Psychologie

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Psychologie

ISBN: 
978-3-642-40781-9

Die Psychologie – vielfältig und schillernd: Ein Fach mit spannenden Teilgebieten und kontroversen Diskussionen, eine fundierte Wissenschaft, eine Möglichkeit, sich mit eigenen Erfahrungen und fremden Kulturen auseinanderzusetzen – nah am Leben! Das einführende Lehrbuch von David Myers stellt das Fach so komplett wie kein anderes vor: alle Grundlagenfächer und die 3 großen Anwendungsfächer Klinische, Pädagogische und Arbeits- und Organisationspsychologie. Die 3. Auflage wurde - unter Mitarbeit von Studierenden - komplett überarbeitet.

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Leicht lernen: Mit leicht verständlichen, unterhaltsamen Kapiteln, klaren Definitionen, „bunten“ Exkursen, Zusammenfassungen und Prüfungsfragen am Kapitelende. Mit interaktiver Lernwebsite und umfangreichem Zusatzmaterial. Und mit Spaß: Über 900 bunte Abbildungen und Cartoons bringen Psychologie auf den (witzigen) Punkt!

Psychologisch denken: Durch zahlreiche Leitfragen, Denkanstöße und Übungen zeigt Myers, wie das Wissen angewendet wird, wo Psychologie im Alltag zu erfahren ist. Ob Sie Psychologie studieren oder zu denen gehören, die schon immer wissen wollten: Was sagen eigentlich die Psychologen dazu? – Der MYERS ist Ihr Einstiegsbuch in die Psychologie!

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BegriffErklärung
Tend-and-befriend-Reaktionunter Stress bieten Menschen (vor allem Frauen) anderen ihre Unterstützung an (»tend«) und schließen sich mit ihnen zusammen (»befriend«), um selbst Halt zu finden.
360°-FeedbackMenschen, die in unterschiedlicher Beziehung zu dem zu Beurteilenden stehen und/oder aus unterschiedlichen Gründen an den Ergebnissen interessiert sind, geben Rückmeldung zur Arbeitsleistung einer Person.
A&O-Psychologiesiehe: Arbeits- und Organisationspsychologie
Abhängige VariableErgebnisfaktor. diese Variable kann sich als Reaktion auf die Manipulationen der unabhängigen Variablen verändern.
Abruf oder aktive, freie ReproduktionMaß für die Erinnerungsfähigkeit, bei dem die Versuchsperson vorher gelernte Informationen aktiv abrufen muss, etwa beim Ausfüllen eines Lückentexts.
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Frage 1 von 310
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  • Wie entwickelte sich die Psychologie von 1920 bis heute weiter?

    Lösung

    Frühe Forscher definierten die _Psychologie_ als „die Wissenschaft vom Seelenleben“. In den 1920er Jahren veränderte sich der Fokus des Feldes unter Einfluss von John B. Watson und den _Behavioristen_ auf „die wissenschaftliche Untersuchung des beobachtbaren Verhaltens“. In den 1960er Jahren belebten die _humanistischen Psychologen_ und die _kognitiven Psychologen_ das Interesse an der Untersuchung mentaler Prozessen wieder. Heute wird die Psychologie als „die Wissenschaft vom Verhalten und von den mentalen Prozessen“ definiert.
  • Was ist das wichtigste Thema in der Geschichte der Psychologie?

    Lösung

    Das wichtigste und am ausdauerndsten behandelte Thema der Psychologie ist das _Anlage-Umwelt-Problem_, das sich mit dem relativen Anteil von Genen und Erfahrung beschäftigt. In der heutigen Wissenschaft wird die Wechselwirkung von Genen und Erfahrungen in spezifischen Umwelten betont. Charles Darwins Ansicht, dass _natürliche Selektion_ sowohl das Verhalten als auch die äußere Erscheinung formt, ist eine wichtige Grundlage für die moderne Psychologie.
  • Was sind die zentralen Analyseebenen der Psychologie und welche Sichtweisen sind damit verbunden?

    Lösung

    Der _biopsychosoziale Ansatz_ integriert Informationen aus drei verschiedenen, aber einander ergänzenden _Analyseebenen_: der biologischen, der psychologischen und der soziokulturellen. Dieser Ansatz bietet ein vollständigeres Verständnis als es gewöhnlich durch das Zugrundelegen nur eines der aktuellen Ansätze der Psychologie (dem neurowissenschaftlichen, evolutionstheoretischen, verhaltensgenetischen, psychodynamischen, verhaltenstheoretischen, kognitiven oder soziokulturellen Ansatz) erreicht wird.
  • Was sind die Hauptarbeitsfelder der Psychologie?

    Lösung

    Innerhalb der psychologischen Wissenschaft können Forscher _Grundlagenforschung_ betreiben, um die Wissensgrundlage der Psychologie zu vergrößern (häufig in der biologischen, Persönlichkeits-, kognitiven und Sozialpsychologie) oder sich mit _angewandter Forschung_ beschäftigen, um praktische Probleme zu lösen (wie in der Arbeits- und Organisationspsychologie und in anderen Bereichen).

    Wer sich mit der Psychologie als helfendem Beruf beschäftigt kann Menschen als _psychologischer Berater_ unterstützen (indem er Menschen bei Problemen hilft, die sie im Leben oder beim Erreichen eines besseren Allgemeinzustands haben) oder als _klinischer Psychologe_ helfen, indem er Personen mit psychischen Störungen untersucht und diagnostiziert sowie mit Psychotherapie behandelt. (Auch _Psychiater_ untersuchen, diagnostizieren und behandeln Menschen mit psychischen Störungen, dürfen aber als Ärzte zusätzlich zu Psychotherapie Medikamente verordnen.) _Positive Psychologie_ versucht, Eigenschaften zu entdecken und zu fördern, die Menschen helfen, gut und erfolgreich zu leben. _Gemeindepsychologen_ arbeiten an der Schaffung von gesunden sozialen und physischen Lebensumwelten.
  • Wie können Ihnen psychologische Prinzipien beim Lernen und Erinnern helfen?

    Lösung

    Der _Prüfeffekt_ zeigt, dass Lernen und Erinnern durch aktiven Abruf eher verbessert werden als durch einfaches erneutes Lesen zuvor gelernten Materials. Die _SQ3R-Lernmethode_ - _S_urvey, _Q_uestion, _R_ead, _R_etrieve und _R_eview (Überblick verschaffen, Fragen stellen, lesen, abrufen und nochmal durchdenken) – berücksichtigt Grundlagen aus der Gedächtnisforschung. Vier zusätzliche Tipps sind: (1) Teilen Sie sich Ihre Lernzeit auf. (2) Lernen Sie, kritisch zu denken. (3) Verarbeiten Sie Informationen in Lehrveranstaltungen aktiv. (4) Lernen Sie wiederholt.
  • Wie illustrieren der Verzerrungseffekt durch nachträgliche Einsicht (Hindsightbias), die übertriebene Selbstsicherheit und die Tendenz, in zufälligen Ereignissen eine Ordnung wahrzunehmen, weshalb wissenschaftlich fundierte Antworten der Intuition und dem gesunden Menschenverstand überlegen sind?

    Lösung

    Der Hindsightbias (auch bekannt als _Rückschaufehler_) ist die Tendenz, nachdem wir ein Ergebnis zur Kenntnis genommen haben, zu glauben, dass wir es vorhergesehen hätten. Übertriebene Selbstsicherheit in Bezug auf unsere Urteile geht zum Teil auf unseren Bias zurück, nach Informationen zu suchen, mit deren Hilfe sich diese Urteile als richtig erweisen. Diese Tendenzen und außerdem unser Bedürfnis, bei zufälligen Ereignissen Ordnung wahrzunehmen, bringen uns dazu, unsere Intuition zu überschätzen. Obwohl ein wissenschaftlicher Ansatz auf überprüfbare Fragen beschränkt bleibt, die man mit seiner Hilfe beantworten kann, trägt er dazu bei, die Voreingenommenheit und die Defizite unserer Intuition zu überwinden.
  • Wie hängen die drei Hauptkomponenten der wissenschaftlichen Haltung mit dem kritischen Denken zusammen?

    Lösung

    Die wissenschaftliche Haltung ermöglicht es uns, neugierig, skeptisch und bescheiden zu sein bei der Prüfung konkurrierender Ideen und unserer eigenen Beobachtungen. Diese Einstellung bringt _kritisches Denken_ auch in unseren Alltag; es stellt Ideen auf den Prüfstand, indem es Annahmen überprüft, versteckte Werte erkennt, Befunde bewertet und Ergebnisse kritisch einordnet.
  • Wie bringen Theorien die Psychologie als Wissenschaft voran?

    Lösung

    Psychologische _Theorien_ sind Erklärungen, die sich auf ein zusammenhängendes Set von Prinzipien stützen. Sie bringen Ordnung und System in Beobachtungen und führen zu _Hypothesen_ – Vorhersagen, mithilfe derer man die Theorie überprüfen oder praktische Anwendungen daraus entwickeln kann. Durch das Testen ihrer Hypothesen können Forscher ihre Theorien prüfen, verwerfen oder revidieren. Damit andere Forscher die Studien _replizieren_ können, geben Wissenschaftler in ihren Berichten die präzisen _operationalen Definitionen_ ihrer Vorgehensweisen und Konzepte an. Wenn andere ähnliche Resultate erzielen, dann wird das Vertrauen in das Ergebnis größer.
  • Wie nutzen Psychologen Einzelfallstudien, Feldbeobachtungen und Umfragen, um Verhalten zu beobachten und zu beschreiben, und weshalb ist es wichtig, Zufallsstichproben zu ziehen?

    Lösung

    Deskriptive (beschreibende) Methoden – dazu gehören _Einzelfallstudien_, _Beobachtungen in natürlicher Umgebung_ und _Umfragen_ – zeigen uns, was passieren kann und geben uns möglicherweise Ideen für die weitere Forschung. Die beste Basis für eine Generalisierung auf eine _Population_ ist eine repräsentative Stichprobe; bei einer _Zufallsstichprobe_ hat jede Person in der zu untersuchenden Gesamtgruppe die gleiche Chance teilzunehmen. Mit deskriptiven Methoden lässt sich nicht feststellen, was Ursache und was Wirkung ist, weil Forscher mit diesen Methoden keine Variablen kontrollieren können.
  • Was sind positive und negative Korrelationen und wieso ermöglichen sie Vorhersagen, nicht aber Ursache-Wirkungs-Erklärungen?

    Lösung

    Bei einer positiven Korrelation wachsen zwei Faktoren zusammen an oder nehmen zusammen ab. Bei einer negativen Korrelation nimmt eine Variable in dem Maße zu, wie die andere abnimmt. _Streudiagramme_ (Scatterplots) können uns helfen, _Korrelationen_ zu erkennen. Ein _Korrelationskoeffizient_ kann die Stärke und Richtung eines Zusammenhangs zwischen zwei Faktoren aufzeigen. Er reicht von +1.00 (eine perfekte positive Korrelation) über Null (überhaupt keine Korrelation) bis hin zu –1.00 (eine perfekte negative Korrelation). Eine Korrelation weist auf die Möglichkeit eines Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs hin, doch sie ist kein Nachweis für die Richtung des Einflusses. Außerdem zeigt sie nicht, ob ein zugrunde liegender dritter Faktor die Korrelation erklären könnte.
  • Welches sind die Eigenschaften von Experimenten, die es möglich machen, Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten?

    Lösung

    Psychologen führen _Experimente_ durch, um Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung aufzudecken. Dabei manipulieren sie einen oder mehrere interessierende Faktoren und kontrollieren andere Faktoren. Durch eine _Zufallszuweisung_ können sie _Störvariablen_ – wie die vorher bestehenden Unterschiede zwischen der _Experimentalgruppe_ (die die Behandlung bekommt) und der _Kontrollgruppe_ (die ein Placebo oder eine andere Variante der Behandlung bekommt) – möglichst gering halten. Die _unabhängige Variable_ ist der Faktor, den der Versuchsleiter manipuliert, um seinen Effekt zu untersuchen; die _abhängige Variable_ ist der Faktor, den der Versuchsleiter misst, um etwaige Veränderungen aufzudecken, die in Reaktion auf die Manipulationen auftreten. Studien können ein _Doppelblindverfahren_ anwenden, um den _Placeboeffekt_ und den _Bias des Forschers_ zu verhindern.
  • Wie können wir mit Hilfe der Maße der zentralen Tendenz und der Variabilität Daten beschreiben?

    Lösung

    Ein Maß der zentralen Tendenz ist ein einziger Wert, der eine Gesamtmenge von Werten repräsentiert. Drei solche Maße sind der _Modalwert_ (der Wert, der am häufigsten auftritt), der _Mittelwert_ (das arithmetische Mittel) und der _Median_ (der mittlere Wert einer Menge von Daten).

    Maße der Variabilität sagen etwas darüber aus, wie unterschiedlich Daten untereinander sind. Zwei Maße der Variabilität sind die _Variationsbreite_ (die den Unterschied zwischen dem größten und dem kleinsten Wert beschreibt) und die _Standardabweichung_ (die angibt, wie stark die Werte um den Mittelwert oder um den durchschnittlichen Wert streuen). Testwerte bilden oft eine glockenförmige _Normalverteilung_.
  • Wie können wir herausfinden, ob sich ein beobachteter Unterschied auf eine andere Population übertragen lässt?

    Lösung

    Um einen beobachteten Unterschied mit gutem Gewissen auf andere Populationen übertragen zu können, müssen wir wissen, dass die untersuchte Stichprobe für die größere Population, die erforscht wird, repräsentativ ist; dass die Beobachtungen, im Durchschnitt, eine geringe Variation aufweisen; dass die Stichprobe aus mehr als ein paar wenigen Fällen besteht; und dass die beobachtete Differenz _statistisch signifikant_ ist.
  • Können Laborversuche etwas über den Alltag aussagen?

    Lösung

    Wissenschaftler schaffen im Labor absichtlich eine kontrollierte, künstliche Umwelt, um generelle theoretische Prinzipien zu testen. Diese generellen Prinzipien helfen dabei, alltägliche Verhaltensweisen zu erklären.
  • Ist Verhalten kulturabhängig und geschlechtsspezifisch?

    Lösung

    Einstellungen und Verhaltensweisen mögen je nach Geschlecht oder über _Kulturen_ hinweg ein wenig variieren. Aufgrund unseres gemeinsamen menschlichen Ursprungs sind die zugrunde liegenden Prozesse und Prinzipien jedoch eher ähnlich als unterschiedlich.
  • Warum machen Psychologen Experimente mit Tieren und welche ethischen Richtlinien schützen menschliche und tierische Versuchsteilnehmer?

    Lösung

    Manche Psychologen interessieren sich primär für das Verhalten von Tieren; andere möchten die physiologischen und psychologischen Prozesse besser verstehen, welche von Menschen und anderen Spezies geteilt werden. Staatliche Institutionen haben Richtlinien für die Pflege und Haltung von Tieren aufgestellt. Berufsverbände und Institutionen der Forschungsförderung geben ebenfalls Richtlinien zum Schutz des Wohls von Tieren heraus.

    Die von der APA erarbeiteten ethischen Grundsätze legen Standards fest, welche das Wohlergehen menschlicher Versuchsteilnehmer gewährleisten sollen. Zu diesen Standards gehören das Einholen der _informierten Einwilligung_ und das spätere Aufklären der Versuchsteilnehmer in einer _Nachbesprechung_. Auch die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) haben gemeinsame ethische Richtlinien zum Einsatz von Tieren in Forschung und Lehre formuliert.
  • Ist die Psychologie frei von Werturteilen?

    Lösung

    Die Wertvorstellungen der Psychologen beeinflussen ihre Wahl von Forschungsthemen, ihre Theorien und Beobachtungen, ihre Verhaltensbezeichnungen und ihre professionellen Ratschläge. Psychologische Verfahren wurden bisher hauptsächlich im Dienste der Menschheit eingesetzt.
  • Wieso beschäftigen sich Psychologen mit der menschlichen Biologie?

    Lösung

    Psychologen, die von der _biologischen Perspektive_ ausgehen, untersuchen die Verbindungen zwischen Biologie und Verhalten. Wir sind biopsychosoziale Systeme, in denen biologische, psychologische und soziokulturelle Faktoren interagieren und so das Verhalten beeinflussen.
  • Was sind Neurone und wie übermitteln sie Informationen?

    Lösung

    _Neurone_ sind die Grundbausteine des Nervensystems, das schnelle, elektrochemische Informationssystem unseres Körpers. Ein Neuron erhält Signale über seine verzweigten _Dendriten_; über die _Axone_ wiederum verschickt das Neuron Signale. Einige Axone sind von einer _Myelinschicht_ umschlossen, die eine schnellere Übertragung ermöglicht.

    Wenn die aufsummierten empfangenen Signale einen _Schwellenwert_ überschreiten, feuert das Neuron und übermittelt einen elektrischen Impuls (das _Aktionspotenzial_) entlang des Axons. Dies geschieht über einen erst chemischen, dann elektrischen Prozess. Die Reaktion des Neurons ist ein Alles-oder-nichts-Prozess.
  • Wie kommunizieren Nervenzellen miteinander?

    Lösung

    Wenn die Aktionspotenziale das Ende des Axons erreichen (die axonale Endigung), stimulieren sie die Ausschüttung von _Neurotransmittern_. Diese chemischen Botenstoffe übermitteln eine Botschaft vom präsynaptischen Neuron über eine _Synapse_ an die Rezeptoren eines postsynaptischen Neurons. Das präsynaptische Neuron absorbiert dann normalerweise bei einem Vorgang, der als _Wiederaufnahme_ bezeichnet wird, den Überschuss an Neurotransmittermolekülen im synaptischen Spalt. Das postsynaptische Neuron erzeugt, wenn die Signale von diesem Neuron und von anderen stark genug sind, sein eigenes Aktionspotenzial und gibt die Botschaft an andere Zellen weiter.
  • Wie beeinflussen Neurotransmitter das Verhalten und welche Auswirkungen haben Drogen und andere chemische Stoffe auf die neuronale Übertragung?

    Lösung

    Neurotransmitter bewegen sich auf festgelegten Bahnen im Gehirn und können bestimmte Verhaltensweisen und Emotionen beeinflussen. Acetylcholin hat einen Einfluss auf Muskelbewegungen, Lernen und Gedächtnis. _Endorphine_ sind natürliche Opiate, die in Reaktion auf Schmerz und körperliche Betätigung freigesetzt werden.

    Drogen und andere chemische Stoffe haben einen Einfluss auf die chemischen Vorgänge des Gehirns an Synapsen. _Agonisten_ wirken erregend, indem sie die Rolle von bestimmten Neurotransmittern nachahmen oder ihre Wiederaufnahme verhindern. _Antagonisten_ hemmen die Freisetzung eines bestimmten Neurotransmitters oder blockieren seine Auswirkungen.
  • Welche Funktionen haben die Hauptkomponenten des Nervensystems und wie heißen die drei Hauptgruppen von Neuronen?

    Lösung

    Das _Zentralnervensystem (ZNS)_, das aus dem Gehirn und dem Rückenmark besteht, ist der Entscheidungsträger des Nervensystems. Das _periphere Nervensystem (PNS)_, das das ZNS über _Nerven_ mit dem übrigen Körper verbindet, sammelt Informationen und übermittelt die Entscheidungen des ZNS an den Rest des Körpers. Die zwei Hauptkomponenten des PNS sind das _somatische Nervensystem_ (welches die willkürliche Kontrolle unserer Skelettmuskulatur ermöglicht) und das _autonome Nervensystem_ (welches unwillkürliche Muskeln und Drüsen über seine Komponenten, den _Sympathikus_ und den _Parasympathikus_, kontrolliert).

    Neurone gruppieren sich zusammen und bilden somit arbeitende Netzwerke. Es gibt drei Arten von Neuronen: 1. _Sensorische Neuronen_ übertragen die über die Sinnesrezeptoren eingehenden Informationen zum Gehirn und zum Rückenmark. 2. _Motoneuronen_ übertragen die Informationen vom Gehirn und vom Rückenmark an die Muskeln und Drüsen. 3. _Interneuronen_ kommunizieren innerhalb des Gehirns und des Rückenmarks sowie zwischen sensorischen und Motoneuronen. Zusätzlich unterstützen, ernähren und schützen _Gliazellen_ die Neuronen und spielen ebenso möglicherweise beim Lernen und Denken eine Rolle.
  • Wie übermittelt das endokrine System Informationen und welche Wechselwirkung besteht mit dem Nervensystem?

    Lösung

    Das _endokrine System_ besteht aus einer Gruppe von Drüsen, die _Hormone_ in die Blutbahn ausschütten. Dort wandern sie durch den Körper und beeinflussen andere Gewebe, einschließlich des Gehirns. Die Königsdrüse des endokrinen Systems ist die _Hypophyse_; sie beeinflusst die Ausschüttung von Hormonen in anderen Drüsen. Durch ein ausgeklügeltes Rückkopplungssystem beeinflusst der Hypothalamus im Gehirn die Hypophyse, die wiederum einen Einfluss auf andere Drüsen hat, die Hormone ausschütten, die wiederum das Gehirn beeinflussen.
  • Wie untersuchen Neurowissenschaftler die Verbindungen vom Gehirn zum Verhalten und zum Verstand bzw. Bewusstsein?

    Lösung

    Klinische Beobachtungen und _Läsionen_ offenbaren die generellen Effekte von Hirnschädigungen. Elektrische, chemische oder magnetische Stimulation können ebenso Aspekte der Informationsverarbeitung im Gehirn verdeutlichen. _MRT_-Scans zeigen die Anatomie, Aufnahmen vom _EEG_, _PET_ und _fMRT_ (funktionelle MRT) machen die Gehirnfunktionen deutlich.
  • Aus welchen Strukturen besteht der Hirnstamm und welche Funktionen haben Hirnstamm, Thalamus und Kleinhirn?

    Lösung

    Der _Hirnstamm_ ist der älteste Teil des Gehirns und für automatische Überlebensfunktionen zuständig. Er besteht aus der _Medulla_, die Herzschlag und Atmung steuert, der _Brücke_, die zur Koordinierung der Bewegungen beiträgt, sowie der _Formatio reticularis_, die die Erregung beeinflusst.

    Über dem Hirnstamm liegt der _Thalamus_, die sensorische Schaltstelle des Gehirns. Das _Kleinhirn_, hinten am Hirnstamm lokalisiert, koordiniert die Muskelbewegungen sowie das Gleichgewicht und trägt außerdem dazu bei, die sensorischen Informationen zu verarbeiten.
  • Was sind die Strukturen und Funktionen des limbischen Systems?

    Lösung

    Das _limbische System_ wird mit dem Gedächtnis, den Gefühlen und Trieben in Zusammenhang gebracht. Seine Nervenzentren beinhalten den _Hippocampus_, der bewusste Erinnerungen verarbeitet; die _Amygdala_, die an aggressiven oder ängstlichen Impulsen beteiligt ist, und den _Hypothalamus_, der verschiedene lebenserhaltende Funktionen des Körpers, das Belohnungs- und das Hormonsystem steuert. Die Hypophyse (die „Königsdrüse“) kontrolliert den Hypothalamus, indem sie ihn zur Ausschüttung von Hormonen stimuliert.
  • Was sind die Funktionen der verschiedenen Regionen des zerebralen Kortex?

    Lösung

    Der zerebrale Kortex hat zwei Hemisphären und jede Hemisphäre besteht aus vier Lappen: dem _Frontal-_, dem _Parietal-_, dem _Okzipital-_ und dem _Temporallappen_. Jeder Gehirnlappen erfüllt viele Funktionen und tritt mit anderen Arealen des Kortex in Interaktion.

    Der _motorische Kortex_ im hinteren Teil der Frontallappen steuert die willkürlichen Bewegungen. Der _sensorische Kortex_ im vorderen Teil der Parietallappen nimmt Berührungen und Bewegungen wahr und verarbeitet diese. In diesen Regionen belegen Körperteile, die besonders präzise gesteuert werden müssen (im motorischen Kortex), und jene, die besonders sensibel sind (im sensorischen Kortex), am meisten Raum.

    Den größten Bereich des Kortex – den größten Teil jedes Einzelnen der vier Hirnlappen – nehmen die nicht spezialisierten _Assoziationsfelder_ ein; sie führen die Informationen zusammen, die im Zusammenhang mit Lernen, Erinnern, Denken und anderen höheren Funktionen anfallen. Unsere mentalen Erfahrungen entstehen aus koordinierter Hirnaktivität.
  • In welchem Ausmaß kann sich ein geschädigtes Gehirn neu organisieren? Was ist Neurogenese?

    Lösung

    Wenn eine Gehirnhälfte früh im Leben eines Menschen Schaden nimmt, wird die andere Hälfte die meisten ihrer Funktionen mit übernehmen, indem sie Nervenbahnen reorganisiert oder neu bildet. Diese _Plastizität_ nimmt jedoch mit dem Alter ab. Das Gehirn repariert sich manchmal selbst, indem es neue Neuronen produziert, ein Prozess, der als _Neurogenese_ bekannt ist.
  • Wie trägt die Forschung zur Trennung der Hemisphären zu einem besseren Verständnis der Funktionen unserer rechten und linken Hirnhälfte bei?

    Lösung

    In der Forschung zum Thema _Split Brain_ (Experimente mit Patienten, deren _Corpus callosum_ durchtrennt wurde) zeigte sich, dass bei den meisten Menschen die linke Hemisphäre eher verbale Fähigkeiten hat, während die rechte bei der visuellen Wahrnehmung und dem Erkennen von Emotionen brilliert. Untersuchungen an Menschen mit intaktem Gehirn bestätigen, dass jede Gehirnhälfte einzigartig dazu beiträgt, dass das Gehirn in integrierter Weise seine Funktion erfüllen kann.
  • Wo lässt sich das Bewusstsein in der Geschichte der Psychologie verorten?

    Lösung

    Seit 1960 hat das _Bewusstsein_ (unser Bewusstsein von uns selbst und von unserer Umwelt) unter dem Einfluss der Neurowissenschaft und der kognitiven Psychologie seinen Platz als wichtiges Forschungsgebiet wieder eingenommen. Die Psychologie begann im 19. Jahrhundert als Wissenschaft vom Bewusstsein. Doch die Psychologen wandten sich von diesem Thema in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ab und beschäftigten sich stattdessen mit beobachtbarem Verhalten, weil sie das Bewusstsein für zu komplex hielten, um es wissenschaftlich zu untersuchen.
  • Was versteht man in der Kognitiven Neurowissenschaft unter Parallelverarbeitung?

    Lösung

    _Kognitive Neurowissenschaftler_ und andere Forscher, die die Mechanismen des Gehirns, die dem Bewusstsein und der Kognition zugrunde liegen, erforschen, entdeckten, dass unser Verstand Informationen auf zwei getrennten Bahnen verarbeitet. Eine Art der Verarbeitung verläuft vordergründig und bewusst, während die andere im Hintergrund und unbewusst abläuft. Diese _Parallelverarbeitung_ beeinflusst unsere Wahrnehmung, unser Gedächtnis, unsere Einstellungen und andere Kognitionen.
  • Wie viele Informationen können wir gleichzeitig bewusst beachten?

    Lösung

    _Selektiv_ beachten und verarbeiten wir nur einen sehr geringen Anteil der Informationen, die wir erhalten. Vieles wird von uns ausgeblendet und wir lenken den Fokus unserer Aufmerksamkeit häufig von einer Sache zur anderen. Wenn wir uns intensiv auf eine Aufgabe konzentrieren, zeigen wir oft _Unaufmerksamkeitsblindheit_ gegenüber anderen Ereignissen und Veränderungen um uns herum.
  • Wie beeinflussen unsere biologischen Rhythmen unser alltägliches Leben?

    Lösung

    Unsere Körper haben eine innere biologische Uhr, die in etwa dem 24-Stunden-Rhythmus von Tag und Nacht angepasst ist. Diese zirkadiane Rhythmik zeigt sich im täglichen Verlauf unserer Körpertemperatur, unserer Wachzustände, unseres Schlafs und unseres Aufwachens. Das Alter und Erfahrungen können diese Verläufe verändern und somit unsere biologische Uhr umstellen.
  • Wie sieht der biologische Rhythmus unserer Schlaf- und Traumstadien aus?

    Lösung

    Der Zyklus der vier unterschiedlichen _Schlafstadien_, die wir durchlaufen, beträgt jeweils etwa 90 Minuten. Wenn wir die _Alphawellen_ des entspannten Wachzustands hinter uns gelassen haben, steigen wir ins NREM-1 des Schlafs hinab; dies geht oft mit der Empfindung einher, zu fallen oder zu schweben. Darauf folgt das 2. Schlafstadium (NREM-2; das Stadium, in dem wir die meiste Zeit verbringen) mit seinen charakteristischen Schlafspindeln, das ca. 20 Minuten dauert. Danach kommt NREM-3, welches ca. 30 Minuten dauert, mit hohen, langsamen _Deltawellen_.

    Etwa 1 Stunde, nachdem wir eingeschlafen sind, beginnen wir mit mehreren Phasen von _REM-Schlaf_ (von „_rapid eye movements_“, schnellen Augenbewegungen), in dem die meisten Träume auftreten (auch als paradoxer Schlaf bezeichnet). In diesem Stadium sind wir innerlich erregt, aber äußerlich wie gelähmt. Während des Schlafs in einer normalen Nacht werden die Zeiten für das NREM-3-Stadium immer kürzer und der REM-Schlaf sowie das NREM2-Stadium werden länger.
  • Wie wirken sich Biologie und Umfeld auf unsere Schlafmuster aus?

    Lösung

    Biologie – unser zirkadianer Rhythmus sowie unser Alter und unsere körpereigene Melaninproduktion (beeinflusst vom Nucleus suprachiasmaticus des Gehirns) - interagiert mit kulturellen Erwartungen und den individuellen Verhaltensweisen, um somit unseren Schlaf- und Wachrhythmus zu bestimmen.
  • Welche Funktionen hat der Schlaf?

    Lösung

    Schlaf könnte bei der Evolution des Menschen eine Schutzfunktion gehabt haben, indem er die Menschen zu Zeiten, in denen potenzielle Gefahren lauerten, in Sicherheit hielt. Schlaf hilft außerdem dabei, geschädigte Neuronen wiederherzustellen und zu reparieren. REM und NREM-2 Schlaf unterstützen die Bildung von neuronalen Verbindungen, die andauernde Erinnerungen schaffen. Schlaf wirkt sich zudem fördernd auf kreatives Lösen von Problemen am nächsten Tag aus und schließlich fördert kurzwelliger Schlaf das Muskelwachstum, da währenddessen die Hypophyse ein menschliches Wachstumshormon freisetzt.
  • Welche Auswirkungen hat Schlafmangel und was sind die wesentlichen Schlafstörungen?

    Lösung

    Schlafentzug verursacht Müdigkeit und Reizbarkeit, er beeinträchtigt die Konzentration, die Produktivität und das Festigen von Erinnerungen. Schlafmangel kann außerdem zu Depressionen, Fettleibigkeit, Gelenkschmerzen, einer schwächeren Immunabwehr und einer schlechteren Leistungsfähigkeit (mit größerer Anfälligkeit für Unfälle) führen.

    Zu den Schlafstörungen zählen die _Insomnie_ (wiederholtes nächtliches Aufwachen), _Narkolepsie_ (plötzliche, unkontrollierbare Müdigkeit oder sogar das unmittelbare Abgleiten in REM-Schlaf ), das _Schlafapnoesyndrom_ (Aussetzen der Atmung während des Schlafs; mit Fettleibigkeit assoziiert, vor allem bei Männern), _Pavor nocturnus_ (starke Erregung und das Gefühl, erschrocken zu sein; NREM-3-Störung, vor allem bei Kindern), Schlafwandeln (NREM-3-Störung, ebenso am meisten bei Kindern vorkommend) und Sprechen im Schlaf.
  • Wovon träumen wir?

    Lösung

    Wir _träumen_ in der Regel von Alltagserfahrungen und gewöhnlichen Erlebnissen; meistens gehören eine Art Angst oder Missgeschick dazu. Weniger als 10% der Träume (bei Frauen noch weniger als bei Männern) haben irgendeine Art von sexuellem Inhalt. Die meisten Träume treten während des REM-Schlafs auf; Träume, zu denen es außerhalb des REM-Schlafs kommt, enthalten gewöhnlich verschwommene, flüchtige Bilder.
  • Was sind die Aufgaben von Träumen?

    Lösung

    Es gibt 5 Haupttheorien zu der Funktion von Träumen.

    (1) Freuds Wunscherfüllung: Träume stellen ein psychisches „Sicherheitsventil“ dar, weil ihr _manifester Inhalt_ (die Handlung der Geschichte) eine zensierte Version des verborgenen _latenten Inhalts_ darstellt (eine verborgene Bedeutung zur Befriedigung unserer unbewussten Wünsche). (2) Der Ansatz der Informationsverarbeitung: Träume tragen dazu bei, dass wir uns Klarheit über die Erlebnisse des Tages verschaffen und sie im Gedächtnis abspeichern. (3) Physiologische Theorien: Die durch REM hervorgerufene Stimulierung des Gehirns ist hilfreich dabei, Nervenbahnen im Gehirn zu entwickeln und zu bewahren. (4) Die Aktivierungs-Synthese-Erklärung: Das Gehirn setzt aus zufälliger Nervenaktivität eine Geschichte zusammen. (5) Der Ansatz zu Hirnreifung und kognitiver Entwicklung: Vorstellung, dass Träume Ausdruck des Entwicklungsniveaus des Träumers sind.

    Trotz aller Differenzen stimmen die meisten Schlaftheoretiker darin überein, dass der REM-Schlaf und die dazugehörigen Träume eine wichtige Funktion haben – eine Hypothese, die durch das Phänomen des _REM-Rebounds_ gestützt wird, der bei Menschen und anderen Spezies auf einen REM-Schlafentzug folgt.
  • Was ist Hypnose, und welchen Einfluss hat ein Hypnotiseur auf eine hypnotisierte Person?

    Lösung

    _Hypnose_ ist eine soziale Interaktion, in der die eine Person einer anderen suggeriert, dass bestimmte Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken oder Verhaltensweisen spontan auftreten werden. Die Hypnose verbessert den Abruf vergessener Ereignisse nicht und kann sogar falsche Erinnerungen auslösen. Sie kann Personen nicht dazu zwingen, Handlungen gegen ihren Willen auszuführen, obgleich hypnotisierte Menschen vielleicht, wie nicht hypnotisierte Menschen, unwahrscheinliche Handlungen ausführen werden. _Posthypnotische Suggestionen_ waren hilfreich, wenn sich Menschen ihre eigenen Heilkräfte nutzbar machten, aber bei der Behandlung von Suchtkrankheiten waren sie nicht sehr wirksam. Die Hypnose kann dazu beitragen, Schmerzen zu verringern.
  • Ist Hypnose eine Erweiterung des normalen Bewusstseins oder ein veränderter Zustand?

    Lösung

    Viele Psychologen nehmen an, dass Hypnose eine Form von normalem sozialem Einfluss ist und dass hypnotisierte Personen in der Rolle des „guten Versuchsteilnehmers“ handeln, indem sie den Anweisungen einer autoritativen Person folgen. Andere Psychologen sehen Hypnose als eine _Dissoziation_ – eine Spaltung zwischen normalen Empfindungen und vollständiger Bewusstheit. Selektive Aufmerksamkeit könnte ebenso dazu beitragen, indem sie verhindert, dass die Aufmerksamkeit auf bestimmte Reize gelenkt wird.
  • Was bedeuten Toleranz, Abhängigkeit und Sucht, und welches sind verbreitete falsche Vorstellungen von Sucht?

    Lösung

    _Psychoaktive Substanzen_ verändern Wahrnehmungen und Stimmungen. Der fortgesetzte Konsum dieser Substanzen führt zur Toleranz (die Wirkung der Droge nimmt mit regelmäßiger Nutzung derselben Dosis ab; man braucht eine größere Dosis, um denselben Effekt zu erreichen) und kann zu _physischer_ oder _psychischer Abhängigkeit_ führen.

    _Sucht_ ist das zwanghafte Verlangen nach Drogen und ihrem Konsum. Drei verbreitete Fehlauffassungen von Sucht besagen, dass Drogenkonsum schnell zu immer härteren Drogen führt und ausartet, immer eine Therapie erforderlich ist, um eine Sucht zu überwinden und dass der Begriff der Sucht sinnvoll über die Abhängigkeit von einer chemischen Substanz hinaus auf eine breite Vielfalt anderer Verhaltensweisen ausgeweitet werden kann.
  • Was sind dämpfende Substanzen und welche Auswirkungen haben sie?

    Lösung

    _Dämpfende Substanzen_ wie etwa Alkohol, _Barbiturate_ und _Opiate_ verringern die neuronale Aktivität und verlangsamen die Körperfunktionen. Alkohol enthemmt. Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir aufgrund von Impulsen handeln – egal ob sie schädlich oder hilfreich sind. Er beeinträchtigt des Weiteren die Urteilsfähigkeit, wirkt sich störend auf Gedächtnisprozesse aus, indem er den REM-Schlaf unterdrückt, verringert das Selbstbewusstsein und die Selbstkontrolle. Die Erwartungen des Konsumenten bezüglich der Wirkung beeinträchtigen den Einfluss von Alkohol auf das Verhalten erheblich.
  • Was sind Stimulanzien und welche Auswirkungen haben sie?

    Lösung

    _Stimulanzien_ – Koffein, _Nikotin_, _Amphetamine_, _Metamphetamine_, Kokain und _Ecstasy_ – regen die neuronale Aktivität an, beschleunigen die Körperfunktionen, erzeugen Energie und Stimmungsschwankungen. Alle haben ein hohes Suchtpotenzial. Die Effekte von Nikotin machen es schwer, die Gewohnheit des Rauchens aufzugeben, dennoch nahm die Prozentzahl der Amerikaner, die rauchen, dramatisch ab. Kokain verschafft Konsumenten ein schnelles Hochgefühl, das innerhalb von einer Stunde von einem Absturz gefolgt wird. Seine Risiken beinhalten einen Herz-Kreislauf-Kollaps und Misstrauen. Der fortgesetzte Konsum von Metamphetaminen kann die Dopaminproduktion verringern. Ecstasy (MDMA) ist eine Kombination aus einem Stimulans und einem leichten Halluzinogen, das ein euphorisches Hoch und Gefühle der Intimität hervorruft. Der wiederholte Konsum kann zur Schwächung des Immunsystems führen, dauerhaft die Stimmung durcheinander bringen und das Gedächtnis schädigen, sowie zusammen mit körperlicher Aktivität zu einer Dehydrierung und zu einer potenziell tödlichen Überhitzung führen.
  • Was sind Halluzinogene und welche Auswirkungen haben sie?

    Lösung

    _Halluzinogene_ wie _LSD_ und Marihuana verzerren die Wahrnehmung und rufen _Halluzinationen_ – sensorische Bilder ohne sensorischen Input – hervor. Die Stimmung und die Erwartungen des Konsumenten beeinflussen die Wirkungen von LSD; häufig stellen sich Halluzinationen und Emotionen ein, die von Euphorie bis Panik reichen. Der wichtigste Bestandteil von Marihuana, das _THC_, löst eine Vielfalt von Gefühlen aus; dazu gehören Enthemmung, euphorisches Hoch, Entspannungsgefühle, Linderung von Schmerzen sowie eine starke Sensibilität für Stimuli. Es kann aber auch Gefühle von Angst oder Depression intensiver werden lassen, die motorische Koordination und die Reaktionszeit beeinträchtigen, die Gedächtnisbildung unterbrechen und – wegen des inhalierten Rauchs – das Lungengewebe schädigen.
  • Warum werden manche Menschen zu regelmäßigen Konsumenten von bewusstseinsverändernden Drogen?

    Lösung

    Manche Menschen scheinen biologisch vulnerabler, d. h. anfälliger, für bestimmte Drogen zu sein, wie z. B. Alkohol. Das Zusammentreffen psychischer Faktoren (wie Stress, Depression, Hilflosigkeit) und sozialer Faktoren (wie Gruppendruck) verführt viele Menschen dazu, mit Drogen zu experimentieren und manchmal abhängig zu werden. Kulturelle und ethnische Gruppen weisen in Bezug auf den Drogenkonsum unterschiedliche Häufigkeiten auf. Jeder dieser Einflüsse – ob biologisch, psychologisch oder soziokulturell – schafft Möglichkeiten für die Drogenprävention und für Behandlungsprogramme.
  • Was sind Gene und wie erklären Verhaltensgenetiker unsere individuellen Unterschiede?

    Lösung

    _Gene_ sind die biochemische Einheiten der Vererbung, aus welchen die _Chromosomen_ bestehen, die fadenähnlichen Spiralen der _DNA_. Wenn die Gene „eingeschaltet“ sind (exprimiert), liefern sie den Code, um die Proteine, die die Bausteine des Körpers bilden, zu erstellen. Die meisten menschlichen Persönlichkeitseigenschaften werden durch viele Gene, die zusammenwirken, beeinflusst.

    _Verhaltensgenetiker_ versuchen, die genetischen und die _Umwelt_einflüsse auf unsere Persönlichkeitseigenschaften zu bestimmen. Dies geschieht teilweise mithilfe von Untersuchungen mit _eineiigen_ (monozygotischen) _Zwillingen_, _zweieiigen_ (dizygotischen) _Zwillingen_ und _Adoptivfamilien_. Geteilte Familienumwelten haben einen kleinen Effekt auf die Persönlichkeit, und die Stabilität des _Temperaments_ lässt auf eine genetische Prädisposition schließen.
  • Was sind die potenziellen Möglichkeiten der molekulargenetischen Forschung?

    Lösung

    _Molekulargenetiker_ untersuchen die molekulare Struktur und Funktion der Gene, einschließlich derjenigen, die das Verhalten beeinflussen. Psychologen und Molekulargenetiker arbeiten zusammen, um spezifische Gene – oder, häufiger, Gruppen von Genen – zu identifizieren, die einen Menschen der Gefahr von Krankheiten aussetzen.
  • Was ist Erblichkeit und in welchem Zusammenhang steht sie zu Individuen und Gruppen?

    Lösung

    _Erblichkeit_ beschreibt das Ausmaß, in welchem Unterschiede der Mitglieder innerhalb einer Gruppe auf Gene zurückgeführt werden können. Vererbbare Unterschiede zwischen Individuen (bei Eigenschaften wie z. B. Körpergröße oder Intelligenz) müssen keine vererbbaren Gruppenunterschiede mit sich bringen. Gene erklären meistens, weshalb gewisse Leute größer sind als andere, aber nicht weshalb die Menschen heute allgemein größer sind, als sie es vor einem Jahrhundert waren.
  • Wie arbeiten Anlage und Umwelt zusammen?

    Lösung

    Unsere genetischen Prädispositionen und die uns umgebenden Umwelten _interagieren_. Umwelten können Genaktivität auslösen und genetisch beeinflusste Persönlichkeitseigenschaften können bei anderen Menschen Reaktionen auslösen. Das Gebiet der _Epigenetik_ untersucht die Einflüsse auf die Genexpression, die ohne Veränderungen in der DNA auftreten.
  • Wie erklären Evolutionspsychologen mithilfe der Prinzipien der natürlichen Selektion Verhaltenstendenzen?

    Lösung

    _Evolutionspsychologen_ versuchen zu verstehen, wie unsere Persönlichkeitseigenschaften und unsere Verhaltenstendenzen durch _natürliche Selektion_ geformt werden, indem genetische Variationen, die die Wahrscheinlichkeit für Nachwuchs und Überleben erhöhen, am ehesten an zukünftige Generationen weitergegeben werden. Einige Variationen gehen auf _Mutationen_ (Zufallsfehler in der Genkopie) zurück, andere auf neue Genkombinationen bei der Empfängnis. Die Menschen teilen ein genetisches Vermächtnis und sind dazu prädisponiert, Verhaltensweisen zu zeigen, die unseren Vorfahren das Überleben und Fortpflanzen gesichert haben. Charles Darwins Evolutionstheorie ist ein organisierendes Prinzip der Biologie. Er sah die heutige Anwendung der evolutionstheoretischen Prinzipien in der Psychologie voraus.
  • Wie könnte ein Evolutionspsychologe Geschlechtsunterschiede in der Sexualität und in den Vorlieben bei der Partnerwahl erklären?

    Lösung

    Bei Männern steht beim Sex die sexuelle Entspannung im Vordergrund, während Frauen beim Sex eher Beziehungsaspekte wichtig finden. Nach Ansicht der Evolutionspsychologen haben Männer, wenn sie sich zu mehreren gesunden Frauen hingezogen fühlen, eine höhere Wahrscheinlichkeit, ihre Gene weiterzugeben. Weil Frauen Kinder austragen und stillen, erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit für ihr eigenes Überleben und das Überleben ihrer Kinder, indem sie Partner suchen, die Potenzial für eine langfristige Investition in den gemeinsamen Nachwuchs aufweisen.
  • Welches sind die Hauptkritikpunkte an evolutionspsychologischen Erklärungen menschlicher Verhaltensweisen und wie antworten Evolutionspsychologen darauf?

    Lösung

    Kritiker argumentieren, dass Evolutionspsychologen (1) bei einem Effekt starten und im Nachhinein auf eine Erklärung schließen, (2) die sozialen und kulturellen Einflüsse nicht anerkennen, und (3) Menschen ihrer Verantwortung für ihr sexuelles Verhalten entheben. Evolutionspsychologen antworten, dass das Wissen über unsere Prädispositionen uns helfen kann, sie zu bezwingen. Außerdem erwähnen sie den Wert von überprüfbaren Vorhersagen, die auf evolutionstheoretischen Prinzipien basieren, sowie die Kohärenz und die Erklärungskraft dieser Prinzipien.
  • Wie können frühe Erfahrungen das Gehirn verändern?

    Lösung

    Während sich das Gehirn eines Kindes entwickelt, vervielfachen sich die Nervenverbindungen und werden komplexer. Erfahrungen lösen dann einen Selektionsprozess („pruning process“) aus, wodurch ungebrauchte Verbindungen schwächer und häufig gebrauchte Verbindungen gestärkt werden. Die frühe Kindheit ist eine wichtige Zeit, um das Gehirn zu formen, aber im Laufe unseres ganzen Lebens verändert sich unser Gehirn als Reaktion auf unser Lernen.
  • Inwiefern formen Eltern und Gleichaltrige die Entwicklung eines Kinds?

    Lösung

    Eltern beeinflussen ihre Kinder in Bereichen wie den Manieren und den politischen und religiösen Vorstellungen, aber nicht in anderen Bereichen wie der Persönlichkeit. Wenn Kinder versuchen, sich ihren Gleichaltrigen anzupassen, neigen sie dazu, deren Kultur anzunehmen – die Kleidungsstile, den Akzent, den Slang, die Einstellungen. Durch die Wahl der Wohngegend und der Schule ihrer Kinder können Eltern einen gewissen Einfluss auf die Peergroup-Kultur ausüben.
  • Wie beeinflussen kulturelle Normen unser Verhalten?

    Lösung

    Eine _Kultur_ ist eine Reihe von Verhaltensweisen, Vorstellungen, Einstellungen, Werte und Traditionen, die von einer Gruppe geteilt und von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Kulturelle _Normen_ sind allgemeine Regeln, die die Mitglieder einer Kultur über akzeptiertes und erwartetes Verhalten informieren. Kulturen unterscheiden sich nach Zeit und Ort.
  • Wie beeinflussen individualistische und kollektivistische Kulturen die Menschen?

    Lösung

    Innerhalb jeder Kultur variiert der Grad an Individualismus oder Kollektivismus von Person zu Person. Kulturen, die wie diejenigen in Nordamerika und Westeuropa auf selbstbewusstem _Individualismus_ basieren, tendieren dazu, persönliche Unabhängigkeit und individuelle Leistung zu schätzen. Die Identität definiert sich über die Selbstsicherheit, persönliche Ziele und Merkmale und persönliche Rechte und Freiheiten. Kulturen, die auf sozial eingebundenem _Kollektivismus_ basieren, wie diejenigen in vielen Teilen Asiens und Afrikas, schätzen gegenseitige Abhängigkeiten, Tradition und Harmonie, und die Identität definiert sich über Gruppenziele, Bindungen und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.
  • Welche biologischen und psychologischen Ähnlichkeiten sowie Unterschiede gibt es zwischen Männern und Frauen?

    Lösung

    _Geschlecht_ („sex“ bzw. „gender“) bezieht sich auf die biologisch („sex“) oder sozial („gender“) beeinflussten Charakteristika, die Menschen als männlich oder weiblich definieren. Dank unseres ähnlichen genetischen Aufbaus sind wir uns weitaus ähnlicher als unterschiedlich – wir sehen, hören und lernen auf ähnliche Weise. Männer und Frauen unterscheiden sich jedoch im Körperfettanteil, in der Muskelmasse, in der Größe, im Alter, in welchem die Pubertät beginnt, und in der Lebenserwartung, ebenso in der Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten, in der _Aggressivität_, in der sozialen Macht und in der sozialen Einbindung.
  • Wie wird das biologische Geschlecht festgelegt und welche Rolle spielen die Sexualhormone bei der Entwicklung des sozialen Geschlechts?

    Lösung

    Das biologische Geschlecht wird durch den Beitrag des Vaters zum 23. Chromosomenpaar bestimmt. Die Mutter steuert immer ein _X-Chromosom_ bei. Der Vater kann auch ein X-Chromosom beisteuern, wodurch ein Mädchen entsteht, oder ein _Y-Chromosom_, was zur Entwicklung eines Jungen führt, indem eine zusätzliche Freisetzung von _Testosteron_ und die Entwicklung männlicher Sexualorgane ausgelöst wird. Geschlechtsbezogene Gene und Physiologie beeinflussen kognitive und Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen.
  • Wie beeinflussen Geschlechtsrollen und Geschlechtstypisierung die Entwicklung des sozialen Geschlechts?

    Lösung

    _Geschlechtsrollen_, die Verhaltensweisen, die eine Kultur von ihren Frauen und Männern erwartet, unterscheiden sich nach Ort und Zeit. In der _Theorie des sozialen Lernens_ wird angenommen, dass wir _Geschlechtsidentität_ – das Gefühl, Mann oder Frau zu sein – lernen, wie wir andere Dinge lernen: Durch Belohnung, Bestrafung und Beobachtung. Kritiker argumentieren, dass Kognition ebenfalls eine Rolle spielt, denn Eltern als Rollenmodelle und ihre Belohnungen sind nicht ausreichend, um _Geschlechtstypisierung_ zu erklären. Bei _transidentischer Persönlichkeit_ unterscheidet sich die Geschlechtsidentität oder die äußere Erscheinung des Geschlechts vom Geburtsgeschlecht.
  • Was beinhaltet der biopsychosoziale Ansatz der Entwicklung?

    Lösung

    Individuelle Entwicklung resultiert aus der Interaktion von biologischen, psychologischen und soziokulturellen Einflüssen. Biologische Einflüsse beinhalten unser geteiltes menschliches Genom, individuelle Unterschiede, die pränatale Umwelt und geschlechtsbezogene Gene, Hormone und Physiologie. Psychologische Einflüsse umfassen Anlage-Umwelt-Interaktionen, den Effekt von frühen Erfahrungen auf neuronale Netzwerke, Reaktionen, die durch unsere eigenen Eigenschaften hervorgerufen werden, wie das soziale Geschlecht und das Temperament, und persönliche Überzeugungen, Gefühle und Erwartungen. Soziokulturelle Einflüsse beinhalten Einflüsse von Eltern und Gleichaltrigen, kulturelle Traditionen und Werte sowie kulturelle Geschlechternormen.
  • Mit welchen drei Fragestellungen befassen sich Entwicklungspsychologen?

    Lösung

    In der Entwicklungspsychologie werden körperliche, geistige und soziale Veränderungen über die Lebensspanne hinweg untersucht. Die drei Hauptforschungsfragen betreffen den relativen Einfluss der Anlagen und der Umwelt (die Interaktion zwischen unserem genetischen Erbe und unseren Erfahrungen), ob Entwicklung ein kontinuierlicher Prozess ist oder aus einer Reihe voneinander unterschiedener Stufen besteht, ob die Persönlichkeit stabil ist oder ob sie sich verändert, wenn wir älter werden.
  • Wie verläuft die pränatale Entwicklung und wie wirken Teratogene auf diese Entwicklung?

    Lösung

    Der Lebenszyklus beginnt mit der Empfängnis, wenn sich eine Samenzelle und eine Eizelle zu einer Zygote vereinen. Die innere Zellmasse der Zygote wird zum Embryo und während der folgenden 6 Wochen bilden sich langsam die körperlichen Organe heraus und übernehmen ihre Funktionen. Im Alter von 9 Wochen zeigt der Fötus bereits deutlich menschliche Züge.

    Teratogene sind potenziell schädliche Wirkstoffe, die die Plazentaschranke passieren und dem sich entwickelnden Embryo oder Fötus schaden können. Dies ist etwa beim _fötalen Alkoholsyndrom_ (FAS) der Fall.
  • Über welche Fähigkeiten verfügen Neugeborene und wie untersuchen Forscher die mentalen Fähigkeiten von Säuglingen?

    Lösung

    Neugeborene kommen mit sensorischen Fertigkeiten und einer Anzahl automatischer Reaktionen (Reflexen) auf die Welt, die zum Überleben beitragen und soziale Interaktionen mit Erwachsenen erleichtern. Beispielsweise können sie sehr schnell lernen, den Geruch und die Stimme ihrer Mutter zu erkennen. Um die Fähigkeiten Neugeborener zu untersuchen, nutzen Wissenschaftler Techniken, die auf Habituation testen, etwa Prozeduren, mit denen eine Präferenz für neuartige Reize nachgewiesen werden kann.
  • Wie entwickeln sich unser Gehirn und unsere motorischen Fähigkeiten im Kleinkind- und Kindesalter?

    Lösung

    Die Nervenzellen des Gehirns werden durch Vererbung und Erfahrung geformt. Die Verbindungen zwischen einzelnen Zellen nehmen nach der Geburt rapide zu. Dieser Prozess setzt sich bis in die Pubertät fort, wenn ungenutzte Verbindungen aufgegeben werden und absterben. Komplexe motorische Fähigkeiten, wie Sitzen, Stehen und Laufen, entwickeln sich in einer festen Abfolge, obwohl die genauen Zeitpunkte, zu denen die einzelnen Abschnitte innerhalb dieser Abfolge erreicht werden, von individueller Reifung und kulturellen Erfahrungen abhängen. Wir haben keine bewussten Erinnerungen an Dinge, die sich ereignen, bevor wir 3½ Jahre alt sind, was teilweise darauf zurückzuführen ist, dass zentrale Hirnareale zu dieser Zeit noch nicht ausgereift sind.
  • Wie entwickelt sich der kindliche Verstand aus der Sicht von Piaget, Vygotsky und heutiger Wissenschaftler?

    Lösung

    In seiner Theorie der kognitiven Entwicklung formulierte Jean Piaget die Annahme, dass Kinder ihr Weltwissen durch die Prozesse der _Assimilation_ und _Akkomodation_ aktiv konstruieren und anpassen. Dadurch bilden sie Schemata, die ihnen dabei helfen, ihre Erfahrungen zu organisieren. Ausgehend vom _sensumotorischen Stadium_ der ersten beiden Lebensjahre, in dem Säuglinge Objektpermanenz entwickeln, wird das kindliche Denken zunehmend komplexer. Im _präoperatorischen Stadium_ (etwa von 2 bis 6 oder 7 Jahren) entwickeln Kinder eine _Theory of Mind_, jedoch ist ihr Denken noch egozentrisch und sie sind nicht in der Lage, einfache logische Operationen durchzuführen. Mit etwa 7 Jahren treten sie in das _konkret-operatorische Stadium_ ein und sind in der Lage, das Prinzip der Mengenerhaltung zu verstehen. Mit 12 Jahren beginnt schließlich das _formal-operatorische Stadium_, in dem Kinder systematische Denkprozesse durchführen können.

    Generell unterstützen Forschungsergebnisse die von Piaget vorgeschlagene Abfolge von Entwicklungsstufen. Allerdings zeigt sich auch, dass die Fähigkeiten gerade jüngerer Kinder viel größer und die Entwicklung insgesamt viel kontinuierlicher verläuft, als Piaget annahm.

    Lev Vygotskys Arbeit zur kindlichen Entwicklung befasste sich vorrangig mit der Frage, wie sich das kindliche Denken über die Interaktion mit seiner sozialen Umwelt entwickelt. Seiner Ansicht nach stellen Eltern und Erziehende vorläufige Entwicklungsgerüste bereit, mit deren Hilfe Kinder zu höheren Stufen des Lernens voranschreiten können.
  • Wie entsteht die Eltern-Kind-Bindung?

    Lösung

    Mit etwa 8 Monaten, also kurz nachdem Kinder Objektpermanenz erlangt haben, _fremdeln_ Säuglinge, die von ihren primären Bezugspersonen getrennt werden. Säuglinge entwickeln eine _Bindung_ zu ihren Eltern nicht allein deswegen, weil sie biologische Bedürfnisse stillen, sondern vor allem, weil sie tröstlich und vertraut sind und auf das Kind eingehen. Der Bindungsprozess gestaltet sich bei Enten und anderen Tieren sehr viel rigider, indem eine _Prägung_ innerhalb einer _kritischen Phase_ stattfindet.
  • Wie haben Forscher Unterschiede in der Bindung untersucht und zu welchen Erkenntnissen kamen sie dadurch?

    Lösung

    Im Versuchsaufbau der „fremden Situation“, mit deren Hilfe Bindung erforscht werden soll, zeigt sich, dass einige Säuglinge sicher gebunden sind, während die Bindung bei anderen unsicher ist. Die unterschiedlichen Bindungsstile sind sowohl Ergebnis individueller Temperamentsunterschiede als auch der Zuwendung, die Eltern und andere Bezugspersonen zeigen. Die Beziehungen zwischen Erwachsenen sind gewöhnlich Ausdruck des sicheren oder unsicheren Bindungsstils in der frühen Kindheit; dies stützt Erik Eriksons Vorstellung, dass das _Urvertrauen_ durch unsere Erfahrungen mit einfühlsamen Betreuungspersonen gebildet wird.
  • Inwiefern beeinflusst es das kindliche Bindungsverhalten, wenn Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden oder ihre Familien auseinanderbrechen?

    Lösung

    Kinder sind sehr widerstandsfähig. Diejenigen Kinder jedoch, die wiederholt an unterschiedliche Stellen gegeben, von ihren Eltern schwer vernachlässigt oder auf andere Weise davon abgehalten werden, bis zum Alter von 2 Jahren Bindungen aufzubauen, können einem Risiko für Bindungsprobleme ausgesetzt sein.
  • Wie wirkt Tagesbetreuung auf Kinder?

    Lösung

    Eine qualitativ hochwertige Tagesbetreuung, die sich dadurch auszeichnet, dass einfühlsame Erwachsene in einem sicheren und stimulierenden Umfeld auf Kinder eingehen, scheint keine negativen Folgen für die Denk- und Sprachentwicklung bei Kindern zu haben. Einige Studien haben Zusammenhänge zwischen ausgedehnter Aufenthaltszeit in Tagesbetreuung und erhöhter Aggressivität sowie Trotzverhalten aufgezeigt. Hierbei gilt allerdings, dass andere Faktoren, wie etwa das kindliche Temperament, die Einfühlsamkeit der Eltern, das kulturelle Umfeld sowie der ökonomische Status und das Bildungsniveau in der Familie, ebenfalls bedeutsam sind.
  • Wie entwickelt sich das kindliche Selbstkonzept?

    Lösung

    Das Selbstkonzept, ein Sinn für die eigene Identität und den eigenen Wert, entwickelt sich allmählich. Mit 15 bis 18 Monaten erkennen sich Kinder selbst im Spiegel. Ab dem Schulalter können sie viele ihrer eigenen Merkmale beschreiben, und ab dem Alter von 8 bis 10 Jahren ist das Selbstbild stabil.
  • Welche drei Erziehungsstile werden unterschieden und wie hängen Persönlichkeitseigenschaften von Kindern mit ihnen zusammen?

    Lösung

    Die unterschiedlichen Erziehungsstile – autoritär, permissiv und autoritativ – spiegeln unterschiedlich starke Kontrollausübung durch die Eltern wider. Kinder mit autoritativen Eltern zeichnen sich oft durch ein hohes Selbstwertgefühl aus, sind unabhängig und sozial kompetent. Was dabei allerdings Ursache und was Wirkung ist, ist nicht vollkommen klar.
  • Wie wird Adoleszenz definiert und durch welche physischen Veränderungen zeichnet sich dieser Lebensabschnitt aus?

    Lösung

    Die _Adoleszenz_ ist die Übergangsperiode zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Sie beginnt mit der _Pubertät_ und endet mit dem Erreichen der Selbstständigkeit. Während der Pubertät entwickeln sich die _primären_ und die _sekundären Geschlechtsmerkmale_ erheblich. Jungen scheinen von einer „frühen“ Reifung zu profitieren, Mädchen hingehen von einer „späten“ Reifung. Die Reifung des Frontallappens im Gehirn und die Myelinisierung von Nervenbahnen nehmen während der Adoleszenz bis in die frühen Zwanziger zu, was zu einer Verbesserung von Urteilsvermögen, Impulskontrolle und langfristigem Planen führt.
  • Wie haben Piaget, Kohlberg und spätere Wissenschaftler die kognitive und moralische Entwicklung im Jugendalter beschrieben?

    Lösung

    Nach Piagets Auffassung kommt in moralischen Urteilen das sich bei einem Kind entwickelnde Schlussfolgerungsvermögen zum Ausdruck. Lawrence Kohlberg schlug drei Stufen des moralischen Denkens vor: von einer präkonventionellen Moral, die am Eigeninteresse orientiert ist, über eine konventionelle Moral, die eine gesetzestreue Moral ist, hin zu einer postkonventionellen Moral (nicht jeder erreicht diese letzte Stufe), die selbst definiert, was ethisch, richtig und fair ist. Andere Forscher glauben, dass Moralität sowohl in moralischem Empfinden als auch in moralischem Handeln und Denken begründet ist. Einige Kritiker vertreten die Ansicht, dass Kohlbergs postkonventionelle Stufe Moralität aus der Sicht individualistisch denkender Männer der Mittelschicht beschreibt.
  • Welche sind die sozialen Aufgaben und Herausforderungen des Jugendalters?

    Lösung

    Erikson formulierte die Theorie, dass jeder Lebensabschnitt seine eigene psychosoziale Aufgabe habe. Demnach sei die Hauptaufgabe der Adoleszenz die Festigung des Selbst, also die Formung einer eigenen _Identität_. Oft bedeutet das, dass Jugendliche verschiedene Rollen „ausprobieren“. Die _soziale Identität_ ist derjenige Teil des Selbstkonzepts, der durch die Gruppenzugehörigkeiten einer Person bestimmt wird.
  • Wie werden Jugendliche von ihren Eltern und Gleichaltrigen beeinflusst?

    Lösung

    Während der Adoleszenz nimmt der Einfluss der Eltern ab, wohingegen der Einfluss Gleichaltriger stetig zunimmt. Jugendliche kleiden sich, handeln und kommunizieren wie ihre Altersgenossen. Die Eltern haben weiterhin einen Einfluss auf Teenager in Bereichen wie Religiosität sowie Auswahl der Universität und Berufswahl.
  • Was bedeutet der Übergang ins Erwachsenenalter?

    Lösung

    Der Übergang zwischen Adoleszenz und Erwachsenenalter dauert heute länger. Der Übergang ins Erwachsenenalter ist die Zeitspanne zwischen 18 Jahren und Mitte 20, in der viele junge Leute noch keine vollständige Unabhängigkeit erreicht haben. Kritiker verweisen jedoch darauf, dass dieses Stadium vor allem in modernen westlichen Kulturen aufzufinden ist.
  • Wie verändern wir uns im mittleren und hohen Erwachsenenalter körperlich?

    Lösung

    Muskelkraft, Reaktionszeit, sensorische Fähigkeiten und Herzleistung beginnen Ende 20 schlechter zu werden und nehmen während des mittleren (etwa von 40 bis 65 Jahre) und hohen Erwachsenenalters (etwa ab 65 Jahre) weiter ab. Um die 50 Jahre beendet die Menopause bei den Frauen die Phase der Fruchtbarkeit. Männer sind nicht einer ähnlich schroffen Veränderung ihres Hormonspiegels oder ihrer Fruchtbarkeit ausgesetzt. Im hohen Erwachsenenalter nimmt die Anfälligkeit für lebensbedrohliche Krankheiten zu, da das Immunsystem schwächer wird. Chromosomenenden, Telomere genannt, nutzen sich allmählich ab, was die Wahrscheinlichkeit einer normal ablaufenden Genreplikation verringert. Für einige Personen jedoch ermöglichen Gene, die Langlebigkeit unterstützen, geringer Stress und ein gutes Gesundheitsverhalten bessere Gesundheit im hohen Alter.
  • Wie verändert sich das Gedächtnis mit dem Alter?

    Lösung

    Mit den Jahren verschlechtert sich die Fähigkeit, aktiv Informationen aus dem Gedächtnis abzurufen, vor allem, wenn es sich um bedeutungslose Informationen handelt. Das Wiedererkennen bekannter Inhalte bleibt jedoch unverändert. Ältere Erwachsene verlassen sich verstärkt auf Zeitmanagement und Hinweisreize, um sich an terminlich gebundene und regelmäßige Aufgaben zu erinnern. Demenz und Alzheimer-Erkrankung sind Krankheiten des Gehirns und keineswegs normale Bestandteile des Alterns. Entwicklungspsychologen erforschen altersbezogene Veränderungen (etwa des Gedächtnisses) mit Hilfe von _Querschnittstudien_ (Vergleich von Personen unterschiedlichen Alters) und _Längsschnittstudien_ (dieselben Personen werden über die Zeit erhoben). Das Abnehmen kognitiver Fähigkeiten am Lebensende wird als Terminal Decline bezeichnet.
  • Welche Themen und Einflüsse sind entscheidend für unsere soziale Entwicklung zwischen dem frühen Erwachsenenalter und dem Tod?

    Lösung

    Erwachsene durchlaufen keine festgelegte Abfolge altersbedingter sozialer Veränderungen. Zufällige Ereignisse können Lebensentscheidungen maßgeblich beeinflussen. Als _soziale Uhr_ bezeichnet man die innerhalb einer Kultur als gewöhnlich betrachteten Zeitpunkte für bestimmte soziale Ereignisse wie Hochzeit, Elternschaft und Ruhestand. Die zentralen Themen des Erwachsenenalters sind Liebe und Arbeit, von denen Erikson als _Intimität_ und Generativität sprach.
  • Verändern sich Selbstbewusstsein und Zufriedenheit über die Lebensspanne?

    Lösung

    Das Selbstbewusstsein nimmt über die Lebensspanne in der Regel zu. Verschiedene Umfragen zeigen, dass Lebenszufriedenheit und Alter nicht miteinander zusammenhängen. Positive Gefühle nehmen in der zweiten Lebenshälfte zu, während negative Gefühle abnehmen.
  • Welche Reaktionen kann der Tod einer nahestehenden Person auslösen?

    Lösung

    Anders als früher angenommen wurde, durchlaufen trauernde Menschen keine vorhersagbaren Stadien. Starke emotionale Ausbrüche heben Trauer nicht auf und Therapie im Trauerfall ist nicht effektiver als ein Trauern ohne solch eine Hilfe. Erikson sah die Entwicklung eines Gefühls der Integrität (im Kontrast zu Verzweiflung) als zentrale Entwicklungsaufgabe des hohen Erwachsenenalters.
  • Was verstehen wir unter Sinnesempfindung und Wahrnehmung? Und was unter „Top-down“- und „Bottom-up“-Verarbeitung?

    Lösung

    _Empfindung_ ist der Prozess, bei dem unsere Sinnesrezeptoren und unser Nervensystem Reizenergien aus unserer Umwelt empfangen und darstellen. _Wahrnehmung_ ist der Prozess, bei dem diese Informationen organisiert und interpretiert werden; dies ermöglicht uns, bedeutungsvolle Ereignisse zu erkennen. Empfindung und Wahrnehmung sind eigentlich Teile eines kontinuierlichen Prozesses. _Bottom-up-Verarbeitung_ ist die Analyse der Sinneseindrücke, die auf der Eingangsebene beginnt und bei der Informationen von den Sinnesrezeptoren zu unserem Gehirn aufsteigen. _Top-down-Verarbeitung_ ist Informationsverarbeitung, die durch höhere mentale Prozesse gesteuert wird, beispielsweise wenn wir Wahrnehmungen konstruieren, indem wir Informationen durch unsere Erfahrungen und Erwartungen filtern.
  • Welche drei Schritte sind grundlegend für alle sensorischen Systeme?

    Lösung

    Unsere Sinne werden (1) sensorisch stimuliert (oft durch die Benutzung spezialisierter Rezeptorzellen); (2) sie wandeln diese Stimulation in neuronale Impulse um; und (3) senden die neuronalen Informationen ans Gehirn. _Transduktion_ ist die Umwandlung einer Energieform in eine andere. _Psychophysik_ ist die Erforschung der Zusammenhänge zwischen den physikalischen Merkmalen der Reize und der Art und Weise, wie wir sie psychisch erleben.
  • Was versteht man unter absoluter Schwelle und Unterschiedsschwelle, und haben Reize, die unterhalb der absoluten Schwelle liegen, überhaupt irgendeinen Einfluss auf uns?

    Lösung

    Unsere _absolute Schwelle_ für jeden Reiz ist die minimale Stimulation, die erforderlich ist, damit wir uns dieses Reizes in 50% der Fälle bewusst sind. Die _Theorie der Signaldetektion_ sagt vorher, wie und wann wir das Vorhandensein eines schwachen Reizes unter Hintergrundstimulation wahrnehmen. Unsere persönlichen absoluten Schwellen sind unterschiedlich und abhängig von der Stärke des Signals, aber auch von unseren Erfahrungen, Erwartungen und der eigenen Motivation und Wachsamkeit. Unsere _Unterschiedsschwelle_ (auch als _eben merklicher Unterschied_ bezeichnet) ist der Unterschied zwischen zwei Reizen, den wir in 50% der Fälle erkennen. Das _Weber’sche Gesetz_ besagt Folgendes: Damit zwei Reize von der Wahrnehmung her unterschiedlich sind, müssen sie sich durch ein konstantes Verhältnis unterscheiden (und nicht durch eine konstante Differenz).

    Versuche zum _Priming_-Effekt zeigen, dass wir manche Informationen aus Reizen verarbeiten können, die unterhalb unserer absoluten Schwelle für Bewusstheit liegen. Aber die eingeschränkten Bedingungen, unter denen dies geschieht, würden niemanden in die Lage versetzen, uns mit _subliminalen_ Botschaften zu verführen.
  • Welchen Nutzen ziehen wir aus sensorischer Adaptation?

    Lösung

    _Sensorische Adaptation_ (unsere verminderte Sensibilität als Folge konstanter oder gewohnter Gerüche, Klänge und Berührungen) versetzt uns in die Lage, uns auf informative Veränderungen in unserer Umgebung zu konzentrieren.
  • Wie nehmen unsere Erwartungen, Emotionen, Kontexte und unsere Motivation Einfluss auf unsere Wahrnehmung?

    Lösung

    Ein _Wahrnehmungsset_ ist eine mentale Prädisposition, die wie eine Linse funktioniert, durch die wir die Welt wahrnehmen. Unsere erlernten Begriffe (Schemata) dienen als Vorreiz (Prime), um nicht eindeutige Reize in bestimmter Weise zu organisieren und zu interpretieren. Unsere körperlichen und emotionalen Kontexte, so wie auch unsere Motivation, können Erwartungen entstehen lassen und unsere Interpretation von Ereignissen und Verhaltensweisen färben.
  • Welche Form von Energie sehen wir als sichtbares Licht und wie wandelt das Auge Lichtenergie in neuronale Botschaften um?

    Lösung

    Nachdem die Lichtenergiepartikel (aus einem kleinen Bereich des breiten Spektrums elektromagnetischer Energie) in das Auge eingetreten sind und durch eine _Linse_ fokussiert wurden, treffen sie auf die innere Oberfläche des Auges, die _Retina_. Die helligkeitsempfindlichen _Stäbchen_ und die farbempfindlichen _Zapfen_ in der Retina wandeln die Lichtenergie in neuronale Impulse um. Der _Farbton_, den wir wahrnehmen, hängt von ihrer _Wellenlänge_ ab und seine Helligkeit von ihrer _Intensität_.
  • Wie verarbeiten das Auge und das Gehirn visuelle Informationen?

    Lösung

    Nachdem sie von den Bipolarzellen und Ganglienzellen in der Retina des Auges verarbeitet wurden, wandern die neuronalen Impulse durch den _Sehnerv_ zum Thalamus und weiter zum visuellen Kortex. In der Sehrinde (visueller Kortex) reagieren _Merkmalsdetektoren_ auf die besonderen Merkmale eines visuellen Reizes. Gruppen von Superzellen in anderen kritischen Arealen antworten auf komplexere Muster. Mit Hilfe der _Parallelverarbeitung_ kann das Gehirn viele Aspekte des Sehens gleichzeitig angehen (Farbe, Tiefe, Bewegung und Form). Andere neuronale Teams arbeiten dabei zusammen, die Ergebnisse zusammenzuführen, sie mit gespeicherten Informationen zu vergleichen und Wahrnehmungen zu ermöglichen.
  • Welche Theorien helfen uns, das Farbensehen zu verstehen?

    Lösung

    Die _Dreifarbentheorie von Young und Helmholtz_ besagt, dass die Retina über drei verschiedene Farbrezeptortypen verfügt. Die Forschung hat bisher drei Typen von Zapfen gefunden, von denen jeder spezifisch empfindlich auf die Wellenlängen einer der drei Grundfarben reagiert (rot, grün oder blau).

    Herings _Gegenfarbentheorie_ schlug noch drei zusätzliche Farbprozesse vor (einen, der für die Rotwahrnehmung im Gegensatz zur Grünwahrnehmung zuständig ist, einen für die Blauwahrnehmung im Gegensatz zur Gelbwahrnehmung, und einen für die Schwarzwahrnehmung im Gegensatz zur Weißwahrnehmung). Die gegenwärtige Forschung hat bestätigt, dass auf dem Weg zum Gehirn Neuronen in der Retina und im Thalamus die farbbezogenen Informationen aus den Zapfen als Paare von Gegenfarben codieren.

    Anhand dieser beiden Theorien und der Forschung, die sie belegt, wird gezeigt, dass die Farbverarbeitung in zwei Phasen abläuft.
  • Wie haben die Gestaltpsychologen Wahrnehmungsorganisation verstanden und was tragen das Figur-Grund-Prinzip und Gruppierungsprinzipien zu unserer Wahrnehmung bei?

    Lösung

    Gestaltpsychologen suchen nach Regeln, mit deren Hilfe das Gehirn Bruchstücke sensorischer Daten in _Gestalten_ oder sinnvollen Formen organisiert. Diese Forscher betonten den alten Lehrsatz, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist. Dadurch zeigten sie, dass wir ständig sensorische Informationen ausfiltern und daraus auf Wahrnehmungen schließen.

    Um ein Objekt zu erkennen, müssen wir es zuerst wahrnehmen, d. h. als _Figur_ sehen, die sich von ihrer Umgebung (dem _Grund_) deutlich unterscheidet. Wir bringen Ordnung und Form in die Welt der Reize, indem wir die Reize in sinnvollen _Gruppierungen_ organisieren und dabei den Regeln der Nähe, der Kontinuität, und der Geschlossenheit folgen.
  • Wie benutzen wir binokulare und monokulare Hinweise, um die Welt in drei Dimensionen wahrzunehmen und Bewegung wahrzunehmen?

    Lösung

    _Tiefenwahrnehmung_ ist unsere Fähigkeit, Objekte in drei Dimensionen zu sehen, und Entfernung zu beurteilen. Die Forschung zur _visuellen Klippe_ hat gezeigt, dass viele Arten von Lebewesen die Welt schon von Geburt an oder kurz danach als dreidimensional wahrnehmen. _Binokulare Hinweisreize_, wie _retinale Disparität_, sind Hinweisreize für Tiefe, die auf Informationen aus beiden Augen beruhen. _Monokulare Hinweisreize_ (wie relative Größe, Interposition, relative Höhe, relative Bewegung, Zentralperspektive, Licht und Schatten) gestatten es uns, Tiefe mit Hilfe von Informationen zu beurteilen, die nur von einem Auge übermittelt werden.

    Wenn sich Objekte bewegen, machen wir die grundlegende Annahme, dass schrumpfende Objekte sich von uns weg bewegen und größer werdende Objekte sich uns nähern. Wenn die Bilder auf der Retina in schneller Abfolge auftreffen, so kann dies eine Bewegungstäuschung hervorrufen, wie bei der stroboskopischen Bewegung oder beim _Phi-Phänomen_.
  • Wie helfen uns Wahrnehmungskonstanzen, unsere Empfindungen als bedeutungsvolle Wahrnehmungen zu organisieren?

    Lösung

    _Wahrnehmungskonstanz_ ist die Fähigkeit, Objekte trotz der sich verändernden Bilder, die sie auf die Retina projizieren als unverändert wahrzunehmen. _Farbkonstanz_ ist die Fähigkeit, Gegenstände auch unter stark wechselnden Lichtverhältnissen, die die von den Gegenständen reflektierten Wellenlängen verändern, mit gleichbleibender Farbe wahrzunehmen. Bei der _Helligkeitskonstanz_ handelt es sich um unsere Fähigkeit, ein Objekt als etwas wahrzunehmen, was eine konstante Helligkeit hat, auch wenn sich die Beleuchtung – das Licht, das darauf geworfen wird – ändert. Unser Gehirn konstruiert unsere Erfahrung der Farbe oder Helligkeit eines Objekts durch Vergleiche mit anderen Objekten in der Umgebung.

    Bei der _Formkonstanz_ handelt es sich um unsere Fähigkeit, vertraute Objekte (wie etwa eine sich öffnende Tür) als in ihrer Form unveränderlich wahrzunehmen. _Größenkonstanz_ bedeutet, Objekte trotz ihrer sich verändernden Bilder auf unserer Retina als unveränderlich in ihrer Größe wahrzunehmen. Wenn man die Größe eines Objekts kennt, so ist das ein Anhaltspunkt für seine Entfernung; Wenn man seine Entfernung kennt, ist das ein Hinweis auf seine Größe. Bisweilen interpretieren wir monokulare Hinweisreize für Entfernung fehl und kommen zu falschen Schlüssen, wie bei der Mondtäuschung.
  • Welchen Beitrag hat die Forschung zur Wiederherstellung des Sehvermögens, zur sensorischen Deprivation und zur Wahrnehmungsadaptation für unser Verständnis davon geleistet, wie Erfahrungen unsere Wahrnehmung beeinflussen?

    Lösung

    Die Interpretation unserer Wahrnehmung wird von Erfahrung geleitet. Menschen, die blind auf die Welt kamen, aber nach einer Operation wieder sehen konnten, fehlt aber die Erfahrung, Gestalten, Formen und ganze Gesichter zu erkennen.

    Befunde zur sensorischen Deprivation deuten darauf hin, dass es eine kritische Phase für einige Aspekte der Entwicklung von Sensorik und Wahrnehmung gibt. Ohne die Stimulierung durch die frühen visuellen Erfahrungen entwickelt sich die neuronale Organisation des Gehirns nicht normal.

    Bekommen Menschen Brillen aufgesetzt, die die Welt leicht nach links oder nach rechts verschieben oder gar völlig auf den Kopf stellen, erfahren sie _perzeptuelle Adaptation_. Sie sind anfangs desorientiert, aber es gelingt ihnen schon bald, sich an den neuen Kontext anzupassen.
  • Welche Eigenschaften haben Luftdruckwellen, die wir als Klang erleben, und wie wandelt das Ohr Schallenergie in neuronale Botschaften um?

    Lösung

    Schallwellen sind ringförmige Bänder sich komprimierender und sich ausdehnender Luft. Unsere Ohren nehmen diese Veränderungen im Luftdruck wahr und wandeln sie in neuronale Impulse um, die das Gehirn als Töne dekodiert. Schallwellen unterscheiden sich in ihrer _Frequenz_ und Amplitude, die wir als Unterschiede in der _Tonhöhe_ und der Lautstärke wahrnehmen.

    Das äußere Ohr ist der sichtbare Teil des Ohrs. Das _Mittelohr_ ist die Kammer zwischen dem Trommelfell und der _Kochlea_. Das _Innenohr_ besteht aus der Kochlea, den Bogengängen und den Sacculi des Vestibularapparats. Mit Hilfe einer mechanischen Kettenreaktion werden die Schallwellen durch den Gehörgang geleitet und rufen am Ende geringfügige Schwingungen des Trommelfells hervor. Die Knöchelchen des Mittelohrs verstärken die Schwingungen und übertragen sie auf die mit Flüssigkeit gefüllte Kochlea. Dadurch dass die Basilarmembran in wellenartige Bewegungen versetzt wird, die durch Druckveränderungen in der Kochlearflüssigkeit verursacht werden, werden die winzigen Haarzellen bewegt, durch die wiederum Nervenimpulse ausgelöst werden, die (über den Thalamus) an den auditorischen Kortex im Gehirn gesandt werden.

    _Schallempfindungsschwerhörigkeit_ (oder Nervenschwerhörigkeit) ist die Folge einer Schädigung von Haarzellen in der Kochlea oder von damit verbundenen Nerven. _Schallleitungsschwerhörigkeit_ ist eine Folge einer Schädigung des mechanischen Systems, das die Schallwellen an die Kochlea überträgt. _Kochleaimplantate_ können das Hörvermögen bei einigen Menschen wiederherstellen, aber ihr Gebrauch wird kontrovers diskutiert.
  • Welche Theorien helfen uns, die Wahrnehmung der Tonhöhe zu verstehen?

    Lösung

    Mit Hilfe der _Ortstheorie_ lasst sich erklären, wie wir hohe Töne wahrnehmen und die _Frequenztheorie_ liefert eine Erklärung dafür, wie wir tiefe Töne wahrnehmen. (Eine Kombination aus beiden Theorien erklärt, wie wir Töne im mittleren Bereich hören.) In der _Ortstheorie_ wird angenommen, dass unser Gehirn eine bestimmte Tonhöhe dadurch interpretiert, dass es die Lage des Punktes (deshalb „Ortstheorie“) dekodiert, an dem eine Schallwelle die Basilarmembran der Kochlea stimuliert hat.

    In der _Frequenztheorie_ wird angenommen, dass das Gehirn die Frequenz (deshalb „Frequenztheorie“) der Pulse dechiffriert, die im Hörnerv zum Gehirn wandern.
  • Wie lokalisieren wir Geräusche?

    Lösung

    Schallwellen treffen auf das eine Ohr früher und intensiver als auf das andere. Das Gehirn analysiert winzige Unterschiede in Bezug auf die Töne, die von beiden Ohren aufgenommen werden, und berechnet die Schallquelle.
  • Wie spüren wir Berührung?

    Lösung

    Der Tastsinn besteht eigentlich aus mehreren Sinnen: dem Drucksinn, dem Wärme- und Kältesinn und dem Schmerzsinn, die in Kombination andere Empfindungen erzeugen, wie etwa „heiß“.
  • Wie können wir Schmerz am besten verstehen und kontrollieren?

    Lösung

    Schmerz beinhaltet datengesteuerte Empfindungen (wie z. B. Input aus den Nozizeptoren, also den Sinnesrezeptoren, die auf schmerzhafte Temperaturen, Druck oder Chemikalien reagieren) und konzeptgesteuerte Prozesse (wie Erfahrung, Aufmerksamkeit und Kultur). Eine Schmerztheorie geht davon aus, dass es im Rückenmark eine Art „Tor“ gibt, das entweder offen ist, um Schmerzsignale über dünne Nervenfasern zum Gehirn aufsteigen zu lassen, oder aber geschlossen wird, um ihren Durchgang zu verhindern.

    Von der biopsychosozialen Perspektive aus ist das Schmerzerleben eines Menschen die Summe biologischer, psychologischer und soziokultureller Einflüsse. Bei der Behandlung zur Schmerzkontrolle werden oft psychologische und physiologische Elemente, wie Placebos oder Ablenkung, in Kombination miteinander eingesetzt.
  • Wie erfahren wir Geschmack und Geruch und wie hängen diese beiden zusammen?

    Lösung

    Geschmack und Geruch sind chemische Sinne. Der Geschmackssinn setzt sich aus fünf Grundempfindungen zusammen (süß, sauer, salzig, bitter und umami) sowie aus den Aromen, die mit den Informationen der Geschmacksknospen interagieren.

    Es gibt keine Grundelemente für die Geruchsempfindung. Wir besitzen über 5 Mio. Geruchsrezeptorzellen mit etwa 350 verschiedenen Rezeptorproteinen. Geruchsmoleküle sprechen eine Kombination von Rezeptoren an. Diese Muster interpretiert der olfaktorische Kortex. Die Rezeptorzellen senden Botschaften ans Riechhirn, dann weiter an den Temporallappen und an Teile des limbischen Systems.

    Der Einfluss des Geruchs auf unseren Geschmackssinn ist ein Beispiel für _sensorische Interaktion_. _Embodied cognition_ ist der Einfluss von körperlichen Empfindungen, Gesten und anderen Zuständen auf kognitive Präferenzen und Urteile.
  • Wie spüren wir Lage und Bewegung unseres Körpers im Raum?

    Lösung

    Durch _Kinästhesie_ spüren wir die Lage und Bewegung einzelner Körperteile. Mithilfe unseres _Gleichgewichtssinns_ überwachen wir die Lage und Bewegung unseres Körpers und halten unser Gleichgewicht.
  • Was wird im Rahmen der außersinnlichen Wahrnehmung behauptet und welchen Schluss ziehen die meisten forschenden Psychologen, wenn sie diese Behauptungen auf den Prüfstand gestellt haben?

    Lösung

    Unter _Parapsychologie_ versteht man die Untersuchung paranormaler Phänomene, wie außersinnlicher Wahrnehmung und Psychokinese. Die drei am besten überprüfbaren Formen der _außersinnlichen Wahrnehmung_ sind die Telepathie (Kommunikation von einer Seele zur anderen), Hellsehen (Wahrnehmung räumlich entfernter Ereignisse) und Präkognition (Wahrnehmung künftiger Ereignisse).

    Die Skepsis der meisten Psychologen an den Universitäten konzentriert sich auf zwei Hauptpunkte: (1) Um an außersinnliche Wahrnehmung zu glauben, muss man der Meinung sein, das Gehirn könne wahrnehmen, ohne sensorische Signale zu bekommen. (2) Parapsychologen konnten die Phänomene der außersinnlichen Wahrnehmung bisher nicht unter kontrollierten Bedingungen replizieren (reproduzieren).
  • Was versteht man unter Lernen und welches sind die grundlegenden Formen des Lernens?

    Lösung

    Lernen ist eine relativ dauerhafte Veränderung im Verhalten eines Lebewesens, die auf Erfahrung zurückgeht. Beim _assoziativen Lernen_ lernen wir, dass bestimmte Ereignisse zusammen auftreten. Bei der klassischen Konditionierung lernen wir, zwei oder mehr Reize (als _Reiz_ bezeichnet man alle Ereignisse oder Situationen, durch die eine Reaktion ausgelöst wird) zu assoziieren. Bei der operanten Konditionierung lernen wir eine Reaktion mit den Folgen zu assoziieren. Durch _kognitives Lernen_ erwerben wir mentale Informationen, die unser Verhalten leiten. Beim _Beobachtungslernen_ lernen wir, indem wir uns die Erfahrungen und Beispiele anderer ansehen.
  • Was sind die grundlegenden Elemente der klassischen Konditionierung und wie lässt sich Lernen aus der Sicht des Behaviorismus beschreiben?

    Lösung

    _Klassische Konditionierung_ ist eine Form des Lernens, bei der ein Organismus allmählich Reize koppelt. Bei der klassischen Konditionierung ist ein _NS_ ein Reiz, der vor der Konditionierung keine Reaktion auslöst. Eine _UR_ ist ein Ereignis, das natürlicherweise in Reaktion auf irgendeinen Reiz (wie Speichelfluss) auftritt. Ein _US_ ist etwas, was natürlicherweise und automatisch die nicht erlernte Reaktion auslöst (wie Essen im Mund Speichelfluss auslöst). Ein _CS_ ist in der klassischen Konditionierung ein ursprünglich neutraler Reiz (wie eine Glocke), der durch Assoziation mit einem US (wie Essen) allmählich mit irgendeiner nicht gelernten Reaktion (Speichelfluss) gekoppelt wird. Eine _CR_ ist eine gelernte Reaktion (Speichelfluss) auf einen ursprünglich neutralen, aber nun konditionierten Reiz.

    Pawlows Arbeit über klassische Konditionierung schaffte die Grundlage für den _Behaviorismus_, die Auffassung, die Psychologie solle eine objektive Wissenschaft sein, die das Verhalten ohne Bezug auf mentale Prozesse untersucht. Die Behavioristen glaubten, dass die grundlegenden Lerngesetze für alle Lebewesen dieselben seien, auch für den Menschen.
  • Was versteht man in der klassischen Konditionierung unter folgenden Prozessen: Erwerb, Löschung, Spontanerholung, Reizgeneralisierung und Reizdiskrimination?

    Lösung

    _Erwerb_ beschreibt den Prozess in der klassischen Konditionierung, bei dem ein NS mit einem US gekoppelt wird, so dass der NS eine CR auslöst. Zum Erwerb kommt es am ehesten, wenn ein NS kurz vor einem US (idealerweise etwa ein halbe Sekunde vorher) dargeboten wird, wodurch der Organismus auf das bevorstehende Ereignis vorbereitet wird. Dieser Befund stützt die Auffassung, dass die klassische Konditionierung eine biologische Anpassung ist. Durch Konditionierung höherer Ordnung kann ein neuer NS zu einem neuen CS werden.

    Die _Löschung_ besteht in einer abgeschwächten Reaktion, wenn der CS nicht mehr als Signal für einen bevorstehenden US dient. Die _Spontanerholung_ ist das Auftreten einer zuvor gelöschten Reaktion nach einer Ruhepause. Die _Reizgeneralisierung_ ist die Tendenz, auf Reize zu reagieren, die einem CS ähnlich sind. Die _Reizdiskrimination_ ist die erlernte Fähigkeit, zwischen einem CS und irrelevanten Reizen zu unterscheiden.
  • Warum ist Pawlows Beitrag zu unserem Verständnis des Lernens immer noch so wichtig und welche Anwendungen der klassischen Konditionierung zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Menschen gibt es?

    Lösung

    Pawlow lehrte uns, dass bedeutende psychologische Phänomene objektiv untersucht werden können und dass die klassische Konditionierung eine grundlegende Form des Lernens ist, die über die Spezies hinweg angewandt werden kann.

    Die Methoden der klassischen Konditionierung werden zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Menschen in vielen Bereichen genutzt, z. B. in der Verhaltenstherapie bei einigen Arten psychischer Störungen. Sogar das Immunsystem des Körpers kann auf die klassische Konditionierung ansprechen.
  • Wie wird operantes Verhalten verstärkt und geformt?

    Lösung

    In der _operanten Konditionierung_ nehmen Verhaltensweisen, auf die Verstärker folgen, in ihrer Häufigkeit zu; Verhaltensweisen, für die man bestraft wird, nehmen in ihrer Häufigkeit ab. Von _Thorndikes Effektgesetz_ ausgehend, fanden B. F. Skinner und andere Forscher heraus, dass das Verhalten von Ratten oder Tauben, die sich in einer _Skinner-Box_ befinden, geformt werden kann (_Shaping_). Mit der schrittweisen Annäherung werden Reaktionen belohnt, die dem letztlich gewünschten Verhalten immer näher kommen.
  • Wie unterscheiden sich positive und negative Verstärkung und was sind die grundlegenden Arten von Verstärkern?

    Lösung

    Der Begriff der _Verstärkung_ bezieht sich auf jedes Ereignis, durch das ein vorausgehendes Verhalten verstärkt wird. Bei der positiven Verstärkung kommt etwas Wünschenswertes hinzu, um die Häufigkeit eines Verhaltens zu vergrößern. Bei der _negativen Verstärkung_ wird etwas nicht Wünschenswertes entfernt, um die Häufigkeit eines Verhaltens zu vergrößern.

    _Primäre Verstärker_ (etwa Essen bekommen, wenn man hungrig ist, oder dafür sorgen, dass das unangenehme Gefühl im Bauch vorübergeht, wenn einem übel ist) sind von Geburt an befriedigend – dafür ist kein Lernen erforderlich. _Konditionierte_ (oder sekundäre) _Verstärker_ (wie etwa Bargeld) sind zufriedenstellend, weil wir gelernt haben, sie mit grundlegenderen Belohnungen zu assoziieren (wie etwa das Essen oder die Medizin, die wir damit kaufen können). Unmittelbare Verstärker (wie etwa eine gekaufte Süßigkeit) geben sofort etwas zurück; verzögerte Verstärker (wie etwa die monatliche Gehaltsüberweisung) setzen die Fähigkeit voraus, die Bedürfnisbefriedigung aufzuschieben.
  • Wie beeinflussen die unterschiedlichen Verstärkungspläne das Verhalten?

    Lösung

    Ein Verstärkungsplan definiert, wie oft ein erwünschtes Verhalten verstärkt wird. Bei der _kontinuierlichen Verstärkung_ (man verstärkt die erwünschten Reaktionen jedes Mal, wenn sie auftreten) lernt man rasch, aber auch die Löschung geschieht schnell, wenn die Belohnung des Verhaltens eingestellt wird. Bei der _partiellen (intermittierenden) Verstärkung_ (man verstärkt die Reaktionen nicht immer) ist der anfängliche Lernprozess langsamer, aber das Verhalten ist widerstandsfähiger gegen Löschung. Verstärkungspläne können unterschiedlich sein, je nach der Anzahl der belohnten Reaktionen und dem zeitlichen Abstand zwischen den Reaktionen. Bei _festen Quotenplänen_ bietet man Belohnungen nach einer festgesetzten Anzahl von Reaktionen an, bei _variablen Quotenplänen_ nach einer unvorhersagbaren Anzahl von Reaktionen. Bei _festen Intervallplänen_ bietet man Belohnungen nach festgesetzten Zeitintervallen an, bei _variablen Intervallplänen_ nach unvorhersagbaren Zeitintervallen.
  • Wie unterscheiden sich Bestrafung und negative Verstärkung und wie wirkt sich Bestrafung auf das Verhalten aus?

    Lösung

    Sowohl bei positiver Bestrafung (Verabreichung einer unerwünschten Konsequenz, beispielsweise einem Klaps) als auch bei negativer Bestrafung (Entfernung von etwas Wünschenswertem, wie etwa einer Puppe) wird versucht, die Häufigkeit eines Verhaltens (Ungehorsam eines Kindes) abnehmen zu lassen. Bei negativer Verstärkung (wie etwa Einnahme von Aspirin) wird etwas Unerwünschtes (wie etwa Kopfweh) entfernt. Die gewünschte Konsequenz (Schmerzfreiheit) erhöht dann die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten (Einnahme von Aspirin, um Kopfschmerzen zu beenden) wieder gezeigt wird.

    Zu den nicht erwünschten Nebenwirkungen der Bestrafung kann gehören, dass nicht gewollte Verhaltensweisen eher unterdrückt als verändert werden: Man lehrt, aggressiv zu sein, man erzeugt Furcht, man fördert die Diskrimination (so dass das unerwünschte Verhalten auftritt, wenn der Strafende nicht anwesend ist) und man begünstigt das Entstehen von Depressionen und von Gefühlen der Hilflosigkeit.
  • Warum werden Skinners Auffassungen zum Verhalten des Menschen kontrovers diskutiert und wie könnte man seine Prinzipien der operanten Konditionierung in der Schule, im Sport, bei der Arbeit und zu Hause anwenden?

    Lösung

    Skinners Kritiker warfen ihm vor, dass er die Menschenwürde verletze, weil er keine Achtung vor der persönlichen Freiheit des Einzelnen habe und er sein Handeln kontrollieren wolle. Skinner entgegnete, dass das Verhalten des Menschen bereits willkürlich von äußeren Einflüssen kontrolliert werde und es menschlicher sei, Verstärker einzusetzen, statt mit Strafen zu arbeiten, um Verhalten zu kontrollieren.

    In der Schule können Lehrer Shaping-Verfahren dazu verwenden, die Verhaltensweisen der Schüler zu lenken. Interaktive Software und Webseiten können Schülern unmittelbares Feedback geben. Im Sport können Trainer die Fertigkeit und das Selbstvertrauen der Spieler aufbauen, indem sie kleinere Verbesserungen belohnen. Im Beruf können Vorgesetzte die Produktivität und die Arbeitsmoral wesentlich erhöhen, indem sie klar definierte und erreichbare Verhaltensweisen belohnen. Zu Hause können Eltern Verhaltensweisen belohnen, die ihrer Meinung nach erwünscht sind, und nicht erwünschte nicht belohnen. Individuell können wir unser eigenes erwünschtes Verhalten verstärken und unerwünschtes löschen, indem wir uns Ziele setzen, die Häufigkeit des erwünschten Verhaltens beobachten und die Anreize dafür langsam zurücknehmen, wenn das Verhalten zur Gewohnheit wird.
  • Wie unterscheiden sich klassische und operante Konditionierung?

    Lösung

    Bei der operanten Konditionierung lernt ein Organismus Assoziationen zwischen seine eigenen Verhaltensweisen mit ihren Konsequenzen. Hierbei wird _operantes Verhalten_ (Verhalten, das die Umwelt beeinflusst und Konsequenzen auslöst) gezeigt. Bei der klassischen Konditionierung assoziiert ein Organismus unterschiedliche Reize, die er nicht kontrolliert und auf die er automatisch reagiert (_respondentes Verhalten_).
  • Wie beeinflussen biologische Beschränkungen das Lernen durch klassische und operante Konditionierung?

    Lösung

    Wie wir jetzt wissen, sind die Prinzipien der klassischen Konditionierung durch biologische Gegebenheiten eingeschränkt, sodass manche Assoziationen leichter gelernt werden als andere. Jede Spezies ist biologisch bedingt darauf vorbereitet, Assoziationen zu lernen, die ihre Überlebenschancen verbessern. Auch die Fähigkeit zur operanten Konditionierung ist durch die natürlichen Veranlagungen eingeschränkt. Ein Trainingsprogramm, das versucht, diese Tendenzen außer Kraft zu setzen, wird wahrscheinlich keine dauerhafte Wirkung haben, weil die Lebewesen zu ihren biologisch prädisponierten Mustern zurückkehren werden.
  • Welche Bedeutung haben kognitive Prozesse bei der klassischen und operanten Konditionierung?

    Lösung

    Bei der klassischen Konditionierung lernen Menschen und andere Lebewesen, wann sie einen US erwarten können und sind sich möglicherweise der Verbindung zwischen Reizen und Reaktionen bewusst. Bei der operanten Konditionierung zeigt die Forschung zu _kognitiven Landkarten_ und _latentem Lernen_ die Wichtigkeit kognitiver Prozesse beim Lernen auf. Weitere Untersuchungen zeigten, dass exzessive Belohnungen (die die _extrinsische Motivation_ verstärken) die _intrinsische Motivation_ untergraben können.
  • Was versteht man unter Beobachtungslernen und warum glauben manche Forscher, dass dieses durch Spiegelneurone ermöglicht wird?

    Lösung

    Beim _Beobachtungslernen_ beobachten wir und ahmen andere nach. Wir lernen, die Folgen eines Verhaltens vorwegzunehmen, weil wir Verstärkung und Bestrafung nachempfinden.

    Die _Spiegelneurone_, die sich in den Frontallappen unseres Gehirns befinden, haben die Fähigkeit gezeigt, die Aktivität anderer Gehirne zu spiegeln. Sie sind aktiv, wenn wir bestimmte Handlungen ausführen (wie etwa auf Schmerz reagieren oder den Mund bewegen, um Wörter zu bilden) oder wenn wir jemanden beobachten, der diese Handlungen ausführt.
  • Welchen Einfluss haben prosoziale Vorbilder und antisoziale Vorbilder?

    Lösung

    Kinder neigen dazu, nachzuahmen, was ein Vorbild macht und sagt, ganz gleichgültig, ob das Verhalten _prosozial_ (positiv, konstruktiv und hilfsbereit) oder antisozial ist. Wenn die Handlungen und die Worte eines Vorbilds nicht zueinander passen, ahmen Kinder möglicherweise die Heuchelei nach, die sie beobachten.
  • Was versteht man unter Gedächtnis?

    Lösung

    Das _Gedächtnis_ ist das Ergebnis von Lernvorgängen, deren Informationen die Zeit überdauern, da sie gespeichert sind und wieder abgerufen werden können. Als Gedächtnisnachweise lassen sich die _freie Reproduktion_ oder das _Wiedererkennen_ von Informationen sowie das leichtere _erneute Lernen_ bei einem späteren Versuch anführen.
  • Wie beschreiben Psychologen das menschliche Gedächtnissystem?

    Lösung

    Psychologen nutzen Gedächtnismodelle, um über das Gedächtnis nachzudenken und darüber zu kommunizieren. Modelle der Informationsverarbeitung beinhalten drei Prozesse: _Enkodieren_, _Speichern_ und _Abrufen_. Das konnektionistische Informationsverarbeitungsmodell betrachtet Erinnerungen als Produkte miteinander verbundener neuronaler Netzwerke. Die drei Verarbeitungsstufen im Modell von Atkinson und Shiffrin sind das _sensorische Gedächtnis_, das _Kurzzeitgedächtnis_ und das _Langzeitgedächtnis_. Neuere Forschung hat dieses Modell erweitert, um zwei wichtige Konzepte einzugliedern: (1) das _Arbeitsgedächtnis_, das die aktive Verarbeitung betont, die auf der zweiten Stufe des Gedächtnisses stattfindet, und (2) die automatische Verarbeitung, die die Informationsverarbeitung außerhalb der bewussten Wahrnehmung darstellt.
  • Wie lassen sich explizite und implizite Erinnerungen unterscheiden?

    Lösung

    Durch eine parallele Funktionsweise verarbeitet das menschliche Gehirn vieles simultan auf zwei Pfaden. _Explizite_ (deklarative) _Erinnerungen_ – unsere bewussten Erinnerungen an Fakten und Erlebnisse – bilden sich durch _bewusste Verarbeitung_, die gezielte Aufmerksamkeit und Anstrengung erfordert. _Implizite_ (nondeklarative) _Erinnerungen_ – an Fertigkeiten und klassisch konditionierte Assoziationen – entstehen ohne unsere bewusste Wahrnehmung durch _automatische Verarbeitung_.
  • Welche Informationen verarbeiten wir automatisch?

    Lösung

    Zusätzlich zu Fertigkeiten und klassisch konditionierten Assoziationen verarbeiten wir zufällig von uns registrierte Informationen über Raum, Zeit und Häufigkeit auf automatische Weise.
  • Wie funktioniert das sensorische Gedächtnis?

    Lösung

    Das sensorische Gedächtnis versorgt das Arbeitsgedächtnis mit bestimmten Informationen, die dort aktiv verarbeitet werden: Eine _ikonische Erinnerung_ ist eine sehr kurze (wenige Zehntelsekunden dauernde) sensorische Erinnerung an visuelle Reize; eine _echoische Erinnerung_ ist eine drei oder vier Sekunden lang dauernde Erinnerung an auditive Reize.
  • Wie groß sind die Kapazitäten des Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnisses?

    Lösung

    Das Kurzzeitgedächtnis hat eine Kapazität von etwa 7 (± 2) Items, aber ohne Wiederholung werden diese Informationen sehr schnell vergessen. Die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses variiert abhängig vom Alter, vom Intelligenzniveau und von anderen Faktoren.
  • Welche bewussten Verarbeitungsstrategien können uns beim Erinnern an neue Informationen helfen?

    Lösung

    Effektive bewusste Verarbeitungsstrategien sind _Chunking_, _Mnemotechniken_, das Bilden von Hierarchien und verteilte Übung. Der _Testeffekt_ beruht auf dem Befund, dass bewusstes Abrufen statt bloßes Wiederlesen von Informationen die Gedächtnisleistung verbessert.
  • Welche Informationsverarbeitungsebenen gibt es und wie beeinflussen sie die Enkodierung?

    Lösung

    Die Tiefe der Verarbeitung beeinflusst das langfristige Behalten. Bei der _oberflächlichen Verarbeitung_ enkodieren wir Wörter nach ihrer Struktur oder Erscheinungsweise. Die Behaltensleistung ist am besten, wenn wir eine _tiefe_ (semantische) _Verarbeitung_ erreichen und Wörter nach ihrer Bedeutung enkodieren. Wir erinnern uns auch leichter an Material, das für uns persönlich bedeutsam ist – der Selbstbezugseffekt.
  • Wie groß ist die Kapazität des Langzeitgedächtnisses und wo ist es lokalisiert?

    Lösung

    Die Kapazität unseres Langzeitgedächtnisses ist grundsätzlich unbegrenzt. Erinnerungen sind nicht in intakter Form an einzelnen Stellen im Gehirn gespeichert; stattdessen interagieren viele Hirnareale miteinander, während wir Erinnerungen bilden und wieder abrufen.
  • Welche Rolle spielen der Frontallappen und der Hippocampus beim Speichern von Erinnerungen?

    Lösung

    Die _Frontallappen_ und der Hippocampus sind Areale des Gehirnnetzwerks, die für die Bildung expliziter Erinnerungen zuständig sind. Viele Hirnregionen senden Informationen zur Verarbeitung an die Frontallappen. Der _Hippocampus_ registriert in Zusammenarbeit mit umliegenden Kortexarealen Inhalte des expliziten Gedächtnisses und hält sie vorübergehend fest, bevor sie zu anderen Hirnregionen zur Langzeitspeicherung weitertransportiert werden.
  • Welche Rolle spielen das Zerebellum und die Basalganglien bei unseren Gedächtnisprozessen?

    Lösung

    Das Zerebellum und die Basalganglien sind Areale des Gehirnnetzwerks, die für die Bildung impliziter Erinnerungen zuständig sind. Das Zerebellum spielt eine wichtige Rolle beim Speichern klassisch konditionierter Erinnerungen. Die Basalganglien sind an motorischen Bewegungen beteiligt und unterstützen die Entstehung prozeduraler Erinnerungen an Fertigkeiten. Viele Reaktionen und Fertigkeiten, die wir in unseren ersten drei Lebensjahren lernen, bleiben im Erwachsenenalter bestehen, doch wir können uns an die entsprechenden Lernvorgänge nicht bewusst erinnern, ein Phänomen, das Psychologen „Kindheitsamnesie“ nennen.
  • Wie beeinflussen Emotionen unsere Verarbeitung von Erinnerungen?

    Lösung

    Emotionale Erregung verursacht eine gesteigerte Freisetzung von Stresshormonen, die ihrerseits zu stärkerer Aktivität in den Strukturen des Gehirns, die Erinnerungen bilden, führen. Hochgradig erregende Erlebnisse können äußerst klare _Blitzlichterinnerungen_ auslösen.
  • Wie wirken sich Veränderungen auf der Ebene der Synapsen auf die Verarbeitung von Erinnerungen aus?

    Lösung

    _Langzeitpotenzierung (LTP)_ scheint die neuronale Basis von Lernvorgängen zu sein. Durch die LTP werden Neuronen effizienter bei der Ausschüttung von Neurotransmittern, vorhandene Neurotransmitter werden leichter registriert und zwischen Nervenzellen bilden sich mehr Verbindungen aus.
  • Auf welche drei verschiedenen Arten kann die Behaltensleistung gemessen werden?

    Lösung

    Drei Methoden für das Messen der Behaltensleistung sind Informationen reproduzieren, sie wiedererkennen oder das schnellere erneute Lernen bei einem späteren Versuch.
  • Wie beeinflussen externe Hinweise, innere Empfindungen und die Reihenfolge der Präsentation den Abruf von Informationen aus dem Gedächtnis?

    Lösung

    Externe Hinweise aktivieren Assoziationen, die uns beim Abruf von Erinnerungen helfen; dieser Vorgang kann ohne unsere Bewusstheit ablaufen, wie z. B. beim _Priming_. Eine Rückkehr zum gleichen äußeren Kontext oder emotionalen Zustand (_Stimmungskongruenz_), in dem wir eine Erinnerung gebildet haben, kann uns dabei helfen, sie wieder abzurufen. Der _serielle Positionseffekt_ beruht auf unserer Neigung, uns am besten an die letzten Items (die sich noch im Arbeitsgedächtnis befinden sollten) und die ersten Items (für die wir mehr Zeit zum Wiederholen hatten) aus einer Liste zu erinnern.
  • Warum vergessen wir?

    Lösung

    _Anterograde Amnesie_ ist das Unvermögen, neue Erinnerungen zu bilden. _Retrograde Amnesie_ ist das Unvermögen, alte Erinnerungen wieder abzurufen. Vergessen passiert normalerweise, weil wir etwas nie enkodiert haben, die physische Gedächtnisspur zerfallen ist oder wir nicht abrufen können, was wir enkodiert und gespeichert haben. Probleme beim Abruf können aus _proaktiver_ (vorwärts gerichteter) _Interferenz_ (Hemmung), bei der vorher Gelerntes den Abruf neuer Informationen stört, oder aus _retroaktiver_ (rückwärts gerichteter) _Interferenz_ (Hemmung) entstehen, bei der neu Gelerntes den Abruf alter Informationen stört. Manche Menschen glauben an absichtliches Vergessen, aber Forscher haben wenige Nachweise für _Verdrängung_ gefunden.
  • Wie beeinflussen Fehlinformationen, Imagination und Quellenamnesie das Gedächtnis und wie stellen wir fest, ob eine Erinnerung wahr oder falsch ist?

    Lösung

    In Experimenten, die den _Fehlinformationseffekt_ demonstrieren, haben Teilnehmer falsche Erinnerungen gebildet und irreführende Details darin einfließen lassen, nachdem man ihnen falsche Informationen im Anschluss an ein Ereignis gab oder nachdem sie mehrmals etwas _imaginiert_ oder wiederholt hatten, das nie passiert war. Wenn wir eine Erinnerung beim Abrufen wieder zusammensetzen, können wir sie einer falschen Quelle zuordnen (_Quellenamnesie_). Quellenamnesie kann auch _Déjà-vu-Erlebnisse_ erklären. Falsche Erinnerungen fühlen sich an wie reale Erinnerungen und können lange vorhalten, obwohl sie sich meist auf das Wesentliche eines Ereignisses beschränken.
  • Wie verlässlich sind Augenzeugenaussagen jüngerer Kinder und warum werden Berichte über verdrängte und wiederentdeckte Erinnerungen so hitzig debattiert?

    Lösung

    Kinder sind empfänglich für den Fehlinformationseffekt, aber wenn sie in neutralen Worten befragt werden, die sie verstehen, können sie sich präzise an Ereignisse und die Personen erinnern, die daran beteiligt waren. Die Debatte (zwischen Gedächtnisforschern und einigen ambitionierten Therapeuten) dreht sich um die Frage, ob die meisten Erinnerungen an Missbrauch in der frühen Kindheit verdrängt werden und in einer Therapie wieder auffindbar sind, wenn bestimmte Techniken (zur „Gedächtnisarbeit“) wie richtungweisende Fragen oder Hypnose eingesetzt werden. Psychologen stimmen heute überein, dass (1) sexueller Missbrauch eine Tatsache ist, (2) Ungerechtigkeit ebenso Tatsache ist, (3) Vergessen geschieht, (4) wieder aufgedeckte Erinnerungen nichts Besonderes sind, (5) Erinnerungen an etwas, das vor dem 3. Lebensjahr passiert ist, unzuverlässig sind, (6) Erinnerungen, die unter Hypnose oder dem Einfluss von Medikamenten „wieder aufgedeckt“ wurden, besonders unzuverlässig sind und (7) dass Erinnerungen, ob real oder nicht, emotional sehr aufwühlend sein können.
  • Wie können Sie die Erkenntnisse der Gedächtnisforschung nutzen, um im Studium bessere Leistungen zu zeigen?

    Lösung

    Die Erkenntnisse der Gedächtnisforschung legen folgende Strategien nahe, um das Gedächtnis zu verbessern: wiederholtes Lernen, dem Lernstoff Bedeutung verleihen, Abrufhinweise aktivieren, Mnemotechniken anwenden, Interferenz minimieren, mehr schlafen und sich selbst testen, um sicherzugehen, dass man die Inhalte frei reproduzieren und nicht nur wiedererkennen kann.
  • Was ist Kognition und was sind die Funktionen von Begriffen?

    Lösung

    _Kognition_ bezeichnet alle mentalen Aktivitäten, die mit Denken, Wissen, Erinnerung und Kommunikation zu tun haben. Wir benutzen _Begriffe_, mentale Gruppierungen ähnlicher Gegenstände, Ereignisse, Ideen oder Personen, um die Welt um uns herum zu vereinfachen und zu ordnen. Die meisten Begriffe entstehen in Zusammenhang mit _Prototypen_, d. h. typischen Beispielen fu?r eine Kategorie.
  • Welche kognitiven Strategien helfen uns beim Problemlösen und welche Hindernisse stehen uns im Weg?

    Lösung

    Ein _Algorithmus_ ist eine systematische, logische Regel oder Verfahrensweise (so wie eine Schritt-für-Schritt Beschreibung, was man tun muss, um ein Gebäude bei einem Feuer zu evakuieren), die garantiert zur Lösung des vorliegenden Problems führt. Eine _Heuristik_ ist eine einfachere Denkstrategie (z. B. zum Ausgang zu laufen, wenn man dicke Rauchschwaden riecht), die in der Regel schneller, aber auch fehleranfälliger als ein Algorithmus ist. Eine _Einsicht_ ist wieder etwas anderes, weil es sich hier nicht um eine Lösung handelt, die auf einer Strategie beruht, sondern um eine Aha-Reaktion – ein Geistesblitz, mit dem man ein Problem löst. Hindernisse bei der Problemlösung umfassen die _Bestätigungstendenz_, die uns dazu veranlasst vorgefasste Meinungen zu bestätigen statt zu hinterfragen, und Fixierungen, wie ein _mentales Set_, die uns davon abhalten können, einen neuartigen Blickwinkel einzunehmen, von dem aus wir das Problem lösen könnten.
  • Was ist Intuition und wie können die Verfügbarkeitsheuristik, systematische Selbstüberschätzung, Beharren auf Überzeugungen und Framing-Effekte unsere Entscheidungsfindung und Urteilsbildung beeinflussen?

    Lösung

    _Intuition_ ist ein müheloser, plötzlicher und automatischer Gefühlzustand oder Gedanke, den wir oft anstatt von explizitem, bewusstem Überlegen benutzen. Heuristiken ermöglichen schnelle Einschätzungen. Aufgrund der _Verfu?gbarkeitsheuristik_ schätzt man die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen je nach ihrer Verfügbarkeit in der Erinnerung, was häufig dazu führt, dass wir die falschen Dinge fürchten. _Systematische Selbstüberschätzung_ kann uns dazu verleiten, die Treffsicherheit unserer Einschätzungen zu überschätzen. Wenn ursprüngliche Auffassungen, die wir bekundet haben, zweifelhaft geworden sind, kann _Beharren auf Überzeugungen_ dazu führen, dass wir an diesen ursprünglichen Auffassungen festhalten. Das beste Mittel gegen diese Form der Verzerrung besteht darin, dass man sich bemüht, Belege für die Gegenposition zu bedenken. Der _Framing-Effekt (Rahmeneffekt)_ bezeichnet die Auswirkungen der Art und Weise, wie ein Sachverhalt dargestellt wird. Kleine Unterschiede in der Formulierung können uns in die vom Fragesteller gewünschte Richtung lenken.
  • Wie nutzen kluge Denker ihre Intuition?

    Lösung

    Kluge Denker werden ihre Intuition nutzen (die in der Regel anpassungsfähig ist), aber wenn sie komplexe Entscheidungen treffen müssen, dann sammeln sie so viele Informationen wie möglich und lassen ihrem zweigleisigen Verstand dann die Zeit, alle verfügbaren Informationen zu verarbeiten. Sobald wir auf einem Gebiet mehr Fachkompetenz haben, lernen wir immer besser, schnelle und sachkundige Urteile zu fällen.
  • Was wissen wir darüber, wie Tiere denken?

    Lösung

    Forscher ziehen Rückschlüsse über das Bewusstsein und die Intelligenz von Tieren, indem sie ihr Verhalten beobachten. Im Fokus der Forschung stehen größtenteils Menschenaffen, aber auch andere Arten sind untersucht worden. Der heutige Stand der Forschung zeigt, dass andere Arten Begriffe, Zahlen und Werkzeuge gebrauchen, und dass sie kulturelle Errungenschaften von einer Generation an die nächste weiterreichen können. Darüber hinaus zeigen sie Einsicht, Erkennen der eigenen Person, Altruismus, Kooperation, Trauer und die Fähigkeit, Absichten zu erkennen.
  • Welches sind die strukturellen Grundbestandteile einer Sprache?

    Lösung

    _Phoneme_ sind die grundlegende Lauteinheit in einer _Sprache_. _Morpheme_ sind die elementaren Bedeutungseinheiten. _Grammatik_ – das System von Regeln, das uns dazu befähigt, zu kommunizieren – beinhaltet die _Semantik_ (Regeln zur Ableitung einer Bedeutung) und die _Syntax_ (Regeln zur Ordnung von Wörtern in Sätze).
  • Was sind die einzelnen Stufen des Spracherwerbs?

    Lösung

    Der zeitliche Ablauf der Sprachentwicklung ist von Kind zu Kind leicht unterschiedlich, aber alle durchlaufen die gleiche Reihenfolge. Die Fähigkeit zum Sprachverstehen (die Fähigkeit, zu verstehen, was zu einem und über einen gesagt wird) entwickelt sich vor der Fähigkeit zur Sprachproduktion (der Fähigkeit, Wörter hervorzubringen). Mit etwa 4 Monaten _lallen_ Säuglinge und geben eine breite Vielfalt von Lauten von sich, die man in Sprachen überall auf der Welt vorfindet. Mit etwa 10 Monaten enthält ihr Lallen nur noch die Laute, die in der Umgebung des Kindes gesprochen werden. Ungefähr mit 12 Monaten sprechen Kleinkinder in einzelnen Wörtern. Dieses _Einwortstadium_ entwickelt sich vor dem 2. Geburtstag zum _Zweiwortstadium (Telegrammstil)_. Kurz danach fangen die Kinder an, in ganzen Sätzen zu sprechen.
  • Wie erwerben wir Sprache?

    Lösung

    Nach dem Linguisten Noam Chomsky haben alle menschlichen Sprachen eine Universalgrammatik – grundlegende Bausteine einer Sprache – gemeinsam und Menschen kommen ausgestattet mit einer „Veranlagung zum Spracherwerb“ auf die Welt. Wir erlernen eine bestimmte Sprache durch einen Lernprozess, bei dem unsere biologische Veranlagung und unsere Erfahrungen Hand in Hand arbeiten. Die Kindheit ist eine kritische Phase für den flüssigen Erwerb von gesprochener oder durch Gesten ausgedrückter Sprache. Das ist ein wichtiger Aspekt für die Eltern gehörloser Kinder, die vielleicht den Umgang mit gesprochener Sprache meistern würden, wenn sie während dieser kritischen Phase ein Kochleaimplantat erhielten. Die Fürsprecher der Gehörlosenkultur sind gegen solche Implantate, da Gehörlosigkeit für sie einen Unterschied zur Welt der Hörenden darstellt, aber keine Behinderung.
  • Welche Gehirnregionen sind an Sprachverarbeitung und Sprachproduktion beteiligt?

    Lösung

    Zwei wichtige Regionen für die Sprachverarbeitung sind das Broca-Zentrum, ein Teil des Frontalkortex, der den sprachlichen Ausdruck steuert, und das Wernicke-Zentrum im linken Temporallappen, das die Aufnahme von Sprache steuert. Die Sprachverarbeitung ist auch über andere Gehirnregionen verteilt, in denen unterschiedliche neuronale Netzwerke bestimmte linguistische Arbeitsschritte übernehmen.
  • Besitzen auch andere Tiere unsere sprachliche Ausdrucksfähigkeit?

    Lösung

    Eine Reihe von Schimpansen hat gelernt, durch Gebärdensprache oder durch Drücken von Tasten an einem Computer mit Menschen zu kommunizieren. Diese Affen haben einen Wortschatz mit nahezu 200 Wörtern entwickelt; sie kommunizieren, indem sie diese Wörter miteinander verknüpfen, und bringen diese Fähigkeiten ihren Jungen bei, außerdem verfügen sie über ein gewisses Verständnis der Syntax. Aber nur Menschen kommunizieren mithilfe von komplexen Sätzen. Nichtsdestotrotz erfordern die beeindruckenden Kommunikations- und Denkfähigkeiten von Schimpansen und anderen Tieren, dass wir Menschen uns darüber Gedanken machen, was dies für die moralischen Rechte anderer Arten bedeutet.
  • Welche Beziehung besteht zwischen Sprache und Denken, und welchen Nutzen hat es, in Bildern zu denken?

    Lösung

    Obwohl Benjamin Lee Whorfs Hypothese des _linguistischen Determinismus_ besagt, dass die Sprache das Denken bestimmt, ist es wohl treffender zu sagen, dass die Sprache das Denken beeinflusst. Unterschiedliche Sprachen sind Ausdruck unterschiedlicher Denkweisen und die Teilnahme an zweisprachigem Schulunterricht kann das Denken verbessern. Wir denken oft in Bildern, wenn wir das prozedurale Gedächtnis nutzen – unser unbewusstes Gedächtnissystem fu?r motorische und kognitive Fertigkeiten und konditionierte Assoziationen. Denken in Bildern kann unsere Fähigkeiten tatsächlich verbessern, wenn wir uns mental auf bevorstehende Ereignisse vorbereiten.
  • Wie wird Intelligenz definiert?

    Lösung

    _Intelligenz_ ist eine geistige Eigenschaft, die sich aus den Fähigkeiten, aus Erfahrung zu lernen, Probleme zu lösen und Wissen anzuwenden, um sich an neue Situationen anzupassen, zusammensetzt. Ein _Intelligenztest_ versucht, diese Fähigkeiten zu bewerten und sie unter Verwendung numerischer Werte mit denen anderer Personen zu vergleichen.
  • Was sind die Argumente für und gegen den Gedanken, dass Intelligenz eine allgemeine geistige Fähigkeit ist?

    Lösung

    Charles Spearman stellte die Behauptung auf, dass wir eine _allgemeine Intelligenz (g-Faktor)_ besitzen. Er war an der Entwicklung der _Faktorenanalyse_ beteiligt, einem statistischen Verfahren, das Cluster ähnlicher geistiger Fähigkeiten identifizieren kann. L. L. Thurstone teilte diese Meinung nicht und ermittelte 7 verschiedene Cluster geistiger Fähigkeiten. Trotzdem ist es oft so, dass Menschen, die innerhalb eines Clusters hohe Werte erzielen, dies auch in anderen Clustern tun. Studien legen nahe, dass g-Werte in neuartigen Situationen die größte Vorhersagekraft besitzen, sie jedoch nicht mit den Fertigkeiten von Individuen in Situationen, die „uns von der Evolution her vertraut“ sind, korrelieren.
  • Wie unterscheiden sich die Theorien multipler Intelligenzen von Gardner und Sternberg?

    Lösung

    Das _Savant-Syndrom_ scheint Howard Gardners Auffassung zu unterstützen, dass wir mehrere multiple Intelligenzen besitzen. Er schlug acht unabhängige Intelligenzen vor: die sprachliche, die logisch-mathematische, die musikalische, die räumliche, die körperlich-kinästhetische, die intrapersonale, die interpersonale und die auf die Natur bezogene Intelligenz. In Robert Sternbergs triarchischer Intelligenztheorie wird vorgeschlagen, dass es nur drei Intelligenzbereiche gibt, die alltägliche Fähigkeiten vorhersagen: die analytische (Problemlösen in der Schule), die kreative und die praktische Intelligenz.
  • Was ist Kreativität und was fördert sie?

    Lösung

    _Kreativität_, die Fähigkeit, neuartige und nützliche Ideen hervorzubringen, korreliert etwas mit Intelligenz, aber oberhalb eines IQs von 120 tendiert die Korrelation gegen null. Sternberg hat behauptet, dass die Kreativität fünf Komponenten umfasst: Expertenwissen, Vorstellungsvermögen, eine risikobereite Persönlichkeit, intrinsische Motivation und eine kreative Umwelt, die kreative Ideen auslöst, unterstützt und verfeinert.
  • Was sind die 4 Komponenten der emotionalen Intelligenz?

    Lösung

    Die _emotionale Intelligenz_, die einen Aspekt der sozialen Intelligenz darstellt, ist die Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen, mit ihnen umzugehen und sie zu nutzen. Emotional intelligente Menschen erlangen größere Erfolge im persönlichen und beruflichen Bereich. Kritiker der Vorstellung von der emotionalen Intelligenz fragen, ob wir die Vorstellung von der Intelligenz nicht zu stark erweitern, wenn wir sie auf Emotionen anwenden.
  • In welchem Ausmaß ist Intelligenz von der Gehirnanatomie abhängig?

    Lösung

    Neuere Studien haben eine positive Korrelation zwischen Intelligenztestwerten und der Gehirngröße sowie der Gehirnaktivität, vor allem in den Frontal- und Parietallappen, gefunden. Ein hohes Volumen an grauer und weißer Substanz ermöglicht eine effiziente Kommunikation zwischen den neuronalen Schaltkreisen.
  • In welchem Ausmaß ist Intelligenz von der Geschwindigkeit der neuronalen Verarbeitung abhängig?

    Lösung

    Menschen, die in Intelligenztests gut abschneiden, haben tendenziell flinkere Gehirne, die Reize schneller wahrnehmen und Informationen mit höherer Geschwindigkeit neuronal verarbeiten. Die Richtung der Korrelation konnte bis heute noch nicht festgelegt werden und ein dritter Faktor könnte sowohl die Intelligenz als auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit beeinflussen.
  • Wann und warum wurden Intelligenztests entwickelt?

    Lösung

    Im späten 19. Jahrhundert versuchte Francis Galton, der daran glaubte, dass Genie erblich ist, einen einfachen Intelligenztest zu entwickeln, aber er scheiterte. Im Jahre 1904 initiierte Alfred Binet, der sich für eine umweltbedingte Erklärung von Intelligenzunterschieden aussprach, in Frankreich die Bewegung zum modernen Testen der Intelligenz. Dies geschah, indem er Fragen entwickelte, die dazu beitrugen, den künftigen Fortschritt von Kindern im Schulsystem von Paris vorherzusagen. Während des frühen 20. Jahrhunderts überarbeitete Lewis Terman von der Stanford University Binets Test, um ihn in den USA einzusetzen. Terman glaubte, Intelligenz würde vererbt und er war der Auffassung, dass sein _Stanford-Binet-Intelligenztest_ Menschen zu angemessenen beruflichen Möglichkeiten verhelfen könne. Während dieser Epoche wurden Intelligenztests bedauerlicherweise manchmal dazu eingesetzt, die angeborene Unterlegenheit bestimmter ethnischer und Immigrantengruppen zu „belegen“.
  • Worin unterscheiden sich Leistungs- von Eignungstests?

    Lösung

    _Leistungstests_ werden entwickelt, um zu erfassen, was eine Person gelernt hat. _Eignungstests_ werden entwickelt, um vorherzusagen, was eine Person lernen kann. Der WAIS (_Wechsler Adult Intelligence Scale_), ein Eignungstest, ist der am stärksten verbreitete Intelligenztest für Erwachsene.
  • Was bedeuten die Begriffe Normierung und Normalverteilung?

    Lösung

    _Normierung_ eines Tests bedeutet, dass der Test einer repräsentativen Stichprobe aus der Population der späteren Probanden vorgelegt wird, um eine Grundlage für sinnvolle Testwertvergleiche zu schaffen. Die Verteilung der Testwerte bildet häufig eine Glockenkurve (_Normalverteilung_) – eine in etwa symmetrische Kurve, bei der sich die meisten Werte um den Durchschnitt gruppieren, zu den Extremwerten hin werden es immer weniger.
  • Was bedeuten die Begriffe Reliabilität und Validität?

    Lösung

    Die _Reliabilität_ ist das Ausmaß, in dem ein Test konsistente Ergebnisse liefert (für zwei Hälften des Tests oder wenn Probanden erneut mit demselben Test getestet werden). Die _Validität_ eines Tests beschreibt das Ausmaß, in dem er misst oder vorhersagt, was er messen oder vorhersagen soll. Ein Test verfügt über _Inhaltsvalidität_, wenn er für das entsprechende Verhalten repräsentativ ist (wie etwa eine Fahrprüfung die Fähigkeit zum Autofahren erfasst). Ein Test verfügt über _Vorhersagevalidität_, wenn er das Verhalten vorhersagt, das er vorhersagen soll (Eignungstests haben eine Vorhersagekraft, wenn sich mit ihnen künftige Leistungen vorhersagen lassen).
  • Wie stabil sind Intelligenztestwerte über die Lebensspanne hinweg?

    Lösung

    Querschnittstudien (Vergleich von Menschen unterschiedlichen Alters) und Längsschnittstudien (häufiger wiederholte Testung derselben _Kohorte_ über einen längeren Zeitraum hinweg) haben gezeigt, dass die _fluide Intelligenz_ mit dem Alter nachlässt, zum Teil, da die neuronale Verarbeitung sich verlangsamt. Die _kristalline Intelligenz_ wächst immer weiter. Die Stabilität der Intelligenztestwerte nimmt mit dem Alter zu. Im Alter von 4 Jahren schwanken die Testwerte, doch man kann allmählich die Testwerte im Jugend- und Erwachsenenalter vorhersagen. Im frühen Jugendalter sind die Testwerte dann sehr stabil und haben eine hohe Vorhersagekraft.
  • Welche Eigenschaften haben Menschen, die sich im unteren bzw. oberen Extrembereich der Intelligenz befinden?

    Lösung

    Ein Intelligenztestwert von 70 oder weniger ist ein diagnostisches Kriterium für die Diagnose einer _geistigen Behinderung_ (weitere Kriterien sind eingeschränkte konzeptuelle, soziale und praktische Fähigkeiten). Menschen mit dieser Diagnose unterscheiden sich in ihren Fähigkeiten, von beinahe normal bis zu einem sehr geringen Niveau, bei der sie ständig Hilfe und Aufsicht benötigen. Das _Down-Syndrom_ ist eine Entwicklungsstörung, die durch eine zusätzliche Kopie des Chromosoms 21 verursacht wird.

    Menschen mit hohen Testwerten neigen dazu, gesund, gut angepasst und im schulischen Bereich ungewöhnlich erfolgreich zu sein. Die Schulen fassen diese Kinder manchmal in speziellen Lerngruppen zusammen und trennen sie von denen mit geringeren Testwerten. Derartige Programme können zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen, weil Kinder beider Gruppen der Wahrnehmung ihrer Fähigkeiten und den Erwartungen an sie gerne entsprechen.
  • Welche Befunde sprechen für die genetische Bedingtheit der individuellen Intelligenz und was versteht man unter Erblichkeit?

    Lösung

    Studien an Zwillingen, Familienmitgliedern und Adoptivkindern stützen allesamt die Auffassung, dass genetische Faktoren in bedeutsamer Weise zu den Intelligenzwerten beitragen. Die Intelligenz scheint polygenetisch zu sein und Forscher sind derzeit auf der Suche nach Genen, die einen Einfluss auf die Intelligenz ausüben. Die _Erblichkeit_ ist das Ausmaß, in dem sich die Variation der Intelligenztestwerte in einer Gruppe von Menschen, die man untersucht, auf genetische Faktoren zurückführen lässt.
  • Welche Befunde gibt es zu Umwelteinflüssen auf die individuelle Intelligenz?

    Lösung

    Studien an Zwillingen, Familienmitgliedern und Adoptivkindern liefern auch Befunde zu Umwelteinflüssen auf die Intelligenz. Die Intelligenztestwerte von eineiigen Zwillingen, die getrennt aufwuchsen, sind sich weniger ähnlich (wenn auch immer noch sehr hoch miteinander korreliert) als die Testwerte eineiiger Zwillinge, die zusammen aufwuchsen. Andere Studien mit Kindern, die in extrem kargen Umweltsituationen mit minimaler sozialer Interaktion aufwuchsen, deuten darauf hin, dass Lebenserfahrungen das Intelligenztestergebnis signifikant beeinflussen können. Es gibt aber keine Belege für die Idee, dass normale, gesunde Kinder in Genies verwandelt werden können, wenn sie in einer außergewöhnlich stimulierenden Umwelt aufwachsen.
  • Wie und warum unterscheiden sich die Geschlechter in Bezug auf geistige Fähigkeiten?

    Lösung

    Männer und Frauen haben oft dieselben durchschnittlichen Intelligenztestwerte. Sie unterscheiden sich jedoch in einigen spezifischen Fähigkeiten. Mädchen sind besser in der Rechtschreibung, haben eine höhere Wortflüssigkeit, können besser Gegenstände auffinden, können Emotionen besser erkennen und sind sensibler für Berührungen, Geschmäcker und Farben. Jungen zeigen bei räumlichen Fähigkeiten und damit verwandten mathematischen Problemen bessere Leistungen als Mädchen, während die Mädchen bei mathematischen Berechnungen bessere Leistungen aufweisen als Jungen. Es finden sich außerdem mehr Jungen sowohl im unteren als auch im oberen Extrembereich geistiger Fähigkeiten. Psychologen diskutieren evolutionäre, gehirnbasierte und kulturelle Erklärungen solcher Geschlechterunterschiede.
  • Wie und warum unterscheiden sich ethnische Gruppen in Bezug auf geistige Fähigkeiten?

    Lösung

    Als Gruppe haben die weißen Amerikaner einen höheren Durchschnittswert im Intelligenztest als Amerikaner lateinamerikanischer und afroamerikanischer Herkunft. Diese Lücke war jedoch vor einem halben Jahrhundert größer als sie jetzt ist. Befunde deuten darauf hin, dass Umweltunterschiede weitgehend bzw. ausschließlich für diese Gruppenunterschiede verantwortlich sind.
  • Können Intelligenztests zu verzerrenden Ergebnissen führen?

    Lösung

    Mit Eignungstests soll vorhergesagt werden, wie gut die Leistung des Probanden in Zukunft in einer bestimmten Situation sein wird. Damit sind sie von vornherein „verzerrt“ und zwar in der Hinsicht, dass sie auf durch kulturelle Erfahrungen bedingte Leistungsunterschiede empfindlich reagieren. Mit „unangemessener Verzerrung“ meinen Psychologen, dass ein Test für eine Gruppe weniger genaue Ergebnisse vorhersagt als für eine andere. In diesem Sinne sind sich die meisten Experten einig, dass die wichtigsten Eignungstests nicht auf signifikante Weise verzerrt sind. Der _Stereotype Threat_ ist eine sich selbst bestätigende Sorge, dass man aufgrund eines negativen Stereotyps bewertet wird, und er beeinflusst die Leistung in allen möglichen Testarten.
  • Wie definieren Psychologen _Motivation_? Aus welchen Perspektiven betrachten sie motiviertes Verhalten?

    Lösung

    _Motivation_ ist ein Bedürfnis oder ein Wunsch, der unser Verhalten antreibt und lenkt. Die _Instinkttheorie_ bzw. die _evolutionäre Perspektive_ untersucht genetische Einflüsse auf komplexes Verhalten. Die _Triebreduktionstheorie_ untersucht, wie physiologische Bedürfnisse erregte Spannungen erzeugen (Triebe), die uns dazu motivieren, die Bedürfnisse zu befriedigen. Das Ziel der Triebreduktion ist die _Homöostase_, die Aufrechterhaltung eines ausgeglichenen und konstanten inneren Zustandes. Die _Erregungstheorie_ geht davon aus, dass manche Verhaltensweisen (wie solche, die von der Neugier angetrieben sind) keine physiologischen Bedürfnisse reduzieren, sondern von einem Drang nach einem optimalen Stimulierungsgrad ausgelöst werden. Maslows _Bedürfnishierarchie_ ist eine Bedürfnispyramide, die von Grundbedürfnissen, wie Hunger und Durst, zu Bedürfnissen auf einem höheren Niveau, wie Selbstverwirklichung und Selbstüberschreitung, reicht.
  • Welche physiologischen Einflussfaktoren rufen Hunger hervor?

    Lösung

    Das Knurren eines leeren Magens kommt von den Kontraktionen des Magens, aber Hunger hat noch andere Ursachen. Neuronale Gebiete im Gehirn, einige davon liegen im Hypothalamus, überwachen die Zusammensetzung des Blutes (den Blutzuckerspiegel mit eingeschlossen) und die Verhältnisse im Inneren des Körpers. Appetithormone sind z. B. Insulin (kontrolliert den Blutzuckerspiegel); Ghrelin (wird bei leerem Magen ausgeschüttet); Orexin (vom Hypothalamus ausgeschüttet); Leptin (von Fettzellen ausgeschüttet) und PYY (vom Verdauungstrakt ausgeschüttet). Der Grundumsatz ist die Energiemenge, die für die Erhaltung der grundlegenden Körperfunktionen im Ruhezustand benötigt wird. Der Körper könnte einen _Set Point_ haben (eine biologisch festgelegte Tendenz, ein optimales Gewicht zu halten) oder einen etwas lockereren Settling Point (auch von der Umwelt beeinflusst).
  • Welche psychologischen, kulturellen und situativen Faktoren beeinflussen Hunger?

    Lösung

    Hunger spiegelt auch unsere Erinnerung wider, wann wir das letzte Mal gegessen haben, und unsere Erwartung, wann wir wieder essen sollten. Menschen präferieren generell bestimmte Geschmäcker (so wie Süßes und Salziges), aber unsere individuellen Vorlieben sind auch von Gewohnheit, Kultur und Situation beeinflusst. Manche Geschmacksvorlieben, so wie die Vermeidung von nicht vertrauter Nahrung oder von Nahrung, von der wir krank geworden sind, haben eine Bedeutung für das Überleben.
  • Welche Faktoren veranlagen Menschen dazu, adipös zu werden und es zu bleiben?

    Lösung

    Die Gene und die Umwelt interagieren bei der Entstehung von Adipositas. Umwelteinflüsse beinhalten einen Mangel an sportlichen Aktivitäten, einen Überfluss an kalorienreicher Nahrung und soziale Einflüsse. Adipositas trägt zu Depression bei – besonders bei Frauen – und Depression fördert Adipositas. Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen, dass das Körpergewicht auch genetisch beeinflusst ist (durch den Grundumsatz, die Körpermasse und durch FTO-Gene). Denen, die gerne Gewicht verlieren würden, wird geraten, eine lebenslange Veränderung der Essgewohnheiten umzusetzen, sich verlockendem Essen so wenig wie möglich auszusetzen, den Energieverbrauch durch sportliche Aktivitäten anzutreiben, gesunde Nahrung in kleinen Portionen zu essen, die Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, Fressattacken zu vermeiden, genug zu schlafen und sich gelegentliche Ausrutscher zu verzeihen.
  • Was ist der sexuelle Reaktionszyklus beim Menschen und welche Störungen unterbrechen ihn?

    Lösung

    Masters u. Johnson beschrieben 4 Phasen des menschlichen _sexuellen Reaktionszyklus_: die _Erregungsphase_, die _Plateauphase_, den _Orgasmus_ (der mit ähnlichen Gefühlen und Gehirnaktivitäten bei Männern und Frauen einherzugehen scheint) und die _Entspannungsphase_. Während der _Entspannungsphase_ erlebt ein Mann eine _Refraktärphase_, in der eine neue Erregung nicht möglich ist und in der er keinen weiteren Orgasmus haben kann. _Sexuelle Störungen_ sind Probleme, welche die sexuelle Erregung oder Funktionsfähigkeit anhaltend beeinträchtigen. Sie können oft erfolgreich durch Verhaltenstherapie oder Pharmakotherapie behandelt werden.
  • Wie beeinflussen Hormone und äußere und innere Reize die menschliche sexuelle Motivation?

    Lösung

    Die weiblichen _Östrogenhormone_ und die männlichen _Testosteronhormone_ beeinflussen das menschliche Sexualverhalten weniger direkt als sie das Sexualverhalten anderer Arten beeinflussen. Die Sexualität der Frau reagiert stärker auf den Testosteronspiegel als auf den Östrogenspiegel. Bei Männern sind Schwankungen im Testosteronspiegel normal, teilweise als Reaktion auf Stimulation. Äußere Reize können sexuelle Erregung bei Männern und Frauen auslösen, obwohl sich die aktivierten Gehirnareale ein wenig unterscheiden. Männer reagieren spezifischer auf sexuelle Darstellungen, die ihr bevorzugtes Geschlecht beinhalten. Sexuell eindeutiges Material könnte dazu führen, dass Menschen ihre Partner im Vergleich als weniger attraktiv ansehen und ihre Beziehung entwerten. In der Fantasie vorgestellte Reize (Träume und Fantasien) können auch die sexuelle Erregung beeinflussen.
  • Welche Faktoren beeinflussen Teenagerschwangerschaften und das Risiko sexuell übertragbarer Infektionen?

    Lösung

    Der Anteil des Geschlechtsverkehrs bei Jugendlichen variiert von Kultur zu Kultur und von Epoche zu Epoche. Faktoren, die zu Teenagerschwangerschaften beitragen, beinhalten minimale Kommunikation über Verhütung mit Eltern, Partnern und Freunden; Schuldgefühle in Bezug auf die sexuelle Aktivität; Alkoholgenuss und die Darstellung freizügigen sexuellen Verhaltens in den Medien. Sexuell übertragbare Infektionen (STI) haben sich schnell ausgebreitet. Versuche, Teenager durch umfassende Programme zur Sexualerziehung zu schützen, beinhalten Unterricht über Verhütung und Enthaltsamkeit. Hohe Intelligenz, religiöses Engagement, die Präsenz eines Vaters und die Teilnahme an „Service-Learning“-Programmen waren Prädiktoren für die sexuelle Zurückhaltung Jugendlicher.
  • Was hat uns die Forschung über sexuelle Orientierungen gelehrt?

    Lösung

    Umfragen zeigen uns, wie viele Menschen (etwa 3%) sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, Statistiken können jedoch nicht über Themen der Menschenrechte entscheiden. Die _sexuelle Orientierung_ ist kein Indikator für mentale Gesundheit. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Umwelteinflüsse die sexuelle Orientierung bestimmen. Belege für biologische Einflüsse beziehen das Vorhandensein der Anziehung zum gleichen Geschlecht bei vielen Tierarten mit ein; Unterschiede in Körper- und Gehirnmerkmalen zwischen Homosexuellen und Heterosexuellen; höhere Anteile in bestimmten Familien und bei eineiigen Zwillingen; die Erfahrung mit bestimmten Hormonen während kritischer Perioden der pränatalen Entwicklung und der brüderliche Geburtsreihenfolgeneffekt.
  • Ist die wissenschaftliche Forschung über die sexuelle Motivation frei von Wertvorstellungen?

    Lösung

    Wissenschaftliche Forschung über sexuelle Motivation versucht nicht, die persönliche Bedeutung von Sex in unserem Leben zu definieren. Trotzdem sind die Forschung und die Erziehung über Sex nicht frei von Wertvorstellungen.
  • Welchen Beleg gibt es für das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit?

    Lösung

    Unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit – sich mit anderen verbunden fühlen und sich mit ihnen zu identifizieren – hatte einen Nutzen für das Überleben unserer Vorfahren, was erklärt, warum Menschen in jeder Gesellschaft in Gruppen leben. Aufgrund des Bedürfnisses nach Zugehörigkeit leiden Menschen, wenn sie sozial ausgeschlossen werden, und sie zeigen kontraproduktives (schneiden in Leistungstests schlechter ab) oder antisoziales Verhalten. Belohnungszentren werden aktiviert, wenn wir uns geliebt fühlen.
  • Wie beeinflussen uns soziale Netzwerke?

    Lösung

    Wir verbinden uns durch soziale Netzwerke mit anderen und stärken so unsere Beziehungen mit denen, die wir bereits kennen. In sozialen Netzwerken tendieren die Menschen zu verstärkter Selbstoffenbarung. Das Ausarbeiten von Strategien zur Selbstkontrolle und deren disziplinierter Gebrauch können Menschen helfen, einen gesunden Ausgleich zwischen sozialen Verbindungen und der Leistung in der Schule und auf der Arbeit zu erhalten.
  • Was ist der sog. „Flow“, und welche sind die drei Unterfelder der Arbeits- und Organisationspsychologie?

    Lösung

    Ein „Flow“-Erlebnis ist ein fokussierter Zustand völliger Hingabe, mit verminderter Wahrnehmung des eigenen Selbst und der Zeit. Es resultiert aus der vollständigen Beanspruchung der eigenen Fähigkeiten. Die drei Unterfelder der A&O-Psychologie sind die Personal-, Organisations- und Human-Factors-Psychologie.
  • Wie helfen Personalpsychologen Organisationen bei der Personalauswahl, der Arbeiterplatzierung und der Leistungsbeurteilung?

    Lösung

    _Personalpsychologen_ arbeiten in Organisationen, um Auswahlverfahren für neue Angestellte zu entwickeln; Bewerber anzuwerben und zu bewerten; Trainingsprogramme zu entwerfen und zu bewerten; die Stärken von Menschen zu identifizieren; den Jobinhalt zu analysieren und die Leistung der Individuen und der Organisation einzuschätzen. Subjektive Interviews fördern die „Interviewerillusion“; _Strukturierte Interviews_ zeigen jobrelevante Stärken auf und sind bessere Prädiktoren für die Leistung. Checklisten, graphische Bewertungsskalen und verhaltensbezogene Bewertungsskalen sind nützliche Verfahren der Leistungseinschätzung.
  • Was ist Leistungsmotivation? Welche Rolle spielen Organisationspsychologen?

    Lösung

    _Leistungsmotivation_ ist der Wunsch nach herausragenden Leistungen; beinhaltet einen Wunsch nach Kontrolle und nach schnellem Erreichen eines hohen Standards. _Organisationspsychologen_ untersuchen die Einflüsse der Arbeitszufriedenheit und Produktivität und erleichtern organisatorische Veränderungen. Die Zufriedenheit und das Engagement der Angestellten scheinen mit dem Erfolg von Organisationen zu korrelieren.
  • Was sind erfolgreiche Führungstechniken?

    Lösung

    Erfolgreiche Führungskräfte nutzen jobrelevante Stärken; setzen spezifische, anspruchsvolle Ziele und wählen einen geeigneten Führungsstil. Der Führungsstil kann zielorientiert (aufgabenorientierter Führungsstil) oder gruppenorientiert (sozialer Führungsstil) sein oder eine Kombination der beiden Führungsstile sein.
  • Wie arbeiten Arbeitspsychologen, um benutzerfreundliche Maschinen und Arbeitsumfelder herzustellen?

    Lösung

    Arbeitspsychologen tragen zur Sicherheit der Menschen und zu verbessertem Design bei, indem sie die Entwickler und Designer dazu ermutigen, die menschliche Wahrnehmung zu beachten, den Fluch des Wissens zu vermeiden und Benutzer zu testen, um Probleme, die mit der Wahrnehmung zusammenhängen, aufzudecken.
  • Welches Wechselspiel zwischen Erregung und Ausdrucksverhalten gibt es bei Emotionen?

    Lösung

    Emotionen sind psychologische Reaktionen des gesamten Organismus. Sie setzen sich aus dem Wechselspiel von physiologischer Erregung, Ausdrucksverhalten und bewussten Erfahrungen zusammen. Emotionstheorien befassen sich in der Regel mit zwei großen Fragen: (1) Tritt die physiologische Erregung vor oder nach den Gefühlen auf, und (2) wie beeinflussen sich Kognition und Gefühl gegenseitig? Die James-Lange-Theorie behauptet, dass das Gefühl der körperlichen Reaktion auf emotionsinduzierende Reize folgt. Die Cannon-Bard-Theorie besagt hingegen, dass unser Körper im selben Moment auf eine Emotion reagiert, in dem wir die Emotion auch wahrnehmen (das eine löst nicht das andere aus).
  • Müssen wir Emotionen bewusst interpretieren und benennen, um sie erleben zu können?

    Lösung

    Die Zwei-Faktoren-Theorie von Schachter und Singer geht davon aus, dass unsere Emotionen zwei Bestandteile haben: körperliche Erregung sowie ein kognitives Etikett. Und diese kognitiven Etiketten, die wir auf unsere Erregungszustände kleben, sind ein entscheidender Bestandteil der Emotion. Lazarus stimmte der Annahme zu, dass viele wichtige Emotionen auf unsere Interpretationen oder Folgerungen zurückzuführen sind. Zajonc und LeDoux glauben jedoch, dass manche einfachen emotionalen Reaktionen spontan entstehen, nicht nur außerhalb unseres Bewusstseins, sondern auch bevor jegliche kognitive Verarbeitung einsetzt. Diese Wechselwirkung zwischen Emotion und Kognition veranschaulicht unseren zweigleisigen Verstand.
  • Was ist das Bindeglied zwischen emotionaler Erregung und dem autonomen Nervensystem? Wie beeinflusst diese Erregung die Leistung?

    Lösung

    Die Erregung als eine Komponente der Emotion wird von den sympathischen (erregenden) und parasympathischen (beruhigenden) Teilen des autonomen Nervensystems reguliert. Schwierige Aufgaben können mit einem niedrigen Erregungsniveau am besten gelöst werden, bei einfachen oder gut gelernten Aufgaben zeigt sich hingegen bei einem hohen Erregungsniveau die beste Leistung.
  • Rufen verschiedene Emotionen auch verschiedene physiologische Reaktionen und Hirnaktivitätsmuster hervor?

    Lösung

    Emotionen können in gleicher Weise erregend sein, allerdings unterscheiden sie sich in einigen subtilen physiologischen Reaktionen, wie z. B in Bewegungen der Gesichtsmuskeln. Bedeutendere Unterschiede haben sich in der Aktivität von Neuronenbahnen und kortikalen Bereichen des Gehirns sowie in der Hormonausschüttung gezeigt, die mit verschiedenen Emotionen assoziiert ist.
  • Wie effektiv können Polygrafen Lügen anhand körperlicher Zustände detektieren?

    Lösung

    Polygrafen, die verschiedene physiologische Emotionsindikatoren messen, sind nicht genau genug, um den weitverbreiteten Einsatz in der Strafverfolgung zu rechtfertigen. Der Gebrauch von Fragen zu Täterwissen und neue Formen dieser Technologie könnten eine bessere Lügenerkennung ermöglichen.
  • Wie kommunizieren wir nonverbal? Wie unterscheiden sich die Geschlechter in dieser Fähigkeit?

    Lösung

    Ein Großteil unserer Kommunikation besteht aus Körperbewegungen, Gesichtsausdrücken und der Stimmfärbung. Auch sekundenlange Filmsequenzen einer Bewegung können schon Gefühle erkennen lassen. Frauen können emotionale Hinweisreize oftmals einfacher entschlüsseln und sind häufig empathischer.
  • Werden nonverbale Emotionsausdrücke universell verstanden?

    Lösung

    Die Bedeutung von Gesten ist von Kultur zu Kultur verschieden. Ein Gesichtsausdruck, wie der der Freude oder Angst, ist allerdings auf der ganzen Welt gleich. Kulturen unterscheiden sich außerdem darin, wie viel Emotion sie zeigen.
  • Beeinflusst unser Gesichtsausdruck unsere Gefühle?

    Lösung

    Forschung zum Rückkopplungseffekt des Gesichtsausdrucks zeigt, dass unser Gesichtsausdruck Gefühle auslösen und dem Körper signalisieren kann, entsprechend zu reagieren. Außerdem imitieren wir den Gesichtsausdruck anderer Menschen, weil es uns dabei hilft, empathisch zu sein.
  • Welche Grundemotionen gibt es und welche beiden Dimensionen helfen uns, sie zu unterscheiden?

    Lösung

    Die zehn Basisemotionen von Izard sind Freude, Interesse/Aufregung, Überraschung, Traurigkeit, Wut, Ekel, Verachtung, Furcht, Scham und Schuldgefühl. Die zwei Dimensionen der Emotion sind positive versus negative Valenz und niedrige versus hohe Erregung.
  • Was sind die Auslöser und Folgen von Wut?

    Lösung

    Wut entsteht meistens durch ein Fehlverhalten, das wir als willentlich, ungerechtfertigt und unvermeidbar interpretieren. Kleinere Frustrationen und unbeabsichtigte Beleidigungen können aber auch zu Wut führen. Emotionale _Katharsis_ kann für kurze Zeit beruhigend wirken, langfristig reduziert sie die Wut aber nicht. Wut einzustudieren kann uns noch wütender machen. Kontrolliert Gefühle hervorzubringen kann dazu beitragen, Konflikte zu lösen, und jemandem zu verzeihen, kann uns ganz von unserer Wut befreien.
  • Was sind die Auslöser und Folgen des Glücklichseins?

    Lösung

    Eine gute Stimmung hellt bei Menschen die Wahrnehmung der Welt auf und erhöht ihre Bereitschaft, anderen zu helfen (Phänomen „Fühl dich gut, und du tust etwas Gutes“). Die Stimmungen, die durch gute oder schlechte Ereignisse ausgelöst werden, dauern selten länger als einen Tag an. Sogar ganz erheblich positive Ereignisse, wie z. B. plötzlicher Reichtum, steigern das Glücklichsein selten langfristig. Das Glücklichsein steht in Relation zu unseren eigenen Erfahrungen (Phänomen des Anpassungslevels) und zum Erfolg anderer (Prinzip der Relativen Deprivation). Manche Menschen scheinen eine genetische Prädisposition dafür zu haben, glücklicher zu sein als andere. Kulturen, die sich darin unterschieden, welche Charakterzüge sie schätzen und welche Verhaltensweisen sie erwarten und belohnen, beeinflussen ebenfalls das persönliche Level des Glücklichseins.
  • Welche Ereignisse rufen Stressreaktionen hervor? Wie reagieren wir auf Stress? Und wie können wir uns daran gewöhnen?

    Lösung

    Als Stress wird der Prozess bezeichnet, mit dem wir Stressoren (Katastrophen, erhebliche Lebensveränderungen und tägliche Ärgernisse), die uns herausfordern oder bedrohen, bewerten und auf sie reagieren. Walter Cannon betrachtete die Stressreaktion als eine Art „Kampf-oder-Flucht“-System. Später konnten Forscher ein weiteres Stressreaktionssystem identifizieren, bei dem die Nebennieren Glukokortikoid-Stresshormone ausschütten. Hans Selye ging von einem üblicherweise dreistufigen allgemeinen Adaptationssyndrom (Alarm, Widerstand, Erschöpfung) aus. Langfristiger Stress kann Neuronen beschädigen, indem er den Zelltod beschleunigt. Wenn sie Stress erleben, neigen Frauen zu einer „Tend-and-befriend”-Reaktion; Männer hingegen ziehen sich eher sozial zurück, wenden sich dem Alkohol zu oder werden aggressiv.
  • Wodurch macht uns Stress anfälliger für Krankheiten?

    Lösung

    Psychoneuroimmunologen erforschen die Interaktionen von Körper und Geist, welche stressbedingte körperliche Krankheiten, wie Bluthochdruck und manche Formen des Kopfschmerzes, umfassen. Stress zweigt Energie vom Immunsystem ab und hemmt so die Aktivität der B- und T-_Lymphozyten_, Makrophagen und NK-Zellen. Stress verursacht zwar keine Krankheiten wie AIDS oder Krebs, aber dadurch, dass er die Funktionsweise unserer Immunabwehr verändert, kann er uns anfälliger dafür machen und den Krankheitsverlauf beeinflussen.
  • Warum neigen manche Menschen mehr zu koronaren Herzkrankheiten als andere?

    Lösung

    Koronare Herzerkrankungen – die häufigste Todesursache in Nordamerika wie auch in Deutschland – wurden mit der reaktiven, leicht reizbaren Typ-A-Persönlichkeit in Verbindung gebracht. Im Vergleich zur entspannten und gelassenen Typ-B-Persönlichkeit schütten Menschen vom A-Typ mehr von denjenigen Hormonen aus, die die Entstehung von Ablagerungen an den Arterienwänden des Herzens beschleunigen. Chronischer Stress trägt auch seinen Teil zu einer langanhaltenden Entzündung bei, die das Risiko verstopfter Arterien und Depressionen erhöht.
  • Wie gehen Menschen mit Stress um? Und wie beeinflusst ein wahrgenommener Mangel an Kontrolle die Gesundheit?

    Lösung

    Problemorientiertes Coping versucht den Stressor selbst oder die Art wie wir mit ihm umgehen zu ändern. Emotionsfokussiertes Coping zielt darauf ab, Stressoren zu vermeiden oder zu ignorieren und stattdessen emotionalen Bedürfnissen nachzugehen, die mit der Stressreaktion zusammenhängen. Ein wahrgenommener Kontrollverlust verursacht eine Hormonausschüttung, die die Gesundheit eines Menschen gefährdet.
  • Was ist die Verbindung zwischen der Grundeinstellung zum Leben, sozialer Unterstützung, Stress und der Gesundheit?

    Lösung

    Studien, die an Menschen mit einer optimistischen Grundeinstellung durchgeführt wurden, zeigen, dass deren Blutdruck in Reaktion auf Stress nicht so steil ansteigt, ihre Genesung nach einer Bypass-Untersuchung am Herzen schneller verläuft und dass ihre Lebenserwartung verglichen mit pessimistischen Menschen länger ist. Soziale Unterstützung fördert die Gesundheit, indem sie uns beruhigt, den Blutdruck und Stresshormonspiegel senkt und die Funktionsweise des Immunsystems stärkt.
  • Wie effektiv ist aerobes Training als Möglichkeit, um mit Stress umzugehen und das Wohlbefinden zu steigern?

    Lösung

    Aerobes Training ist ein sauerstoffverbrauchendes Ausdauertraining, das die Funktionsfähigkeit des Herzens und der Lunge steigert. Es erhöht die Erregung, führt zu Muskelentspannung und gesundem Schlaf, stimuliert die Produktion von Neurotransmittern und steigert das Selbstbild. Es kann Depressionen lindern und steht – später im Leben – in Verbindung mit besseren kognitiven Fähigkeiten und einem längeren Leben.
  • Wie können Entspannung und Meditation Stress und Gesundheit beeinflussen?

    Lösung

    Es konnte gezeigt werden, dass Entspannung und Meditation Stress reduzieren können, weil sich dadurch die Muskeln entspannen, der Blutdruck sinkt, die Immunabwehr verbessert wird und Angst und Depressionen nachlassen.
  • Was versteht man unter Komplementär- und Alternativmedizin und wie können sie innerhalb der wissenschaftlichen Forschung am besten erfasst werden?

    Lösung

    Die Komplementär- und Alternativmedizin umfasst wissenschaftlich nicht belegte Behandlungen im Rahmen der Gesundheitsversorgung, die die Schulmedizin ergänzen oder als Alternative dazu dienen sollen; sie werden nicht in den medizinischen Fakultäten gelehrt, nicht in den Krankenhäusern praktiziert und gewöhnlich auch nicht von den Krankenkassen erstattet. Um die wahren Effekte der Alternativmedizin von Placeboeffekten und spontanen Heilungseinflüssen unterscheiden zu können, experimentieren Forscher und weisen Menschen dafür zufällig einer Experimental- oder Kontrollbedingung zu.
  • Was ist der Glaubensfaktor und welche möglichen Erklärungen gibt es für den dadurch beschriebenen Zusammenhang?

    Lösung

    Der Glaubensfaktor beschreibt das Ergebnis, dass religiös aktive Menschen tendenziell länger leben als solche, die nicht religiös aktiv sind. Mögliche Erklärungen dafür könnten den Einfluss intervenierender Variablen beinhalten, wie z. B. gesunde Verhaltensweisen, soziale Unterstützung oder positive Emotionen, die oft bei Menschen gefunden werden können, die regelmäßig an Gottesdiensten teilnehmen.
  • Wie führten Sigmund Freuds Behandlungen psychischer Störungen zu seiner Sichtweise über das Unbewusste?

    Lösung

    Als Arzt, der auf neurologische Störungen spezialisiert war, traf Freud auf Patienten, deren Beschwerden nicht durch rein körperliche Ursachen erklärt werden konnten. Freud schloss daraus, dass jene Probleme inakzeptable Gedanken und Gefühle reflektieren, die im _Unbewussten_ verborgen sind. Um diesen versteckten Teil der Seele eines Patienten aufzudecken, bediente sich Freud der _freien Assoziation_ und der Traumdeutung.
  • Wie betrachtete Freud Persönlichkeit?

    Lösung

    Freud glaubte, dass Persönlichkeit das Produkt unbewusster Konflikte zwischen den drei Instanzen der Seele ist: dem _Es_, das nach maximalem Lustgewinn strebt, dem _Ich_, der realitätsorientierten Instanz, und dem _Über-Ich_, dem internalisierten Wertesystem bzw. Gewissen.
  • Von welchen Entwicklungsphasen ging Freud aus?

    Lösung

    Freud war der Auffassung, dass Kinder _psychosexuelle Phasen_ durchleben (die orale, die anale, die phallische, die Latenzperiode und die genitale Phase). Eine Person, die Konflikte im Zusammenhang mit einer psychosexuellen Phase nicht lösen kann, kann auf diese Phase _fixiert_ bzw. in ihr gefangen bleiben.
  • Wie wehren sich Menschen, laut Freud, gegen Angst?

    Lösung

    Freud war der Überzeugung, das Ich verwende die _Abwehrmechanismen_ dazu, sich selbst vor Angst zu schützen, die als Nebenprodukt des Konflikts zwischen den konkurrierenden Forderungen des Es und des Über-Ichs entsteht. Das Ich bewältige diese durch unbewusste Abwehrmechanismen, wie der _Verdrängung_, welche er als grundlegenden Mechanismus ansah, der den anderen Abwehrmechanismen zu Grunde liege und diese ermögliche.
  • Welche seiner Ideen verwarfen bzw. akzeptierten Freuds Anhänger?

    Lösung

    Freuds frühe Anhänger, die Neo-Freudianer, akzeptierten viele seiner Ideen. Sie grenzten sich dadurch ab, indem sie mehr Gewicht auf das Bewusste sowie auf soziale Motive legten als auf Sexualität und Aggression. Die heutigen psychodynamischen Theoretiker und Therapeuten lehnen einige Aspekte von Freuds Theorie ab, so etwa den Gedanken, dass sexuelle Spannungen zentral für die Ausbildung der Persönlichkeit sind. Sie sind aber gemeinsam mit Freud der Auffassung, dass ein Großteil unseres Seelenlebens unbewusst ist, dass die Kindheit unsere Persönlichkeit und die Bindungsstile formt und dass wir innere Konflikte zwischen unseren Wünschen, Ängsten und Wertvorstellungen erleben.
  • Was sind projektive Tests, wie werden sie eingesetzt und welche Kritikpunkte gibt es an diesen?

    Lösung

    _Projektive Tests_ zielen darauf ab, Persönlichkeit dadurch zu erfassen, indem man Leuten undeutliche Stimuli zeigt, die viel Interpretationsspielraum zulassen. Einer jener Tests, der _Rorschach-Test_ („Tintenkleks-Test“) weist eine niedrige Reliabilität und Validität auf.
  • Wie beurteilt die heutige Psychologie Freuds Psychoanalyse?

    Lösung

    Sie rechnen Freud hoch an, das weitgehende Unbewusste in den Vordergrund gestellt zu haben, den Kampf, unsere Sexualität zu beherrschen, den Konflikt zwischen biologischen Triebregungen und sozialen Zwängen sowie einige Abwehrmechanismen (Effekt der Konsensüberschätzung, Projektion, Reaktionsbildung) und unbewusste Strategien des _Terror-Managements_. Doch sein Konzept der _Verdrängung_ und seine Ansicht des Unbewussten als Sammlung unterdrückter und inakzeptabler Gedanken, Wünsche, Gefühle und Erinnerungen entziehen sich der wissenschaftlichen Überprüfbarkeit. Freud lieferte nachträgliche Erklärungen, die wissenschaftlich schwer zu überprüfen sind. Die Forschung stützt nicht viele von Freuds spezifischen Ideen, wie die Ansicht, dass die Entwicklung in der Kindheit abgeschlossen wird (wir wissen, dass Entwicklung ein lebenslanger Prozess ist).
  • Wie hat die moderne Forschung unser Verständnis des Unbewussten geprägt?

    Lösung

    Zwar bestätigt die aktuelle Forschung, dass uns der vollständige Zugang zu allem, was sich in unserer Seele abspielt, fehlt, trotzdem ist die derzeitige Meinung über das Unbewusste nicht die, dass es sich dabei um einen versteckten Speicher voller unterdrückter Gedanken und Gefühle handelt. Forscher sehen das Unbewusste eher als separaten und parallelen Weg der Informationsverarbeitung, der außerhalb des Bewusstseins entlangläuft. Zum Beispiel durch Schemata, die unsere Wahrnehmung kontrollieren, Priming, das implizite Erinnern erlernter Fähigkeiten, automatisch aktivierte Gefühle sowie Selbstkonzepte und Stereotype, die Informationen über uns selbst und andere filtern.
  • Was verstanden humanistische Psychologen unter Persönlichkeit und welches Ziel verbarg sich hinter deren Erforschung von Persönlichkeit?

    Lösung

    Die Ansicht _humanistischer Psychologen_ bezüglich Persönlichkeit konzentrierte sich auf das Potenzial gesunden, persönlichen Wachstums und das menschliche Streben nach Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Abraham Maslow behauptete, dass menschliche Motivation eine Bedürfnishierarchie bilde. Insofern grundlegende Bedürfnisse befriedigt sind, werden Menschen _Selbstverwirklichung_ und Selbsttranszendenz anstreben. Carl Rogers glaubte, dass die Merkmale einer wachstumsförderlichen Umwelt Einzigartigkeit, Akzeptanz – darunter _unbedingte_ Wertschätzung – sowie Mitgefühl sind. Das _Selbstkonzept_ war für beide, Maslow und Rogers, ein zentrales Merkmal der Persönlichkeit.
  • Wie erfassten humanistische Psychologen die Selbstwahrnehmung einer Person?

    Lösung

    Einige humanistische Psychologen lehnten jegliche standardisierte Bewertung ab und verließen sich auf Interviews und Gespräche. Rogers bediente sich manchmal Fragebögen, in denen er die Patienten ihr ideales sowie ihr tatsächliches Selbst beschreiben lies, um hierdurch später Fortschritte in der Therapie zu beurteilen.
  • Inwiefern haben humanistische Theorien die Psychologie beeinflusst und welches sind die Kritikpunkte an ihnen?

    Lösung

    Dank der humanistischen Psychologie wurde das Interesse der Psychologie am Selbst wieder neu geweckt. Die Kritiker dieses Ansatzes klagen jedoch darüber, dass die Konzepte verschwommen und subjektiv sind; die Wertvorstellungen der humanistischen Psychologen seien individualistisch und auf das eigene Selbst zentriert, und die Annahmen der humanistischen Psychologie seien in naiver Weise optimistisch.
  • Wie bedienen sich Psychologen sog. Traits, um Persönlichkeit zu beschreiben?

    Lösung

    _Trait_-Theoretiker verstehen Persönlichkeit als stabiles, dauerhaftes Verhaltensmuster. Sie bedienen sich lieber der Beschreibung unserer Unterschiede als deren Erklärung. Mit Hilfe der Faktorenanalyse identifizieren sie Gruppen von Verhaltenstendenzen, die gemeinsam auftreten. Genetische Prädispositionen haben einen Einfluss auf viele Traits.
  • Was sind Persönlichkeitsinventare und was sind deren Stärken und Schwächen in ihrer Funktion als Werkzeuge zur Erfassung von Traits?

    Lösung

    Bei den _Persönlichkeitsinventaren_, wie dem MMPI, handelt es sich um Fragebögen, in denen Personen Items beantworten. Diese sind dazu konstruiert worden, um einen breiten Bereich an Gefühlen und Verhaltensweisen zu messen. Testitems sind _empirisch abgeleitet_ und die Tests werden objektiv ausgewertet. Dennoch können Personen ihre Antworten verfälschen um einen guten Eindruck zu machen und die Einfachheit computergestützter Testverfahren könnte zum Missbrauch der Tests führen.
  • Welche Traits scheinen die brauchbarste Information über Persönlichkeitsvarianten bereit zu stellen?

    Lösung

    Die Big-Five-Persönlichkeitsfaktoren – Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit, Neurotizismus, Offenheit für Erfahrung und Extraversion – bilden derzeit am deutlichsten Persönlichkeit ab. Diese Faktoren erweisen sich als stabil und sind in allen Kulturen zu finden.
  • Wird das Konzept der zeitlichen und situativen Stabilität der Persönlichkeitsmerkmale durch die Forschung gestützt?

    Lösung

    Die durchschnittlichen Merkmale einer Person sind zeitlich stabil und sind über mehrere Situationen hinweg vorhersagbar. Dennoch können Merkmale Verhalten in einer bestimmten Situation nicht voraussagen.
  • Wer schlug zuerst eine sozial-kognitive Perspektive vor und wie sehen jene Theoretiker die Entwicklung der Persönlichkeit?

    Lösung

    Albert Bandura schlug zuerst die _sozial-kognitive Perspektive_ vor, die Persönlichkeit als Produkt der Interaktion zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, einschließlich dem Denken, und der Situation – dem sozialen Kontext – versteht. Sozial-kognitive Forscher wenden Prinzipien des Lernens, der Kognition und des Sozialverhaltens auf die Persönlichkeit an. Beim reziprokem Determinismus handelt es sich um einen Begriff, der die Interaktion und den wechselseitigen Einfluss von Verhalten, internalen Persönlichkeitsfaktoren und Umweltfaktoren beschreibt. Indem sie untersuchen, wie sich Menschen bezüglich ihres „_locus of control_“ (_internale_ oder _externale Kontrollüberzeugung_) unterscheiden, haben Forscher herausgefunden, dass das Gefühl _persönlicher Kontrolle_ Menschen hilft, mit ihrem Leben zurechtzukommen. Forschung über _gelernte Hilflosigkeit_ entwickelte sich zur Forschung über die Effekte von Optimismus und Pessimismus, die wiederum zur _positiven Psychologie_ führte.
  • Wie erkunden sozial-kognitive Forscher Verhalten und mit welchen Kritikpunkten sind sie konfrontiert?

    Lösung

    Sozial-kognitive Forscher beobachten Menschen in realistischen Situationen, weil sie herausgefunden haben, dass die beste Möglichkeit, das Verhalten eines Menschen in einer bestimmten Situation vorherzusagen, darin besteht, die Verhaltensmuster dieses Menschen in vergleichbaren Situationen zu beobachten. Ihnen wurde vorgeworfen, dieser Ansatz unterschätze die Bedeutung der unbewussten Dynamik, der Emotionen und der biologisch beeinflussten Merkmale. Diese entgegnen wiederum, dass die sozial-kognitive Perspektive auf den in der Psychologie gut begründeten Konzepten der Kognition und des Lernens aufbaue und uns an die Macht der Situation erinnere.
  • Wieso hat die Psychologie so viel Forschung über das Selbst hervorgebracht? Wie wichtig ist das Selbstwertgefühl für die Psychologie und das menschliche Wohlbefinden?

    Lösung

    Das _Selbst_ ist das Zentrum unserer Persönlichkeit, das unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen organisiert. Sich „mögliche Selbste“ vorzustellen, dient uns als Motivator für eine positive Entwicklung. Doch wenn wir uns zu sehr auf uns selbst konzentrieren, kann dies zum _Spotlight-Effekt_ führen. Ein starkes _Selbstwertgefühl_ (das Gefühl für das, was man wert ist) ist zwar von Vorteil, dennoch ist ein unrealistisch starkes Selbstwertgefühl gefährlich (es steht in Zusammenhang mit aggressivem Verhalten) und erweist sich als zerbrechlich.
  • Wie zeigt sich die selbstwertdienliche Verzerrung und wie unterscheiden sich das defensive und das sichere Selbstwertgefühl?

    Lösung

    Zur _selbstwertdienlichen Verzerrung_ (unsere Bereitschaft, uns selbst in einem günstigen Licht zu sehen) gehören Tendenzen, (1) bereitwilliger die Verantwortung für gute Taten und für Erfolge zu übernehmen als für böse Taten und für Misserfolge und (2) uns selbst für besser zu halten als den Durchschnitt. Das defensive Selbstwertgefühl ist etwas Zerbrechliches, und es nimmt die Form des Egoismus an, der sich darauf konzentriert, sich selbst aufrechtzuerhalten, koste es, was es wolle. Ein sicheres Selbstwertgefühl ist weniger zerbrechlich und hängt weniger stark von äußeren Bewertungen ab.
  • Was erforschen Sozialpsychologen? Wie erklären wir das Verhalten anderer und unser eigenes?

    Lösung

    _Sozialpsychologen_ konzentrieren sich darauf, wie Menschen über andere denken, wie sie einander beeinflussen und wie sie in Beziehung zueinander stehen. Sie studieren soziale Einflüsse, die erklären können, wieso dieselbe Person in verschiedenen Situationen unterschiedlich handelt. Wenn wir das Verhalten anderer erklären, kann es sein, dass wir den _fundamentalen Attributionsfehler_ begehen: Wir unterschätzen den Einfluss der Situation und überschätzen die Effekte der Persönlichkeit des Betreffenden. Unser eigenes Verhalten erklären wir viel häufiger durch den Einfluss der Situation.
  • Beeinflussen unsere Gedanken unser Handeln oder beeinflussen unsere Handlungen, was wir denken?

    Lösung

    Einstellungen sind Gefühle aufgrund von Überzeugungen, die uns dafür prädisponieren, in bestimmter Weise zu reagieren. Die _periphere Route der Überzeugung_ bewirkt mit zufälligen Hinweisen (so wie prominente Unterstützung), schnelle, aber auch unbedachte Einstellungsänderungen. Die _zentrale Route der Überzeugung_ stellt Beweise und Argumente zur Verfügung, um gut durchdachte Reaktionen hervorzurufen. Wenn andere Einflüsse gering sind, werden Einstellungen, die stabil und spezifisch sind und uns leicht in den Sinn kommen, unser Verhalten beeinflussen.

    Verhalten kann auch Einstellungen ändern, so wie bei der _Foot-in-the-Door-Technik_ (bei der man einer großen Forderung zustimmt, nachdem man einer kleineren zugestimmt hat) oder bei Rollenverhalten (man spielt eine soziale Rolle, indem man sich entsprechend bestimmer Richtlinien verhält). Wenn unsere Einstellungen und unser Verhalten nicht übereinstimmen, werden wir laut der Theorie der kognitiven Dissonanz unsere Einstellungen, um Spannungen zu reduzieren, so ändern, dass sie zu unserem Verhalten passen.
  • Was ist automatische Mimikry? Wie können Experimente zur Konformität die Macht von sozialem Einfluss demonstrieren?

    Lösung

    Automatische Mimikry (der Chamäleon-Effekt) besteht in unserer Neigung, die Ausdrucksweise, Haltung oder Stimmlage von Menschen aus unserer Umgebung unbewusst nachzuahmen, und stellt eine Form von _Konformität_ dar.

    Solomon Asch und andere Forscher fanden heraus, dass wir unser Verhalten oder unsere Gedanken am ehesten dem Gruppenstandard anpassen, wenn (a) wir uns inkompetent oder unsicher fühlen, (b) die Gruppe aus mindestens drei Personen besteht, (c) alle anderen einer Meinung sind, (d) wir den Status und die Attraktivität der Gruppe bewundern, (e) wir uns vorher nicht auf eine Reaktion festgelegt haben, (f) wir wissen, dass wir beobachtet werden, und (g) wir aus einer Kultur stammen, die die Einhaltung der Gruppennorm in starkem Maße fördert. Wir stimmen möglicherweise entweder zu, um gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen (_normativer gesellschaftlicher Einfluss_) oder weil wir offen sind für die Informationen, die wir von anderen erhalten (_informationaler gesellschaftlicher Einfluss_).
  • Was lehrten uns die Experimente von Milgram zum Gehorsam über die Macht von sozialen Einflüssen?

    Lösung

    Stanley Milgrams Experimente – in denen Menschen sogar Befehlen gehorchten, wenn sie dachten, sie würden einem anderen schaden – zeigten, dass starke soziale Einflüsse Menschen dazu bringen können, falschen Aussagen zuzustimmen oder vor der Grausamkeit zu kapitulieren. Die Teilnehmer am Experiment gehorchten mit der größten Wahrscheinlichkeit, (a) wenn sich die Person, die die Befehle gab, direkt nebenan befand und als eine legitime Autoritätsperson wahrgenommen wurde; (b) wenn die Person, die die Befehle gab, durch eine prestigeträchtige Institution unterstützt wurde; (c) wenn das Opfer depersonalisiert wurde und sich in einer bestimmten Entfernung befand; und (d) wenn keine andere Person als Modell für Ungehorsam zur Verfügung stand.
  • Wie wird unser Verhalten durch die Anwesenheit anderer beeinflusst?

    Lösung

    Bei _sozialer Erleichterung_ steigert die bloße Anwesenheit anderer unsere Erregung und lässt gewöhnlich die Leistung bei leichten oder gut erlernten Aufgaben ansteigen, aber bei schwierigen auch abnehmen.

    Bei der Teilnahme an einem Gruppenprojekt kann man sich weniger verantwortlich für den Erfolg fühlen, was zu _sozialem Faulenzen_ führt: Man betätigt sich auf Kosten anderer als Trittbrettfahrer.
    Wenn die Anwesenheit anderer uns gleichzeitig erregt und uns ein Gefühl von Anonymität gibt, kommt es zu _Deindividuation_: Man ist sich seiner selbst weniger bewusst und zeigt weniger Selbstbeherrschung.
  • Was ist Gruppenpolarisierung, was Gruppendenken? Wie viel Macht haben wir als Individuen?

    Lösung

    In Gruppen kommt es durch Diskussionen unter gleichgesinnten Gruppenmitgliedern oft zu einer _Gruppenpolarisierung_, einer Bekräftigung der in der Gruppe vorherrschenden Meinungen. Das Internet als Kommunikationsmedium verstärkt diesen Effekt – mit positiven und negativen Effekten. _Gruppendenken_ tritt bei der Entscheidungsfindung innerhalb einer Gruppe auf, in der ein großes Harmoniebedürfnis herrscht, sodass die realistische Bewertung von Alternativen vernachlässigt wird.

    Die Macht des Individuums und die der Situation interagieren. Eine kleine Minderheit, die konsistent ihre Meinung kundtut, kann die Mehrheit überzeugen.
  • Was sind Vorurteile? Welche sozialen und emotionalen Wurzeln haben sie?

    Lösung

    _Vorurteile_ sind ungerechtfertigte und in der Regel negative Einstellungen gegenüber einer Gruppe und ihren Mitgliedern. Vorurteile bestehen aus drei Komponenten: Überzeugungen (meistens _Stereotype_), Emotionen und Handlungsbereitschaften (_Diskriminierung_). Offenes Zeigen von Vorurteilen hat in den USA abgenommen, doch implizite Vorurteile, also automatische, unbedachte Einstellungen, herrschen weiterhin vor. Die sozialen Wurzeln von Vorurteilen sind unter anderem Ungleichheit und das Vorhandensein unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen. Gruppen mit hohem Status rechtfertigen ihre privilegierte Position oft mit dem _Phänomen der gerechten Welt_. Wir trennen in „wir“ (_Eigengruppe_) und „sie“ (_Fremdgruppe_) und tendieren dazu, unsere eigene Gruppe zu bevorzugen (_Eigengruppen-Verzerrung_). Vorurteile können auch dazu dienen, unser emotionales Gleichgewicht zu beschützen, wenn wir beispielsweise unseren Ärger auf einen _Sündenbock_ richten können, dem wir die Schuld an problematischen Ereignissen geben.
  • Was sind die kognitiven Wurzeln von Vorurteilen?

    Lösung

    Die kognitiven Wurzeln von Vorurteilen erwachsen aus der Art, wie wir von Natur aus Informationen verarbeiten: Wir kategorisieren, erinnern uns vor allem an beeindruckende Fälle und glauben an eine gerechte Welt und daran, dass wir selbst bzw. unsere Kultur Dinge auf die einzig richtige Art lösen.
  • Inwiefern unterscheidet sich die psychologische Definition von Aggression von der Verwendung des Begriffs im Alltag? Welche biologischen Faktoren bringen uns dazu, anderen wehzutun?

    Lösung

    In der Psychologie gilt als Aggression jedes physische oder verbale Verhalten, mit dem die Absicht verfolgt wird zu verletzen oder zu zerstören. Die Biologie beeinflusst unsere Hemmschwelle für aggressives Verhalten auf drei Ebenen: genetisch (geerbte Eigenschaften), neuronal (Aktivität in Kernbereichen des Gehirns) und biochemisch (beispielsweise Alkohol oder überschüssiges Testosteron im Blutkreislauf). Aggression ist ein komplexes Verhalten, bedingt durch die Interaktion von Biologie und Erfahrung.
  • Welche psychologischen und soziokulturellen Faktoren können aggressives Verhalten auslösen?

    Lösung

    Frustration (_Frustrations-Aggressions-Prinzip_), die vorherige Verstärkung von aggressivem Verhalten und die Beobachtung eines aggressiven Vorbildes können zur Entstehung von Aggression beitragen. Durch die Darstellung von Gewalt in den Medien lernen Kinder, _sozialen Skripten_ zu folgen. Das Betrachten sexueller Gewalt führt zu stärkerer Aggression gegenüber Frauen. Der Gebrauch von Gewaltvideospielen zieht erhöhte aggressive Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen nach sich.
  • Wieso freunden wir uns mit bestimmten Personen an oder verlieben uns in sie, aber nicht in andere?

    Lösung

    Nähe (geografische Nähe) erhöht die Zuneigung – zum Teil aufgrund des _Mere-Exposure-Effekts_: Die Darbietung neuer Reize trägt dazu bei, dass man sie mag. Physische Attraktivität erhöht die Chance, Kontakte zu knüpfen, und wir werden positiver wahrgenommen. Vor allem bei der Entwicklung von Beziehungen wird Zuneigung durch gemeinsame Einstellungen und Interessen gefördert. Außerdem mögen wir die Menschen, die uns mögen.
  • Wie verändert sich romantische Liebe im Laufe der Zeit?

    Lösung

    Zu Beginn intimer Liebesbeziehungen steht _leidenschaftliche Liebe_ – ein Zustand intensiver Erregung. Mit der Zeit entwickelt sich die tiefe Zuneigung der _kameradschaftlichen Liebe_, vor allem wenn dies durch eine _gleichberechtigte Beziehung_ und tiefgehende _Selbstoffenbarung_ gefördert wird.
  • Wann ist es am wahrscheinlichsten bzw. am unwahrscheinlichsten, dass Menschen helfen?

    Lösung

    _Altruismus_ ist das selbstlose Interesse am Wohlergehen anderer. Es ist am wahrscheinlichsten, dass wir helfen, wenn (a) wir einen Vorfall bemerken, (b) ihn als Notfall interpretieren und (c) Verantwortung übernehmen zu helfen. Andere Faktoren, wie unsere Stimmung und unsere Ähnlichkeit zum Opfer, beeinflussen ebenfalls unsere Hilfsbereitschaft. Am unwahrscheinlichsten helfen wir, wenn andere Zuschauer anwesend sind (der _Zuschauereffekt_).
  • Wie erklären die Theorie des sozialen Austauschs und soziale Normen Hilfeverhalten?

    Lösung

    Nach der _Theorie des sozialen Austauschs_ helfen wir anderen aus Eigeninteresse; dieser Ansicht nach ist das Ziel von sozialem Verhalten, den persönlichen Nutzen zu maximieren und Kosten zu reduzieren. Andere sind der Meinung, dass wir sozialisiert sind zu helfen: Wir lernen Richtlinien dafür, welches Verhalten in sozialen Situationen erwartet wird (z. B. _Reziprozitätsnorm_ und _Norm der sozialen Verantwortung_).
  • Wie können soziale Fallen und spiegelbildliche Wahrnehmung soziale Konflikte anheizen?

    Lösung

    Ein _Konflikt_ ist eine wahrgenommene Unvereinbarkeit von Handlungen, Zielen oder Ideen. Soziale Fallen sind Situationen, in denen die am Konflikt beteiligten Personen ihre eigenen Interessen verfolgen und so das kollektive Wohlbefinden mindern. Individuen und Kulturen bilden in Konflikten oft spiegelbildliche Wahrnehmungen: Jede Partei nimmt den Gegner als nicht vertrauenswürdig wahr und unterstellt ihm böse Absichten, während sie sich selbst als moralisch einwandfreies, friedfertiges Opfer sieht.
  • Wie können wir Vorurteile, Aggression und Konflikte in friedensfördernde Einstellungen umwandeln?

    Lösung

    Frieden kann entstehen, wenn Individuen oder Gruppen zusammenarbeiten, um _übergeordnete_ (geteilte) _Ziele_ zu erreichen. Forschungsergebnisse zeigen vier Prozesse, die Frieden fördern können: Kontakt, Zusammenarbeit, Kommunikation und Versöhnung.
  • Wo ist die Grenze zwischen Normalität und Störung?

    Lösung

    Psychologen und Psychiater sehen ein Verhalten als gestört an, wenn es abweichend, belastend und dysfunktional ist. Die Definition dessen, was abweichend ist, variiert je nach Kontext, Kultur und Zeitalter.
  • Warum gibt es eine Kontroverse über die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung?

    Lösung

    Ein 7-jähriges Kind, das extreme Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität zeigt, könnte die Diagnose einer _Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)_ bekommen und mit Medikamenten oder anderen Therapien behandelt werden. Die Diskussion fokussiert sich darauf, ob die wachsende Anzahl an ADHS-Fällen eine Überdiagnostizierung oder eine gesteigerte Aufmerksamkeit bezüglich der Störung widerspiegelt. Langzeitfolgen der Behandlung durch Stimulanzien bei ADHS sind noch nicht bekannt.
  • Wie erklären das medizinische Modell und der biopsychosoziale Ansatz psychische Störungen?

    Lösung

    Das medizinische Modell geht davon aus, dass es sich bei psychischen Störungen um seelische Erkrankungen mit physischen Ursachen handelt, die aufgrund ihrer Symptome diagnostiziert, behandelt und in den meisten Fällen mit Hilfe einer Therapie geheilt werden können, dies passiert manchmal in einem Krankenhaus. Das biopsychosoziale Modell geht davon aus, dass bei der Entstehung von spezifischen psychischen Störungen drei Systeme interagieren: das biologische System (Evolution, Genetik, Hirnstrukturen und Chemie), das psychologische System (Stress, Trauma, erlernte Hilflosigkeit, stimmungsabhängige Wahrnehmungen und Erinnerungen) und das soziokulturelle System (Rollen, Erwartungen, Definitionen von „Normalität“ und „Störung“).
  • Wie und warum klassifizieren Kliniker psychische Störungen?

    Lösung

    Das _DSM-IV-TR (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen)_ der American Psychiatric Association beinhaltet diagnostische Bezeichnungen und Beschreibungen, die eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Konzepte für Kommunikation und Forschung darstellen. (_DSM-V_ wird _DSM-IV-TR_ bald ersetzen und erneuern.) Einige Kritiker denken, dass das DSM zu detailliert und umfangreich geworden ist. Die meisten Krankenversicherungen Nordamerikas fordern DSM-/ICD-Diagnosen, bevor sie die Kosten einer Therapie erstatten.
  • Warum kritisieren einige Psychologen die Verwendung diagnostischer Etikettierungen?

    Lösung

    Manche Kritiker sehen die DSM-Diagnosen als willkürliche Etikettierungen, die Vorurteile schaffen, welche die Wahrnehmung des vergangenen und aktuellen Verhaltens der etikettierten Person verfälschen. Die Etikettierung „psychische Krankheit“ wirft moralische und ethische Fragen darüber auf, ob die Gesellschaft Menschen mit Störungen zur Verantwortung ziehen soll für ihre Gewalttaten. Die meisten Menschen mit Störungen sind nicht gewalttätig und sind eher Opfer als Täter.
  • Welches sind die verschiedenen Angststörungen?

    Lösung

    Ängstliche Gefühle und Verhaltensweisen werden nur dann als _Angststörung_ klassifiziert, wenn sie Leidensdruck verursachen oder persistieren oder wenn sie charakterisiert sind durch ein unangemessenes Verhalten, das auf den Abbau der Angst ausgerichtet ist. Menschen mit einer _generalisierten Angststörung_ fühlen sich ohne ersichtlichen Grund ständig und unkontrollierbar angespannt und besorgt. Bei der extremeren _Panikstörung _ eskaliert die Angst und wird zu periodischen Episoden von intensivem Schrecken. Die Betroffenen einer _Phobie_ fürchten sich auf irrationale Weise vor einem spezifischen Objekt oder einer Situation. Anhaltende und wiederkehrende Gedanken und Handlungen sind kennzeichnend für die _Zwangsstörung_. Symptome einer _posttraumatischen Belastungsstörung_ umfassen 4 Wochen oder mehr voller lauernder Erinnerungen, Albträume, sozialem Rückzug, frei flottierender Angst und Schlafproblemen, die auf eine traumatische Erfahrung folgen.
  • Wie erklären lerntheoretische und biologische Perspektiven Angststörungen?

    Lösung

    Der lerntheoretische Ansatz sieht die Angststörung als Produkt aus Angstkonditionierung, Reizgeneralisierung, Verstärkung furchtvoller Verhaltensweisen und Lernen durch Beobachtung der Angst und der Kognitionen (Interpretationen, irrationale Überzeugungen und Hypervigilanz) anderer. Der biologische Ansatz beschäftigt sich mit der Rolle, die die Angst vor lebensbedrohlichen Tieren, Objekten oder Situationen bei der natürlichen Selektion und Evolution gespielt hat, mit der genetischen Vererbung eines hohen Maßes an emotionaler Reaktionsbereitschaft und der Produktion von Neurotransmittern und mit abnormen Reaktionen in den Angstkreisläufen des Gehirns.
  • Was sind affektive Störungen? Wie unterscheiden sich Major Depression und bipolare Störung?

    Lösung

    Affektive Störungen sind durch emotionale Extreme charakterisiert. Ein Mensch mit einer Major Depression erlebt 2 Wochen lang oder länger schwer depressive Stimmungen und Gefühle der Wertlosigkeit, zeigt wenig Interesse und wenig Freude an den meisten Aktivitäten. Menschen mit einer seltener auftretenden bipolaren Störung wechseln zwischen Depression und Manie, einer hyperaktiven und unbezähmbar optimistischen, impulsiven Phase.
  • Wie erklären biologische und sozial-kognitive Ansätze affektive Störungen?

    Lösung

    Der biologische Ansatz zur Erforschung der Depression konzentriert sich auf genetische Prädispositionen. Forscher, die diesen Ansatz verfolgen, untersuchen auch Abnormitäten in der Struktur und der Funktion des Gehirns; dazu gehören auch diejenigen, die man im Neurotransmittersystem findet. Der sozial-kognitive Ansatz sieht die Depression als fortlaufenden Kreislauf belastender Erlebnisse (interpretiert durch negative Überzeugungen, Ursachenzuschreibungen und Erinnerungen), der zu negativen Stimmungen und Handlungen führt und neue belastende Erfahrungen hervor ruft.
  • Welche Faktoren beeinflussen Suizid und selbstverletzendes Verhalten, und was sind einige der wichtigen Warnhinweise, auf die in der Prävention eines Suizides geachtet werden sollte?

    Lösung

    Suizidraten unterscheiden sich je nach Nation, Rasse, Geschlecht, Altersgruppe, Einkommen, religiöser Überzeugung, Beziehungsstatus und (für homosexuelle Jugendliche) der Struktur sozialer Unterstützung. Menschen mit Depressionen haben ein höheres Risiko für Suizid als andere, aber gesellschaftliche Anforderungen, Gesundheitsstatus und wirtschaftliche und soziale Frustration sind ebenfalls Faktoren, die eine Rolle spielen. Nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten führt normalerweise nicht zu Suizid, aber es kann eskalieren und zu suizidalen Gedanken und Handlungen führen, wenn es nicht behandelt wird. Menschen, die zu selbstverletzendem Verhalten greifen, können Belastungen schlecht ertragen und tendieren zu Selbstkritik und schlechter Kommunikation und Problemlösefähigkeiten. Umweltbarrieren (z. B. Geländer) sind effektiv, um Suizid vorzubeugen. Warnhinweise für Suizid umfassen verbale Hinweise, Weggeben von persönlichen Dingen, Rückzug, Beschäftigung mit dem Tod und Gespräche über den eigenen Suizid.
  • Welche Muster des Denkens, Wahrnehmens, Fühlens und Verhaltens charakterisieren die Schizophrenie?

    Lösung

    Die _Schizophrenie_ ist eine Gruppe von Störungen, die typischerweise in der späten Adoleszenz auftreten, Männer ein wenig mehr betreffen als Frauen und die es in allen Kulturen zu geben scheint. Die Symptome der Schizophrenie sind desorganisiertes und wahnhaftes Denken, gestörte Wahrnehmungen und unangemessene Emotionen und Handlungen. Wahnvorstellungen sind falsche Überzeugungen; Halluzinationen sind sensorische Erlebnisse ohne eine sensorische Stimulation.
  • Welches sind die Subtypen der Schizophrenie? Wie unterscheiden sich chronische und akute Schizophrenie?

    Lösung

    Die Symptome der Schizophrenie können positiv (Vorhandensein unangemessenen Verhaltens) oder negativ (Abwesenheit angemessener Verhaltensweisen) sein. Die Subtypen sind der paranoide, desorganisierte, katatonische, undifferenzierte und residuale Typus. Eine chronische (oder Prozess-)Schizophrenie entwickelt sich allmählich und hat eine geringe Chance auf Heilung. Eine akute (oder reaktive) Schizophrenie entwickelt sich schnell (oft in Reaktion auf Stress) und hat eine bessere Chance auf Heilung.
  • Wie helfen Gehirnanomalien und virale Infektionen, Schizophrenie zu erklären?

    Lösung

    Menschen mit Schizophrenie haben eine erhöhte Anzahl von Rezeptoren für den Neurotransmitter Dopamin, der eventuell Hirnsignale verstärkt, und so die Positivsymptome der Schizophrenie, wie Halluzinationen und Paranoia, stärker werden lässt. Hirnabnormitäten, die mit Schizophrenie einhergehen, umfassen vergrößerte, flüssigkeitsgefüllte zerebrale Hohlräume und eine entsprechende Abnahme der Größe des Kortex. Schichtaufnahmen vom Gehirn zeigen eine abnorme Aktivität in den Frontallappen, im Thalamus und in der Amygdala. Interagierende Fehlfunktionen in mehreren Hirnregionen und ihren Verbindungen spielen offensichtlich bei der Entstehung der schizophrenen Symptome zusammen. Mögliche Einflussfaktoren umfassen eine Viruserkrankung oder Nährstoffknappheit in der Schwangerschaft, ein niedriges Geburtsgewicht oder Sauerstoffmangel während der Geburt und mütterliche Diabetes oder ein höheres Alter des Vaters.
  • Gibt es genetische Einflüsse auf die Schizophrenie? Welche Faktoren könnten frühe Warnsignale für Schizophrenie bei Kindern sein?

    Lösung

    Zwillings- und Adoptionsstudien weisen darauf hin, dass die Prädisposition für Schizophrenie vererbt ist, und Umweltfaktoren beeinflussen die Genexpression, um die Störung zu ermöglichen. Dies ist weltweit belegt. Es gibt keine Umweltbedingungen die unweigerlich Schizophrenie erzeugen. Mögliche Frühwarnsignale einer späteren Schizophrenie können sowohl biologische Faktoren sein (eine Mutter mit schwerer und langanhaltender Schizophrenie; Sauerstoffmangel und niedriges Gewicht bei der Geburt; kurze Aufmerksamkeitsspanne und schwache Muskelkoordination) als auch psychologische Faktoren (störendes oder zurückgezogenes Verhalten; emotionale Unvorhersagbarkeit; schwache Beziehungen zu Gleichaltrigen und alleine spielen).
  • Was sind dissoziative Störungen, und warum sind sie umstritten?

    Lösung

    Dissoziative Störungen sind Zustände, bei denen das Bewusstsein anscheinend von früheren Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen abgetrennt wird. Die bekannteste dissoziative Störung ist die dissoziative Identitätsstörung, früher allgemein bekannt als multiple Persönlichkeitsstörung. Kritiker merken an, dass die Diagnose gegen Ende des 20. Jahrhunderts in dramatischer Form zugenommen hat, dass sie in vielen Ländern nicht vorkommt, in anderen sehr selten ist und dass in ihr ein Rollenspiel von Menschen zum Ausdruck kommt, die gegenüber den Suggestionen von Therapeuten sehr offen sind. Manche betrachten diese Störung als eine Manifestation von Angstgefühlen oder als eine Reaktion, die gelernt wurde, als dissoziative Verhaltensweisen durch den Abbau von Angstgefühlen verstärkt wurden.
  • Inwiefern zeigen Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung den Einfluss psychologischer Kräfte?

    Lösung

    Bei diesen Essstörungen bringen psychische Faktoren den homöostatischen Antrieb durcheinander, einen ausbalancierten inneren Zustand aufrechtzuerhalten. Menschen mit Anorexia nervosa (gewöhnlich Mädchen im Jugendalter) sind deutlich untergewichtig, setzen aber ihre Diät fort, weil sie sich selbst zu dick finden. Personen mit Bulimia nervosa (vorwiegend weiblich im Alter zwischen 10 und 30) haben heimlich Fressattacken und kompensieren diese dann durch Erbrechen, den Gebrauch von Abführmitteln, Fasten oder exzessives Training. Personen mit einer Binge-Eating-Störung haben zwar Fressattacken, kompensieren diese dann aber nicht durch Erbrechen, Abführmittel, Fasten oder Training. Zusätzlich zum kulturellen Druck scheinen ein geringes Selbstwertgefühl und negative Emotionen mit belastenden Lebenserfahrungen und genetischen Prädispositionen zu interagieren; das alles führt zu diesen Störungen.
  • Was sind die drei Cluster der Persönlichkeitsstörungen? Welches Verhalten und welche Gehirnaktivität charakterisieren die antisoziale Persönlichkeit?

    Lösung

    Persönlichkeitsstörungen sind störende, unflexible und überdauernde Verhaltensmuster, die die soziale Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. Die Störung bildet drei Cluster, die auf den Hauptkomponenten basieren: (1) Angst, (2) exzentrisches oder seltsames Verhalten (3), dramatisches oder impulsives Verhalten. Die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch ein schwach ausgebildetes Gewissen und manchmal durch aggressives und rücksichtsloses Verhalten. Eine genetische Prädisposition kann in Wechselwirkung mit Umwelteinflüssen treten und so vermutlich die veränderte Gehirnaktivität hervorrufen, die assoziiert ist mit der antisozialen Persönlichkeitsstörung.
  • Wie viele Menschen leiden oder litten an einer psychischen Störung? Ist Armut ein Risikofaktor?

    Lösung

    Die Prävalenz psychischer Störungen variiert in der Abhängigkeit von der Zeit und des Ortes der Erhebung. In einer multinationalen Befragung schwankten die Prävalenzen für alle psychischen Störungen zwischen unter 5% (Shanghai) und mehr als 25% (USA). Armut ist ein Risikofaktor für eine psychische Erkrankung. Die Lebensumstände und die Erfahrungen im Zusammenhang mit Armut tragen etwas zur Entwicklung psychischer Störungen bei, aber auch das Umgekehrte trifft zu. Einige psychische Störungen, wie etwa die Schizophrenie, treiben Menschen in die Armut.
  • Wie unterscheiden sich Psychotherapie, die biomedikamentöse Therapie und ein eklektischer Ansatz?

    Lösung

    Psychotherapie ist eine Behandlung, die psychologische Techniken beinhaltet. Sie besteht aus Interaktionen zwischen einem ausgebildeten Therapeuten und jemandem, der psychologische Schwierigkeiten überwinden oder persönliches Wachstum erreichen will. Die bedeutendsten Psychotherapien stammen ab von der psychodynamischen, der humanistischen, der verhaltensbezogenen und der kognitiven Perspektive der Psychologie. Die biomedikamentöse Therapie behandelt psychische Störungen mit Medikamenten oder Verfahren, die direkt auf das Nervensystem des Patienten einwirken. Ein eklektischer Ansatz kombiniert Techniken verschiedener Therapieformen.
  • Welches sind die Ziele und Techniken der Psychoanalyse und wie wurden sie in der psychodynamischen Therapie angepasst?

    Lösung

    Durch die _Psychoanalyse_ versuchte Sigmund Freud den Patienten Selbsteinsicht und die Verbesserung ihrer Störungen zu bieten, indem er mit Angst verbundene Gefühle und Gedanken in die bewusste Wahrnehmung brachte. Die Techniken schlossen die Nutzung der freien Assoziation ein, außerdem die _Deutung_ von _Widerständen_ und die _Übertragung_. Die heutige _psychodynamische Therapie_ wurde von der traditionellen Psychoanalyse beeinflusst, aber sie ist kürzer, weniger teuer und sie konzentriert sich mehr darauf, dem Klienten zu helfen, aktuelle Symptome zu vermindern. Therapeuten helfen den Klienten, ihre vergangenen und aktuellen Beziehungsthemen zu verstehen. Die _interpersonale Therapie_ ist eine Kurzzeittherapie mit 12–16 Sitzungen und eine Variante der psychodynamischen Therapie, die sich bei der Behandlung der Depression als wirkungsvoll erwies.
  • Was sind die grundlegenden Themen der humanistischen Therapie? Welches sind die speziellen Ziele und Techniken der klientenzentrierten Therapie nach Carl Rogers?

    Lösung

    Sowohl die psychoanalytische als auch die humanistische Therapie sind _Einsichttherapien_ – sie versuchen das Funktionieren der Patienten zu verbessern, indem sie das Bewusstsein der Patienten für Motive und Abwehrverhalten verbessern. Die humanistische Therapie hat das Ziel, den Patienten dabei zu helfen in ihrer Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz zu wachsen; es geht also um das Unterstützen von persönlichem Wachstum anstatt darum, eine Krankheit zu heilen; darum, den Klienten zu helfen, Verantwortung für ihr eigenes Wachstum zu übernehmen; sich auf bewusste Gedanken zu konzentrieren anstatt auf unbewusste Beweggründe; und die Gegenwart und die Zukunft als wichtiger zu sehen als die Vergangenheit.

    Bei Carl Rogers _klientenzentrierter_ Therapie sind die wichtigsten Beiträge der Therapeuten, durch aktives Zuhören als psychologischer Spiegel zu wirken und eine wachstumsunterstützende Umgebung _bedingungsloser positiver Wertschätzung_ zu bieten, die sich durch Echtheit, Akzeptanz und Empathie auszeichnet.
  • Wie unterscheidet sich die Grundannahme der Verhaltenstherapie von denen der psychodynamischen und humanistischen Therapien? Welche Techniken werden bei den Expositionstherapien und der Aversionskonditionierung genutzt?

    Lösung

    _Verhaltenstherapien_ sind keine Einsichttherapien. Ihr Ziel ist es, Lernprinzipien anzuwenden, um problematische Verhaltensweisen zu ändern. Techniken, die die klassische Konditionierung nutzen, einschließlich _Expositionstherapien_ (wie die _systematische Desensibilisierung_ oder die _Expositionstherapie in virtuellen Realitäten_) und die _Aversionskonditionierung_ haben das Ziel, Verhalten durch _Gegenkonditionierung_ zu verändern – neue Reaktionen auf alte Reize hervorzurufen, die ungewollte Verhaltensweisen auslösen.
  • Was ist die Grundannahme der Verhaltensmodifikation, und was sind die Auffassungen der Befürworter und der Kritiker dieses Ansatzes?

    Lösung

    Therapien, die auf den Prinzipien der operanten Konditionierung basieren, nutzen Verhaltensmodifikationstechniken, um ungewünschte Verhaltensweisen zu verändern, indem erwünschtes Verhalten positiv verstärkt und unerwünschtes Verhalten ignoriert oder bestraft wird. Kritiker behaupten (1) dass Techniken wie die, die in _Tokensystemen_ genutzt werden, Verhaltensänderungen hervorrufen können, die wieder verschwinden, wenn es keine Belohnung mehr dafür gibt und, dass es (2) autoritär und unethisch ist, zu entscheiden, welche Verhaltensweisen sich ändern sollten. Befürworter argumentieren, dass eine Behandlung mit positiven Belohnungen menschlicher ist, als Menschen zu bestrafen oder sie in einer Institution unterzubringen, weil sie unerwünschtes Verhalten zeigen.
  • Welches sind die Ziele und Techniken der kognitiven Therapie und der kognitiven Verhaltenstherapie?

    Lösung

    Die _kognitiven Therapien_, wie die kognitive Therapie bei Depressionen von Aaron Beck, nehmen an, dass unser Denken unsere Gefühle beeinflusst und dass es die Rolle des Therapeuten ist, das selbstzerstörerische Denken des Patienten zu ändern, indem er ihn darin schult, sich selbst positiver zu sehen. Die _rational-emotive Verhaltenstherapie_ ist eine konfrontative kognitive Therapie, die energisch unlogische Annahmen in Frage stellt. Die gut durch Forschung belegte und angewandte _kognitive Verhaltenstherapie_ verbindet die kognitive Therapie und die Verhaltenstherapie, indem den Klienten dabei geholfen wird, in ihrem Alltag regelmäßig auf ihre neuen Arten zu denken und zu sprechen.
  • Welches sind die Ziele und die Vorteile der Gruppentherapie und der Familientherapie?

    Lösung

    Eine _Gruppentherapiesitzung_ kann mehr Menschen helfen und pro Person weniger kosten als eine individuelle Therapie. Klienten können davon profitieren, in einer Gruppensituation ihre Gefühle zu erforschen und soziale Fähigkeiten zu entwickeln, von anderen zu lernen, die ähnliche Probleme haben, und Feedback zu neuen Verhaltensweisen zu bekommen. Eine _Familientherapie_ sieht eine Familie als interaktives System und hat das Ziel, den Mitgliedern dabei zu helfen, die Rollen zu entdecken, die sie einnehmen, und zu lernen, offener und direkter zu kommunizieren.
  • Funktioniert Psychotherapie? Wer entscheidet das?

    Lösung

    Die positiven Aussagen von Klienten und Therapeuten können nicht beweisen, dass Therapie tatsächlich wirkungsvoll ist, und der Placeboeffekt und die Regression zur Mitte (die Tendenz extremer oder ungewöhnlicher Werte, auf ihren Durchschnittswert zurückzufallen) machen es schwer zu entscheiden, ob eine Verbesserung aufgrund einer Behandlung eintrat. Indem sie _Metaanalysen_ nutzen, um statistisch hunderte von randomisierten Psychotherapie-Wirkungsstudien zu kombinieren, fanden Forscher heraus, dass sich der Zustand derjenigen, die keine Behandlung bekommen, oft verbessert, aber dass der Zustand derer, die sich einer Psychotherapie unterziehen, sich mit größerer Wahrscheinlichkeit schneller verbessert und dass sie mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einen Rückfall erleiden.
  • Sind manche Psychotherapien bei bestimmten Störungen wirksamer als andere?

    Lösung

    Keine Art von Psychotherapie ist allen anderen generell überlegen. Eine Therapie ist für diejenigen am wirkungsvollsten, die klar abgegrenzte, spezifische Probleme haben. Manche Therapien – wie die Verhaltenskonditionierung um Phobien und Zwänge zu behandeln – sind besser für spezifische Störungen geeignet. Die psychodynamische Therapie ist wirkungsvoll bei Depressionen und Ängsten und kognitive Therapien und kognitive Verhaltenstherapien für den Umgang mit Ängsten, PTSD und Depressionen. Die _evidenzbasierte Praxis_ vereint die besten verfügbaren Forschungsbefunde mit der Expertise der Kliniker und den Eigenschaften der Patienten, ihren Vorlieben und ihrer aktuellen Lebenslage.
  • Wie schneiden alternative Therapien unter dem prüfenden Blick der Wissenschaft ab?

    Lösung

    Kontrollierte Studien konnten die Ansprüche der EMDR („eye movement desensitization and reprocessing“) nicht unterstützen. Die Lichttherapie scheint die Symptome der _affektiven Störung mit saisonalem Muster_ („seasonal affective disorder”; SAD) zu verbessern, indem eine Gehirnregion angeregt wird, die Erregung und Hormone beeinflusst.
  • Welche drei Merkmale haben alle Formen der Psychotherapie gemein?

    Lösung

    Alle Psychotherapien bieten neue Hoffnung für entmutigte Menschen, eine neue Perspektive und (wenn der Therapeut effektiv ist) eine empathische, vertrauensvolle und fürsorgliche Beziehung. Das emotionale Band aus Vertrauen und Verständnis zwischen Therapeut und Klient – das _therapeutische Bündnis_ – ist ein wichtiges Element einer wirksamen Therapie.
  • Wie beeinflussen Kultur, Geschlecht und Wertvorstellungen die Beziehung zwischen Therapeut und Klient?

    Lösung

    Therapeuten unterscheiden sich in ihren Wertvorstellungen, die ihre Ziele in der Therapie und ihre Ansichten von Fortschritt beeinflussen. Diese Unterschiede können Probleme hervorrufen, wenn Therapeuten und Klienten sich in ihren kulturellen, geschlechtsspezifischen oder religiösen Ansichten unterscheiden.
  • Auf was sollte eine Person achten, die einen Therapeuten auswählen will?

    Lösung

    Eine Person, die sich in Therapie begeben will, kann den Therapeuten zu seinem Behandlungsansatz, seinen Wertvorstellungen, Berechtigungsnachweisen und Gebühren fragen. Besonders berücksichtigt werden sollte, ob der Therapiesuchende sich wohl fühlt und ob er sich in der Lage fühlt, eine Bindung zu dem Therapeuten aufzubauen.
  • Was sind medikamentöse Therapien? Wie helfen Doppelblindstudien Forschern dabei, die Wirksamkeit eines Medikaments zu beurteilen?

    Lösung

    Die _Psychopharmakologie_, die Untersuchung der Effekte von Medikamenten auf seelische Vorgänge und das Verhalten, hat geholfen, die medikamentöse Therapie zur meist genutzten biomedizinischen Therapie zu machen. _Neuroleptika_ werden bei der Behandlung von Schizophrenie eingesetzt und blockieren die Dopaminaktivität. Nebenwirkungen können das dystone Syndrom (das mit unwillkürlichen Bewegungen der Gesichtsmuskeln, der Zunge und der Gliedmaßen einhergeht) oder ein erhöhtes Risiko für Adipositas und Diabetes einschließen. _Anxiolytika_ verringern die Aktivität des Zentralnervensystems und werden genutzt, um Angststörungen zu behandeln. Diese Medikamente können physisch oder psychisch abhängig machen. _Antidepressiva_ verbessern die Verfügbarkeit von Noradrenalin und Serotonin und werden bei Depressionen angewendet, mit moderaten Effekten gegenüber denen von Placebos. Die Antidepressiva, die man auch als selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer kennt, werden heute auch genutzt, um andere Störungen, einschließlich Schlaganfällen und Angststörungen, zu behandeln. Lithium und Depakote sind stimmungsstabilisierende Medikamente, die Personen mit einer bipolaren Störung verschrieben werden. Studien können das _Doppelblindverfahren_ nutzen, um Placeboeffekte und Verzerrungen durch Forscher zu verhindern.
  • Wie werden die Stimulation des Gehirns und die Psychochirurgie bei der Behandlung bestimmter Störungen genutzt?

    Lösung

    Die _Elektrokrampftherapie_ (EKT), bei der ein kurzer Stromstoß durch das Gehirn des narkotisierten Patienten geschickt wird, ist eine wirksame Behandlung, die als letzte Möglichkeit bei schwer depressiven Menschen gesehen wird, die nicht auf eine andere Therapie angesprochen haben. Neue, alternative Therapien für Depressionen sind die _wiederholte transkranielle Magnetstimulation_ und, in vorläufigen klinischen Studien, die tiefe Gehirnstimulation, die eine mit negativen Emotionen zusammenhängende überaktive Gehirnregion beruhigt. Die _Psychochirurgie_ entfernt oder zerstört Gehirngewebe in der Hoffnung, dadurch Verhaltensänderungen zu bewirken. Radikale Psychochirurgiemethoden wie die _Lobotomie_ waren einst weit verbreitet, aber Neurochirurgen führen kaum noch Operationen am Gehirn durch, um Verhalten oder die Stimmung zu verändern. Gehirnchirurgie ist nur eine letzte Zuflucht, weil ihre Effekte irreversibel sind.
  • Wie können Menschen eine Erleichterung von ihren Depressionen erfahren, indem sie mit einem gesunden Lebensstil auf sich selbst achten, und inwiefern spiegelt das unsere biopsychosozialen Systeme wider?

    Lösung

    Depressive Menschen, die sich einem Programm unterziehen, das Aerobictraining, genügend Schlaf, Lichtaufnahme, soziale Bindungen, die Verminderung negativer Gedanken und eine bessere Ernährung beinhaltet, erleben dadurch oft Erleichterung. In unserem integrierten biopsychosozialen System beeinflusst Stress die Chemie unseres Körpers und unsere Gesundheit; chemische Ungleichgewichte können Depressionen hervorrufen und soziale Unterstützung und andere Änderungen des Lebensstils können zur Verbesserung von Symptomen führen.
  • Was ist der Grundgedanke von Präventionsprogrammen für psychische Gesundheit?

    Lösung

    Präventive psychische Gesundheitsfürsorge basiert auf der Idee, dass viele psychische Störungen verhindert werden könnten, wenn unterdrückende, selbstwertzerstörende Umgebungen zu wohlwollenden, pflegenden Umwelten werden, die Wachstum, Selbstbewusstsein und Resilienz fördern.
  • Wie unterscheiden sich die verschiedenen Auffassungen von Erziehung? In welche beiden Bereiche lässt sich die Pädagogische Psychologie einteilen?

    Lösung

    In der Pädagogik ist es üblich, unter Erziehung die bewusste und beabsichtigte Einflussnahme auf das Handeln eines einzelnen Menschen oder einer Gruppe von Menschen (meistens von Heranwachsenden) zu verstehen, wobei diese Einflussnahme mit Blick auf ein bestimmtes Ziel hin erfolgt. Dagegen ist es für die Psychologie zweckmäßiger, den Handlungs- und Interaktionsaspekt in den Vordergrund zu stellen. Unter Erziehung versteht die Psychologie alle Erfahrungsmöglichkeiten, die innerhalb eines kulturellen Rahmens bereitgestellt werden, um die Lern- und Entwicklungsprozesse eines Menschen zu unterstützen.

    Im Fokus der _Erziehungspsychologie_ steht die Erforschung von Erziehungsprozessen, die _Bildungspsychologie_ (Instruktionspsychologie) dagegen betrachtet Bildungsprozesse. Erziehungsprozesse beziehen sich auf den Erwerb von Werthaltungen, Einstellungen usw. Es geht also um Sozialisation, d. h. das Hineinwachsen in eine soziale Gemeinschaft. Bildungsprozesse beziehen sich auf den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Bildung erfolgt im Wesentlichen durch Lehren und Lernen.
  • Wie hat sich die deutschsprachige Pädagogische Psychologie entwickelt? Wie unterscheidet sich die neue Instruktionspsychologie von der alten Lehr-Lern-Forschung?

    Lösung

    Als eigenständige wissenschaftliche Disziplin ist die Pädagogische Psychologie gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Genauso wie die Psychologie insgesamt löste sie sich um diese Zeit von der Philosophie und Pädagogik ab. Damals gehörte die enge Verknüpfung von Wissenschaft und pädagogischer Praxis zu ihrem Programm. Im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entfernte sich die Pädagogische Psychologie jedoch immer weiter von diesem Vorsatz. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Pädagogische Psychologie wieder den Weg zurück zu ihren Anfängen gefunden – zu einer Forschung, die Wissenschaft und pädagogische Praxis verbindet. Entstanden ist die neue Instruktionspsychologie, die sich durch drei Merkmale auszeichnet: (1) Sie ist eine Grundlagenwissenschaft, die sich mit den Prozessen des Anleitens und der Vermittlung befasst, und keine auf den Unterricht angewandte Allgemeine Psychologie; (2) sie konzentriert sich auf die Erforschung von Vermittlungsprozessen in den einzelnen Unterrichtsfächern; und (3) sie beschäftigt sich mit Prozessen und weniger mit Produkten des Lehrens und Lernens.
  • In welchen Tätigkeitsfeldern kommen Kenntnisse der Pädagogischen Psychologie zur Anwendung? Was sind die Aufgaben von Schulpsychologen?

    Lösung

    Psychologen mit dem Schwerpunkt in Pädagogischer Psychologie arbeiten in so unterschiedlichen Praxisbereichen wie Schule und Hochschule, in der Familien- und Erziehungsberatung, in der Organisations- und Berufsberatung, in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung sowie im Bereich der Entwicklung und Anwendung von Unterrichtsmedien.

    Zu den Aufgaben der Schulpsychologie gehören unter anderem die Beratung von Schülern, Lehrern und Eltern auf der Grundlage von fundierter Diagnostik, die Fortbildung von Lehrern, die Schulentwicklung und – nicht zu vergessen – die Qualitätssicherung der eigenen Arbeit.
  • Welche Rolle spielt die Erziehung durch die Eltern für die Entwicklung des Kindes?

    Lösung

    Eine Vielzahl von Überlegungen und Ergebnissen spricht dafür, dass Eltern – entgegen der Gruppensozialisationstheorie von Harris – für die Entwicklung des Kindes _generell_ am bedeutsamsten sind. Betrachtet man einzelne Entwicklungsbereiche, so findet man Gebiete, wo der Elterneinfluss eher gering ist und solche, wo er sehr stark ist. Außerdem muss betont werden, dass die Alternative _entweder_ Biologie _oder_ Erziehung falsch gestellt ist. Jeder Entwicklungsprozess ist _immer_ das Ergebnis von beiden Einflussfaktoren, der Natur (biologische Bedingungen) _und_ der Kultur (Erziehungspraktiken und Erziehungsstile).
  • Wie lassen sich Erziehungsstile sinnvoll einteilen? Welche Dimensionen liegen dieser Einteilung zugrunde?

    Lösung

    Nach Baumrind wurden ursprünglich drei Erziehungsstile unterschieden: der autoritative, der autoritäre und der permissive. Heute ist es üblich, den permissiven Stil weiter aufzugliedern in den nachgiebigen und den vernachlässigenden Erziehungsstil. Diese Einteilung (Typologie) beruht auf der Kombination der beiden bipolaren Dimensionen (a) der Liebe/Zuwendung versus Feindseligkeit/Abwendung und (b) der Autonomie/Selbstständigkeit versus Lenkung/Kontrolle. Neuere Studien haben allerdings gezeigt, dass das Merkmal der Kontrolle präzisiert werden sollte: Es geht um Verhaltenskontrolle und nicht um psychologische Kontrolle.
  • Wie wirken sich die verschiedenen Erziehungsstile aus?

    Lösung

    In dem von westlichen Normen und Werten geprägten Kulturkreis (Nordamerika, Europa) erweist sich der autoritative Erziehungsstil i. Allg. den anderen drei Stilen in einer Vielzahl von Merkmalen als überlegen. Kinder und Jugendliche, die so erzogen worden sind, haben wenige Verhaltensprobleme und ein positives Selbstkonzept, sind leistungsbereit und soziomoralisch gefestigt. Ausgesprochen ungünstig ist der vernachlässigende Erziehungsstil; Kinder und Jugendliche, die vernachlässigend erzogen worden sind, schneiden in nahezu allen untersuchten Merkmalen am schlechtesten ab. Autoritär erzogene Jugendliche haben vergleichsweise wenige nach außen gerichtete Verhaltensprobleme und gehören eher zu den guten Schülern. Aber sie leiden an geringem Selbstbewusstsein und neigen deshalb zu nach innen gerichtetem Problemverhalten. Nachgiebig erzogene Jugendliche neigen zu Disziplinproblemen und schneiden in der Schule eher schlecht ab. Sie sind jedoch sozial kompetent und haben ein gerechtfertigt hohes Maß an Vertrauen in die eigenen sozialen Fertigkeiten.
  • Warum lassen sich Erziehungsstile nicht ohne Weiteres aus einem Kulturkreis auf einen anderen übertragen?

    Lösung

    Die Bedeutung von Erziehungshaltungen und Erziehungsmaßnahmen sind immer in das jeweilige kulturelle Normen- und Wertesystem eingebettet. So haben beispielsweise Kontrolle und Gehorsam im traditionellen konfuzianischen Wertesystem Ostasiens sowohl für die Eltern als auch für die Kinder eine andere Bedeutung als im westlichen Kulturkreis. Deshalb kann man nicht erwarten, dass sich der autoritative Erziehungsstil in anderen kulturellen Kontexten ebenfalls als überlegen erweisen wird.
  • Warum wirkt sich die autoritative Erziehung im westlichen Kulturkreis auf die Heranwachsenden günstiger aus als die anderen Erziehungsstile?

    Lösung

    Autoritative Erziehung ist überlegen, weil hierbei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Forderung nach der Einhaltung von Regeln und Normen auf der einen Seite und dem Freiraum für Autonomie und Entfaltung eigenen Denkens auf der anderen Seite vorliegt.
  • Wie unterscheiden sich induktive Erziehung, Machtausübung und Liebesentzug? Warum ist induktive Erziehung für die Moralerziehung vorteilhaft?

    Lösung

    Bei der induktiven Erziehung ist das elterliche Handeln darauf ausgerichtet, bei dem Kind Verständnis für das vorausgegangene Fehlverhalten zu wecken (zu induzieren). Hingegen reagieren machtausübende Eltern auf Fehlverhalten mit Härte und ohne Verständnis – sie drohen, befehlen und strafen unter Umständen mit körperlicher Gewalt. Liebesentzug bedeutet, dass die Eltern dem Kind eindeutig den Entzug ihrer Zuneigung signalisieren. Durch induktive Erziehung erleichtern Eltern ihren Kindern die Internalisierung von Regeln und Normen, weil nicht Machtausübung oder Liebesentzug im Vordergrund steht, sondern die Verdeutlichung der Folgen des kindlichen Fehlverhaltens für andere Personen.
  • Wie trägt induktive Erziehung im Sinne von Hoffmans Theorie zur Internalisierung moralischer Normen bei?

    Lösung

    Die Erfahrungen in einer Überschreitungssituation beeinflussen das spätere Handeln deshalb so nachdrücklich, weil diese Situation der moralischen Bewährungssituation strukturell ähnlich ist: In beiden Situationen geht es um den Konflikt zwischen egoistischen Motiven und Normen, durch die die egoistischen Motive eingeschränkt werden sollen. In Überschreitungssituationen sind diese Normen zunächst noch nicht internalisiert, sondern sie werden durch das Eingreifen der Eltern realisiert. Aber das Kind macht hier die Erfahrung, dass es seine egoistischen Motive einschränken soll. Je nach elterlicher Erziehung werden ihm ganz unterschiedliche Beweggründe für die Einhaltung der Norm nahegebracht: der Blick auf die kognitiven und affektiven Folgen seines Tuns für das „Opfer“ im Falle der induktiven Erziehung und im Gegensatz dazu der Blick auf die strafenden oder zurückweisenden Reaktionen der Eltern im Falle der Machtausübung oder des Liebesentzugs.
  • Warum kommt der Empathie bei der Internalisierung von Normen eine besondere Bedeutung zu?

    Lösung

    Zum einen führt empathisches Mitfühlen in Verbindung mit der Fähigkeit, eine ursächliche Beziehung zwischen den eigenen Regelüberschreitungen und deren schädigender Wirkung auf andere Personen herzustellen, zur Erfahrung von empathischen Schuldgefühlen. Diese Schuldgefühle beeinflussen das Handeln in späteren Bewährungssituationen. Zum anderen vermittelt Empathie, wie Krevans u. Gibbs gezeigt haben, den Zusammenhang zwischen der elterlichen Erziehung und der Bereitschaft des Kindes, prosozial zu handeln.
  • Wie wurde Hoffmans Internalisierungstheorie durch Kuczynski sowie durch Grusec u. Goodnow erweitert?

    Lösung

    Kuczynski hat Hoffmans unidirektionale Sichtweise von moralischer Sozialisation zu einem bidirektionalen Sozialisationsmodell erweitert, das die wechselseitige Einflussnahme von Eltern und Kindern im Erziehungsprozess berücksichtigt. Grusec u. Goodnow haben aufgezeigt, wovon es abhängt, ob die Kinder die elterlichen Erziehungsmaßnahmen wahrnehmen und ob sie sie akzeptieren.
  • Welche Ratschläge können Sie Eltern für die frühe Moralerziehung geben?

    Lösung

    Schon bei kleinen Kindern ist es nicht nur im Interesse des Opfers, sondern auch des Angreifers, wenn Eltern „Übergriffe“ (z. B. das Wegnehmen eines Objektes) unterbinden. Die angemessene Form des Eingreifens sind induktive Erziehungsmaßnahmen. Darüber hinaus sollten Eltern die Entwicklung von Empathie unterstützen. Dies ist auf vielfältige Weise möglich, etwa indem man Kinder im Rollenspiel emotionale Erfahrungen machen lässt.
  • Warum sollte man der populären These, die Kinder- und Jugendgewalt hätte in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen, mit Vorsicht begegnen?

    Lösung

    Drei Gründe mahnen zur Vorsicht. Erstens sind Kriminalitätsraten nur ein indirekter Anhaltspunkt für Gewaltbereitschaft und Aggressivität. Zweitens gibt es Hinweise darauf, dass die Öffentlichkeit aufgrund der Gewaltdiskussion sensibler gegenüber Delikten junger Menschen geworden ist. Und drittens kann ein Trend über 2 oder 3 Jahre untypisch für langfristige Veränderungen sein.
  • Wie lassen sich gespielte und ernsthafte Aggression voneinander abgrenzen?

    Lösung

    Von gespielter Aggression spricht man, wenn eine Handlung mit aggressivem Inhalt – also eine Handlung, die die psychische oder physische Verletzung oder Schädigung einer anderen Person zum Thema hat – vom Akteur mit dem Bewusstsein ausgeführt wird, dass es sich um Spiel handelt. Dieses „Spielbewusstsein“ schließt ein, (a) dass der Akteur „nur so tut, als ob“, (b) dass er selbst sich dieses Als-ob-Charakters bewusst ist und (c) dass er dem anderen keine Schädigung zufügen will. Bei ernsthaften Aggressionen hingegen fehlt der Als-ob-Charakter; sie sind ausdrücklich mit der Absicht verbunden, jemanden zu schädigen oder ihm eine Verletzung zuzufügen.
  • Woran erkennen Sie, dass es sich um Mobbing handelt, wenn Sie Gewalt unter Kindern beobachten?

    Lösung

    Von Mobbing spricht man dann, wenn ein Kind wiederholt und systematisch den Aggressionen eines oder mehrerer anderer Kinder ausgesetzt ist. In typischen Mobbing-Episoden wird das Opfer erniedrigt und als wertlos behandelt, so lange, bis es sich schließlich selbst als wertlos erlebt. Es steht den Attacken meistens hilflos gegenüber, auch deshalb, weil es in der Regel in der Gruppe sozial isoliert ist. Jene Kinder in der Gruppe, die weder Opfer noch Täter sind, also die Zuschauer, reagieren meistens mit Wegschauen, Schweigen und Passivität. Ein Grund dafür ist die Furcht vor Repressalien durch die Täter. Die Täter selbst haben Spaß am Mobbing; sie erleben die Hilflosigkeit des Opfers und die Passivität der Zuschauer als verstärkend.
  • Was sind die zentralen Aussagen des Early-Starter-Modells? Wenn Sie Early Starter und Late Starter vergleichen: Welche Gruppe weist die schlechteren Prognosen für die weitere Entwicklung auf?

    Lösung

    Im Early-Starter-Modell wird angenommen, dass die Vorläufer antisozialen und delinquenten Verhaltens in frühen familiären Erfahrungen liegen, lange bevor negative Einflüsse und Vorbilder in Gruppen von gleichaltrigen Jugendlichen einen ungünstigen Einfluss ausüben können. Die Arbeitsgruppe um Patterson spricht von Nötigung oder Zwang („coercion“) und von Zwang ausübenden Familien („coercive families“). Ein Element der zwanghaften Erziehung sind physische und verbale Aggressionen gegen das Kind, die im Sinne des sozialen Lernens von den Kindern übernommen werden. Kurz gesagt: In Familien, die mit Zwang erziehen, werden aus kleinen Kindern, die Aggression erfahren, häufig aggressiv handelnde Heranwachsende.

    Im Vergleich zu den Early Starter sind die Prognosen für die Late Starter günstiger. Denn die Late Starter haben in der Kindheit mindestens ausreichende soziale Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben, um mit anderen auszukommen, und sie fallen auch in den Schulleistungen nicht besonders ab.
  • Wie lassen sich die Ergebnisse der Längsschnittstudie von Eron et al. zum Zusammenhang zwischen elterlicher Erziehung und der Entwicklung antisozialen Verhaltens zusammenfassen?

    Lösung

    In dieser Studie, in der die Entwicklung vom Grundschul- bis ins Erwachsenenalter beobachtet wurde, zeigte sich, dass Aggressivität, die in der Kindheit durch ungünstige Erziehung erworben wurde, oftmals tatsächlich zu einer Last wird, an der man bis in das Erwachsenenalter trägt. Sie kann sogar für die Erziehung der eigenen Kinder ungünstige Bedingungen schaffen, sodass auf dem Wege über die elterliche Erziehung ein erhöhtes Maß an Aggressivität über mehrere Generationen weitergereicht werden kann.
  • Wie wirkt sich die Fremdbetreuung von Kleinkindern in Kindertageseinrichtungen auf die Kinder aus? (Nennen Sie eine wichtige Studie zu diesem Thema, und berichten Sie ausgewählte Resultate.)

    Lösung

    Die wichtigste Studie ist die U.S.-amerikanische Längsschnittuntersuchung des NICHD, in der über 1300 Kinder und deren Eltern während des gesamten Betreuungszeitraums wiederholt beobachtet wurden und für die mittlerweile Daten bis in die Schulzeit vorliegen. In dieser Studie zeigte sich, dass die Befürchtung, Betreuung außerhalb der Familie habe generell einen nachteiligen Einfluss auf die Beziehung des Kindes zu den Eltern und auf seine weitere Entwicklung, ungerechtfertigt ist. Allerdings kommt es auf die Qualität und, was die Auswirkungen auf die sozioemotionale Anpassung angeht, auf die Dauer der Krippenbetreuung an.

    Vergleicht man jedoch den Einfluss der Betreuungsqualität mit dem Einfluss der Qualität des familiären Umfeldes, so erweisen sich – grob gesagt – die familiären Bedingungen als bedeutsamer. Zu beachten ist, dass sich ungünstige familiäre Bedingungen und eine schlechte Qualität der Krippenbetreuung negativ zu verstärken scheinen. Was den Zusammenhang zwischen Dauer der Krippenbetreuung und dem Auftreten von Problemverhalten mit 4½ Jahren angeht, so gibt es keine „Schwelle“, die diesen Effekt einschränken würde; vielmehr gilt uneingeschränkt: Je mehr Zeit die beobachteten Kinder in Fremdbetreuung verbrachten, desto schlechter war die sozioemotionale Anpassung.
  • Was besagt das Angebot-Nutzungs-Modell zur Erklärung von Schulleistungen?

    Lösung

    Das Angebot-Nutzungs-Modell führt die Merkmale des Bildungssystems und des einzelnen Schülers zusammen, berücksichtigt dabei aber die Verschiedenheit dieser Merkmalsbereiche. Ein weiterer Grundgedanke des Modells ist die Unterscheidung von Schulleistungsbedingungen, die man als Angebotsmerkmale („angebotsbezogene Stützsysteme“) oder als Nutzungsmerkmale („nutzungsbezogene Stützsysteme“) bezeichnen kann. Diese Trennung ist notwendig, weil Schulleistungen das Ergebnis eines Prozesses sind, in dem die eine Person (der Lehrer) einer anderen Person (dem Schüler) ein Angebot macht, auf das die andere Person unterschiedlich reagieren kann, aber nicht muss.
  • Welche Bedürfnisse, welche Anreize veranlassen Menschen zu arbeiten? Was sind Beispiele dafür?

    Lösung

    Inhaltstheorien beschreiben, welchen psychologischen Gewinn Menschen von ihrer Arbeit haben. Sie weisen auf die Bedeutung intrinsischer Motivierung durch ganzheitliche und anregende Arbeitsinhalte hin. Hygienefaktoren und Motivatoren werden gemäß der Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg (1959) wirksam. Um Anreizbedingungen (nämlich Arbeitsinhalte) und um das Erleben der Person (nämlich kritische psychische Zustände) geht es im Job-Characteristics-Modell nach Hackman u. Oldham (1980).
  • Welche Prozesse und Mechanismen führen zur Arbeitsmotivation? Welche Beispiele gibt es dafür?

    Lösung

    Prozesstheorien beschreiben, welche Mechanismen von bestimmten subjektiven Erwartungen und Bewertungen zu Handlungen führen. Handlungsnahe Prozesstheorien thematisieren als dominierende Konstrukte Ziele und Selbstregulierungsmechanismen.

    Zu den Prozesstheorien zählen die Wert-Erwartungs-Theorien. Die bekannteste Ausarbeitung stammt von Vroom (1964) und wird auch als VIE-Modell bezeichnet. Nach dieser Theorie ist Motivation das Produkt von Erwartungen und Werten. Die subjektiven Erwartungen (expectancy: sorgfältige Arbeit führt zu guter Qualität, instrumentality: gute Qualität wird durch höhere Bezahlung belohnt), und Bewertungen (die höhere Bezahlung ermöglicht den gewählten Lebensstil), aus denen motiviertes Verhalten resultiert, sollen erfasst werden.
  • Wie tragen Inhalte und Prozesse zusammen zur Arbeitsmotivation bei? Welche zusätzliche Sicht ist hilfreich?

    Lösung

    Integrative Perspektiven verbinden Inhalte und Prozesse (z. B. Motivation und zielgerichtetes Verhalten). Handlungsfern sind z. B. die in der Zukunft liegenden Ziele, handlungsnah die ständig ausgeübten Strategien der Selbstregulierung, die dazu dienen, die Ziele zu erreichen. Handlungsnah und prozessorientiert ist die Theorie der Zielsetzung von Locke u. Latham (1991). Handlungsferne und handlungsnahe Konstrukte verbinden die Theorie der Selbstregulierung nach Kuhl (1992) und das Rubikon-Modell von Heckhausen u. Gollwitzer (Gollwitzer 1990).
  • Was ist bei der Erfassung von Arbeitszufriedenheit wichtig?

    Lösung

    Arbeitszufriedenheit ist auf unterschiedliche Weise erfasst worden. Empirische Ergebnisse zur Arbeitszufriedenheit sind uneinheitlich, das Konstrukt hat sich zudem als methodenlabil (als abhängig von der Art der Messung) erwiesen. Aussagen zur Arbeitszufriedenheit werden dann als aussagekräftig angesehen, wenn die jeweils verwendeten Bezugssysteme berücksichtigt werden.
  • Was ist der »Hawthorne-Effekt«? Wie wurde er entdeckt?

    Lösung

    In den amerikanischen Hawthorne-Werken sollte zu Anfang des 20. Jahrhunderts untersucht werden, wie die Beleuchtung von Arbeitsplätzen die Arbeitsleistung beeinflusst. Unerwartet zeigten Arbeiter trotz Senkung der Beleuchtungsstärken höhere Arbeitsleistungen. Das Gefühl, dass sich die Firmenleitung um ihre Arbeitsbedingungen kümmerte, steigerte kurzfristig ihre Zufriedenheit und ihre Motivation.
  • Welche arbeitsbedingten Stressfolgen gibt es?

    Lösung

    Man kann unterscheiden zwischen kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen von Stressoren: Kurzfristige Auswirkung sind Nervosität und Gereiztheit, erhöhte Adrenalin- und Noradrenalinausschüttung, erhöhte kardiovaskuläre Aktivität sowie verringerte Effizienz bei der Handlungsregulation.

    Längerfristig kann es zur Beeinträchtigung des Wohlbefindens kommen, zu psychosomatischen Beschwerden und Krankheiten, zu problematischem Gesundheitsverhalten (ungesunden Essgewohnheiten, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkoholmissbrauch, Drogen- und Medikamentenmissbrauch).
  • Wie entsteht aus Sicht des transaktionalen Stressmodells Stress im Arbeitsbereich, und wie lässt er sich bewältigen?

    Lösung

    Der Frage, wie Stress entsteht und wie er bewältigt wird, geht man nach, indem man untersucht, wie Verhaltensweisen von Personen und Eigenschaften von Situationen miteinander und mit dem Erleben von Stress zusammenhängen.

    Das Erleben und die Bewertung von Stressoren durch die einzelne Person sind wichtig. Was mit erhöhter Wahrscheinlichkeit Stress oder Stressempfindungen auslösen kann, wie beispielsweise Überforderung, Unterforderung, Lärm, Konflikte, hängt immer auch von der Bewertung durch die Betroffenen ab.

    Im transaktionalen Stressmodell wird thematisiert, dass Personen in der gleichen Situation unterschiedliche Sichtweisen, Bewältigungsstrategien und -kompetenzen zeigen, die auf die situativen und persönlichen Gegebenheiten zurückwirken und durch die gegenseitige Einwirkung auch verändert werden. Es geht sowohl um die objektive Arbeitssituation als auch um deren Erleben sowie um die Einschätzung der eigenen Handlungsmöglichkeiten.
  • Was versteht man unter Mobbing? Welche Ursachen werden diskutiert?

    Lösung

    Auch im Fall von Mobbing, einer besonderen Art von sozialem Stress am Arbeitsplatz, ist eine transaktionale Sichtweise angemessen. Zunächst standen Organisation der Arbeit, Aufgabengestaltung und Leitung im Zentrum, mittlerweile wird eingeräumt, dass auch Persönlichkeitseigenschaften der Mobber und der Gemobbten eine Rolle spielen können.
  • Welche Möglichkeiten gibt es, um gegen Mobbing vorzugehen?

    Lösung

    Zur Vorbeugung kann man faire und transparente Verhaltensregeln einführen, die z. B. in Betriebsvereinbarungen festgehalten werden und die auch angeben, was im Fall von Konflikten zu tun ist. Den einzelnen Betroffenen wird u. a. geraten, sich gegen Angriffe abzugrenzen, Abstand zu finden, nötigenfalls durch eine Krankschreibung, und auf eine Veränderung am Arbeitsplatz hinzuwirken.
  • Was wird unter Work-Life-Balance verstanden?

    Lösung

    Ganz allgemein ist damit gemeint, dass eine gelungene Balance von Arbeit und Leben das Wohlbefinden fördert und auf diese Weise möglichem Stress vorbeugt. In vorliegenden Studien wird diese Balance auf unterschiedliche Weise untersucht. Belegt ist, dass sich ein Ungleichgewicht zugunsten der Arbeit negativ auswirkt.
  • Was ist bei der Einführung neuer Technologien zu beachten? Welche Rolle spielen unterschiedliche Gruppenzugehörigkeiten?

    Lösung

    Bei der Einführung technischer und organisatorischer Neuerungen sollten die Lern- und Umstellungskompetenzen der Betroffenen nicht überfordert werden. Es wird daher empfohlen, Änderungen vorzubereiten und Zeit für Umstellungsprozesse einzuplanen. Dabei ist zu beachten, dass unterschiedliche Gruppen innerhalb einer betroffenen Organisation die Neuerungen unterschiedlich beurteilen.
  • Unter welchen Bedingungen ist flexiblere Arbeitszeitgestaltung für die Organisation und für die arbeitende Person von Vorteil?

    Lösung

    Die Einführung flexibler Arbeitszeiten kann in zweifacher Hinsicht förderlich sein. Es kann den Unternehmen zur besseren Nutzung ihrer Anlagen verhelfen, und die Beschäftigten können ihre Zeit besser einteilen. Aus Untersuchungen (z. B. im Hinblick auf Pflegekräfte) weiß man, dass mit zunehmender Autonomie zur Arbeitszeitgestaltung psychischer Stress abnimmt und die Arbeitszufriedenheit steigt.
  • Was sind die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit?

    Lösung

    Arbeitslosigkeit hat psychische und soziale Folgen für die Betroffenen und auch für deren Angehörige. Obgleich die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit kontrovers diskutiert werden, besteht Konsens darüber, dass sie bei den meisten Menschen zu einer Verschlechterung ihrer seelischen Gesundheit führen. In der klassischen Studie von Jahoda aus dem Jahr 1931 „Die Arbeitslosen von Marienthal“ zeigte sich ein Zusammenhang zwischen den 4 Haltungstypen des Umgangs mit Arbeitslosigkeit (ungebrochene, resignierte, verzweifelte und apathische Familien) und der Höhe der Unterstützung, die in den Familien zur Verfügung stand. Auch aktuelle Studien belegen die negative Wirkung von Arbeitslosigkeit auf die seelische Gesundheit.
  • Wie hat sich das Defizit- zum Kompensationsmodell des Alterns gewandelt? Welche Bedeutung hat das für ältere Arbeitnehmer?

    Lösung

    Ältere Arbeitnehmer sind nicht weniger leistungsfähig, sondern sie zeigen ein anderes Leistungsprofil. Während die Auffassungsgeschwindigkeit und die Reaktionszeit mit dem Alter sinken, steigen beispielsweise handwerkliches Können und Erfahrungswissen.
  • Was versteht man unter einer Organisation, unter Organisationsstruktur und Organisationsform? Was sind die Vor- und Nachteile des Ein- und des Mehrliniensystems?

    Lösung

    Eine Organisation ist ein gegenüber ihrer Umwelt offenes System, das zeitlich überdauernd existiert, spezifische Ziele verfolgt und sich aus Individuen bzw. Gruppen zusammensetzt. Die Gesamtheit aller formalen Regelungen zur Arbeitsteilung sowie zur Koordination von Leistung und Verhalten der Organisationsmitglieder bildet die formale Organisationsstruktur. Bei den Organisationsformen unterscheidet man Einlinien- und Mehrliniensysteme. Beim Einliniensystem empfängt eine untergeordnete Stelle nur von einer übergeordneten Stelle Weisungen und ist nur dieser verantwortlich. Beim Mehrliniensystem gibt es ein doppeltes Unterstellungsverhältnis nach Funktion und Sparte. Im Mehrliniensystem sind die Informations- und Abstimmungswege kürzer, Konflikte können häufiger auftreten, was als positiv im Sinne einer vertieften inhaltlichen Auseinandersetzung gewertet wird. Als Nachteil gilt die fehlende Gesamtverantwortung.
  • Wann ist Teamarbeit sinnvoll? Was macht sie effektiv?

    Lösung

    Teamarbeit gilt insbesondere dann als sinnvoll, wenn es um eine komplexe Aufgabe geht, die in mehreren Schritten zu bearbeiten ist und die mit unstrukturierten Problemen behaftet ist oder mehrere Fachbereiche berührt. Bei Teamarbeit können verschiedene Arten von Teamarbeitspotenzialen genutzt werden:

    - das Problemlösungspotenzial, das vor allem auf einer breiteren Erfahrungs-, Informations- und Wissensbasis beruht;
    - das arbeitsorganisatorische Potenzial, das über eine Stärkung eigener Verantwortlichkeit den Verwaltungsaufwand reduziert;
    - das Komplexitätsreduktionspotenzial, das vor allem durch eine breitere Urteilsgrundlage und kürzere Kommunikationswege das Erreichen angestrebter Ziele fördert.

    Damit Teamarbeit gelingt, sind auch die Gefahren von Teamarbeit wie Risikoschub und Gruppendenken zu beachten. Qualitätszirkel sind kleine Gesprächsgruppen, die der Steigerung der Produktqualität und Produktivität dienen sollen.
  • Warum kommt es bei der Erfassung von Bedingungen erfolgreicher Führung nicht allein auf die Eigenschaften der Führenden an?

    Lösung

    Korrelationen zwischen Eigenschaften von Führenden und Führungserfolg erwiesen sich als gering, sagen außerdem nichts über die Richtung der Kausalität. Für Führungsverhalten in Gruppen konnte weder die optimale Persönlichkeit noch das optimale Verhalten ermittelt werden; vielmehr muss auch die konkrete Umgebung in die Überlegungen einbezogen werden. Eine Methode der Rückmeldung, die dies berücksichtigt, ist das 360°-Feedback, bei dem Beurteilungen aus unterschiedlichen Perspektiven zusammengeführt werden. Mit Führungserfolg verbundene Eigenschaften müssen außerdem längerfristig im Zusammenhang mit der Dynamik der Situation und mit weiteren Persönlichkeitsmerkmalen gesehen werden.
  • Was sind gebräuchliche Verfahren der Personalauswahl? Wie sind sie zu bewerten?

    Lösung

    Psychologische Berufseignungsdiagnostik ist wichtig für Berufsberatung und Personalauswahl. Auswahlverfahren sind Vorstellungsgespräche oder Einstellungsinterviews, Personalfragebogen, biographische Fragebogen, psychologische Tests, computergestützte Tests und computergestützte Simulationen, Arbeitsproben mit Bezug zum Arbeitsfeld sowie das Assessment-Center. Bei der Auswahl eines Verfahrens sind neben Validitätskoeffizienten Akzeptanz und Aufwand zu berücksichtigen.
  • Welche Bedingungen fördern die berufliche Entwicklung?

    Lösung

    Während neben der dokumentierten Leistung eigene Ambitionen und Berufswünsche durchaus Einfluss auf die spätere berufliche Laufbahn haben, verstärkt, wie Kohortenvergleiche zeigen, ein engerer Arbeitsmarkt die Bedeutung schulischer Qualifikationen und der sozialen Herkunft. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Frauen sind immer noch vergleichsweise selten in Führungspositionen zu finden, sei es in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik oder Verwaltung. Veränderte Eigenschaftszuschreibungen von Frauen, veränderte Konzeptionen von Führung erlauben vorsichtig optimistische Prognosen.
  • Wie unterstützen Arbeitsbedingungen die Persönlichkeitsentwicklung?

    Lösung

    Vorliegende Studien zeigen, dass geistige Beanspruchung und selbstständiges Planen und Mitgestalten von Bedeutung sind. Höherwertige Arbeit verschaffte Menschen nicht nur mehr Kenntnisse über ihre Arbeitsaufgabe, sondern regte zu strategischen und planenden Vorgehensweisen an. Die Veränderung der Arbeitstätigkeit wirkte sich sowohl auf die Entwicklung arbeitsbezogener Sachinteressen aus, als auch auf gesellschaftsbezogene und politische Interessen.
  • Fertig!

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