Sozialpsychologie für Bachelor

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Sozialpsychologie für Bachelor

ISBN: 
978-3-642-30271-8

Warum sitzen viele Studierende in Vorlesungen gerne in den hinteren Reihen? Warum verhalten sie sich in der Universität oft ganz anders als privat? Warum denken andere Menschen, dass sie gleich analysiert werden, wenn sie einem Psychologen begegnen? – Diese ganz alltäglichen Fragen sind gleichzeitig Kernfragen bekannter sozialpsychologischer Theorien und dies zeigt: Die Sozialpsychologie ist die spannende Wissenschaft unseres sozialen Alltags! Auch dieses Buch verknüpft die prüfungsrelevanten Themen dieses spannenden Grundlagenfachs immer wieder mit „Szenen aus dem Leben“ – da kommen neben Alltagsbeispielen auch mal Zitate von Udo Lindenberg, den „Ärzten“ o.ä. zum Zuge.

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Das Buch ist vollständig für die Prüfung (inklusive aktueller Trends wie positiver Psychologie und sozialer Neurowissenschaften) und gleichzeitig kompakt und lernfreundlich:  Neben den Alltagsbeispielen lockern Studienboxen und Exkurse den Text auf und Kontrollfragen laden zur Wissensüberprüfung ein. Ein duales Konzept erleichtert das Wiederholen: Eine breite Randspalte fasst das Wichtigste in Kürze zusammen - für eilige Lerner oder zum schnellen Repetieren.

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BegriffErklärung
SozialpsychologieFachrichtung innerhalb der Psychologie, die sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen in Interaktion mit ihrer sozialen Umwelt beschäftigt. Gegenstand ist zum einen das Individuum allein, zum anderen das Individuum im Kontext der Gruppe.
BehaviorismusForschungsrichtung in der Psychologie, die davon ausgeht, dass Verhalten allein durch Reiz-Reaktions-Zusammenhänge zu erklären ist. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer bestimmten Reaktion auf einen vorangegangenen Stimulus definiert sich darüber, wie oft das betreffende Verhalten in der Vergangenheit belohnt bzw. bestraft wurde. Dabei bleiben internale Zustände des Individuums, die zwischen Reiz und Reaktion vermitteln, unberücksichtigt.
Soziale ProjektionEinfache Strategie, um Wissen über andere Personen zu erhalten, indem man die eigenen Einstellungen, Merkmale und Verhaltensweisen auf andere überträgt. Grundlage hierfür ist die Annahme, dass die meisten anderen Menschen genauso denken bzw. sich genauso verhalten wie man selbst.
Pluralistische IgnoranzTendenz, sich am Verhalten anderer Personen zu orientieren, um v.a. uneindeutige Situationen besser einschätzen zu können. Dabei wird jedoch häufig die Ähnlichkeit der beteiligten Individuen unterschätzt, was zu fehlerhaften Einschätzungen führen kann.
SituationismusDer Einfluss der Situation wird als zentral für die Art des nachfolgenden menschlichen Verhaltens angesehen.
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Frage 1 von 60
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  • Worin besteht der Unterschied zwischen Sozialpsychologie und Soziologie?

    Lösung

    Die Soziologie beschäftigt sich vorwiegend mit Phänomenen, die auf gesamtgesellschaftlicher oder institutioneller Ebene auftreten. Dagegen betrachtet die Sozialpsychologie das Individuum selbst bzw. dessen sozialen Kontext und kleinere Gruppen. Trotz ähnlicher Themen beider Disziplinen liegt der Unterschied also vorwiegend darin, auf welcher Ebene diese Themen betrachtet werden: Gesellschaften und Institutionen versus Individuen und kleinere Gruppen.
  • Worin besteht der Unterschied zwischen Sozialpsychologie und Persönlichkeitspsychologie?

    Lösung

    Die Sozialpsychologie erforscht das Erleben und Verhalten von Menschen in Interaktion mit ihrer sozialen Umwelt. Grundlegend ist also eine interaktionistische Sichtweise, d. h., die Sozialpsychologie sieht die Wechselwirkung zwischen Situation einerseits und Person andererseits als beste Möglichkeit an, menschliches Verhalten zu erklären und vorherzusagen.
    Auch die Persönlichkeitspsychologie befasst sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen. Jedoch stehen hier die interindividuellen Unterschiede im Vordergrund, die über verschiedene Situationen hinweg bestehen bleiben. Insofern sieht die Persönlichkeitspsychologie also vorwiegend bereits bestehende (angeborene oder erlernte) Persönlichkeitsunterschiede als beste Erklärung menschlichen Verhaltens an.
  • Welches ist die Hauptposition des kritischen Rationalismus?

    Lösung

    Der kritische Rationalismus basiert auf den Ideen Karl Poppers. Zentraler Bestandteil ist hierbei das sog. „Falsifikationsprinzip“. Diesem zufolge sollte empirische Wissenschaft den Ansatz verfolgen, Hypothesen durch unstimmige Beobachtungen zu verwerfen. Das heißt, Erkenntnisfortschritt kommt am besten zustande, wenn man versucht, bestimmte Annahmen kritisch zu hinterfragen und ggf. wieder zu verwerfen bzw. zu falsifizieren. Dieser Ansatz steht dem positivistischen Empirismus gegenüber, der versucht, Beweise für getroffene Annahmen zu liefern (Verifikationsprinzip).
  • Warum kann man die Befunde von echten Experimenten kausal interpretieren?

    Lösung

    Ein Experiment lässt es zu, Ursache und Wirkung definitiv zu bestimmen, so dass die erhaltenen Befunde kausal interpretiert werden können. Dies ist möglich aufgrund einer der wichtigsten Eigenschaften eines Experiments, der Randomisierung. Randomisierung bedeutet, dass die Versuchspersonen nach dem Zufallsprinzip auf die jeweiligen Versuchsbedingungen aufgeteilt werden. Dadurch lassen sich Unterschiede, die zuvor zwischen den jeweiligen Versuchspersonen bestehen können (z. B. unterschiedliches Geschlecht oder Alter, bestimmte Persönlichkeitseigenschaften) ausgleichen. Es wird also vermieden, dass beispielsweise in der Experimentalgruppe ausschließlich Frauen sind und die Kontrollgruppe nur aus Männern besteht. Mit einer steigenden Anzahl von Versuchspersonen gleichen sich diese vorab bestehenden Unterschiede statistisch aus. Ein gefundener Effekt in der abhängigen Variable kann daher auch eindeutig auf eine Variation der unabhängigen Variable zurückgeführt werden: Der kausale Schluss ist möglich.
  • Was müssen psychologisch Forschende unter allen Umständen vermeiden?

    Lösung

    Für die psychologische Forschung ist die Einhaltung von ethischen Standards grundlegend. Diese sind in den Ethical Principles of Psychologists sowie den Code of Conduct der American Psychological Association (APA) geregelt. Als oberste Regel gilt dabei, dass Versuchspersonen durch die Teilnahme an einer Studie weder zu physischem noch zu psychischem Schaden kommen dürfen.
  • Was versteht man unter kognitiver Dissonanz?

    Lösung

    Kognitive Dissonanz ist ein unangenehmer Zustand, der entsteht, wenn mindestens zwei Kognitionen nicht zusammenpassen bzw. nur schwer miteinander zu vereinen sind (beispielsweise wenn Sie mit Ihren Freunden zum Baden fahren, obwohl Sie eigentlich lernen müssten). Diese Inkongruenz löst kognitive Dissonanz aus und gleichzeitig die Motivation, diese zu reduzieren. Hierzu gibt es fünf verschiedene Möglichkeiten:

    1. Addition konsonanter Kognitionen („Baden entspannt mich und tut mir gut“);
    2. Subtraktion dissonanter Kognitionen (Vermeidung: z. B. versuchen, nicht daran zu denken; Lernmaterial außer Sichtweite bringen);
    3. Substitution dissonanter durch konsonante Kognitionen („Ich bin grundsätzlich immer sehr gewissenhaft und konsequent – also darf ich auch mal nachgeben und etwas Schönes machen.“);
    4. Erhöhung der Wichtigkeit konsonanter Kognitionen („Es ist wichtiger, entspannt zu sein als jetzt noch neues Wissen zu erwerben.“);
    5. Reduktion der Wichtigkeit dissonanter Kognitionen („Einen Tag vor der Klausur zu lernen, ist ohnehin nicht sinnvoll.“).
  • Mit welchen Forschungsparadigmen wird die klassische Formulierung der Dissonanztheorie üblicherweise untersucht?

    Lösung

    Die Dissonanztheorie wird hauptsächlich mit drei Forschungsparadigmen untersucht: 1. dem Forced-Compliance-Paradigma (Festinger & Carlsmith, 1959), 2. dem Free-Choice-Paradigma (Brehm, 1956) und 3. dem Paradigma zur Selektiven Informationssuche (z. B. Frey, 1986).

    - Zu 1. Dem Forced-Compliance-Paradigma („forcierte Einwilligung“) ist das klassische 20-Dollar-Experiment zuzuordnen. Zentral ist hierbei, dass kognitive Dissonanz, die als Folge von einstellungsdiskrepanten Verhalten auftritt, durch Einstellungsänderung reduziert werden kann. Versuchspersonen wurden dazu gebracht, entgegen ihrer eigenen Einstellung ein Experiment als spannend darzustellen. Für dieses einstellungsdiskrepante Verhalten bekamen sie entweder 1 Dollar (geringe Rechtfertigung) oder 20 Dollar (hohe Rechtfertigung) als Entschädigung. Diejenigen unter geringer Rechtfertigung änderten ihre Einstellung stärker in Richtung des gezeigten Verhaltens und gaben eher an, das Experiment tatsächlich spannend gefunden zu haben. Dadurch konnten sie ihre Dissonanz reduzieren.
    - Zu 2. Das Free-Choice-Paradigma („Wahlfreiheit) zeigt, dass Dissonanz, die durch das Treffen einer Entscheidung entstanden ist, reduziert werden kann, indem die gewählte Entscheidungsalternative aufgewertet und die nicht gewählte Alternative abgewertet wird. Dieser Effekt ist umso stärker, je schwieriger die Entscheidung ist bzw. je ähnlicher sich die beiden Entscheidungsalternativen sind („spreading apart of alternatives).
    - Zu 3. Im klassischen Paradigma zur selektiven Informationssuche wird Dissonanz induziert, indem eine Entscheidung zwischen zwei Alternativen getroffen wird. Bei der anschließenden Informationssuche ist üblicherweise zu beobachten, dass Personen verstärkt Informationen suchen, die ihrer Entscheidung entsprechen und stattdessen Informationen vermeiden, die dissonant zu dieser sind („confirmation bias“). Zusätzlich bewerten sie konsistente Informationen hinsichtlich ihrer Wichtigkeit und Glaubwürdigkeit besser als dissonante Informationen („evaluation bias“).
  • Was besagt der „selective exposure effect“ und wie ist er theoretisch begründet?

    Lösung

    Selektive Informationssuche betrifft die Tatsache, dass die Suche nach neuen Informationen nicht unabhängig vom eigenen Standpunkt (zuvor getroffene Entscheidung; Einstellung; Stereotype etc.) erfolgt. Speziell im Kontext von Entscheidungen, auf den sich der Selective Exposure Effect bezieht, bedeutet dies, dass Menschen selektiv nach Informationen zu suchen, die ihrer Entscheidung entsprechen. Sie bevorzugen also entscheidungskonsistente Informationen und vermeiden inkonsistente Informationen. Man spricht hierbei von einer konfirmatorischen Informationssuche („confirmation bias“). Zusätzlich bewerten sie konsistente Informationen besser hinsichtlich ihrer Qualität („evaluation bias“). Ursprünglich wurde der Selective Exposure Effect vorwiegend motivational im Rahmen der Dissonanztheorie erklärt: Dissonanz entsteht aufgrund der getroffenen Entscheidung und wird durch eine selektive Suche nach entscheidungskonsistenten Informationen reduziert. Neuere Ansätze zeigen jedoch, dass dieser Erklärungsansatz nicht ausreichend ist und um kognitive Prozesse erweitert werden muss. So bewerten wir dissonante Informationen per se kritischer, was wiederum unsere Informationsauswahl selektiv beeinflussen kann.
  • Zeigen Sie anhand eines Beispiels die Risiken kollektiver Dissonanzreduktion auf. Welches Phänomen kommt hier zusätzlich zum Tragen?

    Lösung

    Die Kuba-Invasion ist ein Beispiel für Dissonanzreduktion auf Gruppenebene. Kennedy beriet sich mit seinem Stab bzgl. seines Planes, Kuba wieder zurückzuerobern. Dabei wurde deutlich, dass diejenigen Berater, die sich zu seinem Vorhaben kritisch äußerten, sofort mundtot gemacht wurden. Argumente, die gegen den Angriffsplan sprachen, wurden nicht beachtet; stattdessen wurde selektiv nach konsistenten Informationen gesucht. Die Folge war, dass potenzielle Risiken und Warnhinweise systematisch übersehen wurden, was mit tragischen Folgen verbunden war (Scheitern des Angriffs und Tod vieler Menschen). Janis (1982) beschrieb dieses Verhalten als sog. Groupthink-Phänomen: den Verzicht auf eine umfassende, möglichst objektive Betrachtungsweise bestimmter Problemstellungen zugunsten des Gruppenerhalts.
  • Zeigen Sie anhand von zwei theoretischen Weiterentwicklungen der Dissonanztheorie, dass Dissonanz und deren Reduktion nicht einfach nur aufgrund von zwei inkonsistenten Kognitionen entsteht!

    Lösung

    1. Aronson (1968) postuliert, dass es für die Entstehung von Dissonanz bzw. deren Reduktion entscheidend ist, dass mindestens zwei Kognitionen eine selbstbezogene Inkonsistenz hervorrufen. Damit ist gemeint, dass sich die Kognitionen auf zentrale Werte einer Person beziehen müssen. Einstellungsänderung als Folge einstellungsdiskrepanten Verhaltens findet also nur statt, wenn das Verhalten grundsätzlichen Werten und Kernüberzeugungen einer Person widerspricht.
    2. Vertreter der Selbstaffirmationstheorie sehen das Streben nach einem positiven Selbstbild als grundlegend für das Erleben von Dissonanz und die nachfolgende Reduktion dieser an. Durch einstellungsdiskrepantes Verhalten kann nämlich das eigene positive Selbstbild, das Menschen üblicherweise von sich haben, bedroht werden. Die Stärkung wichtiger Teile des Selbst kann dieses Bedrohungserleben kompensieren. Haben Personen nämlich die Möglichkeit, ihre Selbstintegrität zu bekräftigen oder finden auf andere Weise Bestätigung, so verringert sich ihre Motivation zur Dissonanzreduktion. Teilweise bleiben typische Dissonanzreduktionsprozesse sogar komplett aus.
  • Was versteht man unter einer Urteilsheuristik?

    Lösung

    Als Urteilsheuristiken bezeichnet man einfache Daumenregeln, die häufig bei der Lösung eines Problems bzw. bei Urteils- und Entscheidungsprozessen angewendet werden. Sie dienen dazu, den kognitiven Aufwand für das jeweilige Entscheidungsproblem zu reduzieren und ermöglichen daher eine möglichst einfache und schnelle Problembearbeitung. Dabei ist die Mindestvoraussetzung einer Heuristik, dass sie zu Urteilen führt, die besser sind, als wenn man einfach auf das Zufallsprinzip zurückgegriffen hätte.
  • Definieren Sie den Ankereffekt und zeigen sie auf, mit welchen Nachteilen er verbunden sein kann!

    Lösung

    Der Ankereffekt besagt, dass Urteile in relativer Abhängigkeit von einem situationalen und informationalen Bezugsrahmen getroffen werden. Menschliche Urteils- und Entscheidungsprozesse sind also abhängig von relevantem Vorwissen bzw. bestehenden Hypothesen. Sprich, wir Menschen lassen uns bei der Informationsaufnahme von bereits bestehenden Annahmen, Fakten, etc. leiten, was wiederum unsere Urteile und Entscheidungen beeinflusst.
    Nachteile treten auf, wenn der Anker falsch ist, also nicht der Realität entspricht. Hat man beispielsweise nur einen ungenauen Anker zur Hand (eine ungefähre Ahnung; z. B. wissen Sie, dass der Geburtstag einer Person nicht weit von dem Ihrigen entfernt ist, kennen aber das genaue Datum nicht), so kann es zu einer fehlerhaften Justierung des Ankers kommen. Sie verwenden Ihr Vorwissen zwar als Anhaltspunkt, doch wissen beispielsweise nicht, ob der Geburtstag vor oder nach Ihrem ist und wie viele Tage dazwischen liegen.
  • Welche Rolle spielt die Abrufleichtigkeit von Informationen innerhalb der Verfügbarkeitsheuristik?

    Lösung

    Die Verfügbarkeitsheuristik besagt: Je leichter es einem fällt, Informationen zu einer bestimmten Hypothese aus dem Gedächtnis abzurufen, desto wahrscheinlicher schätzt man auch die Richtigkeit der entsprechenden Hypothese ein. Dabei kommt es weniger auf die Menge der abgerufenen entscheidungsrelevanten Informationen an als auf deren Abrufleichtigkeit. So konnten Schwarz et al. (1991) zeigen, dass sich Personen, die sich an zwölf Episoden ihres Lebens erinnern sollten, in denen sie selbstbewusst gehandelt hatten, im Anschluss daran als weniger selbstbewusst einschätzten als Personen, die sich lediglich an sechs derartige Episoden erinnern sollten. Der Grund hierfür liegt in der Leichtigkeit des Abrufs: Sechs Episoden sind leichter zu erinnern als zwölf, daher wird die Wahrscheinlichkeit überschätzt, die entsprechende Persönlichkeitseigenschaft auch tatsächlich aufzuweisen. Im Gegensatz dazu schließt man aus der Tatsache, nur mit Anstrengung zwölf Episoden erinnern zu können, dass man nicht selbstbewusst ist – auch wenn man im Endeffekt mehr als sechs Episoden aufzählen kann. Die Abrufleichtigkeit der Informationen siegt demnach über die Menge derselben.
  • Was versteht man unter Base Rate Neglect? Welcher Urteilsheuristik ist dieses Phänomen zuzuordnen?

    Lösung

    Der Base Rate Neglect ist ein Verzerrungseffekt, der innerhalb der Repräsentativitätsheursitik auftreten kann. Er tritt auf, wenn sich Personen zu stark an der wahrgenommenen Ähnlichkeit eines Objekts mit einer bestimmten Kategorie orientieren und dabei die Kategoriengröße vernachlässigen („neglect“). Die Kategoriengröße ist jedoch zentral, denn je größer eine Kategorie ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass ein bestimmtes Objekt Teil dieser Kategorie ist. Unabhängig von Ähnlichkeitseffekten ist also die grundlegende Wahrscheinlichkeit („base rate“) vorab höher. Wird die Größe einer bestimmten Kategorie jedoch nicht in Betracht gezogen und stattdessen nur geschaut, inwieweit ein Objekt die Merkmale dieser Kategorie erfüllt, so wird die Wahrscheinlichkeit der Kategorienzugehörigkeit überschätzt.
  • Beschreiben Sie das Asian Disease Paradigma (Tversky & Kahneman, 1981)! Was sagt dieses über die psychologische Relevanz von Gewinn- und Verlustszenarien aus?

    Lösung

    Beim Asian Disease Paradigma sollten sich die Versuchspersonen vorstellen, es gebe bei der medikamentösen Behandlung einer neuen Erkrankung zwei Möglichkeiten. Bei der ersten (sicheren) Alternative würden auf jeden Fall 200 Personen gerettet und 400 Personen nicht gerettet werden. Im Gegensatz dazu würden bei der zweiten (riskanten) Strategie mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel alle Personen bzw. mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln kein Leben gerettet werden. Dabei wurde variiert, ob die Zahl der geretteten Personen (Gewinn) oder diejenige der nicht geretteten Personen (Verlust) im Fokus lag. Es zeigte sich, dass die risikoreichere Alternative häufiger gewählt wurde, wenn bei der Falldarstellung der Fokus auf den verlorenen Menschenleben lag (Verlust-Framing). Stand die Zahl der geretteten Menschenleben im Vordergrund (Gewinn-Framing), so wurde die sichere Entscheidungsalternative bevorzugt. Gewinndarstellungen führen demnach häufiger zur Wahl der sicheren Handlungsalternative, wohingegen Verlustdarstellungen häufiger mit der Bevorzugung riskanter Entscheidungsalternativen einhergehen. Ursächlich hierfür ist, dass die psychologischen Effekte von Gewinnen und Verlusten asymmetrisch sind und daher in ihrer Ausprägung unterschiedlich wahrgenommen werden. Bezogen auf einen neutralen Referenzpunkt freuen sich Menschen weniger stark über einen bestimmten Gewinn als sie sich über einen Verlust in gleicher Höhe ärgern würden. Sprich, Verluste fallen stärker ins Gewicht.
  • Worin bestehen die Unterschiede zwischen „prosozialem Verhalten“, „Hilfeverhalten“ und „Zivilcourage“?

    Lösung

    Prosoziales Verhalten umfasst alle Formen hilfreicher Unterstützung und beinhaltet damit auch die Formen „Hilfeverhalten“ und „Zivilcourage“. Prosoziales Verhalten beschreibt die Intention einer Person, einem anderen Menschen einen Gewinn bzw. Vorteil zu verschaffen (z. B. Geldspenden, berufliche Kundenberatung). Hilfeverhalten ist etwas enger gefasst, indem es erfordert, dass aktiv hilfreiches Verhalten gegenüber einer konkreten, hilfsbedürftigen Person gezeigt wird. Ein weiteres Element ist, dass dieses Verhalten nicht im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit, z. B. in der Funktion als Arzt oder Berater erfolgt (vgl. einem verletzten Kind helfen). Schließlich beschreibt **Zivilcourage** Hilfeverhalten in Situationen, die mit erheblichen physischen, psychischen und sozialen Kosten verbunden sein können. Zivilcouragiertes Verhalten liegt also dann vor, wenn eingeschritten wird, obwohl die eigenen Kosten bzw. das Risiko, selbst Schaden davon zu tragen, sehr hoch sind (vgl. Dominik Brunner, The Fukushima 50).
  • Was versteht man unter dem „Bystander-Effekt“ und wie kann er erklärt werden?

    Lösung

    Der Bystander-Effekt beschreibt das Phänomen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Hilfeleistung gegenüber einem Opfer sinkt, je mehr zusätzliche Personen in der konkreten Situation anwesend sind. Latané und Darley (1970) identifizierten drei psychologische Prozesse, die vorwiegend zur Klärung des Bystander-Effekts herangezogen werden: Verantwortungsdiffusion, pluralistische Ignoranz und Bewertungsangst.
  • Inwiefern wird die Wahrscheinlichkeit zur Hilfeleistung von den Faktoren Verantwortlichkeit und Kontrollierbarkeit der Situation beeinflusst? Begründen Sie Ihre Antwort mit einer entsprechenden Theorie!

    Lösung

    Gemäß der Theorie der Verantwortlichkeit (Weiner, 1995) steigt die Wahrscheinlichkeit zur Hilfeleistung, wenn (a) das Opfer nicht selbst für seine eigene missliche Lage verantwortlich ist und (b) sich auch nicht alleine aus dieser befreien kann. Dies führt dazu, dass der potenzielle Helfer verstärkt prosoziale Gefühle wie Sympathie oder Empathie entwickelt, was nachfolgend die Wahrscheinlichkeit zur Hilfeleistung erhöht. Hat man jedoch den Eindruck, das Opfer sei selbst schuld an der Situation und hätte diese kontrollieren können, so erzeugt dies eher Ärger und eine Hilfeleistung ist weniger wahrscheinlich.
  • Diskutieren Sie folgende Aussage: Der Bystander-Effekt wird vor allem in ungefährlichen Situationen abgeschwächt, da hier die Kosten des Eingreifens geringer sind als in Gefahrensituationen.

    Lösung

    Diese Aussage ist falsch! Neuere Forschung (Fischer et al., 2011) konnte zeigen, dass der Bystander-Effekt speziell in gefährlichen Situationen abgeschwächt oder sogar umgekehrt ist. Das bedeutet, dass Zuschauer in Notfallsituationen die Hilfewahrscheinlichkeit in geringerem Maße reduzieren als in alltäglichen Hilfesituationen (bzw. Wahrscheinlichkeit zur Hilfeleistung erhöhen). Die Gefährlichkeit einer Situation gilt somit als ein wichtiger Moderator des Bystander-Effekts. Hohe Gefährlichkeit ist dann gegeben, wenn es sich um einen Notfall handelt (im Gegensatz zu einer alltäglichen Hilfesituation), wenn ein Täter anwesend ist und wenn die physischen Kosten des Einschreitens sehr hoch sind.
  • Inwiefern kann prosoziales Verhalten evolutionspsychologisch erklärt werden? Worin bestehen die Kritikpunkte dieses Ansatzes?

    Lösung

    Die Evolutionspsychologie erklärt die meisten Verhaltensweisen mit einer erfolgreichen Weitergabe unserer Gene (Buss, 2005). Bezogen auf prosoziales Verhalten bedeutet dies, dass wir helfen, um dadurch die Wahrscheinlichkeit für die Weitergabe unserer eigenen Gene zu erhöhen. Burnstein, Crandall und Kitayama (1994) konnten dies in einer klassischen Studie bestätigen: Sie fanden heraus, dass die Hilfsbereitschaft gegenüber engen Verwandten höher war als gegenüber weiter entfernten Verwandten. Handelt es sich darüber hinaus um eine lebensbedrohliche Situation, so wird gesunden Verwandten eher geholfen als kranken Verwandten. Auch dieser Befund stützt die evolutionspsychologische Sichtweise: Gelingt es Personen nämlich, gesunde Verwandte vor dem Tod zu bewahren, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das eigene Genom erfolgreich weitergegeben wird. Diese ist bei kranken Verwandten weniger zu erwarten, weshalb diesen in lebensbedrohlichen Situationen auch seltener geholfen wird.
    Allerdings muss dieser Erklärungsansatz auch kritisch betrachtet werden: Zum einen konnte gezeigt werden, dass der Effekt, engen Verwandten eher zu helfen als entfernten Verwandten über emotionale Nähe vermittelt wird. Insofern scheinen – neben genetischen Ursachen – auch emotionale Faktoren eine Rolle zu spielen. Des Weiteren ist methodisch zu kritisieren, dass evolutionäre Prozesse nicht experimentell im Labor untersucht werden können. Folglich ist ein kausaler Schluss auch nicht zu ziehen. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass Hilfeverhalten auch gegenüber Nicht-Verwandten auftritt und somit nicht ausschließlich mit einer erfolgreichen Genweitergabe erklärt werden kann.
  • Geben Sie eine Definition von Aggression!

    Lösung

    Aggression meint das willentliche Zufügen von Schaden bzw. Schmerz gegenüber einer anderen Person, wobei diese Person bestrebt ist, dem Schaden zu entkommen. Dabei kann in **instrumentelle** und **feindselige Aggression** eingeteilt werden. Erstere Form beschreibt den Gebrauch von aggressivem Verhalten als einem Mittel, um ein anderes Ziel zu erreichen. Feindselige Aggression dient dagegen ausschließlich dazu, einer anderen Person zu schaden und ist sehr emotionsgeladen (Wut, Ärger etc.). Die Äußerungsformen beider Arten von Aggression sind vielfältig: So spricht man von **physischer Aggression**, wenn mit dem jeweiligen Verhalten körperlicher Schaden zugefügt wird, wohingegen **verbale Aggression** eine nicht physische Schädigung meint (z. B. jemanden beleidigen). **Direkte Aggression** bedeutet, dass der Täter sein Verhalten direkt und offensichtlich an die Zielperson richtet; im Gegensatz dazu versucht er bei **indirekter Aggression**, seine Intention zu verbergen. Oft werden hierbei auch andere Personen mit einbezogen bzw. manipuliert, sodass wiederum diese dem Opfer den intendierten Schaden zufügen.
  • Was besagt die Frustrations-Aggressions-Hypothese (Dollard et al., 1939)?

    Lösung

    Die Frustrations-Aggressions-Hypothese besagt, dass das Erleben von Frustration zu aggressivem Verhalten führen kann. Umgekehrt setzt aggressives Verhalten ein Erleben von Frustration voraus. Wichtig dabei ist die subjektive Wahrnehmung von Frustration, d. h., es muss kein objektiver Grund für Frustration vorliegen, entscheidend ist das persönliche Erleben. Dieses subjektive Frustrationserleben kann beispielsweise durch das Gefühl relativer Benachteiligung, Ungerechtigkeit, negatives Feedback, Ablehnung, Zurückweisung, etc. ausgelöst werden. Die jeweiligen Auswirkungen auf aggressives Verhalten können durch zusätzliche situative Faktoren (vgl. Waffeneffekt) verstärkt werden.
  • Was besagt die Katharsishypothese und welchem Erklärungsansatz ist sie zugeordnet?

    Lösung

    Die Katharsishypothese besagt, dass das Ausleben bzw. die Entladung bestimmter Gefühle dazu führt, dass diese in ihrer Intensität abnehmen. So kann beispielsweise Aggression abgebaut werden, indem aggressive Handlungen beobachtet oder selbst ausgeführt werden. Die Katharsishypothese basiert auf dem triebtheoretischen Ansatz, der annimmt, dass Aggression angeboren ist und zur menschlichen Natur gehört. Zentral sind hierbei die triebtheoretischen Modellvorstellungen von Freud. Analog dem Prinzip eines Dampfkessels stauen sich beim Menschen in einem „psychischen Gefäß“ Frustrationen auf. Ist dieses Gefäß voll, so treten die angestauten Aggressionen nach außen und müssen entladen werden. Es kommt zu aggressivem Verhalten, das wiederum das Aggressionspotenzial reduzieren kann (Katharsis = Reinigung). Insofern kann Aggression durch aggressives Verhalten (direkter oder indirekter Art) abgebaut werden.
  • Was bedeutet „stellvertretende Erfahrung“ in Zusammenhang mit aggressivem Verhalten?

    Lösung

    „Stellvertretende Erfahrung“ bedeutet im Kontext von Aggression, dass aggressives Verhalten nicht nur durch direkte Erfahrung (z. B. Belohnung für eigenes Verhalten) gelernt werden kann, sondern eben auch indirekt. So begünstigt die Beobachtung eines aggressiven Modells das Lernen von aggressiven Verhaltensweisen. Dieser Ansatz des Beobachtungslernens basiert auf den Annahmen Banduras. Er ist der soziokognitiven Sichtweise zuzuordnen, die grundlegend davon ausgeht, dass Aggression erlernt ist. In ihrem klassischen Experiment „Bobo Doll“ konnten Bandura et al. (1963) genau dies zeigen; nämlich, dass das Lernen aggressiven Verhaltens am Modell möglich ist: Kinder, die beobachteten, wie sich eine Frau aggressiv gegenüber einer Puppe verhielt, zeigten im Anschluss daran mehr aggressive Verhaltensweisen als Kinder, die ein nicht aggressives Modell hatten.
  • Wie kann aggressives Verhalten als Folge von aggressivem Medienkonsum anhand des General Aggression Model (GAM) erklärt werden?

    Lösung

    Das GAM beschreibt zunächst zwei Arten von Eingangsvariablen: Hierbei sind sowohl Einflüsse der Person (dispositionale Persönlichkeitsfaktoren, z. B. antisoziale Persönlichkeit) als auch der Situation (z. B. Konsum aggressiver Medieninhalte) zentral. Das Zusammenspiel beider Variablen führt wiederum zu einem verstärkten Erleben aggressiver Emotionen, zu einer erhöhten Zugänglichkeit aggressiver Kognitionen sowie einem erhöhten Maß an physiologischer Erregung (Arousal). Durch diesen veränderten inneren Zustand werden die Bewertungsprozesse und Erwartungshypothesen in der jeweiligen Situation beeinflusst. Die Wahrnehmung und Bewertung der Situation ist damit verändert, was schließlich Auswirkungen auf die konkrete Verhaltensreaktion (z. B. aggressives Verhalten) hat. Das GAM kann damit sowohl die kurzfristigen (vor allem durch Priming) als auch langfristigen Effekte von gewalthaltigem Medienkonsum erklären (Lerneffekte).
  • Was versteht man unter einer Einstellung?

    Lösung

    Laut Eagly und Chaiken (1993) wird Einstellung als eine „psychologische Tendenz“ bezeichnet, die sich in einer positiven, negativen oder neutralen Bewertung gegenüber einem bestimmten Einstellungsobjekt ausdrückt.
  • Wie lässt sich der Zusammenhang zwischen Einstellungen und Verhalten anhand der Theorie des geplanten Verhaltens beschreiben (Ajzen, 1985)?

    Lösung

    Gemäß der Theorie des geplanten Verhaltens wird ein Verhalten am besten von einer konkreten **Verhaltensintention** bzw. Verhaltensabsicht vorhergesagt. Damit ist gemeint, wie stark eine Person motiviert ist, ein bestimmtes Verhalten auszuüben bzw. wie sehr sie dies tatsächlich versucht. Die Verhaltensabsicht hängt wiederum von drei Faktoren ab: der eigenen Einstellung gegenüber dem Verhalten, der subjektiven Norm sowie der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle. Zunächst muss die **eigene Einstellung** gegenüber dem Verhalten natürlich positiv sein – warum sollte man sich sonst auch entsprechend verhalten? Mit **subjektiver Norm** ist gemeint, dass auch andere Personen, die einem wichtig sind, dieselbe Einstellung haben und das entsprechende Verhalten positiv bewerten. Schließlich ist die **wahrgenommene Verhaltenskontrolle** ein entscheidender Faktor. Die Person muss subjektiv das Gefühl haben, das Verhalten auch ausführen zu können. Sind diese drei Faktoren gegeben, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Person die jeweilige Verhaltensabsicht entwickelt und schließlich das einstellungsrelevante Verhalten zeigt. Diese Wahrscheinlichkeit sinkt jedoch, sobald auch nur eine der drei kritischen Komponenten fehlt.
    Darüber hinaus sieht das Modell auch einen direkten Pfad zwischen wahrgenommener Verhaltenskontrolle und Verhalten vor. Folglich kann in manchen Situationen wahrgenommene Verhaltenskontrolle direkt zum jeweiligen Verhalten führen; selbst dann, wenn die beiden anderen Einflussfaktoren nicht gegeben sind (sowohl man selbst als auch andere bewerten das Verhalten negativ). Der direkte Weg erklärt vorwiegend impulsive Reaktionen (z. B. den Bruch sozialer Normen) und verdeutlicht, dass sich Einstellung und Verhalten nicht zwangsläufig entsprechen.
  • Nennen Sie zwei zentrale Faktoren, die den Zusammenhang zwischen Einstellung und Verhalten moderieren und legen Sie dar, durch welche Faktoren diese wiederum beeinflusst werden!

    Lösung

    Die Stärke des Zusammenhangs zwischen Einstellung und Verhalten kann durch bestimmte Faktoren beeinflusst bzw. umgekehrt werden. Laut Glasman und Albarracin (2006) sind dabei zwei Faktoren von zentraler Bedeutung: die Zugänglichkeit der Einstellung und ihre zeitliche Stabilität. Können einstellungsrelevante Informationen leicht abgerufen werden (**hohe Zugänglichkeit der Einstellung**), so erhöht dies die Auftretenswahrscheinlichkeit für entsprechendes Verhalten. Die Abrufleichtigkeit einstellungsrelevanter Information wird wiederum beeinflusst durch die Häufigkeit, mit der man über das Einstellungsobjekt nachdenkt, sowie durch die Häufigkeit, mit der man die jeweilige Meinung vertritt bzw. entsprechend gehandelt hat.
    Die **Stabilität von Einstellungen** erhöht ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für entsprechendes Verhalten. Die Stabilität wird positiv beeinflusst (a) durch die Präsentation einseitiger Informationen zum Zeitpunkt der Einstellungsbildung; (b) wenn sich die Einstellung auf das konkrete Verhalten bezieht und nicht genereller Art ist; (c) durch die eigene Überzeugung, eine korrekte Einstellung zu haben (Einstellungssicherheit). Man ist sich seiner Einstellung besonders sicher, wenn man häufig über die Einstellung nachdenkt und wenn diese auf Basis eigener Erfahrung oder unter einseitiger Informationssuche gebildet wurde.
  • Einstellungen entstehen vorwiegend durch kognitive, affektive oder verhaltensbezogene Prozesse. Mit welcher Theorie können Letztere erklärt werden?

    Lösung

    Verhaltensbezogene Einstellungen basieren auf der Beobachtung und Analyse des eigenen Verhaltens. Sie werden vor allem dann relevant, wenn man sich seiner eigenen Einstellung gegenüber einem bestimmen Einstellungsobjekt nicht bewusst ist. Genau dies wird in der Selbstwahrnehmungstheorie (Bem, 1967; 1972) aufgegriffen. Diese postuliert, dass die Einstellung in derartigen Situationen aus der Beobachtung bzw. Analyse des eigenen Verhaltens abgeleitet wird. Man bewertet seine Verhaltensweisen dahingehend, ob sie eher für oder gegen eine bestimmte Einstellung sprechen und entwickelt dann – in Abhängigkeit von der Art und Häufigkeit des gezeigten Verhaltens – die passende Einstellung.
  • Wie wird Einstellungsänderung mithilfe des Elaboration-Likelihood-Modells (Petty & Cacioppo, 1986) erklärt?

    Lösung

    Das Elaboration-Likelihood-Modell ist ein klassisches Zwei-Prozess-Modell. Es unterscheidet zwischen zwei Wegen, über die Persuasion zu Einstellungsänderung führen kann: dem zentralen und dem peripheren Weg. Bei hoher Motivation und Kapazität zur Informationsverarbeitung ist eine Einstellungsveränderung über die
  • Definieren Sie den Begriff „Vorurteil“ und grenzen ihn von der Bezeichnung „Stereotyp“ ab!

    Lösung

    Als Vorurteil bezeichnet man eine negative Bewertung und/oder Haltung gegenüber einer Person, allein aufgrund deren Mitgliedschaft in einer bestimmten Gruppe. Demgegenüber ist ein Stereotyp eine verallgemeinernde Zuschreibung bestimmter Eigenschaften und Merkmale an alle Mitglieder einer Gruppe. Auch wenn das Vorurteil eine kognitive Bewertung (i. S. einer Generalisierung bzw. Stereotypisierung) beinhalten kann, so steht der affektive Aspekt, also die negative Haltung im Vordergrund. Dies wird auch daran ersichtlich, dass ein Vorurteil stets negativer (bzw. wenig positiver) Valenz ist, wohingegen ein Stereotyp auch neutral oder positiv sein kann.
  • Worin bestehen die Unterschiede zwischen dem Impliziten Assoziationstest (IAT) und der Bogus Pipeline zur Messung von Stereotypen und Vorurteilen?

    Lösung

    Sowohl die Bogus Pipeline als auch der IAT werden als indirekte Messverfahren zur Bestimmung von Stereotypen und Vorurteilen genutzt. Dennoch bestehen Unterschiede: Die Bogus Pipeline stellt einen fingierten Lügendetektor dar. Der Versuchsperson wird dabei glaubhaft gemacht, dass durch die Messung vermeintlicher physiologischer Daten Rückschlüsse auf ihre implizite Einstellung gezogen werden können. Dies bewirkt, dass die Versuchsperson ehrlicher hinsichtlich ihrer tatsächlichen Einstellung antwortet und der Faktor der sozialen Erwünschtheit weniger salient ist. Wesentlich bei diesem Messverfahren ist jedoch, dass die Versuchsperson explizit ihre Einstellung äußert. Ihr ist also bewusst, dass diese erfasst wird, was beim IAT nicht der Fall ist. Hier werden Stereotype bzw. Vorurteile implizit erfasst. Die Idee ist, automatische Bewertungsprozesse per Antwortzeiten zu bestimmen; dabei wird angenommen, dass kurze Antwortzeiten eine enge Verknüpfung zwischen einer Objektkategorie und einem positiven bzw. negativen Eigenschaftswort widerspiegelt. In einem 5-stufigen Testverfahren wird schließlich die Differenz der mittleren Antwortzeiten zwischen inkongruenten und kongruenten Bedingungen ermittelt. Dies gilt als abhängiges Maß für die Ausprägung des jeweiligen Stereotyps bzw. Vorurteils. Entscheidend dabei ist, dass der Versuchsperson die eigentliche Intention des Tests nicht bewusst ist bzw. sie ihre Einstellung nicht direkt mitteilt.
  • Inwiefern kann die Anwendung von Vorurteilen mithilfe der beiden Denkmodi „System 1 bzw. System 2“ (Kahneman, 2011) erklärt werden?

    Lösung

    Mit System 1 ist das schnelle bzw. automatische Denken gemeint. Stereotype bzw. Vorurteile werden demnach automatisch aktiviert. Durch das System 2, welches das langsamere und anspruchsvolle Denken symbolisiert, können diese jedoch kontrolliert werden. Sofern die aktivierten Stereotype bzw. Vorurteile im Widerspruch zu eigenen Normen der Gleichheit oder Gleichberechtigung stehen, entsteht ein kognitiver Konflikt, der durch das System 2 reguliert und bewusst gesteuert werden kann. Als Folge können Stereotype bzw. Vorurteile abgeschwächt werden oder kommen erst gar nicht zur Anwendung. Sind die begrenzten Ressourcen des Systems 2 jedoch anderweitig eingesetzt, so führt dies dazu, dass bereits aktivierte Vorurteile dennoch angewendet werden. Im Gegensatz dazu reduziert die kognitive Auslastung des Systems 2 die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es überhaupt zu einer Aktivierung von Vorurteilen kommt.
  • Worin unterscheiden sich der "klassische" und der "aversive" Rassismus?

    Lösung

    Von Rassismus spricht man dann, wenn feindselige Einstellungen, Gefühle oder Verhaltensweisen aufgrund von äußerlichen oder die ethnische Herkunft betreffenden Merkmalen bestehen. Beim klassischen Rassismus werden diese Einstellungen bzw. Gefühle offen gezeigt und entsprechendes Verhalten offen ausgelebt. Im Gegensatz dazu ist der aversive Rassismus eher subtil und unbewusst. Zwar ist auch dieser mit vorurteilsbehaftetem und diskriminierendem Verhalten verbunden, jedoch bei gleichzeitigem Bestehen einer vorurteilsfreien, öffentlichen Meinung mit egalitären Werten. Zentral ist also einerseits das Streben, nach außen hin vorurteilsfrei und tolerant zu wirken, andererseits jedoch eine negative Einstellung bzw. negative Gefühle gegenüber einer bestimmten ethnischen Gruppe zu haben, was sich in einer subtilen Form der Diskriminierung äußert.
  • Was versteht man unter "Stereotype Threat"? Wie kann dieser Effekt in Bezug auf Leistungsbeeinträchtigungen erklärt werden?

    Lösung

    Stereotype Threat oder die Bedrohung durch Stereotype betrifft das Phänomen, dass sich Menschen aus der Angst heraus, sie könnten ein bestimmtes Stereotyp erfüllen, erst recht entsprechend diesem verhalten. Im Sinne einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung" tritt dann genau das befürchtete Ereignis ein, nämlich, dass die Betroffenen dem ihnen gegenüber bestehenden Stereotyp entsprechen. Häufig betrifft das Stereotyp Aspekte der Leistungsfähigkeit (vgl. Unterschiede in den schulischen und beruflichen Leistungen zwischen dunkelhäutigen und weißen Amerikanern), sodass es unter Stereotype Threat zu einer Leistungsverschlechterung kommt. Schmader et al. (2008) schlagen drei verschiedene Mechanismen vor, die diesem Effekt unterliegen können: (1) Die wahrgenommene Bedrohung durch ein Stereotyp kann eine körperliche Stressreaktion auslösen, die wiederum das Arbeitsgedächtnis und nachfolgend die eigene Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. (2) Die wahrgenommene Bedrohung durch ein Stereotyp erhöht das Monitoring auf die relevanten Arbeitsschritte, um Fehler zu vermeiden. Dies reduziert die Fähigkeit zur automatischen Verarbeitung von Informationen, was zu einer Leistungsminderung führt. (3) Die wahrgenommene Bedrohung durch ein Stereotyp kann negative Gedanken und Gefühle auslösen. Um diese zu regulieren werden kognitive Ressourcen benötigt, die bei der eigentlichen Aufgabenbearbeitung abgehen; dies geht wiederum mit Leistungseinbußen einher.
  • Was bedeutet „soziale Identität“ und welche Prozesse kommen hierbei zum Tragen?

    Lösung

    Soziale Identität meint die persönliche Wahrnehmung, selbst Teil einer bestimmten Gruppe oder sozialen Kategorie zu sein. Voraussetzend hierfür ist, dass die Salienz einer bestimmten Kategorie hoch ist und damit überhaupt eine Rolle spielt (beispielsweise wenn man als Fußballfan ein Spiel seiner Lieblingsmannschaft besucht). In diesem Fall rückt das einzelne Individuum bzw. dessen personale Identität in den Hintergrund und die Bedeutung der Gruppe nimmt zu (Wir-Modus). Dies führt dazu, dass sowohl die Eigengruppe als auch die Fremdgruppe als relativ homogen wahrgenommen wird. Die homogene Wahrnehmung der Eigengruppe kann sich beispielsweise in Prozessen der Depersonalisierung äußern, im Hinblick auf die Fremdgruppe können daraus Stereotypenbildung und Diskriminierung resultieren.
  • Was versteht die Theorie der sozialen Identität unter „sozialer Mobilität“? Welche Faktoren begünstigen eine hohe soziale Mobilität?

    Lösung

    Soziale Mobilität betrifft den Wechsel zwischen verschiedenen Gruppen und meint konkret das Motiv bzw. den Versuch, von einer Gruppe in eine andere zu wechseln. Eine hohe soziale Mobilität ist dann gegeben, wenn ein Gruppenwechsel einfach ist. Dies wird beispielsweise begünstigt, wenn keine Statusunterschiede zwischen den jeweiligen Gruppen herrschen. In diesem Fall würde z. B. einem neuen Gruppenmitglied die Aufnahme in die gewünschte Gruppe nicht deshalb verwehrt bleiben, weil es bisher einer statusniedrigeren Gruppe angehörte. Voraussetzend für eine hohe soziale Mobilität ist natürlich auch die Motivation der Person selbst, die Gruppe zu wechseln: Die Motivation mag beispielsweise hoch sein, wenn die Person keinen positiven Selbstwert mehr aus ihrer Gruppenzugehörigkeit ziehen kann.
  • Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Psychologie der Masse. Worin unterscheiden sich die Ansichten von Le Bon gegenüber moderneren Theorien?

    Lösung

    Le Bon betrachtet die Masse als sehr negativ und gekennzeichnet durch übersteigerte Emotionalität, Impulsivität sowie vermindertes rationales Urteilsvermögen. Entscheidend an seinen Überlegungen ist der sog. „Massengeist“, der durch die Verschmelzung des Menschen mit der Masse entsteht. Als Folge ergibt sich, dass innerhalb der Masse ganz andere und eigene Ziele bestehen, die über diejenigen der einzelnen Individuuen hinausgehen. Das Individuum nimmt diese Ziele an, orientiert sich an ihnen (wie die übrigen Individuen auch), wodurch seine eigene Persönlichkeit in den Hintergrund gerückt wird. Als Folge verhält sich eine Person in einer Masse anders als in einer anderen Umgebung: Sie erlebt ein stärkeres Gefühl von Macht, was dazu führt, dass sämtliche Normen und Regeln nicht mehr beachtet werden, was durch den Faktor der Anonymität begünstigt wird.
    Modernere Ansichten stehen der Idee eines Massengeistes bzw. autonomen Geistes der Masse sehr kritisch gegenüber. Sie gehen nicht davon aus, dass es innerhalb einer Masse stets zu denselben negativen Prozessen kommt und stellen die Masse daher auch nicht ausschließlich als negativ dar. Stattdessen postulieren die jeweiligen Wissenschaftler, dass der Einfluss von Gruppen auf das Erleben und Verhalten von Personen sowohl normativ als auch informational sein kann. Normativer Einfluss bezieht sich darauf, dass die Mitgliedschaft in einer Gruppe dazu führen kann, dass Personen sich in ihren Einstellungen und Verhaltensweisen der Gruppe anpassen. Um nicht negativ aufzufallen oder ausgeschlossen zu werden, orientieren sie sich also an den gängigen Gruppennormen. Informationaler Einfluss bedeutet, dass Gruppen auch dabei helfen können, soziale Situationen besser und objektiver einschätzen zu können (die Gruppe als Informationsquelle).
  • Die Gegenwart anderer Personen kann die eigene Leistung sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Wie werden diese beiden Phänomene bezeichnet und durch welche Faktoren sind sie gekennzeichnet?

    Lösung

    Inwiefern die Anwesenheit anderer Personen einen Einfluss auf die eigene Leistung hat, hängt zum einen vom Schwierigkeitsgrad der Aufgabe ab und zum anderen davon, ob es sich um eine Aufgabe handelt, bei der die eigene Leistung feststellbar ist oder nicht. Ist die Einzelleistung feststellbar (z. B. Solo-Klaviervorspiel), so führt die Anwesenheit anderer bei _einfachen Aufgaben_ zu einer Leistungssteigerung, was auch als **soziale Erleichterung** bezeichnet wird („social facilitation“; Triplett, 1898; Zajonc, 1965). Handelt es sich jedoch um eine _schwierige Aufgabe_, so resultiert die Anwesenheit anderer in einer Leistungsminderung. Ist die Einzelleistung nicht feststellbar (z. B. Chorauftritt), so führt die Anwesenheit anderer Personen bei _einfachen Aufgaben_ zu einem Leistungsabfall. Dies wird als **soziales Faulenzen** bezeichnet („social loafing“; Latané, Williams & Harkins, 1979). Bei _schwierigen Aufgaben_ kommt es dagegen aufgrund erhöhter physiologischer Erregung zu einer Leistungssteigerung.
  • Was bedeutet „groupthink“ und welche Konsequenzen können damit verbunden sein?

    Lösung

    Der Begriff „groupthink“ bzw. Gruppendenken wurde von Janis (1972) geprägt. Er bezeichnet einen gruppenspezifischen Denkmodus, bei dem die einheitliche Meinung, Konformität und Angepasstheit wichtiger sind als eine objektive und neutrale Betrachtung bestimmter Tatsachen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Zusammenhalt in der Gruppe, d. h. die Kohäsion, besonders hoch ist. Weitere fördernde Faktoren sind ein hoher Gruppenstatus, eine engstirnige Führungskraft, die Abweichler nicht toleriert, sowie die Abschottung der Gruppe von anderen Einflüssen. Gruppendenken kann sowohl die eigene Gruppe betreffen (z. B. Abwertung von Gruppenmitgliedern, die das Verhalten der eigenen Gruppe kritisch betrachten) als auch Fremdgruppen, was sich meist in Abwertung und Vorurteilsbildung zeigt.
    Durch das Gefühl der Unbesiegbarkeit bzw. der irrationalen Betrachtungsweise und Realitätsverkennung kann es dazu kommen, dass entscheidende Faktoren übersehen oder nicht beachtet werden. Dies kann zu schwerwiegenden Konsequenzen führen, besonders dann, wenn Prozesse des Gruppendenkens bei wichtigen Entscheidungen auftreten. Dies ist an politischen Entscheidungen zu sehen, etwa an der Ausweitung des Korea-Kriegs.
  • Was versteht man unter sozialem Einfluss und zwischen welchen Arten sozialen Einflusses unterscheidet man im Wesentlichen?

    Lösung

    Unter sozialem Einfluss versteht man die Wirkung einer Person oder einer Personengruppe auf unsere Gefühle, Gedanken und unser Verhalten. Dabei kann die Wirkungsquelle eine tatsächlich anwesende oder nur eine implizit anwesende Person sein. Man unterscheidet zwischen dem Einfluss, den Mehrheiten gegenüber Minderheiten ausüben, dem Einfluss von Minderheiten gegenüber einer Mehrheit sowie dem Einfluss von Autoritäten in Bezug auf gehorsames Verhalten. Zusätzlich kann man nach Art des zugrunde liegenden Motivs in normativen und informativen sozialen Einfluss einteilen.
  • Fassen Sie die zentralen Ergebnisse der Asch-Experimente (1951, 1956) zusammen! Welche Art sozialen Einflusses stellen diese dar?

    Lösung

    Die Asch-Studien zählen zu den klassischen Experimenten zum Gruppendruck bzw. normativen sozialen Einfluss (beachten Sie, dass hierbei teilweise auch Prozesse des informativen sozialen Einflusses zu beobachten waren). In den Studien wurde normativer Einfluss daran gezeigt, dass selbst offensichtliche Fehlurteile der Mehrheit die eigene Urteilsbildung beeinflussen können. Hierzu sollten die Versuchspersonen eine per Diaprojektion gezeigte Linie mit drei weiteren Linien hinsichtlich ihrer Länge vergleichen. Die Versuchsperson befand sich dabei in einer Gruppe mit sieben weiteren Personen, die Konföderierte des Versuchsleiters waren. Es wurde variiert, ob diese vermeintlichen Versuchspersonen bei den Linienvergleichen falsche oder korrekte Urteile abgaben. Als abhängige Variable wurde erhoben, wie oft die Versuchsperson einer falschen Antwort zustimmte.
    Es zeigte sich, dass mehr als drei Viertel der Versuchspersonen eine falsche Einschätzung abgaben, sofern die Konföderierten zuvor eine falsche Antwort genannt hatten. Dieser Effekt war umso stärker, je wichtiger die Gruppe für die Versuchsperson war und je unmittelbarer die Konföderierten anwesend waren (physisch und zeitlich).
  • Worin besteht der Unterschied zwischen öffentlicher Compliance und privater Akzeptanz?

    Lösung

    Öffentliche Compliance bedeutet, dass sich Personen lediglich in ihrem äußerlichen Verhalten an die Gruppe anpassen bzw. dieser zustimmen. Die soziale Einflussnahme durch die Gruppe erfolgt also nur äußerlich. Innerlich jedoch weicht die persönliche Einstellung von derjenigen der Gruppe ab und es findet eine klare Trennung statt. Die öffentliche Zustimmung erfolgt vorwiegend aus sozialen Gründen bzw. aus der Motivation heraus, nicht negativ aufzufallen. Dies ist besonders bei normativem sozialen Einfluss der Fall.
    Im Gegensatz dazu spricht man von privater Akzeptanz, wenn die soziale Einflussnahme nicht nur äußerlich stattfindet, sondern auch die innere Haltungm bzw. Wahrnehmung einer Person betrifft. Als Folge ist die Person tatsächlich von der Richtigkeit der Gruppenmeinung überzeugt und schließt sich dieser aus Überzeugung an. Meist resultiert private Akzeptanz aus informativem sozialem Einfluss.
  • Stellen Sie kurz den Befund von Milgram (1963) dar! Welche psychologischen Erklärungen können für diesen Effekt herangezogen werden?

    Lösung

    Milgram untersuchte, inwieweit Autoritätspersonen Einfluss ausüben bzw. inwieweit sich Personen diesem Einfluss beugen und die Anweisungen bzw. Befehle der Autoritätspersonen befolgen. Hierzu sollten die Versuchspersonen in Anwesenheit des Versuchsleiters (Autoritätsperson) einen Schüler (Konföderierten) mit Elektroschocks bestrafen, sofern dieser eine Aufgabe falsch beantwortete. Dabei sollte die Schockstärke bis zu einer maximalen Stufe von 450 Volt intensiviert werden. Es zeigte sich, dass mehr als 60% der Versuchspersonen den Anweisungen des Versuchsleiters bis zum Schluss gehorchten und die tödliche Schockstärke von 450 Volt verabreichten. Dieser Effekt konnte recht konstant über verschiedene Länder und Kulturen hinweg beobachtet werden.
    Zur Prozessklärungen können mehrere psychologische Mechanismen herangezogen werden: Zum einen ist das sog. „Entrapment“ als relevanter Prozess denkbar. Im Kontext der Milgram-Experimente bedeutet dies, dass sich die Versuchspersonen durch ihren zuvor gezeigten Gehorsam immer stärker dazu verpflichtet fühlen, auch weiterhin gehorsam zu handeln.
    Des Weiteren ist die Wahrscheinlichkeit für gehorsames Verhalten grundsätzlich höher als für ungehorsames Verhalten. Dies liegt daran, dass die meisten Menschen so sozialisiert sind, dass Gehorsam belohnt und Ungehorsam bestraft wird.
    Schließlich kommt auch die sog. „Expertenheuristik“ zum Tragen. Diese besagt, dass sich Personen auf die scheinbare Objektivität und das Wissen von Experten bzw. Wissenschaftlern verlassen. Befiehlt ein Wissenschaftler also grausame Taten, so werden diese mit höherer Wahrscheinlichkeit ausgeführt, da sie einen vermeintlichen Sinn haben und daher auch Rechtfertigung für das eigene Verhalten bieten.
  • Wie kann der Einfluss von Minderheiten erklärt werden?

    Lösung

    Laut Moscovici und Personnaz (1980) lösen persistierende Minderheiten einen kognitiven Konflikt aus. Dieser bewirkt, dass Personen nochmal genauer über die jeweilige Angelegenheit nachdenken und überprüfen, ob die Meinung der Minderheit nicht doch einen wahren Kern hat. Diese Überprüfung wird auch als Validierungsprozess bezeichnet. Er geht einher mit einer tieferen kognitiven Verarbeitung der entsprechenden Entscheidungsprobleme, da die jeweiligen Argumente gegeneinander abgewogen werden und eine intensive Auseinandersetzung erfolgt. In diesem Zusammenhang werden auch die Normen der Mehrheit kritisch betrachtet und gegebenenfalls durchbrochen: Der Einfluss von Minderheiten kann also wirken.
  • Worin besteht der Unterschied zwischen extrinsischer und intrinsischer Religiosität und wie lassen sich beide Konstrukte messen?

    Lösung

    Für Menschen, die **extrinsisch religiös** sind, stellt Religion vorwiegend ein „Mittel zum Zweck“ dar. Es geht also weniger um die Religion als solche, sondern vielmehr um deren sozialen Nutzen, wie etwa gesellschaftliche Beziehungen, die Erfahrung von Sicherheit und Trost oder Sozialprestige. Im Gegensatz dazu steht bei **intrinsisch religiösen** Menschen die innere Überzeugung im Vordergrund. Zentral sind hierbei also die religiösen Glaubensinhalte, entsprechende Werte sowie die Sinngebung. Intrinsische Religiosität steht darüber hinaus in einem positiven Zusammenhang mit psychischer und physischer Gesundheit.
    Es gibt verschiedene Skalen zur Messung von Religiosität; eine bekannte Skala ist die „Religious Orientations Scale“ von Allport und Ross (1967), die zwischen intrinsischer und extrinsischer Religiosität unterscheidet.
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen Religiosität und Coping?

    Lösung

    Religiosität stellt sowohl internale (religiöse Überzeugungen, Werte etc.) als auch externale Ressourcen (soziale Gemeinschaft, Unterstützung etc.) bereit. Insofern ist Religiosität mit dem Erleben von positiven Gefühlen verbunden und dient auch in belastenden Lebenssituationen als Resilienz- bzw. Schutzfaktor. Religiosität erleichtert also den Umgang mit Stress und fördert effektives Coping-Verhalten. Dies betrifft jedoch speziell die intrinsische Religiosität. So stellen zahlreiche Korrelationsstudien einen positiven Zusammenhang zwischen intrinsischer Religiosität und besserem Coping-Verhalten in unterschiedlichsten Belastungssituationen fest, aber keinen oder gar einen negativen Zusammenhang für extrinsische Religiosität.
    Neuere Studienergebnisse deuten darauf hin, dass das Coping-Verhalten bei intrinsisch-religiösen Personen stark mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung und positiven Emotionen verbunden ist. Insofern sind sowohl Selbstwirksamkeitserwartung als auch positive Emotionen entscheidende Faktoren in Bezug auf die mentale Gesundheit bei intrinsischer Religiosität.
  • Welches sind die zentralen Annahmen der Terrormanagement-Theorie?

    Lösung

    Gegenstand der Terrormanagement-Theorie (TMT) ist die menschliche Angst vor dem eigenen Tod bzw. der eigenen Sterblichkeit. Diese massive Angst kann „Terror“ auslösen und erfordert daher einen adäquaten Umgang (quasi ein erfolgreiches „Terrormanagement“). Gemäß der TMT sind hierfür zwei Mechanismen zentral, die als „Angstpuffer“ wirken: (1) Die Aneignung einer kulturellen Weltsicht sowie (2) der eigene Selbsterhalt bzw. die Stärkung des Selbstwertgefühls. Unter kultureller Weltsicht sind kulturelle Glaubenssysteme, wie z. B. Werte, Normen oder Standards zu verstehen. Eine Orientierung an ihnen bietet Sicherheit, Schutz und verleiht dem Leben Sinn. Durch das Streben nach kulturellen Normen wird auch die Selbstachtung bzw. das Selbstwertgefühl gestärkt. Dies wiederum trägt ebenfalls dazu bei, Gefahren und auf den Tod bezogene Ängste abzuwehren. Um diese Annahme der TMT testen zu können, orientiert sich die Forschung an folgender Überlegung: Schützt eine bestimmte psychologische Struktur tatsächlich vor todesbezogenen Ängsten, so sollte diese Struktur bei Gedanken an den Tod auch verstärkt aktiviert sein. Sprich: Mortalitätssalienz sollte unbewusste todesbezogene Ängste auslösen, die man versucht, durch Investitionen in eine kulturelle Weltsicht bzw. eine Erhöhung des Selbstwertes zu verringern. Dies wird als „wordview defense“ bezeichnet.
  • Intrinsische Religiosität wird auch im Kontext der Terrormanagement-Theorie betrachtet. Nehmen Sie zu folgender Aussage Stellung: Eine hohe intrinsische Religiosität schützt vor todesbezogenen Ängsten.

    Lösung

    Experimentelle Studien im Rahmen der TMT konnten zeigen, dass Personen, die an ein Leben nach dem Tod glauben (was bei intrinsisch Religiösen meist der Fall ist), nach Mortalitätssalienz weniger Investitionen in die eigene kulturelle Weltsicht oder den eigenen Selbsterhalt zeigen; die „worldview defense“, also die Verteidigung der eigenen Weltsicht, ist somit geringer als bei Personen, die nicht an ein Leben nach dem Tod glauben. Auch der direkte Vergleich zwischen Personen mit hoher und niedriger intrinsischer Religiosität ergibt, dass nur Letztere auf Mortalitätssalienz mit einer starken Verteidigung der eigenen Weltsicht (z. B. durch konfirmatorische Informationsbewertung) reagieren. Es scheint also, dass intrinsische Religiosität vor todesbezogenen Ängsten schützt, sodass folglich kein entsprechender Umgang mit dieser Angst (i. S. eines erfolgreichen Terrormanagements mittels „worldview defense“) erforderlich ist.
    Doch dieser Schluss darf nicht einfach gezogen werden: Eine hohe intrinsische Religiosität verhindert nicht automatisch das Auftreten todesbezogener Ängste und die nachfolgende Verteidigung der eigenen Weltsicht. Dies ist nur der Fall, wenn die eigene Religiosität zuvor bekundet wurde. So zeigten experimentelle Befunde, dass das Ausfüllen der „Religious Orientations Scale“ (also die Bekundung der eigenen Religiosität) vor Manipulation von Mortalitätssalienz vor einer Bevorzugung der eigenen Sichtweise („worldview defense“) bewahrt. Wurde die Religiositätsskala dagegen erst am Ende des Experiments ausgefüllt (nach der Manipulation von Mortalitätssalienz), so zeigtesich auch bei Personen mit hoher intrinsischer Religiosität eine starke Verteidigung der eigenen Weltsicht.
  • Welche negativen Auswirkungen kann ausgeprägte Religiosität im Gruppenkontext haben?

    Lösung

    Personen mit ähnlichen religiösen Überzeugungen können als eine Gruppe betrachtet werden. Bei einer sehr starken Identifikation mit der eigenen Religionsgemeinschaft kann es dazu kommen, dass man seine eigene Glaubensrichtung extrem aufwertet, nur diese als wahr und plausibel anerkennt und als Folge andere religiöse Gruppen abwertet. Insofern kann Religiosität mit enormen Vorurteilen gegenüber der Fremdgruppe verbunden sein.
    Da religiöse Unterschiede zwischen Gruppen teilweise mit einer unterschiedlichen ethnischen Herkunft einhergehen, können sie sich auch auf die ethnische Herkunft ausweiten (Rassismus). Korrelationsstudien zeigen auch einen Zusammenhang zwischen rassistischem Verhalten und extrinsischer Religiosität, religiöser Identität und vor allem religiösem Fundamentalismus.
  • Wodurch zeichnen sich rationale Entscheidungen aus?

    Lösung

    Rationale Entscheidungen zeichnen sich dadurch aus, dass der Einzelne versucht, seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Die Idee dabei ist, dass vor einer Entscheidung jede mögliche Alternative und deren Konsequenzen bewertet werden und die Wahrscheinlichkeit dafür geschätzt wird, mit der diese Konsequenzen eintreten werden. Es wird dann diejenige Alternative gewählt, die den größten Nutzen mit sich bringt. Der Nutzen ergibt sich dabei aus dem Produkt von subjektivem Wert und Wahrscheinlichkeit für das Eintreten der jeweiligen Handlungsalternative.
  • Was versteht man unter dem Trittbrettfahrerproblem?

    Lösung

    Das Trittbrettfahrerproblem bezieht sich auf die Versuchung, den eigenen Nutzen auf Kosten der anderen zu maximieren. In einem sozialen Dilemma bedeutet dies also, dass der rationale Einzelne desertiert und gleichzeitig darauf hofft, dass die anderen kooperieren. Je nach Art des sozialen Dilemmas steuert er weniger bzw. nichts bei oder er versucht, möglichst viel zu nehmen (z. B. Umweltschutz: selbst viel Strom verbrauchen, aber nicht dazu bereit sein, Energie zu sparen) und spekuliert darauf, dass sich die anderen gegenteilig verhalten. Ist dies jedoch nicht der Fall, d. h., geben auch die anderen der Versuchung nach, so hat dies für alle Beteiligten negative Folgen (z. B. Umweltverschmutzung).
  • Worin unterscheidet sich die Hirschjagd („stag hunt“) vom Gefangenendilemma („prisoner’s dilemma“)?

    Lösung

    Wie im Gefangenendilemma, wird auch bei der Hirschjagd die beste Lösung für alle Beteiligten nur durch Kooperation erreicht. Betrachtet man jedoch die individuelle Nutzenmaximierung, so ist im Gefangenendilemma das einseitige Desertieren die beste Strategie, während die beidseitige Kooperation auch bei der Hirschjagd den meisten individuellen Nutzen bringt. Insofern ist das Dilemma der Hirschjagd leichter im Sinne kollektiver Kooperation zu lösen. Kommt es hier dennoch zur Desertation, dann aus Furcht davor, der andere möge desertieren. In diesem Fall stünde man natürlich schlechter da als bei beidseitigem Desertieren (bzw. Kooperieren). Im Gegensatz dazu liegt der Grund zur Desertation im Gefangenendilemma in der Versuchung, seinen eigenen Nutzen zu maximieren bei gleichzeitiger Hoffnung, der andere möge kooperieren.
  • Welches sind die drei Varianten moralisch begründeter Kooperation?

    Lösung

    Kooperation kann zum einen aufgrund von moralischer Verpflichtung auftreten („Kategorischer Imperativ“). Kooperation kann außerdem auf der Erwiderung von erwarteter Kooperation basieren, da die Norm der Reziprozität in den Menschen verankert ist. Kooperation kann schließlich auch aufgrund der Wertschätzung des Wohls anderer auftreten. Grundlegend hierfür ist eine prosoziale Einstellung, bei der nicht nur der individuelle Nutzen betrachtet wird, sondern auch das Wohl der anderen in die Gesamtbewertung mit einfließt.
  • Was schlägt Hardin (1968) vor, um zu erreichen, dass kooperatives Verhalten zur dominanten Strategie wird?

    Lösung

    Hardin ist der Ansicht, dass Kooperation nicht allein durch den guten Willen des Einzelnen erreicht werden könne. Daher müsse die Anreizstruktur so verändert werden, dass kooperatives Verhalten zur dominanten Strategie wird. Die Werte einer Gesellschaft gilt es so zu verändern, dass egoistisches Handeln als unmoralisch eingestuft und bestraft wird. Hardin schlägt vor, dies durch staatliche Regelungen umzusetzen. Die Bestrafung von Deserteuren soll verhindern, dass allgemeine Güter systematisch aufgebraucht werden, ohne selbst etwas zu geben. Hardins Lösung wird auch unter dem Begriff „mutual coercion mutually agreed upon“ zusammengefasst.
  • Was versteht man unter „Social Neuroscience“ und welches Ziel verfolgt diese Disziplin?

    Lösung

    Das wissenschaftliche Feld „Social Neuroscience“ beschäftigt sich mit den neuronalen Grundlagen sozialpsychologischer Phänomene. Es handelt sich also um eine Verknüpfung der Forschungsbereiche klassische Sozialpsychologie, Kognitionswissenschaften und moderne Neurowissenschaften. Durch diese Kombination aus sozialer und biologischer Herangehensweise sollen die psychologischen Mechanismen von sozialem Erleben und Verhalten besser verstanden werden (Cacioppo & Bernston, 2002). Das Ziel ist dabei nicht nur das Mapping, d. h. das Kennzeichnen von aktivierten Gehirnarealen, sondern vor allem eine umfassende Betrachtungsweise verbunden mit einer integrativen Theorienbildung.
  • Wie funktioniert die funktionelle Magnetresonanztomografie und was ist das Besondere daran?

    Lösung

    Die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) baut auf der Magnetresonanztomografie (= Kernspintomografie) auf. Diese ermöglicht das Sichtbarmachen von unterschiedlichen Hirnstrukturen, Blutgefäßen, Ventrikeln, etc. mithilfe des Magnetfeldes des Scanners, der elektromagnetischen Spulen sowie mithilfe der magnetischen Eigenschaften der menschlichen Wasserstoffatome.
    Dieses Prinzip wird um den funktionellen Aspekt der fMRT erweitert. Das Besondere hierbei ist, dass mit diesem Verfahren die Aktivität einzelner Hirnregionen gemessen und farblich dargestellt werden kann. Zusätzlich ist die räumliche Auflösung extrem hoch.
    Für die Funktionsweise der fMRT sind zwei Phänomene besonders relevant: die funktionelle Hyperämie (O2-Überschuss in aktiven Hirnregionen) sowie der BOLD-Effekt („blood oxygenation level dependent“; die magnetischen Eigenschaften des Blutes sind abhängig vom Blutsauerstoffgehalt). Sind nun also bestimmte Hirnareale aktiviert, kommt es zu einem erhöhten Blutfluss in diese Hirnregionen, was dort eine erhöhte Anreicherung an O2 zur Folge hat. Da das sauerstoffreiche Blut Oxyhämoglobin kaum magnetisch ist, wird in der aktiven Region das statische Magnetfeld des Scanners nicht gestört. Dies geht wiederum mit einem stärkeren fMRT-Signal einher, das schlussendlich gemessen wird. Mittels fMRT können also neuronale Aktivitätsunterschiede indirekt erfasst werden: Durch Veränderungen im Blutsauerstoffgehalt wird indirekt auf die Gehirnaktivität geschlossen.
  • Was versteht man unter „Theory of Mind“ und welche Gehirnareale sind hierbei von Bedeutung?

    Lösung

    Als Theory of Mind (ToM; Premack & Woodruff, 1978) wird die Fähigkeit bezeichnet, mentale Zustände anderer Personen zu erkennen. Es geht also darum, eine Vorstellung über die Bewusstseinsvorgänge anderer Menschen, also über deren Gedanken, Gefühle und Absichten zu haben. Die Zuschreibung internaler Zustände, die nach außen hin nicht sichtbar sind, wird auch als Mentalisieren bezeichnet. Experimentell wird die ToM mithilfe des False-Belief-Paradigmas überprüft. Hierbei wird getestet, ob die Vp – trotz eines Informationsprivilegs gegenüber einer anderen Person – erkennt, dass andere Menschen auch andere Überzeugungen haben können, selbst wenn diese falsch sind.
    Auf neuronaler Ebene sind für die ToM zwei Gehirnareale relevant: der temporoparietale Übergang (TPJ) und der mediale präfrontale Kortex (mPFC). Ersterer ist v. a. beim Erkennen von Handlungsabsichten von Bedeutung während der mPFC vorwiegend aktiv ist, wenn es sich um High-Level-Aufgaben bzw. die überdauernde Zuschreibung mentaler Zustände handelt.
  • Was ist mit „kortikalen Mittellinienarealen“ (CMS) gemeint und welche funktionale Spezialisierung kommt einzelnen Teilbereichen de CMS zu?

    Lösung

    Als kortikale Mittellinienareale („cortical midline structures“; CMS) werden diejenigen Gehirnareale zusammengefasst, die bei selbstbezogenen Prozessen aktiviert sind. Eine Vielzahl neurowissenschaftlicher Befunde konnte nämlich zeigen, dass sich ganz spezifische Aktivierungsmuster zeigen, sobald das eigene Selbst involviert ist. Diese Aktivierungsmuster beziehen sich auf Areale, die entlang der Mittellinie des menschlichen Gehirns angesiedelt sind (vgl. Northoff et al., 2006). Hierzu zählen u. a. Teile des PFC, des ACC sowie Bereiche des PCC.
    Innerhalb der CMS lassen sich 3 Bereiche, auch Cluster genannt, anatomisch und funktional voneinander abgrenzen: 1. das ventrale Cluster (vmPFC, pACC): Wahrnehmung externaler oder internaler Stimuli als selbstbezogen; 2. das dorsale Cluster (dmPFC, sACC): Evaluation selbstbezogener Stimuli; 3. das posteriore Cluster (pCC, Precuneus): Einordnung von neuer, selbstbezogener Information in den emotionalen und autobiografischen Kontext.
  • Inwiefern decken sich klassisch-sozialpsychologische Befunde zum Hilfeverhalten gegenüber Eigen-und Fremdgruppe mit neurowissenschaftlichen Befunden?

    Lösung

    Neurowissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit dem Bereich Empathie und Hilfeverhalten gegenüber Eigen- und Fremdgruppenmitgliedern beschäftigen, konnten ebenfalls zeigen, dass das Ausmaß an empfundener Empathie bzw. Hilfeleistung davon abhängig ist, wie wir die jeweilige Person wahrnehmen und bewerten. So fanden Marthur et al. (2010) höhere Aktivität in Empathie-bezogenen Arealen (mPFC), wenn es sich um Empathie gegenüber Mitgliedern der Eigengruppe handelte. In einer klassischen Studie machten Singer et al. (2006) wahrgenommene Fairness als wichtigen Faktor aus: Nehmen wir eine Person als fair wahr, so erhöht sich auch unser empathisches Empfinden gegenüber dieser Person, was sich in einer stärkeren Aktivierung der AI sowie des ACC widerspiegelt. Wird die Person dagegen als unfair betrachtet (und daher einer symbolischen Fremdgruppe zugeordnet), so ist eine reduzierte Aktivität in den entsprechenden Arealen erkennbar sowie zusätzlich Aktivität im Nucleus accumbens. Dies kann im Sinne von erlebter Schadenfreude gegenüber dieser Person interpretiert werden. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Hein et al. (2010): Sie fanden, dass Mitgliedern der Eigengruppe häufiger geholfen wurde, wobei das Helfen von einer Aktivierung der AI begleitet war. Das Nichthelfen wurde dagegen am besten durch die Aktivierung im Nucleus accumbens vorausgesagt.
  • Fertig!

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