Zusammenfassung

Psychologie der Persönlichkeit

Inhalt

Kapitel 1: Persönlichkeit in Alltag, Wissenschaft und Praxis

Kapitel 2: Sechs Paradigmen der Persönlichkeitspsychologie

Kapitel 3: Methodik

Kapitel 4: Persönlichkeitsbereiche

Kapitel 5: Umwelt und Beziehung

Kapitel 6:  Persönlichkeitsentwicklung

Kapitel 7: Geschlechtsunterschiede

Kapitel 8: Persönlichkeit im Kulturvergleich

Kapitel 9: Nachwort: Unterschiede sind menschlich

 

Kapitel 1: Persönlichkeit in Alltag, Wissenschaft und Praxis

Zusammenfassung

Wer sich mit der Psychologie als Wissenschaft beschäftigt, tut dies immer vor dem Hintergrund der Alltagspsychologie – der von den meisten Mitgliedern einer Kultur geteilten Annahmen über das Erleben und Verhalten von Menschen. Wir alle nehmen das Verhalten anderer Menschen und unser eigenes Erleben und Verhalten durch die Brille der Alltagspsychologie wahr. Dazu gehören auch Vorstellungen darüber, was die Persönlichkeit eines Menschen ausmacht und wie sie zu erklären ist. Wissenschaftliche Persönlichkeitskonzepte gehen über diese naiven Vorstellungen hinaus. Sie lassen sich in Paradigmen gliedern, die bestimmten wissenschaftlichen Kriterien genügen sollen. Besonders streng sind diese Anforderungen bei empirischen Wissenschaften, deren Aussagen sich anhand von Beobachtungsdaten überprüfen lassen müssen. Das psychoanalytische Persönlichkeitskonzept beispielsweise ist zwar ein wissenschaftliches Paradigma, genügt aber nicht den strengen Anforderungen an eine empirische Persönlichkeitspsychologie, deren Methoden, Ergebnisse und Anwendungen in der Praxis in diesem Lehrbuch dargestellt werden.

Lernziele

  • Verwendung von Persönlichkeitseigenschaften im Alltag besser verstehen
  • Unterschiede zwischen dem Alltagsbegriff der Persönlichkeit und wissenschaftlichen Konzepten der Persönlichkeit benennen können
  • psychoanalytische Persönlichkeitskonzepte aus Sicht der empirischen Psychologie beurteilen können 
  • einen ersten Überblick über Anwendungsmöglichkeiten der Persönlichkeitspsychologie in der beruflichen Praxis gewinnen

 

Kapitel 2: Sechs Paradigmen der Persönlichkeitspsychologie

Zusammenfassung

Wie alle empirischen Wissenschaften lässt sich auch die heutige Persönlichkeitspsychologie in mehrere Paradigmen gliedern: Bündel theoretischer Leitsätze, Fragestellungen und Methoden zu ihrer Beantwortung. Diese Paradigmen lassen sich historisch bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. In diesem Kapitel werden die sechs wichtigsten Paradigmen der heutigen empirischen Psychologie dargestellt. Es geht dabei nicht darum, das Lebenswerk ihrer Begründer auszubreiten oder die zahllosen Verästelungen und Sackgassen ihrer historischen Entwicklung zu beschreiben. Vielmehr geht es darum, einige Hauptlinien ihrer Entwicklung nachzuzeichnen und die Fragestellungen, Methoden und Hauptergebnisse der sechs Paradigmen an wenigen Beispielen zu skizzieren. Erst in den nachfolgenden Kapiteln werden diese Methoden genauer geschildert, die Ergebnisse inhaltsbezogen dargestellt und Anwendungen in der Praxis exemplarisch geschildert.

Lernziele

  • Fragestellungen, Methoden und Entstehungsgeschichte der heutigen Paradigmen der empirischen Persönlichkeitspsychologie nachvollziehen können
  • einige Hauptergebnisse dieser Paradigmen schildern können

 

Kapitel 3: Methodik

Zusammenfassung

Anwendungen der empirischen Persönlichkeitspsychologie in beruflicher Praxis und Wissenschaft setzen voraus, dass die Persönlichkeitsvariation, d. h. Persönlichkeitsunterschiede in einer oder mehreren Persönlichkeitseigenschaften, empirisch beschrieben wird. Dazu müssen Personen nach ihrer Persönlichkeit klassifiziert oder ihre Persönlichkeitseigenschaften gemessen werden. In diesem Kapitel wird zunächst eine Übersicht über Methoden gegeben, die das leisten. Anschließend werden zwei anspruchsvollere Methoden der empirischen Persönlichkeitsforschung skizziert, die zunehmend Verwendung finden: Mehrebenenmodelle und Kreuzkorrelationsdesigns. Wie auch bei der Darstellung von Faktoren- und Clusteranalysen werden nur Grundprinzipien anhand konkreter Beispiele geschildert, um Ergebnisse, die mithilfe dieser Methoden gewonnen werden, interpretieren zu können. Wer diese Methoden selbst anwenden möchte, sollte zusätzlich ein Statistikbuch konsultieren.

Lernziele

  • Beurteilerübereinstimmung zufallskorrigiert feststellen können,
  • Eigenschaften auf Skalen verschiedenen Niveaus messen können
  • die Reliabilität und Validität von Eigenschaftsmessungen bestimmen können
  • den Nutzen der Spearman-Brown-Formel verstehen
  • Zusammenhänge zwischen Eigenschaftsvariablen mit Korrelationen beschreiben können
  • Prinzipien der Eigenschaftserfassung durch Beurteilung und Verhaltenserfassung verstehen
  • Prinzipien der Eigenschaftserfassung im Alltag und Labor verstehen
  • Ergebnisse von Faktorenanalysen interpretieren können
  • die Ähnlichkeit von Persönlichkeitsprofilen und auf dieser Basis Persönlichkeitstypen bestimmen können
  • eine Übersicht über Persönlichkeitsstörungen und ihre Erfassung bekommen
  • Ergebnisse von Mehrebenenanalysen interpretieren können
  • Ergebnisse von Kreuzkorrelationsanalysen interpretieren können

Kapitel 4: Persönlichkeitsbereiche

Zusammenfassung

In diesem Kapitel werden inhaltliche Ergebnisse der empirischen Persönlichkeitspsychologie zu verschiedenen Persönlichkeitsbereichen exemplarisch dargestellt. Es geht also nicht darum, eine ausgewogene Übersicht über die inzwischen gewaltige Literatur zu einzelnen Persönlichkeitsbereichen zu geben, sondern an ausgewählten Beispielen typische Konstrukte, Ergebnisse und methodische Probleme darzustellen. Bisher gibt es in der Persönlichkeitspsychologie kein funktionsorientiertes Gliederungsschema, das sich allgemein durchgesetzt hätte. Um den Einstieg in die weiterführende Literatur zu erleichtern, orientiert sich die hier vorgenommene Gliederung an traditionellen persönlichkeitspsychologischen Forschungsthemen, z. B. physische Merkmale, Temperament und Fähigkeiten. Ich habe aber versucht, an einigen Stellen funktional Verwandtes, aber traditionell Getrenntes unter einem gemeinsamen Dach zusammenzubringen: Motive, Erwartungs- und Attributionsstile als Handlungsdispositionen, Werthaltungen und Einstellungen als Bewertungsdispositionen und Selbstkonzept, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstheit, Selbstüberwachung, Narzissmus und Wohlbefinden als selbstbezogene Dispositionen. Jedes Unterkapitel endet mit einer exemplarischen Anwendung der Forschung, Fragen und Literatur.

Lernziele

  • Halo-Effekte bei der Wahrnehmung physischer Merkmale verstehen und die eigene Wahrnehmung entsprechend korrigieren können
  • die Bedeutung der physischen Attraktivität besser verstehen

 

Kapitel 5: Umwelt und Beziehung

Zusammenfassung

In der Psychologie wird unter der Umwelt eines Menschen die Gesamtheit aller externen Bedingungen verstanden, die sein Erleben und Verhalten beeinflussen. In der Persönlichkeitspsychologie wird dieser Umweltbegriff auf regelmäßig wiederkehrende Situationen eingegrenzt: So wie es mittelfristig stabile Persönlichkeitseigenschaften gibt, gibt es auch mittelfristig stabile Umwelteigenschaften, die Personen charakterisieren. In diesem Kapitel werden diese Umwelteigenschaften, Beziehungen zwischen Umwelt und Persönlichkeit und Methoden zu deren Erfassung diskutiert. Ferner werden persönliche Beziehungen als zentrale Aspekte der persönlichen Umwelt vorgestellt und am Beispiel von egozentrierten Netzwerken und ausgewählten Beziehungen (Eltern-Kind- und Partnerbindung) erörtert. Schließlich wird diskutiert, welchen Beitrag die Persönlichkeitspsychologie zur professionellen Partnervermittlung leisten kann. Einflüsse von Umweltbedingungen auf die Persönlichkeit und umgekehrt werden erst in Kap. 6 diskutiert.

 

Kapitel 6: Persönlichkeitsentwicklung

Zusammenfassung

In diesem Kapitel wird an das dynamisch-interaktionistische Paradigma angeknüpft, das von langfristigen Eigenschaftsänderungen trotz mittelfristiger Stabilität ausgeht (vgl. ▶ Kap. 2.3). Ändern sich einzelne Eigenschaftswerte einer Person, ändert sich auch ihre Persönlichkeit im Sinne der Gesamtheit aller Persönlichkeitseigenschaften: Persönlichkeitsentwicklung hat stattgefunden. Über die Veränderung bestehender Eigenschaften hinaus wird von Persönlichkeitsentwicklung auch dann gesprochen, wenn instabile Tendenzen des Erlebens oder Verhaltens in stabile Persönlichkeitseigenschaften überführt werden, also eine Stabilisierung der Persönlichkeit zu beobachten ist. Das ist vor allem in der frühen Kindheit der Fall. Auch der umgekehrte Fall einer Destabilisierung kommt vor und ist Ausdruck von Persönlichkeitsentwicklung. Langfristige Persönlichkeitsentwicklung setzt somit stets eine mittelfristig stabile Persönlichkeit voraus. Mit anderen Worten: Ohne mittelfristige Stabilität zu einem gegebenen Zeitpunkt wäre langfristige Persönlichkeitsentwicklung gar nicht beobachtbar. In diesem Kapitel werden zunächst wichtige Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung diskutiert: Stabilität, Kontinuität und Vorhersagekraft der Persönlichkeit. Anschließend wird die Frage nach der Erklärung der Persönlichkeit und ihrer Entwicklung gestellt: Wie wirken genetisches Erbe und individuelle Umwelt bei der Entstehung und Veränderung von Persönlichkeitseigenschaften zusammen?

Lernziele

  • ​Verstehen, was Stabilität und Kontinuität bedeutet
  • die Konzepte Mittelwertsstabilität, Rangordnungsstabilität und differentielle Stabilität voneinander abgrenzen können
  • erklären können, was unter genetischem Einfluss auf Persönlichkeitsunterschiede bzw. Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen ist und welche Rolle Umwelteinflüsse dabei spielen
  • Wechselwirkungsprozess zwischen Anlage und Umwelt an ausgewählten Beispielen nachvollziehen können

 

Kapitel 7: Geschlechtsunterschiede

Zusammenfassung

Das Thema dieses Kapitels, psychologische Geschlechtsunterschiede, ist immer noch stark emotional und ideologisch besetzt, auch wenn die Töne in der Diskussion gegenüber den 1970er- und 1980er-Jahren moderater und differenzierter geworden sind. Hier geht es um eine nüchterne, wissenschaftliche Betrachtung dieser Geschlechtsunterschiede: Wie groß sind Geschlechtsunterschiede in welchen Persönlichkeitsmerkmalen in welchem Alter in welchen Kulturen, wie entwickeln sich diese Unterschiede und wie ist ihre Entwicklung zu erklären? Im Gegensatz zu den vorangegangenen Kapiteln wird also im Folgenden die interkulturelle Perspektive mit einbezogen.

Lernziele

  • Entwicklung der Geschlechtsunterschiede in Grundzügen kennen
  • tatsächliche Größe psychologischer Geschlechtsunterschiede einschätzen können
  • Geschlechtsstereotype dementsprechend kritisch hinterfragen können
  • die vielfältigen Prozesse, die zu Geschlechtsunterschieden führen, in ihrem Zusammenhang einordnen können

 

Kapitel 8: Persönlichkeit im Kulturvergleich

Zusammenfassung

Schon im vorangegangenen Kapitel wurde bei der Diskussion von Geschlechtsunterschieden die interkulturelle Perspektive mit einbezogen: Wie stark variieren psychologische Geschlechtsunterschiede zwischen unterschiedlichen Kulturen? In diesem letzten Kapitel wird das Verhältnis von Kultur und Persönlichkeit systematischer behandelt: Wie stark variieren Persönlichkeitsunterschiede und ihre Bedingungen und Konsequenzen zwischen unterschiedlichen Kulturen und warum?

Lernziele

  • Methoden kennen, wie Persönlichkeitsunterschiede auf derselben Dimension zwischen verschiedenen Kulturen vergleichbar gemacht werden können
  • verschiedene Gründe dafür kennen, dass sich Persönlichkeitseigenschaften in ihrer Verteilung zwischen Kulturen unterscheiden
  • den Begriff der Rasse kritisch hinterfragen
  • Unterschiede zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturen benennen können

 

Kapitel 9: Nachwort: Unterschiede sind menschlich