Sie das allerdings nicht tun. Dort können Sie ja einen Paralleltest für mathematisches Verständnis unter Aufsicht der Sekretärin durchführen lassen, und der Personalpsychologe kann die Extravertiertheit der Bewerber im Bewerbungsgespräch ebenfalls beurteilen und Diskrepanzen zwischen Internetergebnissen und Verhalten vor Ort zum Gegenstand des Gesprächs machen. Clevere Bewerber sehen das voraus und werden auch deshalb ihre Ergebnisse im Internet nur leicht schönen. Tatsächlich sind Internettests deshalb in vielen Fällen, besonders bei vielen Bewerbern pro Stelle, eine effiziente Art der Vorauswahl.
  • Lewis Goldberg, der maßgeblich an der Entdeckung der Big Five beteiligt war, verglich gerne die Big Five mit »dem Periodensystem der Elemente der Persönlichkeit« in Analogie zum Periodensystem der Elemente in der Chemie. Ist das angemessen?

    Lösung

    Der Vergleich ist irreführend – nicht nur, weil sich in unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Faktoren ergeben, sondern vor allem, weil derartige Faktoren (a) nur einen Teil der im Alltag wahrgenommenen Persönlichkeitseigenschaften repräsentieren (in der Chemie lässt sich dagegen jeder Stoff durch Kombination der chemischen Elemente beschreiben), (b) Faktoren sich in Unterfaktoren zerlegen lassen, indem nur die auf den Faktoren höher ladenden Variablen nochmals faktorenanalysiert werden, während chemische Elemente nicht weiter zerlegbar sind, und vor allem (c) lexikalisch gewonnene Persönlichkeitsfaktoren nur alltagspsychologisch wahrgenommene (und deshalb sprachlich repräsentierte) Persönlichkeitseigenschaften beschreiben. Oder anders ausgedrückt: Die Big Five beschreiben nicht die Persönlichkeit an sich (individualtypische Regelmäßigkeiten des Verhaltens und Erlebens), sondern nur solche Regelmäßigkeiten, die im Alltag auffallen und über die deshalb viel geredet wird. Andere Beschreibungssysteme der Persönlichkeit (z.B. solche, die auf systematischer Verhaltensbeobachtung, Modellen der Informationsverarbeitung, neurowissenschaftlichen Messungen oder molekulargenetischen Daten beruhen) können ganz anders ausfallen.
  • Zeichnen Sie plausible mittlere Anforderungen an einen Autoverkäufer bzw. eine Sekretärin in einer Anwaltskanzlei in . Tab. 3.5 ein und berechnen Sie die euklidische Distanz der so entstehenden Profile.

    Lösung

    Überlegen Sie für jede Eigenschaft, welche Ausprägung jeweils gute Arbeitsergebnisse fördert, und berücksichtigen Sie dabei auch die Vermeidung von Überoder Unterforderungen. Zum Beispiel können besonders erwünschte Merkmale (Kontaktfähigkeit beim Autoverkäufer, Gewissenhaftigkeit bei der Sekretärin in der Anwaltskanzlei) »nicht hoch genug« sein, ein zu hohes Führungsmotiv bei der Sekretärin dürfte zu Konflikten mit dem Anwalt führen usw. Die Mittelwerte der Toleranzbereiche (grau schraffierte Flächen) für den Autoverkäufer bzw. die Sekretärin legen zwei prototypische Persönlichkeitsprofile fest. Deren euklidische Distanz können Sie dann berechnen. Je größer sie ist, umso stärker würden sich Autoverkäufer von Sekretärinnen in Anwaltskanzleien in ihrer Persönlichkeit unterscheiden, falls sie nach Ihren Anforderungen eingestellt würden.
  • Erstellen Sie eine Liste von Lebensproblemen, die bei sehr hohen oder sehr niedrigen Werten in den Big Five zu erwarten sind!

    Lösung

    Beispielsweise:
    O+ fühlt sich als Außenseiter
    O– ist voreingenommen
    C+ ist geizig
    C– hat finanzielle Probleme
    E+ nur oberflächliche Beziehungen
    E– ist sozial isoliert
    A+ kann sich nie durchsetzen
    A– wird abgelehnt
    N+ durch Ängste eingeschränkt
    N– unterschätzt Gefahren
    Jede starke Ausprägung der Big Five ist damit ein Risikofaktor für bestimmte Probleme der Lebensführung.
  • Sehen Sie sich folgende Gesichter an (www.beautycheck.de, Menüpunkt Soziale Wahrnehmung) und wählen Sie die Frau und den Mann aus, mit dem Sie folgende Stellen besetzen würden:
    a. Drogerie-Verkäufer
    b. Call Center Agent
    c. Erzieher im Kindergarten (Ergänzung eines Teams aus 15 Erzieherinnen)

    Lösung

    Antworten auf die Teilfragen:
    a. Bei Drogerie-Verkäufern ist Schönheit durchaus ein objektives Auswahlkriterium.
    b. Bei Call Center Agenten käme es auf eine attraktive Stimme an, aber überhaupt nicht auf Schönheit des Gesichts.
    c. In diesem Falle sollten zu schöne Männer vermieden werden, um Konflikte im ansonsten weiblichen Team zu vermeiden.
  • Welche praktischen Konsequenzen lassen sich aus der Forschung zur physischen Attraktivität ziehen für
    a. die Bewerbung für eine Stelle?
    b. die Auswahl von Bewerbern für eine Stelle?

    Lösung

    Antworten auf die Teilfragen:
    a. Eigene Bewerbung: Es lohnt sich, der schriftlichen Bewerbung ein Farbfoto guter Qualität beizulegen, auf dem starke Hautunreinheiten, störende Behaarung usw. wegretuschiert sind, das aber nicht durch zu viel Retuschieren künstlich wirkt. Im Bewerbungsgespräch lohnt sich ein gepflegtes, aber dezentes Auftreten. Frauen können ggf. ihre WHR, Männer ihre WSR durch taillen- bzw. schulterbetonte Kleidung »aufbessern«.
    b. Bewerberauswahl: Es empfiehlt sich, bei der Vorauswahl aufgrund schriftlicher Bewerbungen Fotos von Bewerbern wegzulassen und nur dann zu werten, wenn ein attraktives Äußeres erwünscht ist (z.B. bei direktem Kundenkontakt) oder zu viel Schönheit problematisch sein könnte (z.B. Mann in einem ansonsten andersgeschlechtlichen Team). Das Foto kann auch direkt vor einem Bewerbungsgespräch angesehen und dann mit dem tatsächlichen Aussehen verglichen werden; dadurch kann starke Manipulation aufgedeckt werden. Im Bewerbungsgespräch sollte versucht werden, Halo-Effekte großer Schönheit oder starker Hässlichkeit zu minimieren, aber auch eine Überkorrektur zu vermeiden.
  • Beschreiben Sie sich selbst und Ihre Mutter in den sechs Facetten von Extraversion!

    Lösung

    Als Beurteilungsskalen könnten Sie für jede Facette sechs 5-stufige Likert-Skalen 1–2–3–4–5 (Kap. 3.2) verwenden, die die Zustimmung zu den sechs Kurzbeschreibungen niedriger bzw. hoher Facettenwerte erfassen, die Zustimmungswerte zu den niedrigen Facettenwerten umpolen, indem Sie jede Antwort x durch 6-x ersetzen (also z.B. 5 durch 1, 1 durch 5), und dann einen Facettenwert bestimmen als Mittelwert der sechs Zustimmungswerte (drei davon umgepolt).
    Die Umpolung ist nötig, da die Zustimmung zu einem niedrigen Wert der Nicht-Zustimmung zu einem hohen Wert entspricht. Alternativ zu diesen unipolaren Items (erfragt ist der Grad der Zustimmung zu nur einem Pol der Dimension) könnten Sie auch bipolare Items verwenden, indem Sie eine Antwortskala mit Gegensatzpaaren verwenden, z.B. passiv –3 –2 –1 0 1 2 3 aktiv, wobei Null »weder passiv noch aktiv« bedeutet. In diesem Fall müssen die Beurteiler nur drei Urteile pro Facette abgeben und das Umpolen der Antworten entfällt. Die Beurteilung geschieht also schneller, wenn auch nicht doppelt so schnell, weil die Beurteilungsaufgabe etwas komplexer ist. Zudem wird in diesem Fall das Aggregationsprinzip (Erhöhung der internen Konsistenz durch Mittelung vieler Einzelurteile; Kap. 3.2) nicht so stark genutzt.
  • Zeichnen Sie die drei interpersonellen Facetten von Extraversion und die sechs Facetten von Verträglichkeit in Abb. 4.2 ein!

    Lösung

    Sie werden sehen, dass die Extraversions-Facetten sich stärker in ihrem Winkel zueinander unterscheiden als die Verträglichkeits-Facetten.
  • Wie hoch korrelieren in etwa Beurteilungen der positiven und der negativen Stimmungslage bei 100 Personen
    a. vor dem Abendessen einmal bestimmt?
    b. gemittelt über fünf Tage?
    c. gemittelt über sechs Wochen?
    Warum?

    Lösung

    Auf den ersten Blick könnte man erwarten, dass aufgrund des Aggregationsprinzips die Reliabilität der Beurteilungen von (a) über (b) zu (c) steigt und dadurch auch die negative Korrelation zwischen positiver und negativer Stimmungslage. Auf den zweiten Blick ist das aber nicht zu erwarten, weil die Annahme des Aggregationsprinzips, dass parallele Messungen gemittelt werden, nicht zutrifft, denn die Schwankungen von Tag zu Tag sind eher durch individuelle Erlebnisse bestimmt, die von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Es ist sogar zu erwarten, dass die Korrelationen von (a) über (b) zu (c) abnehmen (z.B. von –.50 über –.40 zu –.30), weil das Gemittelte zunehmend Affektivität widerspiegelt, und für die ist bekannt, dass positive und negative Affektivität nur schwach negativ korrelieren.
  • Begründen Sie mit Hilfe der Zweifaktorentheorie für Gehemmtheit, warum sozial Ängstliche in den drei oben genannten Situationen mit starker Hemmung reagieren.

    Lösung

    Bei Fremden, weil sie neue Reize darstellen; bei großen Gruppen, weil darin viele nicht so gut bekannte Personen sein werden und weil im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen das Risiko einer negativen Bewertung beinhaltet; gegenüber Autoritäten, weil sie potenziell eine Quelle sozialer Ablehnung oder Nichtbeachtung sind, insbesondere wenn ihr Urteil für wichtig gehalten wird.
  • Als Validitätshinweis für Integritätsfragebögen wird oft angeführt, dass
    a. niedrige Integritätswerte die selbstberichtete Zahl von kleinen Unkorrektheiten (z.B. Schreibmaterial mitgehen lassen) vorhersagen und
    b. hohe Werte das Vorgesetztenurteil über das Leistungspotenzial. Gibt es Probleme bei dieser Art der kriteriumsorientierten Validierung?

    Lösung

    Antworten auf die Teilfragen:
    a. Es handelt sich nur um selbstberichtete Unkorrektheiten; derartige Angaben sind leicht verfälschbar und an die Angaben zu Integrität anpassbar.
    b. Integrität sagt vermutlich auch deshalb das Vorgesetztenurteil so gut vorher, weil Personen mit hohen Integritätswerten eher angepasst und von Vorgesetzten einfach zu handhaben sind; das erzeugt Sympathie, die in Form eines Halo-Effekts (Kap. 4.1) das Urteil über die erbrachte Leistung, insbesondere aber das weniger stark in der Realität verankerte Urteil über das Leistungspotenzial beeinflusst. Kreative und leistungsfähige, aber aufmüpfige Mitarbeiter dürften in ihrem Berufserfolg von vielen Vorgesetzten eher unterschätzt werden.
  • Wenn Sie Bewerberinnen für eine Stelle
    a. als Krankenschwester,
    b. als Verkäuferin für Haushaltswaren und
    c. als Leiterin einer Bankfiliale vorauswählen möchten,
    wobei Sie auch die Persönlichkeit mit wenig Aufwand berücksichtigen möchten, was wären dann die jeweils drei wichtigsten Persönlichkeitseigenschaften?

    Lösung

    Antworten auf die Teilfragen:
    a. Bei Krankenschwestern sollte wegen der verantwortungsvollen Tätigkeit (z.B. Gefahr der Verwechselung von Medikamenten) hohe Gewissenhaftigkeit, wegen der Teamarbeit hohe Verträglichkeit und wegen der starken psychischen Belastung durch die Konfrontation mit Krankheiten niedriger Neurotizismus gefordert werden.
    b. Bei einer Verkäuferin für Haushaltswaren sollte überdurchschnittliche Gewissenhaftigkeit (wegen der unkreativen Routinetätigkeit) und hohe Extraversion und Verträglichkeit (Kundenkontakt) gefordert werden.
    c. Bei der Leiterin einer größeren Bankfiliale sollte hohe Gewissenhaftigkeit (Genauigkeit bei der Überprüfung der Bankvorgänge), hohe Integrität (Gefahr der Manipulation von Daten und der Bestechlichkeit) und überdurchschnittliche Verträglichkeit (Teamfähigkeit) oder bei viel Kundenkontakt auch Extraversion gefordert werden.
  • Ein 6-jähriges Kind habe den Testrohwert von 29 Punkten in einem Intelligenztest erzielt mit Mittelwert 25 und SD = 4 in der Normstichprobe für 6-Jährige. Wie hoch ist der IQ des Kindes?

    Lösung

    Es ist z = (29 – 25)/4 = 1. Also ist IQ = 100 + 15 = 115.
  • Hochbegabung wird oft operationalisiert als IQ größer oder gleich 130. Wie viel Prozent einer Altersgruppe sind hochbegabt, wenn die IQ-Werte normalverteilt sind?

    Lösung

    2,3% (Abb. 4.3!)
  • Ist es sinnvoll, zur Testung von Studienbewerbern oder im Rahmen der Personalauswahl Tests zur Erfassung der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit oder der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses anstelle von Intelligenztests zu verwenden?

    Lösung

    Tests zur Erfassung der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und zur Erfassung der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses korrelieren zwar mittelhoch mit dem IQ (Kap. 2.2), aber Intelligenztests sind ihnen überlegen bei der Vorhersage lebensnaher Leistungserfolge, weil diese Erfolge auf der Erfüllung einer Vielzahl kognitiver und motivationaler Anforderungen beruhen. Tests der Geschwindigkeit und Gedächtniskapazität decken nur einige dieser Anforderungen ab, Intelligenztests deutlich mehr, weil ihre Aufgaben meist ebenfalls viele verschiedene derartige Anforderungen stellen.
  • Ein Ansatz in der Kreativitätsforschung besteht darin, die Kreativität von Produkten (z.B. Gebäude von Architekten) von Experten (andere Architekten) beurteilen zu lassen und dann mit Kreativitätstests in der Tradition von Guilford zu korrelieren. Angenommen, ein solcher Kreativitätstest korreliere bei 100 Architekten .30 mit der Kreativität ihrer Gebäude. Ist das eine überzeugende Validierung des Kreativitätstests?

    Lösung

    Nein, denn es fehlt der Nachweis, dass es sich wirklich um einen Kreativitätstest und nicht einfach um einen Intelligenz-Untertest handelt. Würde dies geprüft, was in derartigen Studien allerdings selten geschieht, indem der IQ der Architekten gemessen und statistisch kontrolliert würde, dürfte der verbleibende Zusammenhang mit dem Kreativitätstest kaum noch überzufällig sein.
  • Welche Beziehungen bestehen zwischen den beiden Faktoren der Handlungskompetenz (Selbstvertrauen/Dominanz und Freundlichkeit/Kooperativität) und
    – den Big Five?
    – dem interpersonellen Zirkumplex?

    Lösung

    Es handelt sich hier um die beiden Dimensionen Liebe und Dominanz des interpersonellen Zirkumplex, die wiederum mit den Big Five Verträglichkeit und Extraversion verwandt sind (Kap. 2.1). Beobachtbar sind in diesen Situationen also interpersonelle Stile.
  • Am MSCEIT wird oft kritisiert, dass die Autoren selbst bestimmten, welche Antwort als besonders emotional kompetent gilt. Als Alternative könnte man für jede Situation dasjenige Verhalten als besonders kompetent ansehen, das von den meisten Personen als besonders kompetent angesehen wird. Allerdings besteht auch hier ein Problem: Welches?
    Weitere Alternative?

    Lösung

    Bei der genannten Alternative wird sozusagen über Kompetenz abgestimmt:
    Kompetent ist, was die Mehrheit für kompetent hält. Das ist nicht unproblematisch, da sich ja auch die Mehrheit irren kann. Eine weitere Alternative ist, viele Experten zu befragen und die mehrheitliche Meinung dieser Experten als Kriterium zu bestimmen – ein Weg, der in der Fähigkeitsmessung oft gewählt wird. Allerdings ist im Falle von emotionaler Kompetenz ziemlich unklar, wer hierfür als Experte gelten kann.
  • Sie sollen ein Auswahlverfahren für ein Unternehmen entwickeln für
    a. einen Einstiegsjob, für den sich vorwiegend Schulabgänger bewerben.
    b. eine Position im gehobenen Management, für die sich überwiegend Bewerber mit akademischem Abschluss und zehn oder mehr Jahren Berufserfahrung bewerben.
    Inwiefern würden Sie hierfür folgende Kriterien und Verfahren anwenden?:
    – Note des höchsten erreichten Bildungsabschlusses
    – IQ-Test
    – Persönlichkeitsfragebogen
    – biografischer Fragebogen
    – Assessment Center mit Beobachtung der sozialen Kompetenz

    Lösung

    Antworten auf die Teilfragen:
    Die Note des höchsten erreichten Bildungsabschlusses ist umsonst erhältlich und sollte deshalb immer verwendet werden.
    a. Beim Einstiegsjob sind Fehlentscheidungen nicht sehr kostspielig, so dass der Aufwand niedrig gehalten werden sollte. Auch ist die Biografie von Schulabgängern wenig informativ. Deshalb kein Assessment Center verwenden, sondern je nach Arbeitsanforderungen bestimmte Persönlichkeitsskalen (Kap. 2.1). Auch ein IQ-Test wäre zu aufwändig, da die Schulabschlussnote hiermit ohnehin korreliert.
    b. Beim gehobenen Management sind Fehlentscheidungen kostspieliger, und die Arbeitsbiografie ist aussagekräftiger; die Note des Bildungsabschlusses ist dem gegenüber weniger wichtig, kann aber berücksichtigt werden. Hier bietet sich eher als ein IQ-Test ein Assessment Center an, da soziale Kompetenzen wichtig sind und die IQ-Varianz eingeschränkt sein wird; es sollte einen biografischen Fragebogen einschließen.
  • Formulieren Sie ein Regelkreismodell für das Geselligkeitsbedürfnis, d.h. das Bedürfnis nach Interaktion mit anderen Menschen.
    – Was ist der Ist-Zustand?
    – Was ist der Sollwert?
    – Wie entstehen Diskrepanzen zwischen Ist- und Sollwert?
    – Welche Konsequenzen haben Abweichungen des Ist-Zustandes vom Sollwert nach oben bzw. unten?

    Lösung

    Der Ist-Zustand ist der aktuelle Kontakt mit anderen; der Sollwert ist das Geselligkeitsbedürfnis; Abweichungen von Ist- und Sollwert ergeben sich aus Einschränkungen der Kontaktmöglichkeiten (z.B. kaum Kontakt, weil man sich auf eine Prüfung vorbereiten muss) bzw. erzwungenem Kontakt (z.B. bei Besuch von Verwandten, die länger bleiben wollen, als einem lieb ist); zu viel Kontakt führt zu Überdruss und zum Bedürfnis, allein sein zu wollen; zu wenig Kontakt führt zur Suche nach Kontakten durch Kommunikation (z.B. Telefonieren mit Freunden) oder Interaktion (z.B. Bekannte besuchen oder einladen).
  • Ein häufig untersuchtes Motiv ist das Affiliationsmotiv (das Bedürfnis nach Geselligkeit).
    – Was entspricht in diesem Fall dem Erfolgs- und Misserfolgsmotiv?
    – Wie könnte man dieses Motiv projektiv erfassen?

    Lösung

    Das Affiliationsmotiv lässt sich in zwei Komponenten aufspalten, die dem Erfolgs- und Misserfolgsmotiv in der Leistungsmotivation entsprechen:
    Annäherungsmotiv (Hoffnung auf Anschluss) und Vermeidungsmotiv (Furcht vor Zurückweisung). Gemessen wird beides, indem man mehrdeutige Bilder zeigt, die beide Motivkomponenten anregen können, aber nicht müssen (z.B. Blick auf zwei offene Türen; hinter der einen ist eine Party in vollem Gang, hinter der anderen eine stille Bibliothek); kodiert wird, wieweit die erzählten Geschichten Hoffnung auf Anschluss oder Furcht vor Zurückweisung thematisieren.
  • Tragen Sie in Abb. 4.6 die sechs Faktoren von Holland ein, und ordnen Sie die folgenden Berufe diesen Faktoren zu: Schauspieler, Lehrer, Soziologe, Politiker, Finanzbeamter, Zimmermann.

    Lösung

    Die sechs Faktoren entsprechen in Abb. 4.6 den sechs Ecken des Sechseckmodells im Uhrzeigersinn, beginnend mit der Ecke oben (Dinge = praktisches Interesse). Die Berufe entsprechen den Zeilen von Tab. 4.16 in folgender Reihenfolge: Zimmermann, Soziologe, Schauspieler, Lehrer, Politiker, Finanz beamter.
  • Jemand hat sich unsterblich in X verliebt, weiß aber nicht, ob X diese Liebe erwidern wird, auch wenn X bereits ein gewisses Interesse gezeigt hat. Es kommt zu einem Rendezvous mit X.
    – Welche Erwartungs- und Handlungskontrollstile sind hier wann relevant?
    – Welche Attributionsmöglichkeiten gibt es für Erfolg bzw. Misserfolg (der berühmte Funke springt über bzw. springt nicht über)?

    Lösung

    Vor dem Rendezvous: Optimismus, dass die Liebe erwidert wird versus Pessimismus, dass das eher nicht der Fall sein wird (Erwartungsstil). Während des Rendezvous: Zugewandtheit zum Partner, Versuch dessen Einstellung zu einem selbst herauszufinden (Handlungsorientierung) versus Zweifel an der eigenen Attraktivität, dauerndes Überprüfen des eigenen Verhaltens (Lageorientierung). Nach dem Rendezvous: Erklärung für Ausgang des Rendezvous suchen (Attributionsstil), nämlich eher in stabilen oder variablen internalen oder externalen Ursachen.
  • Wann ist das Vermeiden bedrohlicher Informationen hilfreich für die Stressbewältigung und wann nicht?

    Lösung

    Informationsmeidung ist im Allgemeinen hilfreich bei unkontrollierbaren Belastungen wie z.B. chirurgischen Operationen, dagegen nicht hilfreich, wenn die Informationen für die Bewältigung der Belastung genutzt werden können (z.B. Information über den Aufbau einer schriftlichen Prüfung) oder Belastungen abwenden können (z.B. medizinische Diagnosen, die für die Vorbeuge oder Behandlung genutzt werden können).
  • Wenden Sie das MODE-Modell auf Kaufverhalten an: Wann ist die Verhaltensvorhersage durch implizite Einstellungen zum Produkt am besten?

    Lösung

    Nach dem MODE-Modell sollten implizite Einstellungen am ehesten ungeplante, spontane Käufe und Käufe unter Zeitdruck, bei denen wenig Zeit zum Überlegen bleibt, vorhersagen.
  • Entwerfen Sie einen Single-Target-IAT zur Erfassung des impliziten Vorurteils gegenüber Türken.

    Lösung

    Das Einstellungsobjekt »Türken« könnte z.B. durch typisch türkische Vornamen repräsentiert werden, die Bewertungsdimension positiv – negativ durch Worte mit klar positiver oder negativer Bedeutung.
  • Welche Verzerrungen sind im sozialen Selbstwertgefühl von mathematisch hochbegabten Schülern zu erwarten, die
    a. ein normales Gymnasium besuchen?
    b. eine Sonderklasse nur für mathematisch besonders begabte Schüler besuchen?

    Lösung

    Antworten auf die Teilfragen:
    a. Es ist zu erwarten, dass das Selbstwertgefühl im mathematischen Bereich besonders erhöht ist, da sich die hochbegabten Schüler mit der Bezugsgruppe durchschnittlich begabter Gymnasiasten vergleichen. Deshalb ist aufgrund eines intraindividuellen Kontrasteffekts zu erwarten, dass die hochbegabten Schüler ihre soziale Akzeptanz durch Freunde, Eltern und Klassenkameraden unterschätzen, also zu einem unrealistisch niedrigen sozialen Selbstwertgefühl tendieren.
    b. Beide Effekte sind dadurch gemildert, dass die Bezugsgruppe aus besonders begabten Schülern besteht.
  • Warum nimmt die Lebenszufriedenheit bei Verwitwung und Scheidung bereits fünf Jahre vor diesem Ereignis ab? Ist es richtig, dass Verwitwung und Scheidung generell die Lebenszufriedenheit senken (jedenfalls für die folgenden fünf Jahre)?

    Lösung

    Die Lebenszufriedenheit ist bei Verwitwung durch die häufig dem Tod vorangehende Krankheit und Pflegebedürftigkeit des Partners und Angst vor dessen Tod oft schon Jahre vor seinem Tod vermindert; Scheidung ist das Resultat einer oft Jahre dauernden Verschlechterung der Beziehung, wobei auch zu berücksichtigen ist, dass zwischen Trennung und Scheidung viele Monate bis einige Jahre vergehen. Die Lebenszufriedenheit ist weder bei Verwitwung noch bei Scheidung generell langfristig verringert. Besonders die Scheidung wird nicht selten von einem der beiden Partner als Befreiung und entsprechend positiv empfunden, und es hängt in allen Fällen längerfristig davon ab, ob und wie schnell eine neue, glückliche Partnerschaft eingegangen werden kann. Die gezeigten Verläufe sind nur Mittelwerte, hinter denen sich eine enorme Variabilität der individuellen Verläufe verbirgt.
  • Zu welchen Personen, mit denen Sie regelmäßig Kontakt haben, haben Sie eine persönliche Beziehung?

    Lösung

    Das Kriterium hierfür ist, ob Ihr Interaktionsmuster persönlich geprägt ist. Zum Beispiel könnten Sie dem Briefträger jahrelang unpersönlich begegnen oder eine persönliche Beziehung zu ihm aufgebaut haben.
  • Beschreiben Sie Ihr eigenes egozentriertes Netzwerk durch eine Beziehungsmatrix, indem Sie die in Übung 1 gelisteten Personen zu Grunde legen!

    Lösung

    Nutzen Sie dafür die Matrix in 7 Abb. 5.1. Damit Sie keine wichtigen Bezugspersonen vergessen, prüfen Sie für die folgenden »Netzwerkgeneratoren«, ob Sie eine persönliche Beziehung dieses Typs haben:
    1 = Mutter
    2 = Vater
    3 = Geschwister
    4 = Großeltern
    5 = Partner
    6 = Ex-Partner
    7 = Fester Freund
    8 = Ex-Freund
    9 = Kinder
    10 = Sonstige Verwandte
    11 = Mitglieder von Clubs und Vereinen
    12 = Nachbarn
    13 = Schulfreunde
    14 = Sonstige Freunde
    15 = Kommilitonen
    16 = Arbeitskollegen
    17 = Sonstige Personen.
    Pro Typ können oft mehrere Bezugspersonen genannt werden (z.B. leiblicher Vater, Stiefvater, mehrere Freundinnen etc.).
  • Geben Sie für jede der sieben Methoden der Umwelterfassung eine Fragestellung an, für die die jeweilige Methode besonders gut geeignet ist hinsichtlich Validität und Ökonomie.

    Lösung

    Zum Beispiel retrospektive Einschätzung: Stimmungslage (positiv-negativ) des heutigen Tages, aufgezeichnet vor dem Schlafengehen; Tagebuch: soziale Interaktionen und deren Qualität; Logbuch: Stresssituationen und die Reaktion darauf; Piepsertechnik: Anteil der Tageszeit, der mit bestimmten Aktivitäten verbracht wird; direkte Verhaltensbeobachtung: Verhalten von Schülern und Lehrern im Unterricht; direkte Verhaltensmessung: ambulantes Monitoring physiologischer Reaktionen (Kap. 2.4); Protokollierung durch Beobachter: Aktivitäten von Kindern durch Eltern oder Erzieher.
  • Sie interessieren sich für die soziale Unterstützung einer Person. Wie können Sie die soziale Unterstützung durch eine Beziehungsmatrix erfassen? Welchen Vorzug hat das gegenüber einem traditionellen Beurteilungsverfahren, bei dem die Person die durch vorgegebene Bezugspersonen (z.B. Eltern, Geschwister, bester Freund, beste Freundin, Partner) erfahrene Unterstützung beurteilt?

    Lösung

    Lassen Sie diese Person zunächst ihre Bezugspersonen zeilenweise auflisten mit Angabe des Beziehungstyps, Alter und Geschlecht. Hierzu können Sie die Netzwerkgeneratoren aus Übung 5.2 verwenden oder sie an die soziale Umwelt der Person anpassen. Dann lassen Sie die Person die soziale Unterstützung auf einer Likert-Skala beurteilen, die sie von jeder der von ihr aufgelisteten Bezugspersonen erhält. Sie können die soziale Unterstützung zusätzlich in Facetten gliedern, z.B. emotionale Unterstützung bei persönlichen Problemen, finanzielle Unterstützung, Hilfe bei praktischen Problemen usw. Dieser Netzwerkansatz hat gegenüber den traditionellen Beurteilungsverfahren für Beziehungstypen den Vorteil, dass die Beurteilung für jeweils eine konkrete Beziehung erfolgt und damit weniger Verzerrungen unterliegt, die Daten wegen der größeren Zahl von Beziehungen differenzierter sind, die Daten wegen der Erfassung aller wichtigen Beziehungen vollständiger sind und bei einer Mittelung über Beziehungstypen reliablere Daten entstehen als bei direkter Beurteilung der Unterstützung durch den jeweiligen Beziehungstyp (Nutzung des Aggregationsprinzips; Kap. 3.2).
  • Soziometrische Untersuchungen an Schulkindern ergaben, dass aggressive, schüchterne, sozial kompetente und physisch attraktive Kinder bei einem oder zwei der vier Typen des soziometrischen Status gehäuft auftreten. Ordnen Sie die vier Persönlichkeitstypen denjenigen Statustypen zu, denen sie überzufällig angehören!

    Lösung

    Empirische Untersuchungen ergeben, dass aggressive Kinder entweder zu den Abgelehnten gehören (dann sind sie in der Klasse eher isoliert) oder zu den Kontroversen (wenn sie bei einigen in der Klasse beliebt sind; dann bilden sie mit ihnen eine »Clique«). Sozial kompetente aber auch uneitle physisch attraktive Kinder und intelligente Kinder ohne Streberallüren gehören meist zu den Beliebten; schüchterne, zurückhaltende Kinder gehören oft zu den Ignorierten (»Mauerblümchen«), nur selten aber zu den Abgelehnten oder Kontroversen.
  • Welche Beziehung besteht zwischen hyper- und deaktivierenden Strategien und den Bindungsstilen von Bartholomew und im ECR?

    Lösung

    Antworten:
    sicher: sicher (Bartholomew), wenig Vermeidung und wenig Ängstlichkeit (ECR)
    hyperaktivierend: besitzergreifend (Bartholomew), hohe Ängstlichkeit (ECR)
    deaktivierend: abweisend (Bartholomew), hohe Vermeidung (ECR)
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen bestimmten Formen der sozialen Unterstützung und dem Bindungsstil der unterstützten Person?

    Lösung

    Potenzielle Unterstützung korreliert positiv mit sicherer Bindung, denn ein Merkmal sicherer Bindung ist ja gerade, dass man sich sicher ist, Hilfe vom Bindungspartner zu bekommen, selbst wenn er gerade nicht anwesend ist (vgl. insbesondere das Modell von Mikulincer u. Shaver 2003).
  • Dass Neurotizismus ein Risikofaktor für Trennungen
    ist, legt nahe, dass der Effekt von Neurotizismus auf die Qualität der Paarbeziehung nicht nur an der typisch kritischen Weltsicht von Neurotikern liegt, sondern die Qualität der Paarbeziehung tatsächlich beeinträchtigt. Wie kann diese Hypothese direkt getestet werden?

    Lösung

    Indem bei Paaren der Neurotizismus des Mannes mit der partnerschaftlichen Zufriedenheit der Frau bzw. umgekehrt korreliert wird. Da der Neurotizismus zwischen Partnern nicht korrelieren dürfte, ist hier ein Kreuzkorrelationsdesign nicht nötig.
  • Ist Online Dating erfolgreicher als Speed Dating?

    Lösung

    Das hängt davon ab, wie viel Aufwand jeweils getrieben wird; die 23% Erfolge beim Online Dating beruhen typischerweise auf sehr viel mehr zeitlichem Aufwand als die 4% Erfolge bei einer Speed-Dating-Veranstaltung.
  • Eine Längsschnittstudie an 100 Erwachsenen kommt zum Ergebnis, dass die Stabilität von Extraversion (selbstbeurteilt auf einer Likert-Skala 1–7) über sieben Jahre .50 beträgt. Bedeutet das, dass sich alle 100 Personen in ihren Extraversionsbeurteilungen verändert haben?

    Lösung

    Dass sich alle Personen verändert haben, ist ein typischer Fehlschluss. Die Korrelation von .50 ist durchaus damit vereinbar, dass sich z.B. 30% der Stichprobe gar nicht verändert haben, eine größere Gruppe von Personen aber sehr deutlich. Die Korrelation spiegelt durchschnittliche differentielle Veränderungen wider, und das Ausmaß der Veränderung kann von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen.
  • Aus den in Abb. 6.3 gezeigten Stabilitätsdaten lässt sich bei einer Retestreliabilität des IQ von .95 die wahre (also für Messfehler korrigierte) 1-Jahres-Stabilität des IQ schätzen als .995. Wie hoch ist die nach der Conley-Formel geschätzte Stabilität des IQ
    a. über 10 Jahre?
    b. über 40 Jahre?
    Stimmen diese Schätzungen gut mit den empirischen Befunden in Abb. 6.3 überein?

    Lösung

    Aus der Reliabilität von .95 und der wahren 1-Jahres-Stabilität von .995 ergibt sich
    a. eine Stabilität des IQ im Erwachsenenalter über 10 Jahre von .95 × .99510 = .90 und
    b. eine Stabilität über 40 Jahre von .78; wie Abb. 6.3 zeigt, decken sich diese Schätzungen gut mit den tatsächlich gefundenen Werten.
  • Das erste Prinzip der Eigenschaftsstabilität besagt, dass die Stabilität mit wachsendem Retestintervall sinkt. Eine Ausnahme von dieser Regel ist die Stabilität der Körpergröße zwischen 10 und 18 Jahren: Sie ist zwischen 10 und 18 Jahren höher als zwischen 13 und 18 Jahren. Wie kann das erklärt werden?

    Lösung

    Die Körpergröße nimmt in der Pubertät vorübergehend rapide zu (»Wachstumsschub«) und erreicht mit etwa 18 Jahren den Endzustand. Das rasante Wachstum in der Pubertät würde die Stabilität der interindividuellen Unterschiede in der Körpergröße dann nicht beeinflussen, wenn alle Kinder zum gleichen Zeitpunkt in die Pubertät kämen und dann alle gleich schnell wachsen. Das ist aber nicht der Fall; z.B. kommen Mädchen ca. zwei Jahre früher in die Pubertät als Jungen, und auch innerhalb der Geschlechter setzt die Pubertät in variierendem Alter ein. Dadurch wird die Rangfolge der Kinder in der Körpergröße im Verlauf der Pubertät durcheinander gebracht, so dass es zu einer vorübergehenden Stabilitätssenkung kommt. Deshalb ist die Stabilität zwischen 10 und 18 Jahren, die den Wachstumsschub »überspringt«, höher als die zwischen 13 und 18 Jahren, bei der der erste Messzeitpunkt dem mittleren Alter beim Wachstumsschub entspricht.
  • Wann erreicht die Stabilität von Persönlichkeitsunterschieden ihr Maximum, und warum sinkt sie später wieder?

    Lösung

    Mitte 50; sinkt wieder hauptsächlich wegen unterschiedlich schneller Alterungsprozesse.
  • In einer Studie an 100 jungen erwachsenen eineiigen und 100 gleichaltrigen zweieiigen Zwillingspaaren seien folgende Korrelationen zwischen den Paarlingen gefunden worden: für die explizite Einstellung zu lauter Musik eineiig .53, zweieiig .49; für die Einstellung zur Todesstrafe für Mord eineiig .53, zweieiig .26.
    – Wie hoch ist die Heritabilität für die Einstellung zu lauter Musik bzw. Todesstrafe?
    – Wie könnte das Ergebnis für die Einstellung zur Todesstrafe erklärt werden?

    Lösung

    Die Heritabilität ist für Einstellung zu lauter Musik 2 × (.53 – .49) = .08, also sehr niedrig, und für Einstellung zur Todesstrafe 2 × (.53 – .26) = .54, also vergleichsweise sehr hoch (ähnliche Ergebnisse wurden tatsächlich in westlichen Kulturen gefunden). Überraschend ist die hohe Heritabilität der Einstellung zur Todesstrafe. Sie kommt hauptsächlich dadurch zustande, dass die Einstellung zur Todesstrafe in westlichen Kulturen hoch mit dem Bildungsniveau korreliert (je gebildeter, desto negativer die Einstellung), und damit auch mit dem IQ und dem Big-Five-Faktor Offenheit; beide sind genetisch beeinflusst und übertragen diesen Einfluss auf alle hiermit korrelierten Eigenschaften, u.a. Einstellung zur Todesstrafe. Der häufige Schluss, dass es wegen der hohen Heritabilität ein »Todesstrafen-Gen« geben müsse, ist falsch: es muss nur Gene geben, die auf dem langen Weg von der Genaktivität zur Entwicklung der Einstellung zur Todesstrafe hierauf irgendwie Einfluss nehmen.
  • Ein weiteres methodisches Problem für die Einflussschätzungen stellt die Ähnlichkeit der Eltern in bestimmten Eigenschaften dar (Homogamie ; z.B. korreliert der IQ zwischen Partnern um .40). Welche Konsequenzen hat Homogamie auf die genetischen Einflussschätzungen
    – bei der Zwillingsmethode?
    – bei der Adoptionsmethode?

    Lösung

    Homogamie hat zur Folge, dass genetisch nicht identische Geschwister sich mehr als 50% in den für das betrachtete Merkmal bedeutsamen Allelen ähneln. Damit erfasst die Korrelationsdifferenz zwischen ein- und zweieiigen Zwillingen bei Homogamie der Eltern weniger als 50% des genetischen Einflusses und deshalb die doppelte Differenz weniger als 100% dieses Einflusses, d.h. die Zwillingsmethode unterschätzt ihn. Bei der Adoptionsmethode wird dagegen der genetische Einfluss bei Homogamie der Eltern überschätzt, denn die Korrelationsdifferenz zwischen leiblichen und Adoptivgeschwistern schätzt mehr als 50% des genetischen Einflusses und damit die doppelte Differenz mehr als 100% dieses Einflusses. Homogamie ist also ein weiteres Beispiel dafür, dass dasselbe methodische Problem entgegengesetzte Wirkungen auf die beiden Schätzmethoden haben kann.
  • Welche Umwelten werden von Geschwistern geteilt, welche zusätzlichen von Zwillingen, und welche werden von Zwillingen nicht geteilt?

    Lösung

    Antworten:
    - Von Geschwistern eher geteilt: soziale Schicht, Wohnumgebung, Verwandte und Bekannte der Familie, Qualität der Ehe der Eltern, Arbeitsbedingungen der Eltern, Familienklima, Erziehungsziele der Eltern.
    - Von Zwillingen zusätzlich eher geteilt: Schwangerschaftsverlauf, Geburtsumstände, Geschwisterposition, Kindergartengruppe, Schulklasse, Schulunterricht.
    - Von Zwillingen eher nicht geteilt: Elterliche Bevorzugung eines Kindes, soziale Beziehungen des Kindes, Unfälle, Krankheiten.
  • In Abschn. 2.3, wurden drei Arten der Genom-Umwelt-Korrelation diskutiert: aktive, reaktive und passive.
    – Welche Rolle spielen diese Formen der Genom-Umwelt-Wechselwirkung im Falle des IQ von der Kindheit bis zum Eingehen einer Partnerschaft?
    – Welche Altersabhängigkeit ist infolge dessen für den genetischen Einfluss auf den IQ zu erwarten: Steigt er oder sinkt er mit wachsendem Alter?

    Lösung

    In der Kindheit dominieren reaktive und passive Genom-Umwelt-Korrelation, da die Einflussmöglichkeiten des Kindes auf seine Umwelt, insbesondere die familiäre und schulische, noch begrenzt sind. Mit Verlassen des Elternhauses fällt die passive Form weitestgehend weg und die aktive verstärkt sich, so dass in diesem Alter aktive und reaktive Form dominieren. Da in heutigen westlichen Kulturen der Partner nicht von den Eltern bestimmt, sondern selbst aktiv gesucht wird, verstärkt dies nochmals die aktive Form. Da die aktive Form die Umwelt dem eigenen Genom anpasst, bedeutet dies, dass der genetische Einfluss von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter hinein steigt. Dies lässt sich auch empirisch bestätigen.
  • Lässt sich die Effektgröße bei z-transformierten Messungen besonders einfach bestimmen?

    Lösung

    Bei z-Werten ist SD = 1 (Kap. 3.2); also ist die Effektgröße in diesem Fall einfach die Mittelwertdifferenz.
  • Welches ist die richtige Lösung für die in Abb. 7.2 dargestellte Aufgabe?

    Lösung

    (c) ist richtig.
  • Haben schöne Frauen eher reiche oder gebildete Männer?

    Lösung

    Schöne Frauen haben einen höheren »Marktwert« auf dem Partnermarkt, so dass sie die Tendenz aller Frauen, Männer mit hohem sozialen Status zu suchen, leichter als weniger schöne in die Tat umsetzen können; verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass Männer mit hohem sozialen Status aufgrund ihres höheren »Marktwerts« sich ebenfalls leichter schöne Frauen sichern können. Allerdings ist der Effekt nicht allzu groß, weil es viele andere Partnermerkmale gibt, die beide Geschlechter eher schätzen (Treue, Hilfsbereitschaft, Humor, künstlerische Fähigkeiten, positive Einstellung zu Kindern usw.), die weder mit Schönheit noch mit sozialem Status korrelieren, so dass Hässlichkeit und niedriger sozialer Status durch hohe Werte in diesen Merkmalen durchaus kompensiert werden können.
  • Angenommen, geschlechtstypisches Verhalten sei tatsächlich erlernt. Wäre das eine befriedigende Erklärung für die Existenz von Geschlechtsunterschieden?

    Lösung

    Nein, denn Lerntheorien können nur erklären, dass bestehende Geschlechtsunterschiede an die nächste Generation weitergegeben werden, nicht aber, warum diese Geschlechtsunterschiede und ihre Übertreibung in Geschlechtsstereotypen überhaupt bestehen.
  • Wie lässt sich kulturpsychologisch erklären, dass Geschlechtsunterschiede in vielen Merkmalen in westlichen Kulturen im Verlauf der letzten 50 Jahre abgenommen haben?

    Lösung

    Frauen wurden zunehmend berufstätig, und Männer übernahmen etwas vermehrt Aufgaben im Haushalt und der Kindererziehung. Dadurch wurde die Arbeitsteilung geringer, was kulturpsychologisch zu einer Verringerung der Geschlechtsunterschiede führen sollte.
  • Widerspricht die zunehmende väterliche Beteiligung an der Kindererziehung in westlichen Kulturen in den letzten 50 Jahren nicht der evolutionspsychologischen Erwartung, dass eine starke Beteiligung nur bei knappen Umweltressourcen stattfindet?

    Lösung

    Auf den ersten Blick widerspricht die stärkere Beteiligung in der Tat der evolutionspsychologischen Erwartung. Allerdings ist die Zunahme des Reichtums westlicher Kulturen in den letzten 50 Jahren evolutionär betrachtet irrelevant, weil diese Kulturen – abgesehen von kurzen Hungerperioden in Kriegszeiten – ohnehin zu den extrem ressourcenreichen Kulturen in der Menschheitsgeschichte zählen. Die evolutionspsychologischen Mechanismen beziehen sich auf Variationen der Umwelt auf sehr viel geringerem Ressourcen-Niveau.
  • Widersprechen sich lerntheoretische, kulturpsychologische und evolutionspsychologische Erklärungen von Geschlechtsunterschieden oder sind sie komplementär, indem sie verschiedene Ursachen beschreiben, die alle zu psychologischen Geschlechtsunterschieden beitragen?

    Lösung

    Sie sind durchaus miteinander vereinbar und insgesamt komplementär. So beziehen sich die lerntheoretischen Erklärungen in Abb. 7.3 auf den Pfeil vom Geschlechtsstereotyp zum psychologischen Geschlecht, den sie lediglich genauer spezifizieren, ohne dass sie die anderen Pfeile in Abb. 7.3 ausschließen. Evolutionspsychologische Erklärungen nehmen in Bezug auf Abb. 7.3 zusätzliche Pfeile an, die direkt vom genetischen Geschlecht zum psychologischen Geschlecht führen oder vom genetischen Geschlecht in Abhängigkeit vom ökologischen Kontext direkt zum psychologischen Geschlecht (konditionale Entwicklungsstrategien), ohne dass sie die anderen Pfeile in Abb. 7.3 ausschließen.
  • Beschreiben Sie in einem einzigen Satz möglichst umfassend die Ursachen für psychologische Geschlechtsunterschiede!

    Lösung

    Wichtig ist, dass alle drei Erklärungsansätze einbezogen werden, z.B.: »Psychologische Geschlechtsunterschiede beruhen auf einer durch Geschlechtsstereotypisierung bedingten kulturellen Verstärkung genetisch und ökologisch bedingter Geschlechtsunterschiede auf hormoneller, neuronaler und Verhaltensebene.«
  • In einer Längsschnittstudie an schwarzen Adoptivkindern, die in den ersten Lebensjahren von weißen Familien der oberen Mittelschicht in den USA adoptiert worden waren, betrug der IQ-Unterschied zu einer Vergleichsgruppe weißer Adoptivkinder 15 IQ-Punkte im Alter von 4–12 Jahren und 17 IQ-Punkte zehn Jahre später. Spricht das für eine genetische Interpretation dieser Unterschiede im IQ?

    Lösung

    Nicht unbedingt, weil die schwarzen Adoptivkinder der normalen gesellschaftlichen Diskriminierung zumindest außerhalb ihrer Familie ausgesetzt waren. Zudem wurden sie in höherem Alter adoptiert als die weißen und kamen aus einer risikoreicheren Umwelt (z.B. weniger gebildete Mütter), was zum IQ-Unterschied beim ersten Messzeitpunkt beigetragen haben kann. Die Konstanz des Unterschieds zwischen erstem und zweitem Messzeitpunkt ist auch nicht überraschend, da der IQ ab dem Alter von ca. acht Jahren sehr stabil ist.
  • In Japan wachsen Kinder in großer Nähe zu ihrer Mutter auf (sie schlafen im selben Bett, baden gemeinsam, werden praktisch nie alleine gelassen). Erwarten Sie deshalb Schwierigkeiten bei der Nutzung des Fremde-Situation-Test (Abschn. 5.2.3) zur Bindungsdiagnose in Japan?

    Lösung

    Beim Fremde-Situation-Test verlässt die Mutter ohne Abschied den Raum, was für japanische Kinder ein extremer Stressor ist. Das Resultat ist, dass in Japan junge Kinder nur extrem selten in diesem Test als vermeidend gebunden klassifiziert werden; dafür ist die Rate der ängstlich-ambivalent gebundenen Kinder in etwa doppelt so hoch wie in westlichen Kulturen. Der Fremde-Situation-Test ist von daher nicht gut geeignet, vermeidende Bindung zu erfassen (die es in schwächerer Form sicher auch in Japan gibt).
  • Empirische Untersuchungen ergaben beim Vergleich von 55 Kulturen einen sehr hohen Zusammenhang von .77 zwischen dem Individualismus der Kultur und der mittleren Lebenszufriedenheit in der Kultur. Nennen Sie mindestens zwei verschiedene Gründe, warum diese Korrelation bestehen könnte!

    Lösung

    Individualismus korreliert deutlich positiv mit dem mittleren Einkommen der betreffenden Nationen, wie aus Tab. 8.2 unschwer zu erkennen ist. Die höhere Lebenszufriedenheit könnte also am höheren Einkommen liegen. Ein zweiter Grund könnte sein, dass individualistische Kulturen den Einzelnen nicht so stark durch soziale Normen einengen, was die Lebenszufriedenheit fördern mag. Drittens herrscht in kollektivistischen Kulturen eine »Norm zur Bescheidenheit«, d.h. man sollte sich nicht glücklicher schätzen als andere Mitglieder seiner In-Gruppe, während in individualistischen Kulturen erwartet wird, dass jeder seines Glückes Schmied ist, so dass es als Zeichen individuellen Versagens gewertet wird, wenn man unzufrieden mit seinem Leben ist. Von daher ist in kollektivistischen Kulturen eine moderate Lebenszufriedenheit, in individualistischen jedoch eine hohe Lebenszufriedenheit sozial erwünscht, was die Mittelwerte der Kulturen entsprechend verzerrt.
  • Fertig!

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Kapitel 1: Persönlichkeit in Alltag, Wissenschaft und Praxis

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